19. Jahrhundert
Französische Revolution, Napoleon, Industrielle Revolution, Nationalstaaten — das Jahrhundert der totalen Umwälzung.
Das 19. Jahrhundert war das Jahrhundert der dramatischen Veränderungen. In 125 Jahren — von der Französischen Revolution bis zum Ersten Weltkrieg — wurde aus der agrarischen, ständischen Welt eine industrielle, bürgerliche Moderne.
Die großen Umwälzungen
- 1789
- Französische Revolution
- 1804
- Napoleon Kaiser
- 1815
- Wiener Kongress
- 1830, 1848
- Revolutionsjahre
- 1861-1865
- Amerikanischer Bürgerkrieg
- 1871
- Deutsche Reichsgründung
- 1870-1914
- Hochimperialismus
- 1914
- 1. Weltkrieg — Ende des langen 19. Jh.
Französische Revolution und Napoleon
Französische Revolution (1789-1799) stürzt die Monarchie. Begriffe wie Volk, Nation, Bürger, Menschenrechte werden zur Realität.
Napoleon Bonaparte (1769-1821) führt Frankreich von 1799 bis 1815 — wird Kaiser 1804, beherrscht große Teile Europas, wird endgültig bei Waterloo besiegt.
Wiener Kongress (1815)
Metternich orchestriert die Neuordnung Europas:
- Restauration der alten Dynastien
- Gleichgewicht der 5 Großmächte: Großbritannien, Russland, Preußen, Österreich, Frankreich
- Deutscher Bund (1815-1866): 39 deutsche Staaten
- Heilige Allianz gegen Revolution
Revolutionen
- 1830: Julirevolution in Paris, Belgien wird unabhängig
- 1848: Frühjahr der Völker — Revolutionen in Frankreich, Deutschland, Italien, Österreich. Paulskirchenverfassung in Deutschland (scheitert)
- 1871: Pariser Kommune
Industrielle Revolution
- Beginn in England ~1760-1830
- Dampfmaschine, Eisenbahn (ab 1825), Fabriken
- Verlagerung der Bevölkerung in Städte
- Entstehung der Industriearbeiterschaft
- Aufstieg des Bürgertums
- Schwerindustrie, dann Elektrizität, Chemie, Automobil
Nationalstaaten
- Italien: Einigung 1861 (Cavour, Garibaldi, Mazzini)
- Deutschland: Reichsgründung 1871 (Bismarck, Wilhelm I.)
- USA: Bürgerkrieg 1861-65 sichert die Union, Sklaverei wird abgeschafft
- Balkan: Auflösung des Osmanischen Reichs, neue Staaten (Griechenland, Serbien, Rumänien...)
- Lateinamerika: Unabhängigkeit 1810-1825 (Bolivar, San Martín)
Politische Ideologien
Das 19. Jh. ist das Zeitalter der "großen Ismen":
- Liberalismus: Freiheit, Eigentum, Konstitutionalismus
- Konservatismus: Tradition, Kirche, Monarchie
- Nationalismus: Volk und Nation als höchster Wert
- Sozialismus: Karl Marx, "Das Kapital" (1867)
- Anarchismus: Bakunin, Kropotkin
Wissenschaft
- Darwin: "On the Origin of Species" (1859) — Evolution
- Pasteur, Koch: Mikrobentheorie, Impfungen
- Mendel: Vererbungslehre (1866, lange unbemerkt)
- Maxwell: Elektromagnetismus
- Mendelejew: Periodensystem
- Röntgen: X-Strahlen (1895)
- Marie Curie: Radioaktivität
Kolonialismus und Imperialismus
- 1830ff: Frankreich erobert Algerien
- 1857: Indien wird britische Kronkolonie nach Sepoy-Aufstand
- 1869: Suez-Kanal eröffnet
- 1884/85: Berliner Kongokonferenz — Europäer teilen Afrika auf
- Bis 1914: 84 % der Erde sind kolonialisiert (formell oder informell)
- Mehr in Kolonialismus
Soziale Frage
- Industriearbeiter unter elenden Bedingungen
- Kinder- und Frauenarbeit
- Erste Gewerkschaften, Streiks
- Sozialdemokratische Parteien entstehen
- Bismarcks Sozialgesetze (1883-1889): Kranken-, Unfall-, Rentenversicherung
Kultur
- Romantik: Friedrich, Schubert, Hugo
- Realismus: Tolstoi, Flaubert, Courbet
- Impressionismus: Monet, Renoir
- Bürgerliche Hochkultur: Oper, Roman, Museen
Frauen-Emanzipation
- Erste Hochschulen für Frauen (1849 Bedford College London)
- Suffragetten kämpfen für Wahlrecht
- 1893: Neuseeland — erstes Land mit Frauenwahlrecht
- 1908: Deutschland erlaubt Frauen das Studium
Auf dem Weg zum Krieg
- Bündnissysteme: Triple-Allianz vs. Triple-Entente
- Wettrüsten zur See (England vs. Deutschland)
- Balkankriege 1912/13
- 28. Juni 1914: Attentat von Sarajevo
- 1. August 1914: Krieg
⚜ Belle Époque
1880-1914 — die "Belle Époque" gilt rückblickend als goldenes Zeitalter: Frieden, Wachstum, kulturelle Blüte. Auch wenn das aus heutiger Sicht beschönigt ist (Kolonialismus, soziale Not), gab es einen optimistischen Zeitgeist. Stefan Zweig nannte sie "Die Welt von Gestern" — verschwunden im August 1914.