Friedrich I. Barbarossa
Der Rotbart — Staufer-Kaiser, der seinen Mythos im Kyffhäuser fand und im Kreuzzug starb.
Friedrich I. Barbarossa ("Rotbart", 1122-1190) ist eine der bekanntesten Figuren der deutschen Geschichte. Als Kaiser des Heiligen Römischen Reichs prägte er das Hochmittelalter — und wurde zum mythischen "Kyffhäuser-Kaiser".
Herkunft
- Geboren ~1122
- Vater: Friedrich II. von Schwaben (Staufer)
- Mutter: Judith von Bayern (Welfin)
- Doppelte Abstammung — verbindet zwei rivalisierende Häuser
- Onkel: König Konrad III. (Staufer)
Königswahl (1152)
- 1152: nach Konrads Tod wird Friedrich zum deutschen König gewählt
- Hoffnung auf Aussöhnung von Staufern und Welfen
- 4. März 1152: Krönung in Aachen
Italienzüge (sechs!)
Friedrichs Italienpolitik ist sein zentrales Werk:
1. Italienzug (1154-1155)
- 18. Juni 1155: Kaiserkrönung durch Papst Hadrian IV. in Rom
- Arnold von Brescia (Reformer) wird ausgeliefert und hingerichtet
2. Italienzug (1158-1162)
- Reichstag auf den Roncalischen Feldern (1158): Regalienrechte des Kaisers festgelegt
- Streit mit Papst Hadrian IV.
- Eroberung und Zerstörung Mailands (1162)
3. Italienzug (1163-1164)
Kurz, vor allem politisch.
4. Italienzug (1166-1168)
- Eroberung Roms
- Aber: Malaria-Epidemie dezimiert Heer
- Friedrich muss zurück
- 1167: Lombardischer Städtebund entsteht — wehrt sich gegen Kaiser
5. Italienzug (1174-1178)
- 29. Mai 1176: Schlacht von Legnano — Friedrich wird vom Lombardenbund besiegt
- Friedrich vom Pferd, gilt als tot — erscheint dann wieder
- Bürgermilizen besiegen kaiserliche Ritter — Zeitenwende
- 1177: Friede von Venedig — Versöhnung mit Papst Alexander III.
- 1183: Friede von Konstanz — Lombardenstädte erhalten Selbstverwaltung
6. Italienzug (1184)
Diplomatischer Zug — Reichstag in Mainz.
Innenpolitik in Deutschland
Streit mit Heinrich dem Löwen
- Heinrich der Löwe, Herzog von Sachsen und Bayern (Welfen-Familie) — mächtigster Vasall
- 1176: weigert sich, in Italien zu unterstützen — Friedrich legt das Heinrich an
- 1180: Gelnhausener Urkunde — Heinrich wird abgeurteilt
- Sachsen wird unter Adlige aufgeteilt
- Bayern geht an die Wittelsbacher (regieren bis 1918)
- Heinrich der Löwe muss ins Exil nach England
Mainzer Hoftag (1184)
- Glanzpunkt seiner Herrschaft
- Fürsten aus ganz Europa
- Söhne werden zu Rittern geschlagen
- 40.000 Ritter sollen anwesend gewesen sein
- Ein gigantisches Fest
Beinamen
- Barbarossa: italienisch für "Rotbart"
- Friedrichs Bart war wirklich rot — anders als sein blondes Haar
- Italiener verspotten ihn so — er macht es zum Markenzeichen
Dritter Kreuzzug (1189-1190)
- 1187: Saladin erobert Jerusalem zurück
- Drei Königliche brechen auf: Friedrich (Dt.), Richard Löwenherz (Engl.), Philipp II. (Franz.)
- Frühjahr 1189: Friedrich zieht mit 20.000 Mann los — größtes Heer des Kreuzzugs
- Marsch durch Byzanz (Konflikte), dann Anatolien
- 10. Juni 1190: Friedrich ertrinkt im Saleph (heute Göksu, Türkei)
- Beim Versuch, den Fluss zu durchqueren
- Kreuzzug zerfällt teilweise
Tod und Begräbnis
- Leiche teilweise gekocht, um die Knochen mitzunehmen
- Begraben in: Antiochia (Innereien), Tyros (Fleisch), Plan war Jerusalem (Knochen) — aber nicht erreicht
- Endgültige Ruhestätte: unbekannt
Familie
- 1. Ehe: Adela von Vohburg — annulliert
- 2. Ehe: Beatrix von Burgund — bringt Burgund mit
- 11 Kinder
- Nachfolger: Sohn Heinrich VI.
- Enkel: Friedrich II.
Kyffhäuser-Sage
Im Mittelalter entsteht die Legende:
- Friedrich Barbarossa schlafe im Kyffhäuser (Thüringen)
- Sein roter Bart wachse durch den Steinernen Tisch
- Wenn die Raben den Berg verlassen, kehre er zurück
- Dann werde er Deutschland zu neuer Größe führen
Die Legende wurde im 19. Jh. national umgedeutet — Wilhelm I. wurde als der "neue Barbarossa" gesehen. 1896: Kyffhäuser-Denkmal eingeweiht.
Bedeutung
Politisch
- Symbol kaiserlicher Macht im Mittelalter
- Aber: konnte Italien letztlich nicht beherrschen
- Lombarden-Sieg von Legnano (1176): Vorbote des Aufstiegs der Stadt-Bürgermilizen
- Sturz Heinrichs des Löwen: zentralisierte das Reich nicht — sondern fragmentierte es weiter
Mythos
- Kyffhäuser-Sage als deutscher Mythos
- Mussten Friedrich Barbarossa in der NS-Zeit als germanischer Heiliger missbrauchen
- "Unternehmen Barbarossa" (1941): Hitler nannte den Russland-Feldzug nach ihm — die deutsche Niederlage 1942/43 wurde zur ironischen Antwort
Charakter
- Großer Charme und Ausstrahlung
- Tapferer Ritter
- Stolz auf sein Herrscher-Amt
- Grausam wenn nötig (Mailand-Zerstörung)
- Gleichzeitig: höfisch, gebildet, polyglott
- Tiefe Frömmigkeit
Kunst
- Cappenberger Barbarossakopf (vergoldete Bronze, 12. Jh.) — bekanntestes Bildnis
- Mosaike in Italien
- Heine: "Deutschland. Ein Wintermärchen" (1844) — spöttische Verarbeitung
⚜ "Komm Barbarossa!"
Im 19. Jh. wurde Barbarossa zum nationalen Mythos. Friedrich Rückerts Gedicht "Barbarossa" (1817) wurde Schulstoff:
"Der alte Barbarossa, der Kaiser Friederich, im unterirdischen Schlosse hält er verzaubert sich. Er ist niemals gestorben, er lebt darin noch jetzt; er hat im Schloss verborgen zum Schlaf sich hingesetzt."