Volk · ca. 1200 – 700 v. Chr.

Phryger

1.200 v. Chr. – 700 v. Chr.

Volk Zentralanatoliens — König Midas und sein goldenes Geheimnis.

Die Phryger waren ein indogermanisches Volk in Zentralanatolien (heutige Türkei). Sie übernahmen die Region nach dem Hethiter-Untergang. Berühmt wurden sie durch ihren legendären König Midas.

Herkunft

Die Phryger wanderten vermutlich vom Balkan (Thrakien) ein. Ihre Sprache ist indogermanisch, verwandt mit Griechisch und Armenisch. Erste Erwähnung um 1200 v. Chr.

Aufstieg im 9.-8. Jh. v. Chr.

Hauptstadt: Gordion (heutiges Yassıhüyük, Türkei). Wichtige Königsdynastien:

  • Gordios — legendärer Gründer, vom Namen kommt der „Gordische Knoten"
  • Midas (~738-696 v. Chr.) — historische Person + Sagenfigur

König Midas

Der historische Midas regierte ein bedeutendes Reich. Er heiratete eine griechische Prinzessin und betrieb internationale Diplomatie. Er korrespondierte mit Assyrer-Königen.

Die Goldener-Berührungs-Sage

Im griechischen Mythos: Midas hilft Silenos (Erzieher des Dionysos). Zur Belohnung erhält er einen Wunsch frei und wünscht sich: „Alles, was ich berühre, soll zu Gold werden." — Folge: Sein Essen und seine Tochter werden zu Gold. Er bittet Dionysos um Rücknahme.

Die Eselsohren-Sage

Bei einem Musikwettbewerb zwischen Apollo und Pan spricht Midas Pan den Sieg zu. Apollo bestraft ihn mit Eselsohren. Midas verbirgt sie unter einer Mütze. Nur sein Friseur weiß es — und vertraut sein Wissen einem Loch im Boden an. Schilf wächst dort, das im Wind flüstert: „Midas hat Eselsohren!"

Gordischer Knoten

In Gordion stand ein Wagen, dessen Joch mit einem komplexen Knoten an einer Säule befestigt war. Ein Orakel sagte: Wer den Knoten löst, wird Herr von Asien.

Alexander der Große kam 333 v. Chr. nach Gordion. Statt zu fummeln, zog er sein Schwert und durchschlug den Knoten. Bis heute Sprichwort: „den gordischen Knoten zerschlagen" — eine verwickelte Lage radikal lösen.

Phrygische Kultur

  • Religion: Hauptgöttin Kybele — Berg- und Muttergöttin. Wurde später in Rom übernommen.
  • Phrygische Mütze: zipfelige rote Kopfbedeckung — wurde Symbol der Französischen Revolution!
  • Musik: „phrygische Tonart" in der antiken Musiklehre — die alten Griechen liebten phrygische Musik (besonders die Aulos-Flöte)
  • Tumuli: gewaltige Grabhügel — der „Midas-Tumulus" in Gordion ist 50 m hoch und 300 m im Durchmesser

⚜ Phrygische Mütze

Die kegelförmige phrygische Mütze war Erkennungszeichen der Phryger. Sie wurde später Symbol befreiter Sklaven in Rom — und schließlich in der Französischen Revolution Symbol der Freiheit. Die Marianne (Personifizierung Frankreichs) trägt sie bis heute.

Niedergang

Um 700 v. Chr. wird Gordion von eindringenden Kimmeriern erobert. König Midas soll laut Quellen Stierblut getrunken haben und gestorben sein. Phrygien wird Vasall verschiedener Großmächte: Lydien, dann Persien, dann hellenistische Reiche, dann Rom.

Erbe

  • Phrygische Mütze in der westlichen Ikonografie
  • Phrygische Tonart in der Musik
  • Gordischer Knoten als geflügeltes Wort
  • Midas-Geschichten in der Literatur (Ovid, Shakespeare etc.)