Olympia · 776 v. Chr. - 393 n. Chr.
Die antiken Olympischen Spiele
Fünf Tage Sport, Frieden und Zeus-Verehrung — die größte Sportveranstaltung der Antike.
Die antiken Olympischen Spiele fanden über 1.000 Jahre lang in Olympia auf der Peloponnes statt — von 776 v. Chr. bis 393 n. Chr. Sie ehrten Zeus, vereinten die Griechen und überstanden Kriege, Imperien und Religionswandel.
Olympia — der Ort
- Heiligtum auf der Peloponnes, in der Landschaft Elis
- Nicht der Berg Olymp (in Nordgriechenland)
- Heiliger Hain — Altis
- Tempel des Zeus
- Tempel der Hera
- Stadion (~210 m lang)
- Hippodrom (Pferderennbahn)
- UNESCO-Weltkulturerbe seit 1989
Mythologischer Ursprung
- Heroen-Mythen: Pelops, Herakles, Apollon
- Pelops gewinnt durch Wagenrennen die Hand der Hippodamia
- Herakles stiftet die Spiele zum Dank an Zeus
- Mehrere Mythen koexistieren
Historische Anfänge
- Erste dokumentierte Spiele: 776 v. Chr.
- Sieger im Stadionlauf: Koroibos aus Elis
- Alle 4 Jahre — "Olympiade"
- Olympiaden als Zeitrechnung der Griechen
- Älteste belegte regelmäßige Sportveranstaltung
Heiliger Waffenstillstand
- Ekecheiria — heiliger Friede
- Vor und während der Spiele
- Reisende Pilger und Athleten geschützt
- Drei Monate Waffenstillstand
- Wurde meist respektiert
- Wer ihn brach, durfte nicht teilnehmen
- Sparta einmal ausgeschlossen
Wer durfte teilnehmen?
- Nur freie griechische Männer
- Bürger einer griechischen Polis
- Müssen Eid auf Zeus schwören: 10 Monate trainiert, regelkonform
- Spätere Erweiterungen: Mazedonier, Römer
- Frauen ausgeschlossen (außer als Wagenbesitzerinnen)
- Sklaven, "Barbaren" (Nicht-Griechen) ausgeschlossen
- Frauen drohte Todesstrafe als Zuschauerinnen — aber wurde wohl nicht durchgesetzt
Heraien — Frauen-Spiele
- Eigenes Fest für Hera
- Wettläufe junger Frauen
- Über das Stadion gespannte Strecke
- Sieger: Olivenkranz und Heratempel-Anteil
Disziplinen
Hauptdisziplin: Lauf
- Stadionlauf: ~192 m, eine Stadionlänge
- Diaulos: ~384 m (zweimal das Stadion)
- Dolichos: ~4.600 m (24 Stadien) — Langstrecke
- Hoplitodromos: Lauf in voller Rüstung (520 v. Chr. eingeführt)
Pentathlon (Fünfkampf)
- Diskuswerfen
- Speerwerfen
- Weitsprung (mit Sprunggewichten)
- Sprint
- Ringkampf
Kampfsportarten
- Ringen (Palé)
- Faustkampf (Pygme): ohne Handschuhe, mit Lederriemen
- Pankration: alles erlaubt außer Beißen und Augenstechen — extrem brutal
Pferdesport
- Wagenrennen mit Viergespann (Tethrippon)
- Wagenrennen mit Zweigespann (Synoris)
- Pferderennen (geritten)
- Wagenbesitzer (nicht Lenker!) waren Sieger — auch Frauen konnten so siegen
- Hippodrom war 600 m lang
Ablauf der Spiele
Fünf Tage
- Tag 1: Eröffnung, Eide, Opfer
- Tag 2: Wagenrennen, Pentathlon
- Tag 3: Tag der Hauptopfer für Zeus — 100 Stiere
- Tag 4: Lauf, Kampfsportarten, Hoplitodromos
- Tag 5: Siegerehrung, Bankett
Schiedsrichter
- "Hellanodiken" — 10 ausgewählte Bürger
- Tragen Purpur
- Strenge Regeln
- Bestrafen Bestechung mit Geldstrafe → Zanes-Statuen davon finanziert
Preise
- Olivenkranz aus heiligem Olivenbaum
- Kein Geld — die Spiele waren "amateurhaft"
- Aber: Sieger werden in ihrer Heimatstadt belohnt — Geld, Statuen, lebenslange Verpflegung
- Solon: 500 Drachmen für Athener Olympiasieger
- Pindar schreibt Siegeshymnen
- Olympioniken hoch verehrt
Berühmte Sieger
Milon von Kroton (6. Jh. v. Chr.)
- Ringer
- 6-facher Olympiasieger
- Legenden: trug Ochsen, brach Bäume
- Soll an einem Baum gestorben sein, in dem seine Hand stecken blieb
Leonidas von Rhodos (164-152 v. Chr.)
- Läufer
- 12 Olympia-Siege in vier aufeinanderfolgenden Olympiaden
- Stadion, Diaulos, Hoplitodromos
- Rekord ungebrochen bis Michael Phelps 2008
Theagenes von Thasos (5. Jh. v. Chr.)
- Boxer und Pankration-Kämpfer
- ~1.400 Siege insgesamt
Diagoras von Rhodos und Söhne
- Drei Generationen olympische Sieger
- Diagoras stirbt bei Olympia, als seine Söhne ihn auf ihren Schultern tragen
Zeus-Statue
- Im Zeus-Tempel
- Geschaffen von Phidias (~435 v. Chr.)
- 12 m hoch
- Aus Gold und Elfenbein (chryselephantin)
- Eines der 7 Weltwunder der Antike
- Heute verloren (vermutlich zerstört im 5. Jh. n. Chr.)
Andere panhellenische Spiele
- Pythische Spiele in Delphi (alle 4 Jahre, Apollon)
- Isthmische Spiele in Korinth (alle 2 Jahre, Poseidon)
- Nemeische Spiele (alle 2 Jahre, Zeus)
- Olympia war die wichtigste
Niedergang
- Römer übernehmen Olympia
- Spiele werden weniger heilig, mehr Spektakel
- Kaiser Nero (67 n. Chr.) "gewinnt" Wagenrennen — fiel vom Wagen, wurde trotzdem zum Sieger erklärt
- Niedergang im 3. Jh.
- Christen verachten die heidnischen Spiele
Ende
- Theodosius I. verbietet heidnische Kulte
- 393 n. Chr.: letzte Olympische Spiele
- (Mache nehmen 426 als spätestes Datum an)
- Tempel zerstört, Statuen verschleppt
- Erdbeben begraben Olympia
- Vergessen für 1.400 Jahre
Wiederentdeckung
- 18. Jh.: erste Reisebeschreibungen
- 1829: erste Ausgrabungen
- 1875-1881: deutsche Ausgrabungen (Ernst Curtius)
- Wichtige Funde: Hermes des Praxiteles, Nike des Paionios
Wiederbelebung (1896)
- Pierre de Coubertin (Franzose) treibt moderne Olympische Spiele voran
- 1894: Internationales Olympisches Komitee (IOC) gegründet
- 1896: Erste moderne Olympische Spiele in Athen
- 14 Länder, 241 Athleten
- Heute größte Sportveranstaltung der Welt
Moderne und Antike
Übernommen
- Vier-Jahres-Rhythmus (Olympiade)
- Disziplinen (Lauf, Ringen, Pferd)
- Pankration → moderne MMA
- Olivenkranz als Symbol
- Olympische Fackel
Neu
- Frauen — seit 1900 erlaubt
- Internationale Beteiligung
- Winterspiele (seit 1924)
- Goldmedaillen statt Olivenkranz
- Profis erlaubt (seit ~1980)
Antike Olympia heute
- Archäologische Stätte besichtigbar
- Stadion betreten möglich
- Archäologisches Museum (mit Original-Funden)
- Hermes des Praxiteles dort
- Ritual des Anzündens des Olympischen Feuers vor jeden Spielen findet hier statt
Sport als kulturelle Leistung
- Griechen erfanden den Sportwettkampf als zivilisierte Form der Konkurrenz
- "Gesunder Geist in gesundem Körper"
- Vorbild für Bildung — Gymnasien
- Sport als religiöser Akt
- Identität: "Wir Griechen" gegen "Barbaren"
Was wir nicht wissen
- Wer der erste Sieger der frühen Spiele wirklich war (vorindustriell)
- Genaue Regeln einiger Disziplinen
- Zeitmessung (Sonnenuhr, Gefühl?)
- Wie viele Frauen sich heimlich Zutritt verschafften
Berühmte Anekdoten
- Kallipateira war als Männerinnen-Trainer da, wurde entdeckt — wurde freigesprochen, weil ihre Familie viele Olympiasieger hatte. Trotzdem mussten Trainer ab da nackt erscheinen
- Polydamas hob einen Löwen, bevor er beim Mauerstützen starb
Olympiaden als Zeitrechnung
Vor unserer christlichen Zeitrechnung war eine populäre antike Zeitskala die Olympiade — vier Jahre zwischen den Spielen. Quellen schreiben: "Im 3. Jahr der 76. Olympiade…" Pythagoras lebte in der 50. Olympiade, Alexander der Große starb in der 114. Wer eine Olympiaden-Liste hatte, hatte den Schlüssel zur antiken Chronologie. Die Spiele waren also nicht nur Sport — sie waren der Kalender.