Invasion · 1237 - 1242

Mongoleneinfall in Europa

1237 n. Chr. – 1242 n. Chr.

Die Mongolen vor Wien — wie ein plötzlicher Tod Europa rettete.

Der Mongoleneinfall in Europa (1237-1242) war eines der dramatischsten Ereignisse des Mittelalters. Innerhalb von 5 Jahren brachten die Mongolen unter Batu Khan Russland, Ukraine, Polen und Ungarn unter ihre Kontrolle — und standen kurz davor, ganz Europa zu erobern. Nur ein Zufall rettete den Westen.

Vorgeschichte

Die Mongolen hatten unter Dschingis Khan bereits große Teile Asiens erobert. Nach seinem Tod 1227 plante sein Sohn und Nachfolger Ögödei die Expansion nach Westen. Auf einem Kuriltai (Stammesrat) 1235 wurde der "Große Westfeldzug" beschlossen.

Heerführer

  • Batu Khan (Enkel Dschingis Khans): formaler Oberkommandeur
  • Subutai: militärisches Genie, der eigentliche Mastermind aller Feldzüge
  • ~120.000 Soldaten — kleines Heer, aber extrem mobil

Eroberung Russlands (1237-1240)

Wolgabulgaren-Reich (1236)

Erstes Opfer: das Wolgabulgaren-Reich an der mittleren Wolga.

Russische Fürstentümer (1237-1240)

Russland ist in dieser Zeit zersplittert — viele kleine Fürstentümer, die sich nicht einigen können:

  • Dezember 1237: Mongolen erobern Rjasan — komplette Vernichtung
  • Februar 1238: Wladimir fällt
  • März 1238: Schlacht an der Sit — Großfürst Juri II. fällt
  • 1238-1239: Eroberung der zentralrussischen Fürstentümer
  • Dezember 1240: Kiew wird zerstört — die "Mutter aller russischen Städte" ist verwüstet, bis zu 90 % der Bevölkerung getötet

Nowgorod wird verschont — die Stadt schließt mit den Mongolen Frieden.

Das doppelte Vorgehen 1241

1241 teilen die Mongolen ihre Streitmacht — sie greifen Polen und Ungarn gleichzeitig an. Das ist militärisch genial: keine der beiden Seiten kann der anderen helfen.

Polen-Feldzug

Schlacht bei Liegnitz (9. April 1241)

In Polen fällt Krakau ohne große Gegenwehr. Bei Liegnitz (heute Legnica) stellt sich Herzog Heinrich II. der Fromme von Schlesien mit einem Aufgebot aus polnischen, deutschen und Templer-Rittern.

Das mongolische Heer (~15.000-20.000) besiegt das polnisch-deutsche Heer (~10.000-25.000) vernichtend. Heinrich fällt. Sein abgeschlagener Kopf wird auf einer Lanze als Trophäe herumgetragen.

Die Mongolen sind nun bis Mitteleuropa vorgedrungen. Sie könnten weiter nach Deutschland ziehen — entscheiden sich aber, zurück zu reiten, um Batu in Ungarn zu treffen.

Ungarn-Feldzug

Schlacht bei Mohi (11. April 1241)

Zwei Tage nach Liegnitz. König Béla IV. von Ungarn stellt sich mit ~25.000-50.000 Mann den Mongolen an der Sajó (Mohi).

Die Mongolen umzingeln das ungarische Heerlager bei Nacht. Es wird zum Massaker. ~20.000 Ungarn fallen. Béla IV. flieht nach Kroatien.

Ungarn wird systematisch verwüstet. Schätzungen: 20-50 % der Bevölkerung sterben — durch Krieg, Hunger, Seuchen.

Vor Wien

Im Winter 1241/42 ziehen mongolische Vorhuten bis nach Wien. Sie überqueren die gefrorene Donau. Wien rüstet sich für eine Belagerung. Europa scheint verloren.

Die Rettung: Tod Ögödeis

Im Dezember 1241 erreicht eine Nachricht das Mongolenheer: Großkhan Ögödei ist gestorben (am 11. Dezember 1241).

Nach mongolischem Brauch müssen alle Khane zum Kuriltai (Stammesversammlung) zurückkehren, um den neuen Großkhan zu wählen. Batu zieht seine Truppen zurück — über Ungarn, Rumänien, durch die Walachei nach Russland.

Europa ist gerettet — durch reinen Zufall.

Warum kam Batu nicht zurück?

Mehrere Faktoren:

  • Kampf um die Nachfolge beschäftigte die Mongolen jahrelang
  • Innere Konflikte zwischen Batu und anderen Khanen
  • Ungeeignetes Terrain: Europas dichte Wälder und Burgen waren schlecht für die Steppen-Reiter
  • Klimatische Probleme: zu wenig Weideland für die Pferdeherden in Ungarn
  • Die Mongolen wandten sich stattdessen Persien und China zu

Folgen

Russland: 240 Jahre Tatarenjoch

  • Goldene Horde herrscht über Russland (1240-1480)
  • Russische Fürsten zahlen Tribut
  • Moskau steigt als Verwaltungs-Hauptstadt auf — Vorlage für die Großmacht Russlands
  • Russland isoliert von westeuropäischer Entwicklung (Renaissance, Reformation)

Ungarn: Wiederaufbau

  • Béla IV. baut systematisch Burgen — vorher hatten Ungarn dafür keinen Bedarf
  • Stadtmauern werden errichtet
  • Einwanderung deutscher Siedler ins entvölkerte Land

Polen: Aufbau

  • Wiederaufbau dauert Jahrzehnte
  • Deutsche Ostsiedlung verstärkt sich (Kolonisation auf "Magdeburger Recht")

Spätere mongolische Vorstöße

1259: Erneuter Einfall in Polen — Sandomir und Krakau zerstört. Aber nicht so verheerend wie 1241.

1287: Letzter größerer Vorstoß nach Polen. Danach: die Mongolen ziehen sich aus Europa zurück, bleiben aber in Russland.

⚜ Hätten die Mongolen Europa erobert?

Militärhistoriker sind sich uneinig. Pro: Subutais Taktik war überlegen, europäische Ritter waren nicht so effektiv. Contra: Europas Burgen, Wälder und kleine Königreiche wären schwer zu kontrollieren gewesen. Klar ist: Wenn Ögödei nicht gestorben wäre, hätte die Geschichte Europas möglicherweise einen ganz anderen Verlauf genommen — mit Mongolen-Khanaten von der Wolga bis zum Rhein.