Themen · Militär

Söldnerwesen

14. Jh. bis heute

Condottieri, Landsknechte und moderne PMC

Söldner sind professionelle Krieger, die gegen Bezahlung kämpfen — unabhängig von Herkunft, Lehnseid oder politischer Überzeugung. Vom Mittelalter bis ins 18. Jahrhundert war das Söldnerwesen die dominierende Form der Kriegführung in Europa. Heute existieren Söldner in Form privater Militärfirmen weiter.

Vom Lehnsheer zum Söldnerheer

Im Frühmittelalter wurden Kriege mit Lehnsheeren geführt — Adlige und ihre Vasallen leisteten den Kriegsdienst aufgrund persönlicher Bindungen. Mit dem Aufkommen der Geldwirtschaft im Hochmittelalter, dem Wachstum der Städte und dem Bedarf an dauerhaft verfügbaren Truppen kamen Söldner auf. Sie waren professioneller ausgebildet, schneller verfügbar und konnten überall eingesetzt werden — solange Geld da war.

Italienische Condottieri

Im Spätmittelalter wurde Italien zum Zentrum des Söldnerwesens. Die reichen Stadtstaaten Florenz, Venedig, Mailand und der Kirchenstaat heuerten „Condottieri" (Vertragsführer) an, die mit eigenen Truppen kämpften. Bekannte Condottieri waren John Hawkwood, Francesco Sforza (der Mailand übernahm und Herzog wurde) und Bartolomeo Colleoni. Das System hatte den Nachteil, dass Condottieri oft mehr an der eigenen Kasse als am Kriegserfolg ihres Arbeitgebers interessiert waren.

Bekannte Söldnerformen

  • Schweizer Reisläufer (ab 15. Jh.)
  • Landsknechte (ab 1486)
  • Italienische Condottieri (14./15. Jh.)
  • Wallensteins Armee (Dreißigjähriger Krieg)
  • Hessen-Soldaten in Amerika (1776 bis 1783)
  • Französische Fremdenlegion (seit 1831)
  • Moderne PMC: Blackwater/Academi, Wagner

Schweizer Reisläufer

Die Schweizer waren ab dem 15. Jahrhundert die gefürchtetsten Söldner Europas. Nach den Siegen über Karl den Kühnen von Burgund (1476/77) galten sie als unbesiegbar. Ihre dichten Pikeniere-Formationen revolutionierten das Schlachtfeld. Schweizer Söldnertum wurde zur wichtigen Einnahmequelle der Eidgenossenschaft. Die Schweizergarde des Papstes (seit 1506) ist letzter Überrest dieser Tradition.

Landsknechte

Kaiser Maximilian I. ließ ab 1486 deutsche Söldner — die Landsknechte — nach Schweizer Vorbild aufstellen. Mit ihren bunten, geschlitzten Wämsern und langen Hellebarden prägten sie das Bild des frühneuzeitlichen Krieges. Sie waren bei Pavia 1525 entscheidend am Sieg Karls V. über Franz I. beteiligt und plünderten 1527 beim „Sacco di Roma" die Ewige Stadt. Berüchtigt war ihre Disziplinlosigkeit, vor allem wenn der Sold ausblieb.

Dreißigjähriger Krieg

Der Dreißigjährige Krieg (1618 bis 1648) war der Höhepunkt der Söldnerkriegführung. Albrecht von Wallenstein stellte ein Heer von bis zu 150.000 Mann auf — finanziert über das System „Bellum se ipsum alet" (der Krieg ernährt sich selbst): die Truppen lebten von Kontributionen und Plünderungen in den durchzogenen Gebieten. Die Folgen für die Zivilbevölkerung waren katastrophal.

Übergang zum stehenden Heer

Ab dem späten 17. Jahrhundert lösten stehende Heere — von Königen direkt finanziert und kontrolliert — das Söldnerwesen ab. Sie waren disziplinierter, dem Staat treuer und politisch zuverlässiger. Preußen unter dem Großen Kurfürsten und Friedrich Wilhelm I. wurde zum Vorbild. Söldnerwesen blieb in Sonderformen (Hessen-Soldaten in Amerika 1776 bis 1783, Fremdenlegion seit 1831) erhalten.

Moderne private Militärfirmen

Im 21. Jahrhundert ist das Söldnerwesen in neuer Form zurückgekehrt: Private Military Companies (PMC) wie die US-Firma Blackwater (heute Academi) und die russische Gruppe Wagner stellen Söldner für Regierungen und private Auftraggeber. Sie waren im Irak, in Afghanistan, in Syrien, in Libyen, in Mali und in der Ukraine im Einsatz. Die rechtliche Stellung dieser Söldner ist umstritten — die Genfer Konventionen schließen klassische Söldner vom Kombattantenstatus aus.