Ur- und Frühgeschichte
Vom ersten Hominiden bis zur Sesshaftwerdung und den ersten Metallzeitaltern — die längste Epoche der Menschheitsgeschichte.
Die Ur- und Frühgeschichte umfasst die längste Phase der menschlichen Entwicklung — von den ersten menschenähnlichen Wesen bis zu den frühesten Schriftkulturen. Sie endet dort, wo die schriftliche Überlieferung beginnt: regional unterschiedlich, in Mesopotamien etwa um 3500 v. Chr., in Mitteleuropa erst um die Zeitenwende.
Was untersucht die Vor- und Frühgeschichte?
Die Vorgeschichte (auch Prähistorie) untersucht die menschliche Entwicklung anhand von:
- archäologischen Funden — Werkzeuge, Knochen, Höhlenmalerei
- Datierungstechniken — Radiokarbon (C14), Dendrochronologie, Thermolumineszenz
- Anthropologie — Untersuchung menschlicher Überreste
- Paläogenetik — DNA aus alten Knochen
Die großen Abschnitte
1. Steinzeit (ca. 2,6 Mio. – 2200 v. Chr.)
Die mit Abstand längste Phase. Unterteilt in Alt-, Mittel- und Jungsteinzeit. Wichtigste Wende: die Sesshaftwerdung — der Übergang von der Jagd zu Ackerbau und Viehzucht.
2. Kupfersteinzeit (ca. 5500 – 3300 v. Chr.)
Übergangszeit zwischen Stein- und Bronzezeit. Erstmals werden weiche Metalle wie Kupfer und Gold verarbeitet. Mehr in Kupfersteinzeit.
3. Bronzezeit (ca. 3300 – 800 v. Chr.)
Bronze (Kupfer + Zinn) ermöglicht haltbare Werkzeuge und Waffen. Es entstehen die ersten Hochkulturen in Mesopotamien, Ägypten und am Indus. Mehr in Bronzezeit.
4. Eisenzeit (ca. 1200 – 50 v. Chr. in Europa)
Eisen ist härter als Bronze und überall verfügbar. Die Kelten dominieren Mitteleuropa. Mehr in Eisenzeit.
⚜ Regionale Unterschiede
Die Übergänge zwischen den Epochen verlaufen regional sehr unterschiedlich. Während im Vorderen Orient bereits 3000 v. Chr. die Bronzezeit beginnt, dauert sie in Skandinavien bis 500 v. Chr. an.
Schlüssel-Innovationen
- Werkzeugbau: vor 2,6 Mio. Jahren stellten Hominiden erste Steinwerkzeuge her
- Feuer: vor ca. 400.000 – 1 Mio. Jahren beherrscht
- Kunst: vor ca. 40.000 Jahren entstanden die ersten Höhlenmalereien
- Megalithbauten: ab ca. 7000 v. Chr. wie Stonehenge
Bedeutende Funde
- Lucy (1974, Äthiopien): Australopithecus afarensis, ca. 3,2 Mio. Jahre alt
- Ötzi (1991, Ötztaler Alpen): Gletschermumie, ca. 5300 Jahre alt
- Lascaux (Frankreich, 1940): Höhlenmalerei, ca. 17.000 Jahre alt
- Stonehenge (England): Megalithanlage, 3000 – 1600 v. Chr.
- 2,6 Mio. v. Chr.
- Erste Steinwerkzeuge (Olduvai)
- ~400.000 v. Chr.
- Beherrschung des Feuers
- ~200.000 v. Chr.
- Auftauchen des Homo sapiens
- ~40.000 v. Chr.
- Erste Kunst (Höhlenmalerei)
- ~10.000 v. Chr.
- Beginn der Sesshaftigkeit
- ~3300 v. Chr.
- Beginn der Bronzezeit
- ~1200 v. Chr.
- Beginn der Eisenzeit
Was kommt danach?
Mit dem Auftreten der ersten Schriftkulturen — Sumer in Mesopotamien um 3500 v. Chr., Altes Ägypten ab 3100 v. Chr. — endet die Vorgeschichte und beginnt das Altertum.