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Revolution von 1848/49

1848 bis 1849

Völkerfrühling, Paulskirche und das Scheitern der bürgerlichen Revolution

Die Revolution von 1848/49 — auch „Märzrevolution" oder „Völkerfrühling" — war die größte revolutionäre Bewegung des 19. Jahrhunderts. Sie ergriff fast ganz Europa, kämpfte für Verfassungen, Bürgerrechte, nationale Einheit und soziale Reformen — und scheiterte am Ende doch fast überall an den Reaktionskräften.

Ursachen

Mehrere Faktoren kamen zusammen: Die wirtschaftliche Krise von 1846/47 mit Missernten, Teuerung und Hungerrevolten. Der Druck des Bürgertums auf die restaurativen Monarchien, die seit dem Wiener Kongress 1815 versuchten, vorrevolutionäre Verhältnisse zu konservieren. Das Streben nach nationaler Einigung — vor allem in Deutschland und Italien. Und neue politische Ideen — Liberalismus, Demokratie, Sozialismus.

Ausgangspunkt Paris — Februar 1848

Die Revolution begann in Paris. Am 24. Februar 1848 dankte König Louis-Philippe ab; die Zweite Französische Republik wurde ausgerufen. Die Nachricht löste in ganz Europa Revolutionen aus.

Wichtige Ereignisse

  • Februarrevolution Paris: 22. bis 24. Februar 1848
  • Wien: 13. März 1848 — Metternich tritt zurück
  • Berlin: 18./19. März 1848 — Barrikadenkämpfe
  • Frankfurter Nationalversammlung: 18. Mai 1848 in der Paulskirche
  • Verfassung der Paulskirche: 28. März 1849
  • Ablehnung der Kaiserkrone durch Friedrich Wilhelm IV.: 3. April 1849
  • Auflösung Rumpfparlament Stuttgart: 18. Juni 1849

Deutschland — Märzrevolution

In den deutschen Staaten kam es im März 1848 zu Aufständen und Forderungen nach Pressefreiheit, Versammlungsrecht, Verfassungen und nationaler Einigung. In Berlin gab es am 18./19. März blutige Barrikadenkämpfe; König Friedrich Wilhelm IV. musste Zugeständnisse machen. Vom 18. Mai 1848 tagte in der Frankfurter Paulskirche die erste gesamtdeutsche Nationalversammlung. Sie verabschiedete am 28. März 1849 die Paulskirchenverfassung — eine bemerkenswert fortschrittliche Verfassung mit Grundrechten, parlamentarischer Monarchie und Erbkaisertum.

Scheitern

Friedrich Wilhelm IV. lehnte die ihm angetragene Kaiserkrone am 3. April 1849 ab — er wollte sie nicht aus den Händen einer Volksvertretung empfangen. Damit war das Hauptanliegen der Revolution gescheitert. Die letzten republikanischen Aufstände in Baden und der Pfalz wurden bis Juli 1849 von preußischen Truppen niedergeschlagen. Auch in anderen Ländern (Wien, Mailand, Ungarn unter Kossuth) setzten sich die Reaktionskräfte durch — meist mit militärischer Hilfe Russlands oder Habsburgs.

Ergebnisse trotz Scheiterns

Auch wenn die Revolution scheiterte, hinterließ sie tiefe Spuren. In vielen Staaten blieben Verfassungen (Preußen 1850, Sardinien-Piemont), Parlamente und Pressefreiheit erhalten. Die Leibeigenschaft wurde in Habsburg endgültig abgeschafft. Die Idee eines geeinten Deutschlands und Italiens setzte sich später durch — wenn auch nicht demokratisch, sondern „von oben" (Bismarck 1871, Cavour 1861). Viele 48er-Revolutionäre wanderten nach Amerika aus und prägten dort die deutschsprachige Gemeinschaft.

Bedeutung

Die Revolution von 1848 markiert den entscheidenden Bruch zwischen feudaler und bürgerlicher Welt in Europa. Sie zeigte, dass die Restauration des Wiener Kongresses gescheitert war — auch wenn die Bewegung selbst nicht ans Ziel kam. Für die deutsche Demokratiegeschichte ist die Paulskirchenverfassung bis heute ein wichtiger Bezugspunkt.