Römische Republik · 73 - 71 v. Chr.

Spartakus und der Sklavenaufstand

73 v. Chr. – 71 v. Chr.

Der Gladiator, der Rom in die Knie zwang — drei Jahre Aufstand, sechs Tausend Kreuze.

Spartakus (~109-71 v. Chr.) war ein thrakischer Gladiator, der den größten Sklavenaufstand der Antike anführte. Drei Jahre lang besiegte er römische Heere — bis er und 6.000 seiner Anhänger an der Via Appia ans Kreuz genagelt wurden.

Hintergrund: Sklaverei im Römischen Reich

  • Im 1. Jh. v. Chr.: ein Drittel der italienischen Bevölkerung Sklaven
  • Insgesamt: 1-2 Millionen Sklaven in Italien
  • Aus Eroberungen: Gallier, Thraker, Germanen, Griechen, Syrer
  • Arbeit in Latifundien, Bergwerken, Haushalten
  • Gladiatoren: Sklaven, in Schulen ausgebildet, zum öffentlichen Kampf

Frühere Sklavenaufstände

  • Erster Sizilischer Sklavenkrieg (135-132 v. Chr.) unter Eunus
  • Zweiter Sizilischer Sklavenkrieg (104-100 v. Chr.) unter Salvius
  • Beide brutal niedergeschlagen
  • Aber: Sklavenproblem ungelöst

Spartakus Herkunft

  • ~109 v. Chr. in Thrakien geboren (heutiges Bulgarien)
  • Vermutlich freier Mann, eventuell sogar in römischer Hilfstruppe
  • Wird Sklave — Umstände unklar
  • Verkauft an Gladiatorenschule
  • Wenig zuverlässige Quellen über sein Leben vor dem Aufstand

Gladiatorenschule von Capua

  • In Capua (Süditalien)
  • Schule des Lentulus Batiatus
  • Etwa 200 Gladiatoren
  • Thraker, Gallier, Germanen
  • Trainingsorte für brutale Spiele
  • Lebenserwartung sehr niedrig

Ausbruch (Sommer 73 v. Chr.)

  • Aufstand der Gladiatoren
  • ~70-78 Männer fliehen
  • Bewaffnen sich mit Küchenmessern, Spießen
  • Überfallen Karawanen mit echten Waffen
  • Spartakus und zwei Gallier (Crixus, Oenomaus) als Anführer

Auf den Vesuv

  • Die Flüchtlinge ziehen auf den Vesuv
  • Lager auf dem Berg
  • Sklaven aus der Umgebung schließen sich an
  • Rom schickt Claudius Glaber mit 3.000 Mann
  • Glaber belagert den Berg vom einzigen Weg aus
  • Spartakus seilt seine Männer mit Weinranken die Klippen herab
  • Überrascht Römer von hinten
  • Erster großer Sieg

Wachstum (Herbst 73 v. Chr.)

  • Erfolge ziehen mehr Sklaven an
  • Bald: ~40.000 Anhänger
  • Rom schickt zweites Heer unter Publius Varinius — geschlagen
  • Spartakus erobert weitere Städte in Kampanien
  • Beute, Waffen, Verpflegung

72 v. Chr.: Höhepunkt

  • Heer wächst auf 70.000-120.000 (Schätzungen variieren)
  • Konflikt zwischen Spartakus und Crixus
  • Crixus will in Italien bleiben, plündern
  • Spartakus will nach Norden, über die Alpen, in die Freiheit
  • Crixus spaltet sich ab — wird mit 30.000 Mann besiegt und getötet
  • Spartakus zieht weiter nördlich

Bis an die Alpen

  • Spartakus besiegt zwei konsularische Armeen
  • Erreicht Norditalien (Mutina/Modena)
  • Schlägt Gaius Cassius Longinus
  • Weg nach Norden frei
  • Aber: Spartakus kehrt um nach Süden
  • Gründe unklar — Beutehunger der Anhänger?

Crassus übernimmt (71 v. Chr.)

  • Marcus Licinius Crassus — reichster Mann Roms
  • Privat finanziert er 10 Legionen (~50.000 Mann)
  • Wird Oberbefehlshaber
  • Brutale Disziplin: Dezimierung der eigenen Truppen, die geflohen waren
  • Spartakus zieht nach Süden — nach Sizilien wollte er übersetzen

Verrat der Piraten

  • Spartakus verhandelt mit cilicischen Piraten
  • Sollen ihn nach Sizilien bringen
  • Piraten nehmen Geld — verraten Spartakus
  • Spartakus eingeschlossen in Süditalien

Belagerung in Bruttium

  • Crassus baut Mauer und Graben durch die Halbinsel
  • 55 km lang, 4,5 m tief
  • Spartakus eingeschlossen in einer Region
  • Spartakus durchbricht den Graben in einer Sturmnacht
  • Nur ein Drittel seiner Männer schafft es

Finale: Schlacht am Silarus (71 v. Chr.)

  • Frühjahr 71 v. Chr.
  • Spartakus gestellt von Crassus
  • Pompeius (gerade aus Spanien zurück) und Lucullus (aus Mazedonien) kommen ebenfalls
  • Spartakus will entscheidenden Kampf
  • Schlachtet sein eigenes Pferd: "Wenn ich siege, bekomme ich viele Pferde — wenn nicht, brauche ich keines"
  • Schlacht mit etwa 30.000 Sklaven gegen ~50.000 Römer
  • Sklaven werden vernichtet
  • Spartakus fällt im Kampf
  • Sein Körper wird nie gefunden

Die Kreuzigung der 6.000

  • 6.000 gefangene Sklaven
  • An der Via Appia zwischen Capua und Rom gekreuzigt
  • Etwa 200 km Straße mit Kreuzen gesäumt
  • Eine der grausamsten Hinrichtungen der Geschichte
  • Warnung an alle Sklaven

Pompeius stiehlt den Ruhm

  • Pompeius fängt 5.000 Flüchtlinge
  • Beansprucht den Sieg
  • Sein Triumph in Rom
  • Crassus erbost — bekommt nur "Ovatio" (kleiner Triumph)
  • Spannung zwischen Pompeius und Crassus später

Folgen

  • Keine sofortigen Sklavenreformen
  • Letzter großer Sklavenaufstand der Antike
  • Sklaven nun strenger überwacht
  • Aber: römische Republik destabilisiert
  • Aufstieg der Heere — Caesar, Pompeius, Crassus
  • 20 Jahre später: Bürgerkriege

Quellen

  • Plutarch: "Leben des Crassus" — Hauptquelle
  • Appian: "Bürgerkriege"
  • Sallust: Fragmente
  • Florus, Livius, andere
  • Keine Quelle aus Spartakus Sicht — alles aus römischer Perspektive

Spartakus heute

Als Symbol

  • Vorbild für Befreiungsbewegungen
  • Karl Marx: "größter Kerl der ganzen antiken Geschichte"
  • Spartakusbund in Deutschland (Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht, 1916/17)
  • Symbol für sozialistische Bewegungen
  • Auch von Faschisten vereinnahmt (Mussolini sah sich als modernen Spartakus)

In Kunst und Kultur

  • Arthur Koestler: "Die Gladiatoren" (1939)
  • Howard Fast: "Spartacus" (1951)
  • Spartacus (1960) — Kubrick-Film mit Kirk Douglas: "I am Spartacus!"
  • Film entstand in der McCarthy-Ära — Drehbuch von Dalton Trumbo (auf schwarzer Liste)
  • TV-Serie "Spartacus" (2010-13)
  • Khachaturian: Ballett "Spartakus" (1956)

Heute

  • Spartak Moskau (Fußballverein)
  • Spartakiade (sozialistische Sportveranstaltungen)
  • Statue in Sofia (Bulgarien — Spartakus war Thraker)
  • Symbol für Widerstand

Wer war Spartakus wirklich?

Wir wissen erstaunlich wenig:

  • Thrakischer Herkunft
  • Möglicherweise Anführer einer thrakischen Aufstandsbewegung gegen Rom
  • Wurde Sklave und Gladiator
  • Charismatisch, taktisch begabt
  • Vermutlich keine ideologische Sklaven-Befreiung — Hauptziel: nach Hause
  • Aber: kein Massenmord, hatte Disziplin
  • Sein Mythos wuchs nach seinem Tod

Gladiatorenkultur

  • Gladiatoren waren Sklaven, aber auch Promis
  • Erfolgreichste: vermögend, freigelassen
  • Frauen verliebten sich
  • Kämpfe meist auf Verstümmelung, nicht Tod — Gladiatoren waren teuer
  • Aufstand der Gladiatoren ungewöhnlich — sie hatten relativen Komfort

"Ich bin Spartakus!"

In Stanley Kubricks Film Spartacus (1960) fragt der römische Sieger nach Spartakus, um ihn hinzurichten. Einer nach dem anderen erheben sich seine Anhänger: "Ich bin Spartakus! Nein, ich bin Spartakus!" Sie schützen ihn durch eigene Verurteilung. Die Szene ist erfunden — aber sie wurde zur Metapher für Solidarität. 1960 verstand jeder im McCarthy-USA: das gilt heute wieder.