Republik als Staatsform
Von Rom über Venedig zur modernen Demokratie
Die Republik ist eine Staatsform, in der das Staatsoberhaupt durch Wahl bestimmt wird, nicht durch Erbfolge. Sie ist heute weltweit verbreitet, hat aber je nach Epoche und Kontext sehr unterschiedliche Ausprägungen gehabt — von der römischen Aristokratenrepublik über mittelalterliche Stadtrepubliken bis zur modernen demokratischen Republik.
Ursprung des Begriffs
Das Wort „Republik" kommt vom lateinischen „res publica" — „öffentliche Sache". Es bezeichnet ein Gemeinwesen, in dem die Herrschaft nicht einem Einzelnen gehört, sondern der Allgemeinheit verantwortlich ist. Im Gegensatz zur Monarchie wird kein Herrscher von Geburt eingesetzt, sondern aus dem Volk gewählt.
Römische Republik 509 bis 27 v. Chr.
Die einflussreichste antike Republik war Rom, das nach der Vertreibung des letzten Königs Tarquinius Superbus 509 v. Chr. zur Republik wurde. Sie kannte zwei jährlich gewählte Konsuln, den Senat und Volksversammlungen. Sie war keine Demokratie — die meisten Ämter blieben den Patriziern und reichen Plebejern vorbehalten. Mit den Bürgerkriegen seit Marius und Sulla zerfiel sie; 27 v. Chr. begann die Kaiserzeit unter Augustus.
Wichtige historische Republiken
- Römische Republik (509 bis 27 v. Chr.)
- Venedig (697 bis 1797 — „Serenissima")
- Niederlande (1581 bis 1795)
- Polen-Litauen (1569 bis 1795 — Adelsrepublik)
- England Commonwealth (1649 bis 1660)
- USA (seit 1776)
- Frankreich (seit 1792, mit Unterbrechungen — heute V. Republik)
- Weimarer Republik (1918 bis 1933)
- Bundesrepublik Deutschland (seit 1949)
Mittelalterliche Stadtrepubliken
Im Mittelalter entwickelten sich besonders in Italien (Venedig, Florenz, Genua, Siena) und in den deutschen Reichsstädten Republiken. Sie waren meist Oligarchien, in denen das Patriziat oder die führenden Zünfte die Macht ausübten. Venedig war mit über 1.000 Jahren Bestand die langlebigste Republik der Geschichte — bis Napoleon sie 1797 beendete.
Frühneuzeitliche Republiken
Die Niederlande befreiten sich 1581 von Spanien und wurden Republik der Vereinigten Provinzen. Polen-Litauen bildete eine Adelsrepublik mit gewähltem König. England war 1649 bis 1660 unter Cromwell Republik. Die Schweiz war ein Verbund von Republiken (Stadt- und Landorte).
Amerikanische und Französische Revolution
Mit der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung 1776 entstand die erste moderne Republik in großem Maßstab. Die US-Verfassung von 1787 schuf eine demokratische, föderative Republik mit Gewaltenteilung. Die Französische Revolution stürzte 1792 die Monarchie und proklamierte die Erste Republik. Beide Revolutionen verbanden den Republik-Begriff mit Demokratie und Menschenrechten — eine Verbindung, die in der Antike noch nicht gegeben war.
Republik in Deutschland
Deutschland wurde erst 1918 Republik. Die Weimarer Republik scheiterte 1933 am Nationalsozialismus. Nach 1945 entstanden zwei deutsche Republiken — die DDR als sozialistische Republik (1949 bis 1990) und die Bundesrepublik Deutschland als parlamentarische Demokratie. Mit der Wiedervereinigung 1990 wurde die Bundesrepublik die einzige deutsche Republik.
Heutige Bedeutung
Die meisten Staaten der Welt sind heute Republiken. Allerdings sagt der Begriff allein wenig über die tatsächliche politische Ordnung aus — auch autoritäre Regime und Diktaturen nennen sich gerne „Republiken". Echte demokratische Republiken zeichnen sich durch freie Wahlen, Gewaltenteilung, Rechtsstaatlichkeit und Grundrechtsschutz aus.