Wirtschaftskrise · 1929 - 1939

Weltwirtschaftskrise

1929 n. Chr. – 1939 n. Chr.

Schwarzer Donnerstag, Massenarbeitslosigkeit, Aufstieg der Diktaturen — die größte Wirtschaftskrise der Moderne.

Die Weltwirtschaftskrise (1929-1939) war die schwerste Wirtschaftskrise der Moderne. Sie begann mit dem Börsencrash in New York, breitete sich global aus und veränderte Politik und Gesellschaft fundamental.

Ursachen

USA in den 20er Jahren

  • Massenkonsumgesellschaft entsteht (Auto, Radio, Kino)
  • Wirtschaftsboom mit Aktien-Spekulation
  • Aktien auf Kredit gekauft ("buying on margin")
  • Verschuldung der Haushalte
  • Überproduktion in Landwirtschaft und Industrie
  • Ungleiche Einkommensverteilung

Internationale Faktoren

  • Goldstandard limitiert Geldpolitik
  • Reparationen aus dem 1. Weltkrieg
  • Verflechtung des Weltfinanzsystems
  • Schwacher Goldpreis stabilisierte Britisches Pfund nicht

Schwarzer Donnerstag (24. Oktober 1929)

  • An der Wall Street brechen die Kurse ein
  • 13 Millionen Aktien werden verkauft (Rekord)
  • Spätere "Schwarze Tage": Schwarzer Dienstag 29. Oktober — Panik-Verkäufe
  • Bis November 1929: 30 % Wertverlust
  • Bis 1932: 90 % Wertverlust gegenüber 1929!

Ausbreitung

  • USA: Banken brechen zusammen, Kettenreaktion
  • 1930: 1.350 US-Banken pleite
  • 1931: Österreichische Creditanstalt zusammen — überträgt Krise auf Europa
  • 1931: Deutsche Danatbank stürzt ein
  • 1931: England gibt Goldstandard auf — Pfund-Abwertung
  • Eine Hochzollpolitik (Smoot-Hawley-Tariff 1930) verschlimmert den Welthandel
  • Welthandel sinkt 1929-32 um 65 %

Folgen

Arbeitslosigkeit

  • USA: 25 % (1933)
  • Deutschland: 30 % (6 Mio., Februar 1932)
  • Großbritannien: 22 %
  • Soziale Verelendung, Suppenküchen, "Bidonvilles"

Industrielle Produktion

  • USA: -46 %
  • Deutschland: -40 %
  • Großbritannien: -23 %
  • Frankreich: -24 %

Auswirkungen auf Menschen

  • Schlangen vor Arbeitsämtern und Suppenküchen
  • Räumungen von Wohnungen
  • Hoovervilles: Slums aus Wellblech und Pappkartons
  • "Dust Bowl" in den USA: Dürre + Krise = Bauern fliehen
  • Hunger trotz Lebensmittelüberschüssen (Konsumkrise)
  • Selbstmordrate steigt

Politische Reaktionen

USA: New Deal

Franklin D. Roosevelt (FDR), Präsident ab März 1933:

  • "Hundert Tage": viele Notgesetze
  • Bankenferien, Stabilisierung
  • "Civilian Conservation Corps" (CCC): Arbeitsbeschaffung
  • "Works Progress Administration" (WPA): Infrastrukturprojekte
  • "Social Security Act" (1935): Renten- und Sozialversicherung
  • "Tennessee Valley Authority": Stromversorgung, regionale Entwicklung
  • Erholung langsam — erst durch Rüstungsaufträge im 2. Weltkrieg vollständig

Deutschland: Hitler kommt an die Macht

Die Krise schwemmt die NSDAP hoch:

  • 1928: 2,6 % → 1932: 37,4 %
  • Massenarbeitslose anfällig für radikale Versprechen
  • 30. Januar 1933: Hitler Reichskanzler
  • NS-Wirtschaftspolitik: Arbeitsbeschaffung, Rüstung, Autobahnen
  • 1936: Vollbeschäftigung
  • Aber: Kriegsvorbereitung als Grundlage

Großbritannien

  • 1931: National Government (Koalition)
  • Aufgabe des Goldstandards
  • Ottawa-Konferenz (1932): Empire-Präferenzen
  • Erholung schneller als in USA

Frankreich

  • Krise kommt später (1932)
  • Politische Instabilität: viele Regierungswechsel
  • 1936: Front populaire (Léon Blum) — soziale Reformen, 40-Stunden-Woche

Andere Länder

  • Sowjetunion: kaum betroffen (abgeschottet), Industrialisierung läuft weiter
  • Japan: Krise treibt Militarisierung, Eroberung Mandschureis 1931
  • Italien: Mussolini-System verstärkt
  • Lateinamerika: Putsche, Militärregierungen

Wirtschaftstheoretische Folgen

Die Krise widerlegt den klassischen Wirtschaftsliberalismus:

  • John Maynard Keynes (1936): "Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes"
  • Staat soll Konjunktur stützen ("antizyklische Politik")
  • Soziale Sicherung wird zur Aufgabe des Staates
  • Bretton Woods (1944): neue Weltwirtschaftsordnung

Kulturelle Folgen

  • Literatur: John Steinbeck "Früchte des Zorns" (1939)
  • Film: "Modern Times" (Chaplin 1936), "The Grapes of Wrath" (1940)
  • Fotografie: Dorothea Langes "Migrant Mother" (1936)
  • "Lost Generation" — verstärkt

Ende der Krise

  • USA: Erholung schleppend, Rückschlag 1937, vollständige Erholung erst durch Krieg
  • Deutschland: Rüstungswirtschaft "löst" die Krise — auf Kosten der Welt
  • Krise schafft Klima für 2. Weltkrieg

Lehren

Die Weltwirtschaftskrise prägt bis heute die Wirtschaftspolitik:

  • Banken werden reguliert (Glass-Steagall Act 1933 — bis 1999)
  • Zentralbanken erhalten neue Werkzeuge
  • Soziale Sicherungssysteme
  • "Lender of last resort" — Zentralbank rettet Banken
  • 2008/9: Lehren angewendet — keine zweite Weltwirtschaftskrise (vorerst)

⚜ "Black Tuesday"

Am 29. Oktober 1929 — "Black Tuesday" — wurden 16,4 Millionen Aktien an der Wall Street verkauft. Der Dow Jones verlor an einem Tag 11,7 %. Es dauerte 25 Jahre, bis er sein Vor-Crash-Niveau (1929) wieder erreichte — 1954!