Römischer Kaiser · 272 - 337 n. Chr.

Konstantin der Große

272 n. Chr. – 337 n. Chr.

Der Kaiser, der das Christentum etablierte und Konstantinopel gründete — Wendepunkt der Antike.

Konstantin der Große (etwa 272-337) ist einer der wirkmächtigsten Kaiser der Geschichte. Er machte das Christentum staatsfähig und gründete Konstantinopel — beides veränderte den Lauf der Weltgeschichte.

Herkunft

  • Geboren ~272 n. Chr. in Naissus (heute Niš, Serbien)
  • Vater: Constantius Chlorus, später Caesar im Westen
  • Mutter: Helena — angeblich Gastwirtstochter, später als Heilige verehrt (sie soll das Kreuz Christi in Jerusalem gefunden haben)
  • Konstantin wächst am Hof Diokletians auf — als Geisel und Aufrücker zugleich

Aufstieg zur Macht

Diokletians Tetrarchie

  • 284: Diokletian reformiert das Reich
  • 293: Tetrarchie — 4 Kaiser regieren gemeinsam (2 Augusti, 2 Caesares)
  • 305: Diokletian und Maximian danken ab — Konstantins Vater wird Augustus

Tod des Vaters und Erhebung

  • 306: Constantius Chlorus stirbt in York (Britannien)
  • Soldaten erheben Konstantin zum Augustus
  • Aber: andere Augusti weigern sich
  • Beginn eines komplizierten Bürgerkriegs

Bürgerkrieg (306-324)

  • Mehrere Rivalen müssen besiegt werden
  • Wichtigster Gegner im Westen: Maxentius (Sohn Maximians)

Schlacht an der Milvischen Brücke (28. Oktober 312)

Der entscheidende Moment:

  • Vor der Schlacht: Konstantin habe eine Vision gehabt
  • "In hoc signo vinces" — "In diesem Zeichen wirst du siegen"
  • Soldaten malten das Christus-Monogramm (Chi-Rho, ☧) auf ihre Schilde
  • Konstantin gewinnt — Maxentius ertrinkt im Tiber
  • Konstantin zieht in Rom ein

Die Geschichtsforschung ist sich uneins, ob Konstantin tatsächlich eine Vision hatte. Sicher ist: Er begann, sich mit den Christen zu identifizieren.

Mailänder Edikt (313)

Konstantin und sein Mitkaiser Licinius treffen sich in Mailand:

  • Christentum wird erlaubt
  • Religionsfreiheit für alle Religionen
  • Beschlagnahmte Kirchengüter werden zurückgegeben
  • Ende der Christenverfolgungen

Konstantin selbst wurde erst auf dem Totenbett getauft — aber er förderte das Christentum massiv.

Alleinherrscher (324)

  • 324: besiegt Licinius — Konstantin ist alleiniger Kaiser
  • Zum ersten Mal seit Diokletian ist das Reich wieder unter einem Kaiser

Reformen

Verwaltung

  • Diokletians Provinzen-System fortgeführt
  • Trennung von ziviler und militärischer Verwaltung
  • Beamtenhierarchie

Wirtschaft

  • Neue Goldmünze: Solidus — wird Leitwährung des Mittelmeerraums für 1.000 Jahre
  • Inflation bekämpft

Militär

  • Mobile Feldarmeen (comitatenses) statt nur Grenztruppen
  • Mehr Kavallerie
  • Germanen werden zunehmend in der Armee

Konzil von Nicäa (325)

Konstantin beruft ~300 Bischöfe nach Nicäa (heute İznik) ein, um Streitfragen zu klären:

  • Hauptfrage: Arianischer Streit — ist Christus Gott oder Geschöpf?
  • Konzil entscheidet: Christus ist wesensgleich (homoousios) mit Gott
  • Nicäisches Glaubensbekenntnis — Grundlage der christlichen Theologie
  • Auch Ostertermin und Bischöfen-Hierarchie geregelt

Gründung Konstantinopels (330)

Das wohl folgenreichste Werk Konstantins:

  • An der Stelle der griechischen Stadt Byzantion
  • Strategische Lage am Bosporus zwischen Europa und Asien
  • "Neues Rom" als zweite Hauptstadt
  • 11. Mai 330: feierliche Einweihung
  • Aus diesem Konstantinopel entsteht Byzanz, das das Reich um 1.000 Jahre überlebt

Förderung des Christentums

  • Kirchen werden gebaut — Petersdom-Vorgänger, Lateranbasilika, Geburtskirche in Bethlehem, Grabeskirche in Jerusalem
  • Bischöfe erhalten staatliche Privilegien
  • Sonntag wird Ruhetag (321)
  • Christliche Symbole auf Münzen
  • Aber: Konstantin tritt nie offen aus dem Sonnenkult aus — bleibt formal Pontifex Maximus

Schattenseiten

  • 326: lässt seinen ältesten Sohn Crispus hinrichten — Gründe unklar
  • Bald darauf: lässt seine Frau Fausta hinrichten
  • Möglich: politische Intrigen, Sittlichkeitsskandal
  • Brutale Bürgerkriegsführung

Tod und Taufe

  • 337 n. Chr.: erkrankt schwer
  • Lässt sich kurz vor dem Tod taufen (durch Eusebius von Nikomedia, einen Arianer!)
  • Stirbt am 22. Mai 337 bei Nikomedia (heute İzmit)
  • Bestattet in der Apostelkirche von Konstantinopel

Nachfolger

Reich wird unter seinen drei Söhnen geteilt — Bürgerkriege folgen. Aber: Konstantin-Dynastie regiert bis 363.

Bedeutung

Religion

  • Christentum wird vom Verfolgten zur Staatsreligion (380 unter Theodosius)
  • Verschmelzung von Staat und Kirche bis ins 20. Jh.
  • Christliche Europa-Kultur

Politik

  • Konstantinopel als Zentrum — Verlagerung der Macht nach Osten
  • Modell der christlichen Monarchie
  • Cäsaropapismus in Byzanz

Erinnerung

  • Konstantin wird in der Ostkirche als Heiliger verehrt
  • "Konstantinische Schenkung": gefälschtes Dokument, das die weltliche Macht des Papstes legitimieren sollte (bis ins 15. Jh. geglaubt)
  • Konstantinsbogen in Rom
  • Hagia Sophia (von Justinian, aber auf konstantinischen Fundamenten)

Streitfrage: War Konstantin Christ?

Bis heute umstritten:

  • Pro: Förderte das Christentum massiv, baute Kirchen, berief Konzile
  • Contra: Behielt Sonnenkult-Symbole, ließ sich erst sterbend taufen, war Pontifex Maximus
  • Vermutlich: politisch genial — er sah, dass das Christentum die Zukunft war

⚜ Mutter Helena und das Wahre Kreuz

Konstantins Mutter Helena reiste mit ~80 Jahren nach Jerusalem. Sie soll dort das wahre Kreuz Christi gefunden haben (Legende). Sie ließ Kirchen über heiligen Stätten bauen (Grabeskirche, Geburtskirche in Bethlehem). Sie wurde zur Heiligen und Patronin der Archäologen.