20. Jahrhundert · 1962
Die Kubakrise
13 Tage am Abgrund — als die Welt am nähesten dem Atomkrieg war.
Die Kubakrise im Oktober 1962 ist der Moment, in dem die Welt dem Atomkrieg am nähesten kam. 13 Tage rang die USA mit der UdSSR um sowjetische Atomraketen auf Kuba — und am Ende war beiden klar: ein Atomkrieg wäre der Untergang aller.
Vorgeschichte
- 1959: Castro stürzt Batista in Kuba
- Sozialistische Wende
- 1960: USA verhängt Embargo
- 1961: gescheiterte Schweinebucht-Invasion (CIA)
- Castro sucht sowjetischen Schutz
Sowjetische Raketen
- Frühjahr 1962: Chruschtschow plant Raketenstationierung
- "Anadyr"-Operation
- Heimliche Verschiffung
- Mittelstreckenraketen mit Atomsprengköpfen
- Würden USA in Minuten erreichen
Entdeckung
- 14. Oktober 1962: U-2-Aufklärungsflugzeug fotografiert Raketenrampen
- 16. Oktober: Kennedy informiert
- ExComm (Executive Committee) berät
- Optionen: Invasion, Luftschlag, Blockade, Diplomatie
Kennedys Rede (22. Oktober 1962)
- 17 Minuten Fernsehrede
- Bekanntgabe der Raketen
- "Quarantäne" (Blockade)
- Drohung mit "voller Vergeltung"
- Welt schockiert
13 Tage am Abgrund
- 24. Oktober: US-Marine bildet Blockade
- Sowjetische Schiffe drehen ab
- Aber: Raketen schon auf Kuba
- 26. Oktober: erstes Verhandlungsangebot Chruschtschows
- 27. Oktober: U-2 über Kuba abgeschossen
- "Schwarzer Samstag"
- Sowjet-U-Boot fast Atomtorpedo abgefeuert (Wassili Archipow stoppt)
Lösung
- 28. Oktober: Chruschtschow akzeptiert
- UdSSR zieht Raketen ab
- USA verspricht: keine Invasion Kubas
- Geheim: USA zieht Jupiter-Raketen aus Türkei ab (erst 1963)
- Krise beendet
Folgen
- Hotline Washington-Moskau (1963)
- Teststopp-Abkommen 1963
- Beginn Détente
- Beide Seiten erschüttert
- Chruschtschow 1964 entmachtet
- Kennedy 1963 ermordet (zusammenhanglos)
Wie nah war es?
- Sowjetkommandanten auf Kuba hatten Autorisierung für taktische Atomwaffen
- U-Boot B-59: Kommandant wollte Atomtorpedo abfeuern — Archipow als Veto-Recht
- Mehrere Beinahe-Vorfälle
- Robert McNamara später: "Wir haben Glück gehabt"
Erbe
- Gefährlichster Moment des Kalten Krieges
- Lehrte beide Seiten: Atomkrieg darf nie sein
- Beginn echter Abrüstungsbemühungen
- Standardfall für Krisenforschung
- "Decision-Making" als Lehrfach
Vasili Arkhipov
- Sowjetischer Marineoffizier
- 27. Oktober 1962: auf U-Boot B-59
- Drei Offiziere müssten einstimmig zustimmen für Atomtorpedo
- Arkhipov sagt Nein
- "Der Mann, der die Welt rettete"
- Stirbt 1998 in Anonymität
- Posthum geehrt
In Film und Kunst
- "Thirteen Days" (2000) mit Kevin Costner
- "The Missiles of October" (1974)
- Sting: "Russians" (1985) — mit Verweis
13 Tage
13 Tage, in denen die Welt am Abgrund stand. Niemand wollte einen Atomkrieg. Und doch hätte er fast stattgefunden. Aus mehreren Versehen, aus Hierarchien, aus Missverständnissen. Dass es nicht dazu kam, lag nicht nur an Kennedy und Chruschtschow — sondern auch an einzelnen Menschen wie Arkhipov, die das Richtige taten. Eine Lehre, die heute aktueller ist denn je.