Religionskriege der frühen Neuzeit
Hugenottenkriege, Achtzigjähriger Krieg, Dreißigjähriger Krieg
Als Religionskriege werden vor allem die innereuropäischen Konflikte des 16. und 17. Jahrhunderts bezeichnet, in denen sich Katholiken und Protestanten gegenüberstanden. Sie verwüsteten weite Teile Europas, kosteten Millionen Menschenleben und führten schließlich zu neuen Ordnungen wie dem Westfälischen Frieden 1648.
Hintergrund — Reformation und Spaltung
Mit Martin Luthers 95 Thesen 1517 begann die Reformation und damit die konfessionelle Spaltung des lateinischen Christentums. Calvinismus und andere protestantische Strömungen kamen hinzu. Die Konfessionen waren eng mit politischen Strukturen verwoben — Fürsten, Städte, Stände bekannten sich zu einer Seite. Die Gegenreformation der katholischen Kirche verschärfte die Konflikte zusätzlich.
Hugenottenkriege 1562 bis 1598
In Frankreich kam es zu acht Religionskriegen zwischen Katholiken und calvinistischen Hugenotten. Höhepunkt war die Bartholomäusnacht am 24. August 1572, in der mehrere tausend Hugenotten in Paris und weiteren Städten ermordet wurden. Erst das Edikt von Nantes 1598 unter Heinrich IV. brachte den Hugenotten Glaubensfreiheit — bis es 1685 von Ludwig XIV. widerrufen wurde.
Wichtige Religionskriege
- Schmalkaldischer Krieg 1546/47
- Hugenottenkriege Frankreich 1562 bis 1598
- Achtzigjähriger Krieg Niederlande 1568 bis 1648
- Dreißigjähriger Krieg 1618 bis 1648
- Englischer Bürgerkrieg 1642 bis 1651
Achtzigjähriger Krieg 1568 bis 1648
Die nördlichen Niederlande, überwiegend calvinistisch, erhoben sich gegen die katholische spanische Herrschaft. Der lange Konflikt endete mit der Anerkennung der Republik der Vereinigten Niederlande durch Spanien 1648 — gleichzeitig mit dem Westfälischen Frieden.
Dreißigjähriger Krieg 1618 bis 1648
Der verheerendste Religionskrieg begann mit dem Prager Fenstersturz 1618 als böhmischer Aufstand gegen den katholischen Habsburger Kaiser. Er weitete sich zum europäischen Großkonflikt aus, in den Dänemark, Schweden, Frankreich, Spanien und die Niederlande eingriffen. Mit dem Eintritt Frankreichs 1635 trat das politische Kalkül endgültig in den Vordergrund. Etwa 30 bis 40 Prozent der deutschen Bevölkerung starben durch Krieg, Hunger und Seuchen. Der Westfälische Friede 1648 beendete den Krieg.
Englischer Bürgerkrieg 1642 bis 1651
Der englische Bürgerkrieg hatte starke religiöse Komponenten — Puritaner gegen Anglikaner und Katholiken — verbunden mit dem Konflikt zwischen König und Parlament. Er endete mit der Hinrichtung Karls I. 1649, der kurzlebigen Republik (Commonwealth) unter Cromwell und der Restauration der Stuarts 1660.
Folgen und Lehren
Die Religionskriege zeigten, dass konfessionelle Konflikte mit staatlichen Mitteln nicht zu „lösen" waren. Mit dem Westfälischen Frieden setzte sich das Prinzip durch, dass der Landesherr die Konfession bestimmt („cuius regio, eius religio"), aber Andersgläubige geduldet werden müssen. Langfristig führten die Konflikte zu einer Säkularisierung des politischen Denkens und zur Idee der Religionsfreiheit.
Religiöse Gewalt heute
Religiös motivierte Gewalt ist nicht auf das 16. und 17. Jahrhundert beschränkt. Konflikte in Nordirland (bis 1998), im Nahen Osten, in Nigeria, im Sudan oder zwischen Hindus und Muslimen in Indien zeigen, dass religiöse Spannungen — meist verwoben mit ethnischen, sozialen und politischen Konflikten — bis heute andauern.