Volk · ca. 2000 – 200 v. Chr.

Luwier

2.000 v. Chr. – 200 v. Chr.

Schwesternvolk der Hethiter — geheimnisvolle indogermanische Sprecher Anatoliens.

Die Luwier waren ein indogermanisches Volk in Süd- und Westanatolien, eng verwandt mit den Hethitern. Während die Hethiter politisch dominanter waren, war das Luwische sprachlich verbreiteter — und überlebte länger.

Wer waren die Luwier?

Die Luwier sprachen Luwisch — eine zur anatolischen Untergruppe der indogermanischen Sprachen gehörende Sprache. Sie ist eng verwandt mit:

  • Hethitisch
  • Palaisch
  • Später: Lydisch, Lykisch, Karisch (späte „Anatolier")

Sie wanderten vermutlich um 2000 v. Chr. nach Anatolien ein — gemeinsam mit den Hethitern.

Geografie

Luwier siedelten:

  • Südanatolien: Kilikien, Pamphylien
  • Westanatolien: das spätere Lykien, Karien, Lydien
  • Im Reich der Hethiter: große Teile der Bevölkerung sprachen Luwisch, nicht Hethitisch

Politische Geschichte

Bronzezeit

Luwische Kleinkönigreiche wie Arzawa waren oft Gegner oder Vasallen der Hethiter. Arzawa korrespondierte direkt mit Pharao Amenhotep III. — was die Hethiter nicht gerne sahen.

Späthethitische Zeit (~1180-700 v. Chr.)

Nach dem Untergang des Hethiterreichs entstehen luwische Nachfolgestaaten:

  • Karkemiš am Euphrat
  • Hama in Syrien
  • Tabal in Zentralanatolien
  • Que in Kilikien
  • Melid

Diese „neo-hethitischen" Stadtstaaten überlebten mehrere Jahrhunderte und vermittelten Wissen der Bronzezeit ins eisenzeitliche Vorderasien.

Hieroglyphenschrift

Eine Besonderheit: Die Luwier hatten zwei Schriften:

  • Keilschrift für offizielle Texte (gelernt von den Hethitern/Akkadern)
  • Anatolische Hieroglyphen für Inschriften — ein eigenes System mit ~500 Zeichen, das eindeutig nicht aus Ägypten kommt

Die Hieroglyphen waren bis weit nach dem Bronzezeit-Kollaps in Gebrauch. Erst um 700 v. Chr. werden sie vom phönizischen Alphabet abgelöst.

Religion

  • Tarhunt — Wettergott (entspricht hethit. Tarhunzas, hurrit. Teschub)
  • Arma — Mondgott
  • Tiwat — Sonnengott
  • Kupapa — Stadtgöttin von Karkemiš

Trojanische Verbindung

Sehr spannend: Troja (Wilusa in hethitischen Quellen) lag in Westanatolien. Viele Forscher vermuten heute, die Trojaner sprachen Luwisch! In Troja gefundene Hieroglyphen-Siegel scheinen diese These zu stützen. Das berühmte „Land Wilusa" der Hethiter wäre dann das homerische Troja.

⚜ War Homers Troja luwisch?

Die hethitischen Quellen sprechen von Wilusa in Westanatolien. Sprachlich passt das zu griech. Wilios → Ilios → Ilion (Troja). Wenn das stimmt, wäre die berühmteste antike Stadt der Mythologie ein luwisches Reich gewesen — und der Trojanische Krieg vielleicht historisch.

Niedergang

  • ~700 v. Chr.: Späthethitische/luwische Staaten werden von Assyrien erobert
  • Luwische Sprache verschwindet allmählich
  • Nachfolgesprachen Lykisch und Karisch sterben im 4.-3. Jh. v. Chr. aus
  • Letzte luwische Inschriften: ~200 v. Chr.

Damit endet eine Sprachtradition, die fast 2000 Jahre bestanden hatte. Heute leben in Anatolien Türken — die Luwier sind genetisch in der heutigen anatolischen Bevölkerung aufgegangen.