Maler · 1881 - 1973

Pablo Picasso

1881 n. Chr. – 1973 n. Chr.

Kubismus, Guernica, 50.000 Werke — der prägendste Maler des 20. Jahrhunderts.

Pablo Picasso (1881-1973) ist der wirkmächtigste Maler des 20. Jahrhunderts. Sein 91-jähriges Leben war ständige Neuerfindung — Blaue Periode, Kubismus, Surrealismus. Er hinterließ ~50.000 Werke.

Herkunft

  • 25. Oktober 1881 in Málaga, Spanien geboren
  • Vater: José Ruiz y Blasco — Maler, Kunstprofessor
  • Mutter: María Picasso y López — Spanisch
  • Spanische Namensgebung — er nimmt den Mutternamen

Frühe Begabung

  • Erstes Wort angeblich piz (für lápiz = Bleistift)
  • Mit 7 lernt er bei Vater Malen
  • Vater erkennt Talent
  • Mit 14 in der Akademie Barcelona — überspringt Klassen
  • Vater soll seine Pinsel niedergelegt haben — Mein Sohn ist besser

Erste Reisen

  • 1897: Madrid — Akademie
  • 1900: erste Reise nach Paris
  • 1901: Selbstmord seines Freundes Carlos Casagemas
  • Wendepunkt

Blaue Periode (1901-1904)

  • Düstere blaue Töne
  • Bettler, Trinker, Mütter
  • Eigene Armut
  • La Vie (1903), Der alte Gitarrist (1903)

Rosa Periode (1904-1906)

  • Wärmere Töne
  • Zirkus, Akrobaten, Harlekine
  • Picasso zieht nach Paris (Bateau-Lavoir am Montmartre)
  • Erste Liebesbeziehung: Fernande Olivier
  • Familie der Gaukler (1905)

Les Demoiselles d Avignon (1907)

  • Revolutionsbild — Beginn der modernen Kunst
  • 5 nackte Frauen — radikal verzerrt
  • Afrikanische Masken-Einflüsse
  • Selbst Picasso traut sich nicht, es zu zeigen — versteckt es jahrelang
  • Heute MoMA New York

Kubismus (1907-1914)

Mit Georges Braque begründet Picasso den Kubismus — eine der wichtigsten Stilrevolutionen der Kunstgeschichte:

  • Analytischer Kubismus (1908-1912): Objekte in geometrische Facetten zerlegt
  • Mehrere Perspektiven gleichzeitig
  • Erdtöne, fast monochrom
  • Synthetischer Kubismus (1912-1914): Collagen, Zeitungsausschnitte, Papier
  • Picasso und Braque arbeiten so eng zusammen — Bilder kaum unterscheidbar
  • Beeinflusst die gesamte moderne Kunst

Erster Weltkrieg

  • Picasso bleibt in Paris (Spanier — nicht eingezogen)
  • Braque, Apollinaire ziehen in den Krieg
  • Klassizistische Phase nach Italienreise (1917)
  • 1918: Heirat mit Olga Khokhlova — russische Ballerina
  • Sohn Paulo (1921)

Surrealismus (1920er)

  • Picasso bleibt unabhängig, aber von Surrealisten beeinflusst
  • Affäre mit Marie-Thérèse Walter (1927) — sie ist 17, er 45
  • Tochter Maya (1935)
  • Olga lebt getrennt — aber Picasso scheidet nie (sie stirbt 1955)

Guernica (1937)

Sein berühmtestes Werk:

  • Anlass: Bombardement der baskischen Stadt Guernica durch deutsche Legion Condor (im spanischen Bürgerkrieg)
  • 26. April 1937: über 1.600 Tote in einem Vormittag
  • Picasso schockiert
  • Malt für die Pariser Weltausstellung
  • 3,49 x 7,76 m, schwarz-weiß-grau
  • Sterbendes Pferd, brüllender Stier, schreiende Mutter mit totem Kind, brennende Frau
  • Heute im Museo Reina Sofía in Madrid
  • Ein Nazi-Offizier fragte Picasso bei einer Ausstellung: Haben Sie das gemacht? Picasso: Nein, Sie haben das gemacht
  • Anti-Kriegs-Symbol für die Ewigkeit

Zweiter Weltkrieg

  • Picasso bleibt im besetzten Paris
  • Nazis hassen seine Kunst — entartet
  • Aber: sie tasten ihn nicht an
  • Während des Krieges Affäre mit Dora Maar — Fotografin, Surrealistin
  • Maar fotografierte Entstehung von Guernica

Nach 1945

  • Picasso tritt der Kommunistischen Partei Frankreichs (KPF) bei (1944)
  • Bleibt zeitlebens Mitglied
  • Friedenstaube (1949) als Symbol der Friedensbewegung
  • Affäre mit Françoise Gilot — verlässt ihn 1953 (einzige Frau, die ihn verließ)
  • Zwei Kinder: Claude, Paloma

Letzte Lebensgefährtin

  • 1953: Jacqueline Roque — letzte Lebensgefährtin
  • 1961: heiratet sie (nach Olgas Tod 1955)
  • Sie ist 26, er 79
  • Über 400 Porträts Jacquelines
  • Lebt mit ihm bis zum Tod in Mougins

Späte Jahre

  • Spätstil — kraftvoll, expressiv
  • Variationen über alte Meister (Velázquez, Manet, Delacroix)
  • Skulpturen, Keramik
  • Unermüdliche Produktivität bis ins hohe Alter
  • Zieht sich an die Côte d Azur zurück

Tod (1973)

  • 8. April 1973 in Mougins, 91 Jahre alt
  • Letzte Worte: Trinkt auf mich, trinkt auf meine Gesundheit, ihr wisst, dass ich nicht mehr trinken kann
  • Lungenödem
  • Begraben im Park des Château de Vauvenargues

Familientragödien

  • Sohn Paulo: Alkoholiker, stirbt 1975
  • Jacqueline: Selbstmord 1986
  • Marie-Thérèse: Selbstmord 1977
  • Enkel Pablito: Selbstmord 1973 (nach Picassos Tod)
  • Picasso war als Mann oft schwierig

Werk

  • ~50.000 Werke
  • Gemälde, Skulpturen, Grafiken, Keramik
  • Eigene Museen in Barcelona, Paris, Antibes, Málaga
  • Teuerstes Bild zu Lebzeiten verkauft: Les femmes d Alger (2015 für 179 Mio. $)

Persönlichkeit

  • Klein (1,63 m), aber dominant
  • Charismatisch, manchmal grausam
  • Genuss, Lebensfreude, Egoismus
  • Frauen behandelte er instrumentell
  • Selbst seine Gefährtin Françoise Gilot sagte: er habe sie zerstört
  • Politisch links, lebte aber reich

Wirkung

Kunst

  • Begründete den Kubismus mit Braque
  • Prägte die Moderne
  • Vorbild für ungezählte Künstler
  • Verstand sich als Picasso, der Stier — kraftvoll, unbeugsam

Politisch

  • Guernica als Anti-Kriegs-Symbol
  • Friedenstaube weltweit bekannt
  • Kommunist, aber unabhängig

Picasso-Wandel

Picasso wandelte sich ständig: Blaue Periode → Rosa → Kubismus → Klassizismus → Surrealismus → Spätstil. Er sagte: Ich suche nicht, ich finde. Jede Phase war eine Revolution. Andere Maler hatten einen Stil — Picasso hatte Dutzende.

Kritik heute

  • MeToo-Debatte: Picassos Verhältnis zu Frauen problematisch
  • Aggression, Manipulation
  • Aber: Werk bleibt
  • "Trennen von Werk und Person" — schwierige Frage

Aktualität

  • 2023: 50. Todestag — weltweite Ausstellungen
  • Picasso-Sammlung in Centre Pompidou Paris, MoMA New York
  • Sotheby s und Christie s: jede Picasso-Auktion ein Ereignis

Sie haben das gemacht

Im besetzten Paris besucht ein Nazi-Offizier Picassos Atelier. Er sieht ein Bild von Guernica und fragt: Haben Sie das gemacht? Picassos Antwort: Nein, Sie haben das gemacht. Eine der berühmtesten Anekdoten der Kunstgeschichte. Wahrscheinlich erfunden — aber sie trifft Picassos Geist: Künstler als moralischer Zeuge, nicht als Gefallender.