Epoche · ca. 500 - 1500 n. Chr.

Mittelalter

500 n. Chr. – 1500 n. Chr.

Tausend Jahre Geschichte zwischen Antike und Neuzeit — von den Franken über die Kreuzzüge bis zur Renaissance.

Das Mittelalter umfasst die rund 1.000 Jahre zwischen Antike und Neuzeit — eine Zeit, die lange als "dunkel" galt, heute aber als kreative und prägende Epoche verstanden wird. In dieser Zeit entstehen die meisten heutigen europäischen Staaten, das Christentum dominiert das geistige Leben, und im Islam blüht eine wissenschaftliche Hochkultur.

Die drei großen Abschnitte

500-1000
Frühmittelalter (Karolinger, Wikinger, Byzanz, Islam)
1000-1250
Hochmittelalter (Kreuzzüge, Staufer, Gotik)
1250-1500
Spätmittelalter (Pest, Hundertjähriger Krieg, Renaissance-Beginn)

Die Kulturräume

Lateinisches Europa

Westeuropa — geprägt vom Christentum (katholisch), Lateinisch als Sprache der Gebildeten, Lehensystem.

Byzanz (Ostrom)

Byzantinisches Reich: oströmische Fortsetzung, griechisch, orthodox. Konstantinopel als Zentrum. Bestand bis 1453.

Islamische Welt

Ab 622: Islamische Expansion von Arabien bis Spanien. Wissenschaftliche Hochkultur — Medizin, Astronomie, Mathematik blühen.

Skandinavien

Wikinger (793-1066): Seefahrer, Krieger, Händler. Reichen bis Nordamerika.

Steppe und Asien

Amerika

Maya, Azteken, Inka — unabhängig vom Rest der Welt entwickelte Hochkulturen.

Wichtige Ereignisse

476
Untergang Westroms
622
Hidschra Mohammeds (Beginn islamische Zeitrechnung)
732
Karl Martell besiegt Araber bei Tours
800
Krönung Karls des Großen
843
Vertrag von Verdun: Teilung des Frankenreichs
1054
Großes Schisma (Spaltung Katholiken/Orthodoxe)
1066
Schlacht von Hastings (Normanneneroberung Englands)
1095
Aufruf zum ersten Kreuzzug
1206
Dschingis Khan einigt die Mongolen
1215
Magna Carta in England
1271
Marco Polo reist nach China
1291
Akkon fällt — Ende der Kreuzfahrerstaaten
1346-53
Schwarzer Tod tötet 1/3 Europas
1453
Fall Konstantinopels durch die Osmanen
1492
Kolumbus erreicht Amerika

Gesellschaft

Drei-Stände-Lehre

Die mittelalterliche Gesellschaft kannte drei Hauptstände:

  • Oratores: die Betenden — Klerus (Priester, Mönche, Bischöfe)
  • Bellatores: die Kämpfenden — Adel (Ritter, Fürsten)
  • Laboratores: die Arbeitenden — Bauern (90 % der Bevölkerung)

Feudalismus

Das Lehensystem war das Rückgrat des Mittelalters: Der Lehensherr gab Land an den Vasallen, der ihm dafür Treue und Heerfolge schuldete.

Religion

Das Christentum dominiert in Europa. Klöster sind die Bildungszentren. Die Kreuzzüge (1095-1291) prägen die Beziehung zur islamischen Welt.

Im 11. Jh. teilt sich die Kirche:

  • 1054: Großes Schisma — Spaltung zwischen Rom (katholisch) und Konstantinopel (orthodox)
  • Beide Seiten exkommunizieren sich gegenseitig — Versöhnung erst 1965!

Kunst und Kultur

  • Romanik (950-1250): Rundbogen, massive Mauern, kleine Fenster
  • Gotik (1140-1500): Spitzbogen, hohe Kathedralen, riesige Glasfenster
  • Klosterschulen, später Universitäten (Bologna 1088, Paris ~1150, Oxford ~1167)
  • Minnesang: höfische Liebeslyrik (Walther von der Vogelweide)
  • Nibelungenlied (~1200)

Wissenschaft

Während Europa relativ langsam vorankam, blühte die islamische Wissenschaft:

  • Übersetzung antiker griechischer Texte ins Arabische
  • Mathematik (al-Khwarizmi → Algorithmus, Algebra)
  • Medizin (Avicenna, Rhazes)
  • Astronomie (Beobachtung, Instrumente)

Erst ab dem 12. Jh. kommen diese Werke über das maurische Spanien nach Europa zurück — und befeuern die spätere Renaissance.

Ende des Mittelalters

Mehrere Ereignisse markieren das Ende:

  • 1453: Fall Konstantinopels — griechische Gelehrte fliehen nach Italien
  • 1455: Gutenberg druckt die erste Bibel mit beweglichen Lettern
  • 1492: Kolumbus' Reise nach Amerika
  • 1517: Luthers Thesenanschlag

⚜ "Dunkles Mittelalter"?

Lange galt das Mittelalter als "dunkles Zeitalter" — eine Ansicht, die vor allem aus der Renaissance stammt, als man sich vom Mittelalter absetzen wollte. Tatsächlich war es eine vielfältige und kreative Epoche: gotische Kathedralen, mehrstöckige Burgen, hochstehende Klosterwissenschaft, gewaltige Migrationsleistungen.