Luwier
Schwesternvolk der Hethiter — geheimnisvolle indogermanische Sprecher Anatoliens.
Die Luwier waren ein indogermanisches Volk in Süd- und Westanatolien, eng verwandt mit den Hethitern. Während die Hethiter politisch dominanter waren, war das Luwische sprachlich verbreiteter — und überlebte länger.
Wer waren die Luwier?
Die Luwier sprachen Luwisch — eine zur anatolischen Untergruppe der indogermanischen Sprachen gehörende Sprache. Sie ist eng verwandt mit:
- Hethitisch
- Palaisch
- Später: Lydisch, Lykisch, Karisch (späte „Anatolier")
Sie wanderten vermutlich um 2000 v. Chr. nach Anatolien ein — gemeinsam mit den Hethitern.
Geografie
Luwier siedelten:
- Südanatolien: Kilikien, Pamphylien
- Westanatolien: das spätere Lykien, Karien, Lydien
- Im Reich der Hethiter: große Teile der Bevölkerung sprachen Luwisch, nicht Hethitisch
Politische Geschichte
Bronzezeit
Luwische Kleinkönigreiche wie Arzawa waren oft Gegner oder Vasallen der Hethiter. Arzawa korrespondierte direkt mit Pharao Amenhotep III. — was die Hethiter nicht gerne sahen.
Späthethitische Zeit (~1180-700 v. Chr.)
Nach dem Untergang des Hethiterreichs entstehen luwische Nachfolgestaaten:
- Karkemiš am Euphrat
- Hama in Syrien
- Tabal in Zentralanatolien
- Que in Kilikien
- Melid
Diese „neo-hethitischen" Stadtstaaten überlebten mehrere Jahrhunderte und vermittelten Wissen der Bronzezeit ins eisenzeitliche Vorderasien.
Hieroglyphenschrift
Eine Besonderheit: Die Luwier hatten zwei Schriften:
- Keilschrift für offizielle Texte (gelernt von den Hethitern/Akkadern)
- Anatolische Hieroglyphen für Inschriften — ein eigenes System mit ~500 Zeichen, das eindeutig nicht aus Ägypten kommt
Die Hieroglyphen waren bis weit nach dem Bronzezeit-Kollaps in Gebrauch. Erst um 700 v. Chr. werden sie vom phönizischen Alphabet abgelöst.
Religion
- Tarhunt — Wettergott (entspricht hethit. Tarhunzas, hurrit. Teschub)
- Arma — Mondgott
- Tiwat — Sonnengott
- Kupapa — Stadtgöttin von Karkemiš
Trojanische Verbindung
Sehr spannend: Troja (Wilusa in hethitischen Quellen) lag in Westanatolien. Viele Forscher vermuten heute, die Trojaner sprachen Luwisch! In Troja gefundene Hieroglyphen-Siegel scheinen diese These zu stützen. Das berühmte „Land Wilusa" der Hethiter wäre dann das homerische Troja.
⚜ War Homers Troja luwisch?
Die hethitischen Quellen sprechen von Wilusa in Westanatolien. Sprachlich passt das zu griech. Wilios → Ilios → Ilion (Troja). Wenn das stimmt, wäre die berühmteste antike Stadt der Mythologie ein luwisches Reich gewesen — und der Trojanische Krieg vielleicht historisch.
Niedergang
- ~700 v. Chr.: Späthethitische/luwische Staaten werden von Assyrien erobert
- Luwische Sprache verschwindet allmählich
- Nachfolgesprachen Lykisch und Karisch sterben im 4.-3. Jh. v. Chr. aus
- Letzte luwische Inschriften: ~200 v. Chr.
Damit endet eine Sprachtradition, die fast 2000 Jahre bestanden hatte. Heute leben in Anatolien Türken — die Luwier sind genetisch in der heutigen anatolischen Bevölkerung aufgegangen.