Karl V.
Der Kaiser, in dessen Reich die Sonne nicht unterging — und der an seiner eigenen Macht zerbrach.
Karl V. (1500-1558) war der mächtigste Herrscher seiner Zeit. "In seinem Reich ging die Sonne nicht unter" — er regierte Spanien, Niederlande, große Teile Italiens, Amerika, Österreich und war Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Doch das Reich war zu groß und zerfiel an Reformation und osmanischer Expansion.
Herkunft
- Geboren 24. Februar 1500 in Gent
- Habsburger
- Vater: Philipp der Schöne
- Mutter: Johanna die Wahnsinnige von Kastilien
- Großvater väterlicherseits: Kaiser Maximilian I.
- Großeltern mütterlicherseits: Isabella und Ferdinand "Reyes Católicos"
Erbe
- 1506 (mit 6): Niederlande
- 1516: Spanien, Süditalien, spanische Kolonien Amerikas
- 1519: nach Maximilians Tod österreichische Erblande
- 1519: zum römisch-deutschen König gewählt
- 1520: Krönung in Aachen
- 1530: Kaiserkrönung durch Papst — letzter Kaiser, der vom Papst gekrönt wurde
Konflikte
Frankreich
- 4 Italienkriege gegen Franz I.
- 1525: Sieg bei Pavia, Franz gefangen
- 1527: Sacco di Roma — Karls Söldner plündern Rom (gegen seinen Willen)
Reformation
- 1521: Reichstag zu Worms — verhört Luther
- "Hier stehe ich, ich kann nicht anders"
- Wormser Edikt verhängt Reichsacht über Luther
- Aber: zu beschäftigt anderswo
- 1546-47: Schmalkaldischer Krieg — Sieg über Protestanten
- 1555: Augsburger Religionsfriede — "cuius regio, eius religio"
- Karl unterschreibt nicht persönlich (Bruder Ferdinand)
Osmanen
- 1529: Wien belagert von Suleiman dem Prächtigen — abgewehrt
- 1535: Eroberung Tunis
- Dauerkonflikt
Amerika
- Unter Karls Herrschaft: Eroberung Mexikos (Cortés 1521)
- Eroberung Perus (Pizarro 1533)
- Silber-Importe finanzieren Reichspolitik
- Bartolomé de Las Casas verteidigt Rechte der Indigenen
Sprachen
- Berühmtes Zitat: "Ich spreche Spanisch mit Gott, Italienisch mit Frauen, Französisch mit Männern, Deutsch mit meinem Pferd"
- Authentizität umstritten
- Beherrschte Französisch, Spanisch, Deutsch, Italienisch, Niederländisch
Abdankung (1556)
- Erschöpft, ausgelaugt, gichtkrank
- Tritt zurück (einmalig für einen Kaiser)
- Spanien an Sohn Philipp II.
- Österreich/Reich an Bruder Ferdinand I.
- Trennung in spanische und österreichische Habsburger
- Lebt zurückgezogen in Kloster San Yuste
Tod
- 21. September 1558 in San Yuste
- Malaria
- Begraben im Escorial
Erbe
- Reformation nicht zu stoppen
- Spanien wird Weltmacht
- Habsburger-Spaltung in 2 Linien
- Kolonialismus etabliert
- Reich zu groß zur Regierung — "Imperial Overstretch"
Persönlichkeit
- Pflichtbewusst
- Religiös
- Stoischer Schweiger
- Gichtkrank durch Lebensführung (Fleisch, Bier)
- Vorausschauend, aber überarbeitet
Das Reich, in dem die Sonne nie unterging
Zur Hochzeit Karls reichten seine Gebiete von Wien bis Lima, von Antwerpen bis Manila. So groß war kein Reich der Geschichte vorher. Aber: Es war zu groß für einen Mann. Er versuchte alles persönlich zu regeln — Briefe, Reisen, Schlachten — und brach daran. Vielleicht der größte Beweis, dass auch Allmacht ihre Grenzen hat.