Chinesisches Reich · 206 v. Chr. - 220 n. Chr.

Han-Dynastie

206 v. Chr. – 220 n. Chr.

Goldenes Zeitalter Chinas — Konfuzianismus als Staatsphilosophie, Seidenstraße, Papier, 400 Jahre Stabilität.

Die Han-Dynastie (206 v. Chr. - 220 n. Chr.) ist die zweite große Dynastie der chinesischen Geschichte und für viele die wichtigste. Mit 426 Jahren regierte sie länger als jede andere und prägte die chinesische Kultur so tief, dass sich bis heute 95 % der Chinesen als "Han-Chinesen" bezeichnen.

Gründung

Nach dem Sturz der brutalen Qin-Dynastie (206 v. Chr.) wird der Bauer Liu Bang Kaiser — als Kaiser Gaozu. Er gründet die Han.

Zwei Phasen

Westliche Han (206 v. Chr. - 9 n. Chr.)

Hauptstadt: Chang'an (heute Xi'an). Höhepunkt unter Kaiser Wu (Wudi) 141-87 v. Chr.

Xin-Interregnum (9-25 n. Chr.)

Wang Mang reißt die Macht an sich — kurze Unterbrechung der Han.

Östliche Han (25-220 n. Chr.)

Hauptstadt: Luoyang. Wirtschaftlicher und kultureller Höhepunkt.

Kaiser Wu (141-87 v. Chr.)

Wichtigster Han-Kaiser:

  • Konfuzianismus wird Staatsphilosophie
  • Beamten-Examen: erstmals Wettbewerbsprüfungen für Verwaltungsposten
  • Salz- und Eisenmonopol für den Staat
  • Eroberungen: Vietnam, Korea, Zentralasien
  • Botschafter Zhang Qian: erkundet Zentralasien — Anfang der Seidenstraße

Die Seidenstraße

Im 1. Jh. v. Chr. entwickelt sich die Seidenstraße:

  • Von Chang'an über Zentralasien nach Parthien (Persien) und ins Römische Reich
  • Hauptware: Seide nach Westen, Glas und Silber nach Osten
  • Erste indirekte Kontakte zwischen China und Rom

Erfindungen der Han-Zeit

  • Papier (~105 n. Chr.) — durch Hofeunuchen Cai Lun
  • Seismograph (132 n. Chr.) — durch Zhang Heng. Bronzegefäß mit Drachen, die Kugeln fallen lassen, wenn ein Erdbeben kommt
  • Wasseruhr und Sonnenuhr
  • Hochofen für Stahl — 1.500 Jahre vor Europa
  • Schubkarre
  • Spinnrad
  • Mechanische Sähmaschine
  • Schultergeschirr für Pferde — wichtige landwirtschaftliche Innovation

Kultur

  • Sima Qian: Vater der chinesischen Geschichtsschreibung (Shiji, ~94 v. Chr.)
  • Konfuzianische Klassiker werden gesammelt
  • Daoismus entwickelt sich religiös weiter
  • Buddhismus kommt im 1. Jh. n. Chr. aus Indien
  • Han-Reliefs: erste großflächige chinesische Kunst

Wirtschaft

  • ~60 Millionen Einwohner — etwa so viele wie das Römische Reich
  • Staatliche Monopole auf Salz, Eisen, Alkohol
  • Standardisierte Maße, Gewichte, Münzen
  • Großer Binnenhandel über Kanäle und Flüsse

Verwaltung

Die Han etablieren die Beamten-Bürokratie, die China bis 1912 prägen wird:

  • Auswahl per Examen (theoretisch unabhängig von Herkunft)
  • Konfuzianische Bildung als Grundlage
  • Mandarin als gemeinsame Verwaltungssprache
  • Reichsweite Standardisierung

Niedergang

Ab dem 2. Jh. n. Chr.:

  • Korruption am Hof, Hofeunuchen-Intrigen
  • Bauernaufstände (Gelbe Turbane 184 n. Chr.)
  • Mächtige Generäle wie Cao Cao
  • 220 n. Chr.: Abdankung des letzten Han-Kaisers

Was kommt danach?

Zeit der Drei Reiche (220-280 n. Chr.): China zerfällt in Wei, Wu und Shu. Diese Zeit wird im 14. Jh. zum berühmten Roman "Die Geschichte der drei Reiche" — eines der vier großen klassischen Romane Chinas.

⚜ "Han-Chinesen"

Bis heute nennen sich die ethnischen Chinesen "Han-Chinesen". Die Han-Dynastie prägte chinesische Identität so tief, dass ihr Name 2.000 Jahre später noch die Selbstbezeichnung ist — vergleichbar damit, wenn Italiener sich heute "Römer" nennen würden.