Universalgenie · 1452 - 1519

Leonardo da Vinci

1452 n. Chr. – 1519 n. Chr.

Maler, Erfinder, Anatom, Ingenieur — das Universalgenie der Renaissance.

Leonardo da Vinci (1452-1519) ist der Inbegriff des Renaissance-Universalgenies. Maler, Ingenieur, Anatom, Wissenschaftler, Architekt — er beherrschte fast alles, was zu seiner Zeit zu wissen war, und vieles, was die Menschheit erst Jahrhunderte später wiederentdeckte.

Herkunft

  • 15. April 1452 in Anchiano bei Vinci (Toskana) geboren
  • Unehelich
  • Vater: Piero da Vinci, Notar
  • Mutter: Caterina, vermutlich eine arabische Sklavin oder eine Bauerntochter (umstritten)
  • Wuchs beim Vater auf
  • Konnte als Unehelicher kein Notar werden — wurde stattdessen Künstler

Lehre in Florenz (1466-1476)

  • Mit ~14: Lehre bei Andrea del Verrocchio in Florenz
  • Verrocchios Werkstatt: damals führend
  • Leonardo malt einen Engel in Verrocchios "Taufe Christi" — der Meister soll danach den Pinsel niedergelegt haben
  • Studiert Anatomie, Optik, Mechanik nebenher

Erste Werke (1476-1482)

  • "Verkündigung" (ca. 1472-75)
  • "Madonna Benois" (~1480)
  • "Hl. Hieronymus" (~1480) — unvollendet
  • "Anbetung der Könige" (1481-82) — unvollendet

Mailand (1482-1499)

Leonardo zieht zu Herzog Ludovico Sforza ("il Moro"):

  • Bewerbungsbrief: bietet Festungsbau, Waffen, Kanäle — und nebenbei Malerei!
  • Arbeitet als Ingenieur, Festmeister, Künstler
  • Sforza-Reiterstatue: 7 m hoch, niemals gegossen (französische Soldaten zerschossen das Tonmodell 1499)

Hauptwerke in Mailand

  • "Felsgrotten-Madonna" (1483-86, 1495-1508 zweite Version)
  • "Dame mit dem Hermelin" (1489-90) — Ludovicos Geliebte Cecilia Gallerani
  • "Vitruvianischer Mensch" (~1490) — Studie über Proportionen
  • "Das Abendmahl" (1495-98) — Wandbild in Santa Maria delle Grazie. Leonardo experimentiert mit neuer Technik — Bild verfällt fast sofort, ist heute Ruine

Wanderjahre (1499-1503)

  • 1499: Franzosen erobern Mailand — Leonardo muss fliehen
  • Venedig: berät bei Festungen
  • 1500: zurück in Florenz
  • 1502/03: arbeitet für Cesare Borgia als Militäringenieur — vermisst Land, plant Festungen

Florenz wieder (1503-1506)

Mona Lisa (~1503-1519)

Sein berühmtestes Werk:

  • Vermutlich Lisa del Giocondo, Frau eines Florentiner Kaufmanns
  • Italienisch: "La Gioconda", französisch: "La Joconde"
  • Klein (77 × 53 cm), auf Pappelholz
  • Mehrere Jahre daran gearbeitet
  • Reiste mit Leonardo bis zu seinem Tod
  • Heute im Louvre — meistbesuchtes Gemälde der Welt
  • 1911 gestohlen, 1913 wiedergefunden — wurde dadurch erst weltberühmt

Schlacht von Anghiari (1503-06)

  • Wandbild im Palazzo Vecchio — neben Michelangelos "Schlacht von Cascina"
  • Beide unvollendet, beide verloren
  • Erste direkte Konkurrenz der beiden Genies

Mailand und Rom (1506-1516)

  • 1506: zurück nach Mailand (französische Verwaltung)
  • 1513-1516: in Rom unter Papst Leo X.
  • Aber: weniger Aufträge — Michelangelo und Raffael sind die Stars Roms

Frankreich (1516-1519)

  • König Franz I. lädt Leonardo nach Frankreich ein
  • Wohnt im Schloss Clos Lucé bei Amboise
  • Trägt drei Werke mit: Mona Lisa, Johannes der Täufer, Anna selbdritt
  • Wird "Erster Maler, Architekt und Ingenieur des Königs"
  • Hauptsächlich beschäftigt mit Wissenschaft und Planung
  • 2. Mai 1519: Leonardo stirbt in Amboise — angeblich in den Armen von Franz I. (Legende)
  • 67 Jahre alt

Erfindungen und Studien

Über 7.000 Seiten Notizbücher sind erhalten:

Militärtechnik

  • Panzer
  • Maschinengewehr (Mehrlauf)
  • Festungen
  • Submarine (Tauchboot)

Flugmaschinen

  • Flügelschlagapparat
  • Helikopter-Vorläufer
  • Fallschirm
  • Gleiter

Zivile Technik

  • Selbstfahrendes Fahrzeug
  • Mechanischer Ritter (Roboter!)
  • Drehbrücke
  • Kanäle (für Mailand realisiert)
  • Webstuhl-Verbesserungen

Anatomie

  • Über 200 anatomische Zeichnungen
  • Seziert ~30 Leichen heimlich
  • Entdeckt: Arteriosklerose, Herzklappen-Funktion, Embryonalentwicklung
  • Studien zur Hirnanatomie
  • Wären sie veröffentlicht worden, hätte die Medizin Jahrhunderte gespart

Andere Wissenschaft

  • Hydraulik und Wasserströmung
  • Optik
  • Geologie (er erkannte, dass Fossilien Reste lebendiger Wesen sind)
  • Botanik
  • Geometrie

Notizbücher

  • Über 13.000 Seiten erhalten
  • In Spiegelschrift geschrieben (von rechts nach links) — Schutz vor Spionage? Oder einfach weil er Linkshänder war?
  • Heute über mehrere Sammlungen verteilt
  • Codex Atlanticus, Codex Leicester (gekauft von Bill Gates 1994 für 30,8 Mio. $)

Persönlichkeit

  • Linkshänder, Vegetarier (ungewöhnlich für seine Zeit)
  • Tier-Liebhaber — kaufte angeblich Vögel auf dem Markt, um sie freizulassen
  • Vermutlich homosexuell — 1476 wegen "Sodomie" angeklagt, Verfahren eingestellt
  • Lebenslange Beziehung mit Schülern, vor allem Salaì und Francesco Melzi
  • Eitel: schöne lange Bart, gepflegtes Auftreten
  • Notorisch unzuverlässig: hinterließ viele Werke unvollendet

Wirkung

Auf die Kunst

  • Sfumato: weiche Übergänge (in Mona Lisa zu sehen)
  • Chiaroscuro: Hell-Dunkel-Kontrast
  • Realistische Anatomie
  • Komposition (Goldener Schnitt)
  • Inspirierte Raffael, Tizian und Generationen

Auf die Wissenschaft

  • Seine Ideen blieben lange unbekannt
  • Aber: Verkörperung des wissenschaftlichen Geistes
  • Empirie statt Autorität
  • Verbindung von Beobachtung und Theorie

Erbe

  • 15 gesicherte Gemälde (sehr wenige!)
  • Auktionsrekord: "Salvator Mundi" 2017 für $450 Mio. — teuerstes Gemälde aller Zeiten (Urheberschaft umstritten)
  • Modell für "Universalmensch" / "Renaissance Man"
  • Hollywood, Dan Brown, Computerspiele: lebt im Pop-Mythos weiter
  • Leonardo da Vinci Flughafen Rom-Fiumicino

Andere Universalgenies?

Wer kommt Leonardo nahe? Aristoteles, Goethe, Newton, Humboldt. Aber: Leonardos Bandbreite — Kunst und Wissenschaft und Technik gleichzeitig auf Spitzenniveau — ist einzigartig.

⚜ "Manchmal wünschte ich..."

Leonardo schrieb in seinen Notizen: "Manchmal wünschte ich, ich wäre stumm geboren, weil mein Geist von all dem, was ich aufnehme, müde wird." Sein Verstand war nie still — Berge, Wasser, Vögel, Augen, Wolken — alles wollte verstanden werden. Mehr als 500 Jahre nach seinem Tod ist er immer noch der Maßstab für Genie.