Religionsstifter · ca. 570 - 632

Mohammed

570 n. Chr. – 632 n. Chr.

Gründer des Islam, der die arabische und später die halbe alte Welt veränderte.

Mohammed (arabisch Muhammad, ca. 570-632) ist der Religionsstifter des Islam und einer der einflussreichsten Menschen der Geschichte. In den 22 Jahren seines Wirkens schuf er eine neue Religion und einen neuen politischen Staat, der innerhalb eines Jahrhunderts ein Weltreich wurde.

Jugend in Mekka

  • Geboren ~570 n. Chr. in Mekka
  • Stamm: Quraisch — angesehene Händlerfamilie, aber sein Zweig (Hāschim) verarmt
  • Vater: Abdullah, stirbt vor seiner Geburt
  • Mutter: Amina, stirbt als Mohammed 6 Jahre alt ist
  • Aufgewachsen bei Großvater Abd al-Muttalib, dann Onkel Abu Talib
  • Beruf: Karawanenführer und Händler

Khadija

  • ~595: heiratet die reiche Witwe Khadija — er ist 25, sie 40
  • Geschäftliche Beziehung wird zur Ehe
  • Glückliche Ehe — solange sie lebt, hat er keine andere Frau
  • Mehrere Kinder, nur Tochter Fatima überlebt ihn

Berufung (610)

Mohammed zog sich oft zur Meditation in eine Höhle am Berg Hira zurück:

  • ~610 n. Chr.: erste Offenbarung
  • Erzengel Gabriel (Dschibril) erscheint ihm
  • "Iqra!" — "Lies!" (Sure 96)
  • Mohammed sei zunächst erschrocken
  • Khadija wird seine erste Anhängerin

Verkündigung in Mekka (610-622)

Botschaft

  • Es gibt nur einen Gott (Allah)
  • Mohammed ist sein Prophet, der letzte einer langen Reihe (Adam, Abraham, Mose, Jesus...)
  • Tag des Jüngsten Gerichts
  • Soziale Gerechtigkeit, Almosen

Widerstand

  • Anfangs wenige Anhänger
  • Quraisch-Eliten sehen ihre wirtschaftlichen Interessen bedroht (Mekka war Pilgerstadt für viele Götter — Kaaba)
  • Sippe verstoßen ihn schließlich
  • Anhänger werden verfolgt
  • 619: "Jahr der Trauer" — Khadija und Abu Talib sterben

Hidschra (622)

  • 16. Juli 622: Mohammed und Anhänger fliehen nach Medina (damals Yathrib)
  • Dieser Tag wird zum Beginn der islamischen Zeitrechnung (AH = Anno Hegirae)
  • In Medina wird Mohammed politischer und religiöser Führer
  • "Verfassung von Medina": regelt Zusammenleben von Muslimen, Juden, Heiden

Medinische Zeit (622-630)

Kämpfe mit Mekka

  • 624: Schlacht von Badr — 313 Muslime besiegen 1.000 Mekkaner — wird als Wunder gedeutet
  • 625: Schlacht von Uhud — Niederlage
  • 627: Grabenschlacht — Mekka belagert Medina, Muslime verteidigen sich mit Graben
  • 628: Vertrag von Hudaybiyya — Waffenstillstand
  • 630: Mohammed marschiert mit 10.000 Mann nach Mekka — fast kampflose Eroberung
  • Kaaba wird gereinigt: Götzenbilder zerstört

Konflikt mit jüdischen Stämmen

  • Drei jüdische Stämme in Medina
  • Konflikte: Banu Qaynuqa und Banu Nadir werden vertrieben
  • Banu Quraiza (627): umstrittene Episode — alle Männer werden hingerichtet, Frauen und Kinder versklavt

Lebensende (630-632)

  • 630: fast ganz Arabien akzeptiert Mohammed
  • 631: "Jahr der Delegationen"
  • 632: Abschiedswallfahrt nach Mekka
  • 8. Juni 632: Mohammed stirbt in Medina, in den Armen seiner Frau Aisha
  • 62 Jahre alt

Mohammeds Frauen

  • Nach Khadijas Tod: ~10-12 Frauen
  • Aisha: Lieblingsfrau, Tochter Abu Bakrs, bei seinem Tod 18 Jahre alt, wird zu wichtiger Überliefererin
  • Saudi (Witwe), Hafsa, Zainab, Umm Salama, etc.
  • Manche Ehen waren politisch (Allianzen)

Nachfolge

  • Mohammed bestimmt keinen klaren Nachfolger
  • Vater Aishas, Abu Bakr, wird erster Kalif (632-634)
  • Sunniten und Schiiten teilen sich später über diese Frage
  • Schiiten: Mohammeds Schwiegersohn Ali wäre rechtmäßiger Erbe gewesen

Der Koran

  • Gesammelte Offenbarungen Mohammeds
  • 114 Suren in nicht-chronologischer Reihenfolge
  • Wurde nach Mohammeds Tod (~650) verbindlich aufgeschrieben
  • Auf Arabisch — gilt als unübersetzbar (Übersetzungen sind "Erläuterungen")
  • Heilige Schrift für 1,9 Mrd. Muslime weltweit

Fünf Säulen des Islam

  1. Shahada: Glaubensbekenntnis
  2. Salat: 5 tägliche Gebete
  3. Zakat: Almosen (2,5 % des Vermögens)
  4. Saum: Fasten im Ramadan
  5. Hadsch: Pilgerfahrt nach Mekka (einmal im Leben, wenn möglich)

Bedeutung

Religion

  • Begründer einer der drei monotheistischen Weltreligionen
  • Heute: 1,9 Mrd. Muslime — 24 % der Weltbevölkerung
  • Größte Muslim-Länder: Indonesien, Pakistan, Indien, Bangladesch

Politik

  • Vereinte Arabien zum ersten Mal
  • Begründer eines Staatswesens
  • Innerhalb von 100 Jahren: Weltreich von Spanien bis Indien

Kultur

  • Arabische Schrift und Sprache
  • Islamische Kunst und Architektur
  • Wissenschaft und Philosophie der islamischen Welt (Mittelalter)
  • Antike Texte über die islamische Welt nach Europa

Mohammed in der westlichen Wahrnehmung

  • Im Mittelalter oft als Antichrist verteufelt (Dante)
  • Aufklärung: differenziertere Sichtweise
  • Goethe schätzt ihn ("Mahomets Gesang")
  • Modern: konfliktreich — z. B. Mohammed-Karikaturen 2005/06
  • In Michael H. Harts Buch "The 100" (1978): Platz 1 der einflussreichsten Menschen aller Zeiten

Bilderverbot

Im Islam gilt allgemein ein Bilderverbot für Mohammed — daher gibt es kaum offizielle Darstellungen. Westliche Karikaturen führten zu schweren Konflikten (Dänische Mohammed-Karikaturen 2005, Charlie Hebdo 2015).

⚜ Religion und Staat

Anders als Jesus war Mohammed nicht nur Religionsstifter, sondern auch politischer Führer und Feldherr. Diese Verbindung von Religion und Staat prägt den Islam bis heute — und stellt für viele Muslime und Nicht-Muslime einen zentralen Diskussionspunkt dar.