Mongolen-Khan · ca. 1162 - 1227

Dschingis Khan

1162 n. Chr. – 1227 n. Chr.

Vom Stammessohn zum Beherrscher des größten Landreichs der Geschichte — Temüdschin.

Dschingis Khan (eigentlich Temüdschin, ca. 1162-1227) gründete das größte zusammenhängende Landreich der Weltgeschichte. Vom verstoßenen Steppensohn zum Beherrscher Asiens — sein Aufstieg ist beispiellos.

Herkunft

  • Geboren ~1162 in der Mongolei
  • Geburtsname: Temüdschin ("Schmied")
  • Vater: Yesügei, Häuptling der Kijat
  • Mutter: Hoelun
  • Legende: Wird mit einem Blutklumpen in der Faust geboren — Zeichen seines Schicksals

Schwere Jugend

  • Mit 9: Verlobung mit Börte, Tochter eines anderen Stammes
  • Mit 9-10: Vater wird von Tataren vergiftet
  • Stamm verstößt Familie — Mutter und Kinder allein in der Steppe
  • Überleben durch Wildbeeren, Fische, Wurzeln
  • Mit ~14: tötet seinen Halbbruder Bekter (Streit ums Essen) — schon mit Charakterzügen des späteren Herrschers

Aufstieg

Heirat und Treuebünde

  • ~1178: heiratet Börte
  • Bündnis mit Toghrul, Khan der Keraiten — Blutsbruderschaft mit dessen Sohn
  • "Anda"-Bruderschaft mit Freund Dschamucha

Sammlung der Mongolen

  • Börte wird von Merkiten geraubt
  • Temüdschin sammelt Verbündete, rettet sie — gewinnt Ansehen
  • Verschiedene Stämme schließen sich an
  • Sieg über Tataren (Rache für den Vater)
  • Sieg über Naimanen
  • Bruch mit Dschamucha — kämpfen gegeneinander
  • 1204: Dschamucha besiegt, hingerichtet

Khan aller Mongolen (1206)

  • 1206: Kurultai (Stammesrat) am Onon-Fluss
  • Temüdschin wird zum "Dschingis Khan" ausgerufen
  • Bedeutung umstritten: vielleicht "Ozeanischer Herrscher" oder "Universaler Khan"
  • Vereinte alle mongolischen und turkstämmigen Steppenvölker

Reformen

  • Yasa: Gesetzeskodex — strenge Strafen für Diebstahl, Ehebruch, Verrat
  • Meritokratie: Beförderung nach Leistung, nicht nach Geburt
  • Religionstoleranz: alle Religionen erlaubt
  • Schrift: uigurisches Alphabet für Mongolisch
  • Postsystem: Yam — Pferdewechsel-Stationen
  • Militärische Reform: Dezimaleinheiten (10, 100, 1000, 10.000 = Tumen)

Eroberungen

Westliche Xia (1209)

Tangutenreich — wird Vasall.

Jin-Dynastie (1211-1215)

  • Nordchina
  • 1215: Eroberung Pekings
  • Massaker mit hunderttausenden Toten

Choresm-Schah-Reich (1219-1221)

Größte Kampagne unter Dschingis selbst — wegen einer Beleidigung:

  • 1218: Choresmschah lässt mongolische Kaufleute töten
  • 1219: Dschingis Khan zieht mit 100.000 Mann los
  • Eroberung von Buchara, Samarkand, Nischapur, Merw
  • Mehrere Großstädte komplett ausgelöscht
  • Schätzungsweise 5-10 Mio. Tote
  • Choresm-Reich (heute Iran, Afghanistan, Zentralasien) ausgelöscht

Russland-Vorstoß (1221-1223)

  • Subutai und Jebe (Generäle) reiten nach Westen
  • Schlacht an der Kalka (1223): mongolischer Sieg gegen Russen + Kumanen
  • Erste Berührung Europas mit Mongolen

Mongolische Kriegsführung

  • Reiterheer: bis zu 4 Pferde pro Krieger, extrem mobil
  • Recurve-Bogen: durchschlagskräftig, weit reichend
  • Disziplin: strikte Kommandostruktur
  • Spionage: Kundschafter überall
  • Psychologische Kriegsführung:
    • Wer kapituliert, wird verschont
    • Wer widersteht, wird ausgelöscht
    • Übertriebene Gerüchte über mongolische Brutalität
  • Belagerungstechnik: lernten sie von Chinesen

Tod (1227)

  • 1226: Rückkehr nach Mongolei, dann zweite Xia-Kampagne
  • 18. August 1227: Dschingis Khan stirbt
  • Genauer Ort und Ursache umstritten — Sturz vom Pferd? Krankheit? Verletzung?
  • Sein Grab ist bis heute unbekannt — angeblich wurden alle Beteiligten getötet, damit niemand es findet

Nachfolger

Vier Söhne mit Börte:

  • Dschötschi (~1185-1227): Goldene Horde im Westen
  • Tschagatai (~1186-1242): Tschagatai-Khanat in Zentralasien
  • Ögedei (~1186-1241): Nachfolger als Großkhan
  • Tolui (~1190-1232): Mongolei — seine Söhne werden Möngke, Kublai, Hülägü

Das Reich nach Dschingis

  • Ögedei führt die Expansion fort
  • 1234: Eroberung der Jin-Dynastie abgeschlossen
  • 1237-40: Eroberung Russlands
  • 1241: Vorstoß bis Ungarn/Polen
  • 1258: Plünderung Bagdads
  • 1260: Eroberung Chinas durch Kublai Khan
  • Größte Ausdehnung 1279: ~33 Mio. km²

Brutalität und Bilanz

  • Schätzungsweise 30-40 Millionen Tote in den Eroberungen
  • ~10 % der Weltbevölkerung damals
  • Mehrere Kulturen ausgelöscht (Choresm, Tanguten)
  • Aber: nach den Eroberungen Pax Mongolica — Sicherheit auf der Seidenstraße
  • Marco Polo, Wilhelm von Rubruk konnten sicher reisen

Erbe

Genetisch

Eine Studie 2003 fand: ~16 Mio. Männer in Asien sind direkte Nachfahren von Dschingis Khan (Y-Chromosom).

Politisch

  • Mongolei als Nation
  • Russlands Verwaltung übernahm Elemente
  • "Tatarenjoch": Russland 240 Jahre unter mongolischer Herrschaft
  • Mogul-Dynastie in Indien (1526-1857) leitet sich von ihm und Timur ab

Heute

  • In der Mongolei: Nationalheld
  • Flughafen Ulan Bator, Statuen, Geldscheine
  • 2008: 40 m hohe Reiterstatue
  • Internationale Bewertung: gemischt — Genie und Massenmörder zugleich

⚜ Sein verlorenes Grab

Dschingis Khans Grab wurde nie gefunden. Legende: Alle Bauarbeiter wurden getötet, dann die Soldaten, die sie töteten. Pferde wurden über die Stelle getrieben, damit alle Spuren verschwinden. Heutige Suchteams nutzen Satelliten und Drohnen — bisher erfolglos. Vielleicht in den heiligen Khentii-Bergen, die für Outsider tabu waren.