Johann Wolfgang von Goethe
Faust, Werther, Italienische Reise — der größte Dichter deutscher Sprache.
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) ist der bedeutendste Dichter der deutschen Sprache. Aber er war viel mehr: Naturforscher, Politiker, Maler, Theaterleiter — ein Universalgenie der Aufklärung.
Herkunft
- 28. August 1749 in Frankfurt am Main geboren
- Vater: Johann Caspar Goethe — Kaiserlicher Rat, vermögend
- Mutter: Catharina Elisabeth, lebhaft und literarisch
- Eines von acht Kindern — nur er und seine Schwester Cornelia überleben
- Bildung zuhause: Latein, Griechisch, Französisch, Italienisch, Englisch, Hebräisch
Studium
- 1765-68: Jura in Leipzig — unterbrochen wegen Krankheit
- 1770-71: Jura in Straßburg
- Trifft Johann Gottfried Herder — Wendepunkt
- Liebe zu Friederike Brion (Pfarrerstochter)
- Promotion 1771
Sturm und Drang
- Sturm und Drang: literarische Jugendbewegung
- 1773: Götz von Berlichingen — Schauspiel, großer Erfolg
- 1774: Die Leiden des jungen Werthers — Briefroman, europäischer Bestseller
- Werther-Effekt: junge Männer kleiden sich wie Werther, manche begehen Suizid
- Erstes Buch des "Welterfolgs" der deutschen Literatur
- Napoleon hatte es siebenmal gelesen
Weimar (ab 1775)
- Herzog Carl August lädt ihn nach Weimar ein
- Mit 26: Geheimrat, später Minister
- Verwaltet Bergwerke, Straßenbau, Finanzen
- Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach wird zu einem kulturellen Zentrum
- Goethe lebt bis zum Tod in Weimar (außer Italienreise)
Charlotte von Stein
- 1776-1788: tiefe, platonische Beziehung zur älteren Charlotte von Stein
- ~1.700 Briefe an sie
- Sie ist seine "Seelenliebe"
Italienreise (1786-1788)
- Heimliche Reise nach Italien
- Wendepunkt: vom Sturm und Drang zur Klassik
- Rom, Neapel, Sizilien
- Studium der Antike, Kunst, Natur
- "Italienische Reise" (Autobiografie, 1816-29)
Christiane Vulpius
- 1788: Beziehung mit Christiane Vulpius, einer Blumenmacherin
- Skandal in Weimar — keine Standesgenossin
- 1789: Sohn August (einziges überlebendes Kind)
- 1806: Heirat erst nach Napoleon-Bedrohung (zum Schutz)
- Christiane stirbt 1816
Weimarer Klassik
- 1794-1805: enge Freundschaft mit Friedrich Schiller
- Briefwechsel: literarisches Programm
- Gemeinsame Werke (Xenien, Balladenjahr 1797)
- Schillers Tod 1805 großer Schlag
Hauptwerke
Lyrik
- "Wandrers Nachtlied" (1780, 1789)
- "Erlkönig" (1782)
- "Heidenröslein"
- "Prometheus"
- "West-östlicher Divan" (1819) — orientalisch inspiriert
Dramen
- "Götz von Berlichingen" (1773)
- "Iphigenie auf Tauris" (1787)
- "Egmont" (1788)
- "Torquato Tasso" (1790)
- "Faust I" (1808) — Lebenswerk
- "Faust II" (1832) — postum erschienen
Romane
- "Die Leiden des jungen Werthers" (1774)
- "Wilhelm Meisters Lehrjahre" (1795/96) — Bildungsroman
- "Die Wahlverwandtschaften" (1809)
Naturwissenschaft
Goethe sah sich primär als Naturforscher:
- Zur Farbenlehre (1810) — anti-Newton, heute überholt
- Entdeckte den Zwischenkieferknochen beim Menschen (1784)
- Pflanzenmorphologie: "Urpflanze"
- Geologie, Mineralogie
- Meteorologie
Politik und Verwaltung
- Geheimrat seit 1779
- Minister für Bergwerke, Straßen, Finanzen
- Theaterdirektor in Weimar (1791-1817)
- 1815: in den Adelsstand erhoben — "von Goethe"
Napoleon-Begegnung (1808)
- Oktober 1808: Goethe trifft Napoleon in Erfurt
- Napoleon: "Voilà un homme!" (Da ist ein Mann!)
- Napoleon kannte den Werther auswendig
- Goethe bewundert Napoleon — ungewöhnlich für deutschen Patrioten
Faust
Sein Lebenswerk:
- Faust I (1808): Gelehrte schließt Pakt mit Mephisto, Gretchen-Tragödie
- Faust II (1832): philosophische Allegorie, Faust strebt nach Erkenntnis
- "Hier bin ich Mensch, hier darf ichs sein"
- "Es irrt der Mensch, solang er strebt"
- "Verweile doch, du bist so schön"
- Eines der größten Werke der Weltliteratur
Letzte Jahre
- 1816: Christiane stirbt
- 1830: Sohn August stirbt in Italien
- Goethe arbeitet bis zum Schluss an Faust II
- "Mehr Licht!" — angebliche letzte Worte (vermutlich "Mer licht..." für "Mir liegt..." oder geöffnete Fensterläden)
- 22. März 1832: Goethe stirbt mit 82 in Weimar
- Begraben in der Fürstengruft neben Schiller
Wirkung
- Größter deutscher Dichter
- "Goethezeit" (1770-1830) als Epoche
- Goethe-Institut weltweit (deutsche Kultur)
- Faust-Stoff in Opern (Gounod, Berlioz), Filmen, Comics
- Vorbild für deutsche Bildungstradition
- Über 90.000 Briefe und Notizen erhalten
Goethe und Schiller
Die Freundschaft mit Friedrich Schiller (1759-1805) ist eine der berühmtesten Literaturfreundschaften. Doppeldenkmal in Weimar. Schillers Tod (1805) traf Goethe schwer: "Ich verliere die Hälfte meines Daseins."
"Voilà un homme!"
Als Napoleon 1808 Goethe in Erfurt traf, soll er ausgerufen haben: "Voilà un homme!" — Da ist ein Mann! Der mächtigste Mann Europas anerkannte den größten Dichter Deutschlands als Ebenbürtigen. Goethe blieb sein Leben lang stolz auf diese Begegnung.