Epoche · 1789 - 1914

19. Jahrhundert

1789 n. Chr. – 1914 n. Chr.

Französische Revolution, Napoleon, Industrielle Revolution, Nationalstaaten — das Jahrhundert der totalen Umwälzung.

Das 19. Jahrhundert war das Jahrhundert der dramatischen Veränderungen. In 125 Jahren — von der Französischen Revolution bis zum Ersten Weltkrieg — wurde aus der agrarischen, ständischen Welt eine industrielle, bürgerliche Moderne.

Die großen Umwälzungen

1789
Französische Revolution
1804
Napoleon Kaiser
1815
Wiener Kongress
1830, 1848
Revolutionsjahre
1861-1865
Amerikanischer Bürgerkrieg
1871
Deutsche Reichsgründung
1870-1914
Hochimperialismus
1914
1. Weltkrieg — Ende des langen 19. Jh.

Französische Revolution und Napoleon

Französische Revolution (1789-1799) stürzt die Monarchie. Begriffe wie Volk, Nation, Bürger, Menschenrechte werden zur Realität.

Napoleon Bonaparte (1769-1821) führt Frankreich von 1799 bis 1815 — wird Kaiser 1804, beherrscht große Teile Europas, wird endgültig bei Waterloo besiegt.

Wiener Kongress (1815)

Metternich orchestriert die Neuordnung Europas:

  • Restauration der alten Dynastien
  • Gleichgewicht der 5 Großmächte: Großbritannien, Russland, Preußen, Österreich, Frankreich
  • Deutscher Bund (1815-1866): 39 deutsche Staaten
  • Heilige Allianz gegen Revolution

Revolutionen

  • 1830: Julirevolution in Paris, Belgien wird unabhängig
  • 1848: Frühjahr der Völker — Revolutionen in Frankreich, Deutschland, Italien, Österreich. Paulskirchenverfassung in Deutschland (scheitert)
  • 1871: Pariser Kommune

Industrielle Revolution

  • Beginn in England ~1760-1830
  • Dampfmaschine, Eisenbahn (ab 1825), Fabriken
  • Verlagerung der Bevölkerung in Städte
  • Entstehung der Industriearbeiterschaft
  • Aufstieg des Bürgertums
  • Schwerindustrie, dann Elektrizität, Chemie, Automobil

Nationalstaaten

  • Italien: Einigung 1861 (Cavour, Garibaldi, Mazzini)
  • Deutschland: Reichsgründung 1871 (Bismarck, Wilhelm I.)
  • USA: Bürgerkrieg 1861-65 sichert die Union, Sklaverei wird abgeschafft
  • Balkan: Auflösung des Osmanischen Reichs, neue Staaten (Griechenland, Serbien, Rumänien...)
  • Lateinamerika: Unabhängigkeit 1810-1825 (Bolivar, San Martín)

Politische Ideologien

Das 19. Jh. ist das Zeitalter der "großen Ismen":

  • Liberalismus: Freiheit, Eigentum, Konstitutionalismus
  • Konservatismus: Tradition, Kirche, Monarchie
  • Nationalismus: Volk und Nation als höchster Wert
  • Sozialismus: Karl Marx, "Das Kapital" (1867)
  • Anarchismus: Bakunin, Kropotkin

Wissenschaft

  • Darwin: "On the Origin of Species" (1859) — Evolution
  • Pasteur, Koch: Mikrobentheorie, Impfungen
  • Mendel: Vererbungslehre (1866, lange unbemerkt)
  • Maxwell: Elektromagnetismus
  • Mendelejew: Periodensystem
  • Röntgen: X-Strahlen (1895)
  • Marie Curie: Radioaktivität

Kolonialismus und Imperialismus

  • 1830ff: Frankreich erobert Algerien
  • 1857: Indien wird britische Kronkolonie nach Sepoy-Aufstand
  • 1869: Suez-Kanal eröffnet
  • 1884/85: Berliner Kongokonferenz — Europäer teilen Afrika auf
  • Bis 1914: 84 % der Erde sind kolonialisiert (formell oder informell)
  • Mehr in Kolonialismus

Soziale Frage

  • Industriearbeiter unter elenden Bedingungen
  • Kinder- und Frauenarbeit
  • Erste Gewerkschaften, Streiks
  • Sozialdemokratische Parteien entstehen
  • Bismarcks Sozialgesetze (1883-1889): Kranken-, Unfall-, Rentenversicherung

Kultur

  • Romantik: Friedrich, Schubert, Hugo
  • Realismus: Tolstoi, Flaubert, Courbet
  • Impressionismus: Monet, Renoir
  • Bürgerliche Hochkultur: Oper, Roman, Museen

Frauen-Emanzipation

  • Erste Hochschulen für Frauen (1849 Bedford College London)
  • Suffragetten kämpfen für Wahlrecht
  • 1893: Neuseeland — erstes Land mit Frauenwahlrecht
  • 1908: Deutschland erlaubt Frauen das Studium

Auf dem Weg zum Krieg

  • Bündnissysteme: Triple-Allianz vs. Triple-Entente
  • Wettrüsten zur See (England vs. Deutschland)
  • Balkankriege 1912/13
  • 28. Juni 1914: Attentat von Sarajevo
  • 1. August 1914: Krieg

⚜ Belle Époque

1880-1914 — die "Belle Époque" gilt rückblickend als goldenes Zeitalter: Frieden, Wachstum, kulturelle Blüte. Auch wenn das aus heutiger Sicht beschönigt ist (Kolonialismus, soziale Not), gab es einen optimistischen Zeitgeist. Stefan Zweig nannte sie "Die Welt von Gestern" — verschwunden im August 1914.