Steppenreich · 1206 - 1368

Mongolen — das größte Landreich der Geschichte

1206 n. Chr. – 1368 n. Chr.

Dschingis Khan und seine Nachkommen — Reiter aus der Steppe erobern Asien und Europa, vom Pazifik bis nach Polen.

Das Mongolische Reich war das größte zusammenhängende Landreich der Weltgeschichte. In nur 100 Jahren eroberten Reiter aus der Steppe ein Gebiet von Korea bis Polen — über 33 Millionen km².

Vorgeschichte

Die Mongolen waren ein Zusammenschluss nomadischer Stämme in der zentralasiatischen Steppe. Ihre Lebensweise:

  • Reiternomaden mit Pferdeherden, Schafen, Ziegen
  • Bewohnten Jurten (Filzzelte)
  • Außerordentlich gute Reiter und Bogenschützen
  • Konnten Tausende Kilometer in wenigen Wochen zurücklegen

Dschingis Khan (~1162-1227)

Geboren als Temüdschin. Erlebt eine harte Kindheit nach dem Mord an seinem Vater. Sammelt nach und nach Anhänger und einigt 1206 alle mongolischen Stämme. Erhält den Titel "Dschingis Khan" ("Ozean-Herrscher").

Eroberungen unter Dschingis Khan

  • 1209: Eroberung des Tangutenreichs Westxia (China-Nordwest)
  • 1211-1234: Eroberung der Jin-Dynastie in Nordchina
  • 1219-1221: Vernichtung des Khwarezm-Reichs (heutiges Iran, Zentralasien)
  • 1223: Erste Erkundung Russlands
  • 1227: Dschingis Khan stirbt an Verletzungen

Mongolische Militärtechnik

  • Reiterheere mit jeder Soldat 3-5 Pferden
  • Compound-Bögen: aus mehreren Schichten, Schussweite bis 300 m
  • Mobile Taktik: schnelle Schein-Rückzüge, dann Umzingelung
  • Psychologische Kriegsführung: Städte, die kapitulierten, wurden geschont; Widerstand bedeutete Massaker
  • Geheimdienst: Spione vor jedem Feldzug
  • Übernahme von Belagerungstechnik: chinesische Ingenieure für Mauerangriff

Eroberungen nach Dschingis Khan

Ögödei Khan (1229-1241)

  • Abschluss der China-Eroberung
  • Eroberung des südlichen Russlands (Goldene Horde)
  • 1241: Mongolen schlagen Polen und Ungarn — sind 2 Wochen vor Wien
  • Plötzlicher Tod Ögödeis: Mongolen kehren um, Westeuropa wird verschont

Möngke Khan (1251-1259)

  • Eroberung Persiens und des Nahen Ostens
  • 1258: Plünderung Bagdads — Ende des Abbasiden-Kalifats. Ein Massaker mit 100.000-1.000.000 Toten. Berühmte Bibliotheken werden vernichtet.

Kublai Khan (1260-1294)

  • Abschluss der Eroberung Südchinas
  • Gründung der Yuan-Dynastie in China (1271)
  • Marco Polo besucht den Hof Kublai Khans
  • Gescheiterte Invasion Japans (1274 und 1281) — die "Kamikaze"-Stürme retten Japan

Teilreiche

Das Riesenreich war zu groß für eine Person. Nach Möngkes Tod 1259 zerfiel es in vier Teilreiche:

  • Yuan-Dynastie in China (1271-1368)
  • Ilchanat in Persien (1256-1335)
  • Tschagatai-Khanat in Zentralasien (1227-1687)
  • Goldene Horde in Russland und Osteuropa (1240-1502)

Goldene Horde und Russland

Die Russland-Eroberung bedeutet 240 Jahre "Tatarenjoch" (1240-1480):

  • Russische Fürsten zahlen Tribut
  • Moskau wird zum Verwalter — Grundlage späterer Macht
  • 1380: Schlacht auf dem Kulikowo-Feld — erster großer russischer Sieg
  • 1480: Iwan III. beendet das Tatarenjoch endgültig

Auswirkungen auf die Welt

Negative Folgen

  • Millionen Tote
  • Zerstörung blühender Städte (Bagdad, Samarkand, Buchara)
  • Vernichtung wertvoller Bibliotheken
  • Schwarzer Tod kommt vermutlich aus Zentralasien nach Europa

Positive Folgen

  • Pax Mongolica: Sicherheit auf der Seidenstraße — kultureller Austausch
  • Marco Polo, Ibn Battuta reisen unter Mongolen-Schutz
  • Schießpulver, Papier, Kompass kommen aus China nach Europa
  • Mongolen tolerieren alle Religionen (außer wenn politisch hinderlich)

Untergang

  • 1368: Yuan-Dynastie wird in China gestürzt (Ming-Dynastie übernimmt)
  • 1335: Ilchanat in Persien zerfällt
  • 14.-15. Jh.: Goldene Horde zerfällt
  • Mongolen werden lokal: in China assimiliert, in Persien zum Islam konvertiert

Erbe

  • DNA-Studien: Ein Y-Chromosomen-Typ verbreitete sich extrem stark — möglicherweise von Dschingis Khan. Heute könnten ~16 Millionen Männer in Asien männliche Nachkommen des Khans sein.
  • Russland: Mongolische Einflüsse in Sprache und Verwaltung
  • Türkische Sprachen in Zentralasien
  • Dschingis Khan in der Mongolei Nationalheld — bis 1990 verboten, heute auf allen Banknoten

⚜ Wie tödlich waren die Mongolen?

Schätzungen gehen von 30-60 Millionen Toten aus durch die mongolischen Eroberungen — bis zu 10 % der Weltbevölkerung. Manche Wissenschaftler argumentieren sogar: Durch die Entvölkerung verringerten sich der CO2-Ausstoß und die Temperatur — die Mongolen kühlten das Klima ab!