Großreich · 753 v. Chr. - 476 n. Chr.

Römisches Reich

753 v. Chr. – 476 n. Chr.

Von der Hirten-Siedlung am Tiber zur Weltmacht — 1200 Jahre Geschichte: Königszeit, Republik, Kaiserzeit, Untergang.

Das Römische Reich ist eines der einflussreichsten Reiche der Weltgeschichte. Über 1.200 Jahre — von der mythischen Gründung 753 v. Chr. bis zum Untergang Westroms 476 n. Chr. — prägte es Europa, Nordafrika und den Vorderen Orient.

Die drei großen Phasen

753-509 v. Chr.
Königszeit (7 legendäre Könige)
509-27 v. Chr.
Republik (SPQR — Senat und Volk von Rom)
27 v. Chr. - 284 n. Chr.
Prinzipat (Augustus bis Diokletian)
284-476 n. Chr.
Dominat (Spätantike, Reichsteilung)

Gründungsmythos

753 v. Chr. soll Romulus Rom gegründet haben — nach dem Brudermord an Remus. Beide waren Söhne der vestalischen Jungfrau Rhea Silvia und des Kriegsgottes Mars, als Säuglinge ausgesetzt, von einer Wölfin gesäugt.

Königszeit (753-509 v. Chr.)

7 Könige, die letzten drei waren Etrusker:

  1. Romulus
  2. Numa Pompilius (Religionsstifter)
  3. Tullus Hostilius
  4. Ancus Marcius
  5. Tarquinius Priscus (Etrusker)
  6. Servius Tullius (Etrusker, Heeresreform)
  7. Tarquinius Superbus (Etrusker, vertrieben)

Republik (509-27 v. Chr.)

Aufbau

  • Senat: 300 Aristokraten (Patrizier)
  • Konsuln: 2 jährlich gewählte Magistrate
  • Volkstribune: schützten die Plebejer
  • Volksversammlungen: wählten Magistrate, beschlossen Gesetze

Eroberung Italiens

4.-3. Jh. v. Chr.: Rom unterwirft alle italienischen Völker (Samniten, Etrusker, Griechen in Süditalien, Kelten in Norditalien).

Mittelmeerraum

Mit den Punischen Kriegen (264-146 v. Chr.) beherrscht Rom das westliche Mittelmeer. Eroberung Griechenlands (146 v. Chr.), Spaniens, Galliens (Caesar, 58-50 v. Chr.).

Bürgerkriege

Im 1. Jh. v. Chr. zerreißen Bürgerkriege die Republik:

  • Marius gegen Sulla (88-82 v. Chr.)
  • Caesar gegen Pompeius (49-45 v. Chr.) — "Alea iacta est" am Rubikon
  • Caesars Ermordung 44 v. Chr. (Iden des März)
  • Octavian gegen Marcus Antonius — Schlacht bei Actium 31 v. Chr.

Kaiserzeit (27 v. Chr. - 476 n. Chr.)

Pax Romana (27 v. Chr. - 180 n. Chr.)

200 Jahre relativer Frieden und Wohlstand. Augustus (27 v. Chr. - 14 n. Chr.) wird erster Kaiser. Es folgen die "guten Kaiser":

  • Augustus
  • Tiberius (Schwiegersohn)
  • Caligula (verrückt, ermordet 41 n. Chr.)
  • Claudius (erobert Britannien)
  • Nero (verfolgte Christen, Selbstmord 68 n. Chr.)
  • Vespasian, Titus, Domitian (Flavier)
  • Trajan (98-117 n. Chr.) — größte Ausdehnung des Reichs
  • Hadrian, Antoninus Pius, Mark Aurel — die "Adoptivkaiser"

Krise des 3. Jahrhunderts (235-284 n. Chr.)

Über 50 Jahre Chaos: 25 Kaiser in 50 Jahren, fast alle ermordet. Einfälle der Germanen, Sassaniden im Osten. Inflation, Bürgerkriege.

Diokletian und Konstantin (284-337 n. Chr.)

Reform und Wiederaufstieg. Diokletian teilt das Reich in 4 Teile (Tetrarchie). Konstantin der Große macht das Christentum 313 n. Chr. zur erlaubten Religion und verlegt die Hauptstadt nach Konstantinopel.

Reichsteilung (395 n. Chr.)

Theodosius teilt das Reich endgültig:

  • Westrom: Rom (Mailand, Ravenna)
  • Ostrom: Konstantinopel (wird zu Byzanz)

Untergang Westroms (476 n. Chr.)

Germanenstürme: 410 Plünderung Roms durch Westgoten unter Alarich. 455 erneut durch Vandalen. 476 n. Chr. wird der letzte weströmische Kaiser Romulus Augustulus vom germanischen Heerführer Odoaker abgesetzt.

Erfindungen und Erbe

  • Recht: Römisches Recht — Grundlage europäischer Rechtsordnungen
  • Architektur: Beton, Bogen, Kuppel, Aquädukte, Thermen
  • Straßen: 80.000 km Straßennetz
  • Sprache: Lateinisch — Grundlage der romanischen Sprachen (Französisch, Italienisch, Spanisch...)
  • Kalender: Julianischer Kalender (Caesar)
  • Verwaltung: Provinzen, Statthalter
  • Christentum: wird im Römischen Reich Staatsreligion

⚜ Warum endete Rom?

Edward Gibbon (18. Jh.) sah das Christentum als Hauptursache. Heute werden mehrere Faktoren genannt: Klimawandel, Pandemien, Wirtschaftskrise, Korruption, militärische Überdehnung, Germanenmigration. Vermutlich war es ein Zusammenwirken aller dieser Faktoren.