Deutschland im Mittelalter
Vom Ostfrankenreich zum Heiligen Römischen Reich — Ottonen, Salier, Staufer, Habsburger.
Die deutsche Geschichte im Mittelalter beginnt mit dem Ende der Karolinger im Ostfrankenreich (911) und führt über mehrere Dynastien zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation — einem komplexen Gebilde, das fast 1.000 Jahre besteht.
Die Dynastien im Überblick
- 911-918
- Konradiner (Konrad I.)
- 919-1024
- Ottonen (Liudolfinger)
- 1024-1125
- Salier
- 1138-1254
- Staufer
- 1273-1437
- Wechselnde Häuser (Habsburg, Luxemburg, Wittelsbach)
- 1438-1806
- Habsburger
Ottonen (919-1024)
Heinrich I. (919-936)
Erster sächsischer König. Begründet die Reichsidee, befestigt Städte gegen die Ungarn (Magyaren).
Otto I. der Große (936-973)
Sein Sohn:
- 955 Schlacht auf dem Lechfeld: vernichtender Sieg über die Ungarn — Ende der Ungarn-Einfälle
- 962 Kaiserkrönung durch Papst Johannes XII. — Beginn des Heiligen Römischen Reichs
- Ottonisches Reichskirchensystem: Bischöfe als Stützen des Königtums
Otto II., Otto III., Heinrich II.
Otto III. (980-1002) versucht, Rom zur Hauptstadt zu machen. Heinrich II. der Heilige (1002-1024), letzter Ottonen-Kaiser.
Salier (1024-1125)
Konrad II. (1024-1039)
Erster Salier. Erbt Burgund.
Heinrich III. (1039-1056)
Höhepunkt königlicher Macht. Setzt drei rivalisierende Päpste ab und ernennt einen neuen.
Heinrich IV. (1056-1106)
Berühmt durch den Investiturstreit mit Papst Gregor VII.:
- Streit, wer Bischöfe ernennen darf (König oder Papst)
- 1076: Heinrich wird exkommuniziert
- 1077: Gang nach Canossa — Heinrich tut 3 Tage barfuß im Hemd Buße vor der Burg Canossa, bis der Papst die Exkommunikation aufhebt
- Bis heute Sprichwort: "nach Canossa gehen" = sich demütigen
Staufer (1138-1254)
Eine der glanzvollsten Dynastien:
Friedrich I. Barbarossa (1152-1190)
Siehe Friedrich Barbarossa. Sechs Italienzüge, Konflikte mit Heinrich dem Löwen, Tod auf dem 3. Kreuzzug.
Heinrich VI. (1190-1197)
Erbt Sizilien durch Heirat. Beinahe-Erbreichsplan.
Friedrich II. (1212-1250)
Siehe Friedrich II. Stupor Mundi. Gelehrter, mehrsprachiger Kaiser. Sein Hof in Palermo war Schmelztiegel der Kulturen.
Interregnum (1254-1273)
"Schreckliche kaiserlose Zeit". Mehrere Gegenkönige, keiner setzt sich durch.
Königswahl (ab 1273)
Ab 1273 wird der König von Kurfürsten gewählt:
- 3 geistliche: Erzbischöfe von Mainz, Köln, Trier
- 4 weltliche: König von Böhmen, Pfalzgraf bei Rhein, Herzog von Sachsen, Markgraf von Brandenburg
1356 wird das durch die Goldene Bulle Karls IV. fixiert.
Habsburg übernimmt (ab 1273/1438)
Rudolf I. von Habsburg (1273-1291) wird König. Habsburg gewinnt Österreich. Ab 1438 stellen die Habsburger praktisch ununterbrochen den Kaiser.
Wirtschaft und Gesellschaft
Städte
Ab dem 12. Jh. boomen Städte:
- Hanse (siehe Hanse): Bund norddeutscher Städte
- Reichsstädte mit Selbstverwaltung
- "Stadtluft macht frei" — wer 1 Jahr und 1 Tag in der Stadt lebte, war frei
Bauern und Adel
- 90 % Bauern, viele in Grundherrschaft
- Adel als Krieger-Stand mit Lehen
- Ritter mit Burgen
Kulturelle Blüte
- Romanik und Gotik in Kathedralen (Köln, Speyer, Magdeburg)
- Minnesang: Walther von der Vogelweide, Wolfram von Eschenbach
- Nibelungenlied (~1200)
- Erste deutsche Universitäten: Prag 1348, Wien 1365, Heidelberg 1386
Krisen des Spätmittelalters
- Schwarzer Tod (1346-53): tötet 1/3 Europas
- Klimaverschlechterung ("Kleine Eiszeit" beginnt)
- Bauernkriege
- Investiturstreit, Reformkonzile
- Hussitenkriege (1419-1436)
Übergang zur Neuzeit
Das Mittelalter endet konventionell um 1500. Marker:
- 1455: Gutenberg-Bibel
- 1492: Kolumbus
- 1517: Luthers Thesen
⚜ Das Heilige Römische Reich
Das HRR (962-1806) war "weder heilig, noch römisch, noch ein Reich", wie Voltaire spottete. Tatsächlich war es ein lockerer Verbund von Fürstentümern, Bischöfen, Reichsstädten — eine Föderation, die so eigen war, dass sie schwer kategorisiert werden kann.