Der Aufstieg des Nationalsozialismus
Vom Bierkellerputsch zur Machtergreifung — wie eine Splitterpartei Deutschland eroberte.
Der Aufstieg des Nationalsozialismus ist eine der erschütterndsten Geschichten der Moderne. Innerhalb von 14 Jahren wurde aus einer kleinen rechtsradikalen Splitterpartei die staatstragende Bewegung des Deutschen Reichs. Wie konnte das geschehen? Weltwirtschaftskrise, Schwäche der Demokratie, Hass gegen den Versailler Vertrag, Antisemitismus, persönliche Eitelkeiten — und am Ende ein konservatives Kalkül, das fatal danebenging.
Vorgeschichte
- WWI verloren 1918
- Versailler Vertrag 1919 — "Schmach"
- Weimarer Republik instabil
- Inflation 1923
- Politische Morde (Rathenau 1922)
- Antisemitismus traditionell stark
- "Dolchstoßlegende" — Juden schuld an Niederlage
Hitlers Frühzeit
- Adolf Hitler 1889 in Braunau (Österreich) geboren
- Wien-Aufenthalt — antisemitisch geprägt
- 1914 freiwillig zur deutschen Armee
- WWI — Gefreiter, EK I und II
- München nach Krieg
- 1919 Eintritt in DAP (später NSDAP)
NSDAP-Gründung
- Februar 1920 — 25-Punkte-Programm
- Antisemitisch, antikapitalistisch, nationalistisch
- Hakenkreuz-Symbol
- Hitler übernimmt 1921
- SA (Sturmabteilung) gegründet
- Ernst Röhm organisiert
Hitlerputsch 1923
- 8./9. November 1923 — München, Bürgerbräukeller
- Hitler will Marsch auf Berlin
- Polizei stoppt — 16 NS-Tote, 4 Polizisten
- Hitler verhaftet
- Prozess — Hitler wird bekannt
- 5 Jahre Festungshaft, früh entlassen
- Landsberg — schreibt "Mein Kampf"
Mein Kampf 1925/26
- Zwei Bände
- Ideologie ausführlich
- Antisemitismus, Lebensraum, Führerprinzip
- Erst wenig gelesen
- Später Pflichtlektüre
Wiederaufbau der Partei
- 1925 Neugründung NSDAP
- Strenge Hierarchie — Hitler an Spitze
- Wahlerfolge zunächst gering
- 1928 Reichstagswahl: 2,6%
- Goldene Zwanziger Jahre Stabilisierung
- NSDAP scheint marginal
Weltwirtschaftskrise
- Schwarzer Freitag 25. Oktober 1929
- USA Krise schwappt nach Deutschland
- Massenarbeitslosigkeit — 6 Mio. 1932
- Großindustrielle Pleiten
- Sozialer Abstieg breiter Schichten
- Radikalisierung — links und rechts
Wahlerfolge 1930-1932
- September 1930: NSDAP 18,3% (107 Sitze)
- April 1932: Reichspräsidentenwahl — Hitler 36,8%
- Hindenburg gewinnt
- Juli 1932: NSDAP 37,4% — stärkste Partei
- November 1932: 33,1% (leichter Verlust)
- Wirtschaftsversprechen ziehen
- Hass gegen Versailles
- Antisemitismus
- "Führer-Sehnsucht"
Wer wählte NS?
- Mittelstand stark
- Bauern
- Angestellte
- Jugend
- Protestanten mehr als Katholiken
- Frauen anfangs weniger, später ähnlich
- Arbeiter — weniger (KPD/SPD)
Politische Krise
- Brüning regiert mit Notverordnungen 1930-32
- "Präsidialkabinett"
- Demokratie ausgehöhlt
- Hindenburg wechselt: Papen (Juni 1932), Schleicher (Dez 1932)
- Beide scheitern
- Intrigen
Ernennung 30. Januar 1933
- Papen überzeugt Hindenburg
- "Wir haben ihn uns engagiert"
- Konservative glauben, Hitler kontrollieren zu können
- Hitler wird Reichskanzler
- Kabinett mit nur drei NS-Ministern (Hitler, Frick, Göring)
- "Machtergreifung"
- Fackelzug durch Brandenburger Tor
Schnelle Gleichschaltung
- Reichstagsbrand 27. Februar 1933
- Verordnung zum Schutz von Volk und Staat — Bürgerrechte aus
- Wahl 5. März 1933 — NSDAP 43,9%
- Mit DNVP Mehrheit
- Ermächtigungsgesetz 23. März 1933 — Hitler kann ohne Reichstag regieren
- SPD stimmt dagegen, KPD verhaftet, Zentrum dafür
- Gewerkschaften zerschlagen Mai 1933
- Parteienverbot Juli 1933
- Konkordat mit Vatikan
Konzentrationslager
- Dachau März 1933 — erstes KZ
- SA, dann SS
- Zunächst politische Gegner
- Bald Juden, Sinti/Roma, Homosexuelle, "Asoziale"
- Folter, Mord
Röhm-Putsch 1934
- "Nacht der langen Messer" 30. Juni 1934
- SA-Führung ermordet
- Röhm tot
- Schleicher, Strasser tot
- SS übernimmt
- Reichswehr akzeptiert Hitler
Hindenburg stirbt
- 2. August 1934
- Hitler vereint Kanzler- und Präsidentenamt
- "Führer und Reichskanzler"
- Wehrmacht schwört auf Hitler
- Diktatur vollendet
Antisemitismus eskaliert
- Boykott jüdischer Geschäfte 1. April 1933
- Berufsbeamtengesetz April 1933 — Juden entlassen
- Nürnberger Gesetze 1935 — "Rassengesetze"
- Reichspogromnacht 9./10. November 1938
- Wegbereiter Holocaust
Wirtschaftsaufschwung
- Arbeitsbeschaffung (Autobahn, Aufrüstung)
- Arbeitslose von 6 Mio. auf 0,5 Mio.
- "Volkswagen"
- "Kraft durch Freude"
- Lohnsenkung, Zwang versteckt
- Schein der Erfolge
Außenpolitik 1933-1939
- Austritt Völkerbund 1933
- Wehrpflicht 1935
- Rheinland-Besetzung 1936
- Olympische Spiele Berlin 1936
- Anschluss Österreich März 1938
- Münchner Abkommen September 1938 — Sudetenland
- "Rest-Tschechei" März 1939
- Hitler-Stalin-Pakt 23. August 1939
- Überfall auf Polen 1. September 1939 — WWII
Warum gelang der Aufstieg?
- Wirtschaftskrise
- Schwäche Weimars
- Konservative Steigbügelhalter
- Antikommunismus
- Antisemitismus
- "Führer-Sehnsucht"
- Versailles-Hass
- Propaganda Goebbels
- Hitler-Charisma
- Mangelnde demokratische Tradition
- Zufall (Reichstagsbrand)
- Politische Fehlkalkulationen (Papen)
Lehren
- Demokratie schützen
- Rechtsstaat verteidigen
- Hass früh begegnen
- Wirtschaftskrise nicht extremen Lösungen überlassen
- Geschichte nicht wiederholen
- "Wehret den Anfängen"
14 Jahre — vom Niemand zum Diktator
1919 war Hitler ein Niemand: ein 30-jähriger Heimkehrer in München, Mitglied einer 50-Mann-Splitterpartei. 1933 war er Reichskanzler. 14 Jahre. Und niemand musste ihn wählen — am Ende reichte das Zusammenspiel aus Wirtschaftskrise, demokratischer Schwäche und konservativem Kalkül. "Wir haben ihn uns engagiert", sagte Papen am 30. Januar 1933. 65 Mio. Tote später war klar, was diese Naivität bedeutete. Geschichte ist nicht Schicksal. Aber sie hängt an menschlichen Entscheidungen — auch falschen.