Afrika im Mittelalter
Ghana, Mali, Songhai, Großzimbabwe — afrikanische Hochkulturen jenseits der bekannten Geschichte.
Afrika war im Mittelalter keinesfalls "geschichtslos", wie europäische Klischees lange behaupteten. Mehrere blühende Reiche, kosmopolitische Handelsmetropolen und beeindruckende Bauleistungen entstanden hier.
Reiche Westafrikas
Ghana (~700-1240)
Im heutigen Mauretanien und Mali (nicht im heutigen Ghana!). Wirtschaftsbasis: Gold aus dem Süden, Salz aus der Sahara. Hauptstadt Kumbi Saleh.
Mali (1235-1670)
Nachfolge-Reich Ghanas. Höhepunkt unter Mansa Musa (1312-1337):
- Vermutlich reichster Mensch der Geschichte (in heutigem Geld: ~400 Mrd. Dollar)
- Pilgerfahrt nach Mekka 1324 — mit 60.000 Begleitern und tonnenweise Gold
- Sein Gold-Geschenk in Kairo verursacht eine 10-jährige Inflation in Ägypten
- Stadt Timbuktu mit der Sankoré-Universität wird Gelehrtenzentrum
Songhai (1340-1591)
Letztes der drei großen westafrikanischen Reiche. Hauptstadt Gao am Niger. Askia Muhammad (1493-1528) führt es zur Hochblüte. 1591 erobern marokkanische Truppen mit Feuerwaffen Songhai — Ende.
Ostafrika
Aksum (~100 v. Chr. - 940 n. Chr.)
Im heutigen Eritrea und Äthiopien. Christianisiert ~330 n. Chr. unter König Ezana — eines der ersten christlichen Reiche überhaupt. Berühmte Stelen von Aksum (bis 33 m hoch). Heutiges Äthiopien führt seine Geschichte bis zu Aksum zurück.
Äthiopien (1137-1974)
Solomonische Dynastie behauptet Abstammung von König Salomo und der Königin von Saba. Christlich-orthodox. Berühmte Felsenkirchen von Lalibela (12./13. Jh.) — in den Stein gehauene Kirchen.
Suaheli-Küste
Von Mogadischu bis Mosambik: Handelsstädte (Mombasa, Sansibar, Kilwa, Mafia) verbinden Afrika mit Arabien, Persien, Indien, China. Mischsprache Swahili entsteht (bantu mit arabischen Einflüssen). 1331 besucht Ibn Battuta Kilwa — schwärmt von der Pracht.
Südafrika
Großzimbabwe (~1100-1450)
Im heutigen Simbabwe. Steinerne Großbauten ohne Mörtel, bis zu 11 m hohe Mauern. Hauptstadt eines Reichs, das vom Goldhandel zur Suaheli-Küste lebte. Bevölkerung der Hauptstadt: 18.000.
Als Europäer im 19. Jh. die Ruinen entdeckten, glaubten sie zunächst nicht, dass Afrikaner sie gebaut hatten — Rassismus, der die Erforschung lange behinderte. Heute klar: rein afrikanische Schöpfung.
Königreich Kongo (1390-1857)
Im heutigen Angola, Kongo, Gabun. Erste Kontakte mit Portugiesen 1483. König Nzinga Mbemba (Afonso I., 1509-1542) konvertiert zum Christentum, bittet aber Portugal vergeblich, den Sklavenhandel zu stoppen, der sein Reich destabilisiert.
Sahara als Handelsraum
Die Sahara war keine Trennlinie, sondern ein Verbindungsraum:
- Karawanen mit Kamelen
- Hauptware: Gold (40 % der Welt-Goldproduktion kam aus Westafrika)
- Andere Waren: Salz, Sklaven, Kola-Nüsse, Elfenbein, Textilien
- Routen: Marokko-Timbuktu, Tunis-Hausa, Ägypten-Tschadsee
Islam in Afrika
Ab dem 8. Jh. dringt der Islam nach Süden vor:
- Nordafrika sehr schnell muslimisch
- Sahelzone: ab 11. Jh.
- Eliten oft muslimisch, einfache Bevölkerung bleibt teils traditionell
- Suaheli-Küste: Mischung Bantu + Islam
- Heute: 1/3 der Afrikaner sind Muslime
Was lange übersehen wurde
- Afrikanische Eisenverarbeitung war oft fortgeschritten
- Mündliche Überlieferungen ("Griots") sind enorm reich
- Universitäten in Timbuktu, Kairo (Al-Azhar 970), Fes hatten Tausende Studenten
- Afrikanische Mathematik, Medizin, Astronomie waren oft beachtlich
⚜ Timbuktu — Stadt der Bücher
Timbuktu (heute Mali) war im 14.-16. Jh. eine der wichtigsten Universitäts- und Bibliotheksstädte der Welt. Geschätzte 700.000 Manuskripte zu Astronomie, Medizin, Recht und Theologie sind noch heute erhalten — viele wurden 2012 vor Islamisten gerettet, indem sie versteckt aus der Stadt geschmuggelt wurden.