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Renaissance-Kunst

1400 bis 1600

Leonardo, Michelangelo, Raffael und die Wiedergeburt der Antike

Die Renaissance-Kunst (etwa 1400 bis 1600) erneuerte das europäische Kunstschaffen radikal. Sie wandte sich der Antike, der Natur und dem Menschen zu, entwickelte die Zentralperspektive und brachte mit Leonardo da Vinci, Michelangelo und Raffael eine bis heute prägende Bildsprache hervor.

Vom Mittelalter zur Renaissance

Während die mittelalterliche Kunst religiöse Inhalte in stilisierter, hierarchischer Form darstellte, suchte die Renaissance Naturnähe, anatomische Korrektheit, Raumtiefe und individuelle Charakterisierung. Sie war die künstlerische Ausprägung des Humanismus und stand in engem Zusammenhang mit der Wiederentdeckung antiker Texte und Bauwerke.

Frührenaissance — Florenz im 15. Jahrhundert

Die Bewegung begann in Florenz unter dem Mäzenatentum der Medici. Filippo Brunelleschi entwickelte die mathematische Zentralperspektive und baute die berühmte Domkuppel. Donatello schuf den ersten freistehenden Bronze-Akt seit der Antike (David, um 1440). Masaccio brachte die Perspektive in die Malerei (Trinitäts-Fresko in Santa Maria Novella). Sandro Botticelli malte um 1480 die mythologischen Meisterwerke „Geburt der Venus" und „Primavera".

Eckpunkte

  • Frührenaissance: ca. 1400 bis 1500
  • Hochrenaissance: ca. 1500 bis 1520
  • Spätrenaissance/Manierismus: ca. 1520 bis 1600
  • Zentren: Florenz, Rom, Venedig
  • Wichtige Maler: Leonardo, Michelangelo, Raffael, Tizian, Botticelli

Hochrenaissance — Rom unter den Päpsten

Um 1500 verlagerte sich das Zentrum nach Rom, wo die Päpste Julius II. und Leo X. die größten Künstler ihrer Zeit beschäftigten. Leonardo da Vinci (1452 bis 1519) verkörperte das Ideal des Universalgenies — Maler („Mona Lisa", „Abendmahl"), Erfinder, Anatom, Ingenieur. Michelangelo Buonarroti (1475 bis 1564) schuf die Sixtinische Kapelle, die Marmor-Statuen David und Pietà und die Kuppel des Petersdoms. Raffael Sanzio (1483 bis 1520) malte die Stanzen im Vatikan mit der „Schule von Athen" als Höhepunkt.

Venezianische Schule

In Venedig entwickelte sich eine eigene Tradition mit besonderer Bedeutung der Farbe gegenüber der Zeichnung. Giovanni Bellini, Giorgione und vor allem Tizian (1485 bis 1576) prägten diese Schule. Tizian war über sechs Jahrzehnte der gefragteste Porträtist Europas und arbeitete für Kaiser Karl V. und Philipp II.

Renaissance jenseits Italiens

Nördlich der Alpen entwickelte sich eine eigene Renaissance. In Flandern arbeiteten Jan van Eyck (Ölmalerei, „Genter Altar" 1432) und Hieronymus Bosch. In Deutschland prägten Albrecht Dürer (1471 bis 1528) — der erste deutsche Künstler von europäischem Rang — und Lucas Cranach die Bildwelt. Dürer brachte die italienische Theorie nach Deutschland und schuf Selbstporträts, die das künstlerische Selbstbewusstsein der Epoche zeigen.

Manierismus — Übergang zum Barock

Um 1520 setzte mit dem späten Michelangelo, Pontormo, Parmigianino und El Greco der Manierismus ein. Er übertrieb die Formen der Hochrenaissance — verlängerte Körper, kühne Farben, raffinierte Kompositionen. Aus ihm entwickelte sich um 1600 der Barock.

Vermächtnis

Die Renaissance hat den Begriff des Künstlers als individueller Schöpfer geprägt — vom anonymen Handwerker zum gefeierten Genie. Sie hat Bildtraditionen, Perspektivlehre, Anatomiestudium und das Konzept der Akademie entwickelt, die bis ins 19. Jahrhundert die europäische Kunstausbildung bestimmten.