Volk · ca. 1200 – 546 v. Chr.

Lyder

1.200 v. Chr. – 546 v. Chr.

Erfinder der Münzen — und das Königreich des sagenhaft reichen Krösus.

Die Lyder waren ein Volk im Westen Kleinasiens (heutige Türkei). Berühmt für zwei Dinge: die Erfindung des Münzgeldes und den sagenhaft reichen König Krösus.

Geografie

Lydien lag in Westanatolien, zwischen Ionien (Küste) und Phrygien (Zentralanatolien). Hauptstadt: Sardes (heutiges Sart, nahe Izmir). Reiche Goldvorkommen am Fluss Paktolos — Sage: hier wusch König Midas seine goldene Berührung ab.

Herkunft

Die Lyder sprachen Lydisch — eine indogermanische, mit dem Luwischen und Hethitischen verwandte Sprache. Sie lebten schon vor 1200 v. Chr. in der Region.

Mermnaden-Dynastie (~680-546 v. Chr.)

Gyges (~680-645 v. Chr.)

Begründer der Dynastie nach Putsch. Erste lydische Münzprägung — der Beginn des Münzgeldes weltweit.

Ardys, Sadyattes, Alyattes

Lydien wird Großmacht. Alyattes (~610-560 v. Chr.) führt 15 Jahre Krieg gegen die Meder — endet bei einer Sonnenfinsternis 585 v. Chr. (Thales hatte sie vorausgesagt!).

Krösus (~560-546 v. Chr.)

Der berühmteste lydische König. Erobert die griechischen Städte Ionien. Wird sprichwörtlich für Reichtum: „reich wie Krösus".

Die Erfindung des Münzgeldes

Um 700 v. Chr. beginnt Lydien als erstes mit echter Münzprägung:

  • Material: Elektron (natürliche Gold-Silber-Legierung) aus dem Paktolos
  • Eigenschaft: standardisiertes Gewicht, königliches Siegel als Garantie
  • Vorteile: einfacher als Tauschhandel oder Wiegen von Metallklumpen

Unter Krösus werden reine Goldmünzen und Silbermünzen eingeführt. Diese Idee breitet sich rasch aus: Griechen übernehmen sie, dann der gesamte Mittelmeerraum. Bis heute beruht unser Geldsystem auf der lydischen Idee.

Krösus und das Delphische Orakel

Eine berühmte Anekdote von Herodot:

Krösus überlegte, das Perserreich anzugreifen. Er fragte das Delphische Orakel. Die Antwort: „Wenn du den Halys-Fluss überschreitest, wirst du ein großes Reich zerstören."

Krösus interpretierte das als seinen Sieg. Aber: Er zerstörte sein eigenes Reich. Die Geschichte ist ein klassisches Beispiel für zweideutige Orakelantworten.

Untergang durch Kyros (546 v. Chr.)

Krösus greift den persischen König Kyros II. an, wird aber bei Pteria (heute Türkei) geschlagen. Kyros verfolgt ihn nach Sardes — Krösus flieht in die uneinnehmbare Festung. Doch Kyros entdeckt einen geheimen Pfad. Sardes fällt 546 v. Chr.

Krösus wird auf den Scheiterhaufen geführt. Im letzten Moment ruft er „Solon, Solon!" — er hatte einst den athenischen Weisen Solon nach seinem Glück gefragt, und Solon hatte geantwortet, niemand sei vor seinem Tod glücklich zu nennen. Kyros begnadigt Krösus, nimmt ihn als Berater mit. (So Herodot.)

Lydien als persische Satrapie

Nach 546 v. Chr. ist Lydien persische Provinz. Sardes wird Endpunkt der berühmten Königsstraße (Susa-Sardes, 2.700 km). Lydien ist eine der reichsten Satrapien.

Mit der Eroberung Persiens durch Alexander den Großen (334 v. Chr.) wird Lydien hellenistisch. Später römisch. Lydische Sprache stirbt im 1. Jh. n. Chr. aus.

⚜ Vom Goldfluss zum Geldsystem

Ohne den Paktolos, einen kleinen anatolischen Fluss mit ungewöhnlich viel Elektron, hätten die Lyder vielleicht nie das Münzgeld erfunden. Eine zufällige Naturreserve veränderte damit die Wirtschaftsgeschichte der gesamten Menschheit.