Römisches Reich
Von der Hirten-Siedlung am Tiber zur Weltmacht — 1200 Jahre Geschichte: Königszeit, Republik, Kaiserzeit, Untergang.
Das Römische Reich ist eines der einflussreichsten Reiche der Weltgeschichte. Über 1.200 Jahre — von der mythischen Gründung 753 v. Chr. bis zum Untergang Westroms 476 n. Chr. — prägte es Europa, Nordafrika und den Vorderen Orient.
Die drei großen Phasen
- 753-509 v. Chr.
- Königszeit (7 legendäre Könige)
- 509-27 v. Chr.
- Republik (SPQR — Senat und Volk von Rom)
- 27 v. Chr. - 284 n. Chr.
- Prinzipat (Augustus bis Diokletian)
- 284-476 n. Chr.
- Dominat (Spätantike, Reichsteilung)
Gründungsmythos
753 v. Chr. soll Romulus Rom gegründet haben — nach dem Brudermord an Remus. Beide waren Söhne der vestalischen Jungfrau Rhea Silvia und des Kriegsgottes Mars, als Säuglinge ausgesetzt, von einer Wölfin gesäugt.
Königszeit (753-509 v. Chr.)
7 Könige, die letzten drei waren Etrusker:
- Romulus
- Numa Pompilius (Religionsstifter)
- Tullus Hostilius
- Ancus Marcius
- Tarquinius Priscus (Etrusker)
- Servius Tullius (Etrusker, Heeresreform)
- Tarquinius Superbus (Etrusker, vertrieben)
Republik (509-27 v. Chr.)
Aufbau
- Senat: 300 Aristokraten (Patrizier)
- Konsuln: 2 jährlich gewählte Magistrate
- Volkstribune: schützten die Plebejer
- Volksversammlungen: wählten Magistrate, beschlossen Gesetze
Eroberung Italiens
4.-3. Jh. v. Chr.: Rom unterwirft alle italienischen Völker (Samniten, Etrusker, Griechen in Süditalien, Kelten in Norditalien).
Mittelmeerraum
Mit den Punischen Kriegen (264-146 v. Chr.) beherrscht Rom das westliche Mittelmeer. Eroberung Griechenlands (146 v. Chr.), Spaniens, Galliens (Caesar, 58-50 v. Chr.).
Bürgerkriege
Im 1. Jh. v. Chr. zerreißen Bürgerkriege die Republik:
- Marius gegen Sulla (88-82 v. Chr.)
- Caesar gegen Pompeius (49-45 v. Chr.) — "Alea iacta est" am Rubikon
- Caesars Ermordung 44 v. Chr. (Iden des März)
- Octavian gegen Marcus Antonius — Schlacht bei Actium 31 v. Chr.
Kaiserzeit (27 v. Chr. - 476 n. Chr.)
Pax Romana (27 v. Chr. - 180 n. Chr.)
200 Jahre relativer Frieden und Wohlstand. Augustus (27 v. Chr. - 14 n. Chr.) wird erster Kaiser. Es folgen die "guten Kaiser":
- Augustus
- Tiberius (Schwiegersohn)
- Caligula (verrückt, ermordet 41 n. Chr.)
- Claudius (erobert Britannien)
- Nero (verfolgte Christen, Selbstmord 68 n. Chr.)
- Vespasian, Titus, Domitian (Flavier)
- Trajan (98-117 n. Chr.) — größte Ausdehnung des Reichs
- Hadrian, Antoninus Pius, Mark Aurel — die "Adoptivkaiser"
Krise des 3. Jahrhunderts (235-284 n. Chr.)
Über 50 Jahre Chaos: 25 Kaiser in 50 Jahren, fast alle ermordet. Einfälle der Germanen, Sassaniden im Osten. Inflation, Bürgerkriege.
Diokletian und Konstantin (284-337 n. Chr.)
Reform und Wiederaufstieg. Diokletian teilt das Reich in 4 Teile (Tetrarchie). Konstantin der Große macht das Christentum 313 n. Chr. zur erlaubten Religion und verlegt die Hauptstadt nach Konstantinopel.
Reichsteilung (395 n. Chr.)
Theodosius teilt das Reich endgültig:
- Westrom: Rom (Mailand, Ravenna)
- Ostrom: Konstantinopel (wird zu Byzanz)
Untergang Westroms (476 n. Chr.)
Germanenstürme: 410 Plünderung Roms durch Westgoten unter Alarich. 455 erneut durch Vandalen. 476 n. Chr. wird der letzte weströmische Kaiser Romulus Augustulus vom germanischen Heerführer Odoaker abgesetzt.
Erfindungen und Erbe
- Recht: Römisches Recht — Grundlage europäischer Rechtsordnungen
- Architektur: Beton, Bogen, Kuppel, Aquädukte, Thermen
- Straßen: 80.000 km Straßennetz
- Sprache: Lateinisch — Grundlage der romanischen Sprachen (Französisch, Italienisch, Spanisch...)
- Kalender: Julianischer Kalender (Caesar)
- Verwaltung: Provinzen, Statthalter
- Christentum: wird im Römischen Reich Staatsreligion
⚜ Warum endete Rom?
Edward Gibbon (18. Jh.) sah das Christentum als Hauptursache. Heute werden mehrere Faktoren genannt: Klimawandel, Pandemien, Wirtschaftskrise, Korruption, militärische Überdehnung, Germanenmigration. Vermutlich war es ein Zusammenwirken aller dieser Faktoren.