Zwischenkriegszeit 1918 bis 1939
Pariser Friedensordnung, Weltwirtschaftskrise und Weg in den Zweiten Weltkrieg
Als Zwischenkriegszeit werden die Jahre 1918 bis 1939 bezeichnet — die Zeit zwischen dem Ende des Ersten und dem Beginn des Zweiten Weltkriegs. Sie war geprägt von Krisen, Diktaturen, Wirtschaftszusammenbruch und einer fatalen Dynamik, die in den nächsten Krieg führte.
Pariser Friedensordnung 1919/20
Der Versailler Vertrag (Juni 1919) und die Pariser Friedensverträge mit Österreich, Ungarn, Bulgarien und der Türkei ordneten Europa und die Welt neu. Die Mittelmächte verloren Territorien, mussten abrüsten und Reparationen zahlen. Neue Staaten entstanden — Polen, Tschechoslowakei, Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen (Jugoslawien), Finnland, Estland, Lettland, Litauen. Der Völkerbund sollte den Weltfrieden sichern — blieb aber durch die Nichtteilnahme der USA und das Fehlen anderer Großmächte schwach.
Krisen der 1920er
Die ersten Nachkriegsjahre waren von schwerer Krise geprägt. In Deutschland gab es Revolutionsversuche von links (Spartakusaufstand 1919, Räterepublik in München, Hamburger Aufstand 1923) und rechts (Kapp-Putsch 1920, Hitler-Putsch 1923). Die Hyperinflation 1923 vernichtete Vermögen und Mittelstand. In Italien übernahm 1922 Mussolini mit dem Marsch auf Rom die Macht und etablierte die erste faschistische Diktatur. In der UdSSR konsolidierte sich nach Lenins Tod 1924 die stalinistische Herrschaft.
Wichtige Ereignisse
- Versailler Vertrag: 28. Juni 1919
- Marsch auf Rom (Mussolini): 28. Oktober 1922
- Hyperinflation Deutschland: 1923
- Locarno-Verträge: 1925
- Schwarzer Freitag (Beginn Weltwirtschaftskrise): 25. Oktober 1929
- Hitlers Machtübernahme: 30. Januar 1933
- Wiedereinführung Wehrpflicht Deutschland: 16. März 1935
- Münchner Abkommen: 30. September 1938
- Hitler-Stalin-Pakt: 23. August 1939
- Überfall auf Polen: 1. September 1939
Goldene Zwanziger und Stabilisierung
Mitte der 1920er Jahre kam eine Phase relativer Stabilisierung. Der Dawes-Plan 1924 regelte die Reparationen, US-Kredite belebten die deutsche Wirtschaft. Die Locarno-Verträge 1925 brachten eine Annäherung an die Westmächte; 1926 trat Deutschland dem Völkerbund bei. Kulturell waren die „Goldenen Zwanziger" eine Blütezeit der Moderne — Bauhaus, neue Musik, Film, Frauenrechte, sexuelle Liberalisierung. Diese Phase endete abrupt 1929.
Weltwirtschaftskrise
Der Börsenkrach an der Wall Street am 25. Oktober 1929 („Schwarzer Freitag" — in den USA Donnerstag/Dienstag) löste die Weltwirtschaftskrise aus. US-Kredite wurden zurückgezogen, Banken brachen zusammen, Industrieproduktion und Welthandel schrumpften dramatisch. In Deutschland stieg die Arbeitslosenzahl von 1,4 Millionen 1928 auf über 6 Millionen 1932 — fast ein Drittel der Erwerbsfähigen. Die Krise begünstigte radikale politische Kräfte.
Aufstieg des Nationalsozialismus
Die NSDAP, in den 1920ern eine Splitterpartei, wurde im Strudel der Krise zur Massenbewegung. 1930 erhielt sie 18,3 Prozent, 1932 zweimal über 30 Prozent der Stimmen. Am 30. Januar 1933 ernannte Reichspräsident Hindenburg Hitler zum Reichskanzler. Die NS-Diktatur etablierte sich innerhalb weniger Monate (Reichstagsbrand 1933, Ermächtigungsgesetz, Gleichschaltung). Hitler kündigte 1935 den Versailler Vertrag, marschierte 1936 ins Rheinland ein und begann eine rasche Aufrüstung.
Appeasement und Münchner Abkommen
Großbritannien und Frankreich versuchten zunächst, durch Nachgeben den Krieg zu vermeiden — die „Appeasement-Politik". Im März 1938 erfolgte der „Anschluss" Österreichs an das Deutsche Reich. Im Münchner Abkommen vom 30. September 1938 stimmten Großbritannien (Chamberlain), Frankreich (Daladier) und Italien (Mussolini) der Abtretung des Sudetenlandes an Deutschland zu — „Frieden für unsere Zeit". Im März 1939 zerschlug Hitler die Resttschechoslowakei.
Weg in den Krieg
Im Mai 1939 schloss Hitler den Stahlpakt mit Italien. Am 23. August 1939 wurde der Hitler-Stalin-Pakt unterzeichnet — ein Nichtangriffspakt mit geheimem Zusatzprotokoll über die Aufteilung Osteuropas. Am 1. September 1939 überfiel Deutschland Polen, am 3. September erklärten Großbritannien und Frankreich Deutschland den Krieg. Die Zwischenkriegszeit war zu Ende.
Bewertung
Die Zwischenkriegszeit gilt heute oft als „Krise des Liberalismus" — als Phase, in der parlamentarische Demokratien in vielen Ländern Europas einer Welle autoritärer und totalitärer Regime weichen mussten. Die Lehren — wirtschaftliche Stabilisierung, internationale Kooperation, Stärkung der Demokratie — prägten den Aufbau der Nachkriegsordnung nach 1945.