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Charles Darwin: Naturforscher und Begründer der Selektionstheorie

Charles Darwin (12.02.1809 bis 19.04.1882) war ein englischer Naturforscher. Nach einer fast fünfjährigen Weltreise mit der HMS Beagle entwickelte er die Theorie der Evolution durch natürliche Selektion, die er 1858 gemeinsam mit Alfred Russel Wallace vorstellte und 1859 in "On the Origin of Species" veröffentlichte.

Ein verwittertes hölzernes Segelschiff ankert in einer ruhigen Bucht vor vulkanischen Inseln im Morgenlicht
Bild: KI-generiert

Charles Darwin wurde am 12.02.1809 in Shrewsbury in England geboren und starb am 19.04.1882 in seinem Haus in Downe in der Grafschaft Kent [2]. Bekannt wurde er durch die Theorie, dass sich Arten durch natürliche Selektion verändern. Er veröffentlichte sie 1859 in dem Buch "On the Origin of Species" [1, 4]. Vorausgegangen waren eine fast fünfjährige Reise um die Welt und zwei Jahrzehnte Arbeit an Sammlungen, Notizbüchern und Briefen [1, 3].

Herkunft und Studium

Darwins Eltern waren Robert Waring Darwin und Susannah, eine Tochter von Josiah Wedgwood [2].

1825 schrieb er sich an der medizinischen Fakultät der Universität Edinburgh ein [1]. Nach zwei Jahren brach er das Studium ab. Das Natural History Museum in London verbindet das mit einer Operation an einem Kind, bei der er zusah [1, 5]. In Edinburgh sammelte er mit dem Zoologen Robert Edmond Grant Meerestiere und nahm Unterricht im Präparieren von Tieren bei John Edmonstone, einem ehemals versklavten Mann aus Guyana [1, 5].

Im Oktober 1827 begann er ein Studium am Christ's College in Cambridge, im Juni 1831 schloss er es ab [3]. Dort führte ihn sein Cousin Fox ans Käfersammeln heran. Der Botaniker John Stevens Henslow brachte ihm die Pflanzenkunde nahe und überredete ihn, sich mit Geologie zu beschäftigen [5]. Im August 1831 begleitete er den Geologen Adam Sedgwick auf einer Exkursion nach Wales [3].

Die Reise mit der HMS Beagle

Henslow empfahl Darwin als Naturforscher für eine Vermessungsfahrt der HMS Beagle unter Kapitän Robert FitzRoy [1, 5]. Darwins Vater zweifelte zunächst am Sinn des Unternehmens, gab seinen Widerstand aber auf [5]. Am 27.12.1831 lief die Beagle aus Plymouth aus [3]. Das Schiff war 1819/20 in der Werft von Woolwich gebaut und 1825 für Vermessungsarbeiten umgerüstet worden [3].

Eine felsige Küste in Patagonien mit windgebeugten Sträuchern, grauer Brandung und weitem Himmel
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Am 16.01.1832 erreichte das Schiff die Kapverdischen Inseln, am 28.02.1832 Südamerika [3]. Ab Dezember 1833 fuhr sie die Küste Patagoniens entlang nach Süden, im Juni 1834 umrundete sie Kap Hoorn, danach vermaß sie die Insel Chiloé und den Chonos-Archipel [3]. Darwin sammelte unterwegs Pflanzen, Tiere und Fossilien und führte genaue Feldnotizen [1]. Im Juli 1833 kam in Montevideo der Maler Conrad Martens an Bord, der das Schiff im Juli 1834 wieder verließ [3].

Galápagos

Am 07.09.1835 verließ die Beagle Südamerika und ankerte am 15.09.1835 vor den Galápagos-Inseln, die sie im Oktober wieder verließ [3]. Darwin sammelte auf mehreren Inseln Finken. Nach dem Natural History Museum entstanden durch natürliche Selektion 13 Finkenarten auf den Inseln [1]. Über Australien kehrte die Beagle zurück und lief am 02.10.1836 in Falmouth ein [3]. Darwin war damals 27 Jahre alt [5].

London, Ehe und Down House

Nach der Rückkehr wertete Darwin seine Sammlungen aus. Im Frühjahr 1837 war er überzeugt, dass sich Arten wandeln [5]. Im selben Jahr zeichnete er in einem Notizbuch seinen ersten Stammbaum des Lebens [1]. 1839 erschien sein Reisebericht "Journal of Researches", 1842 ein Buch über Korallenriffe [3]. Kapitän FitzRoy hatte seinen eigenen Bericht erst 1839 fertiggestellt, was Darwins Buch verzögerte [5].

Ein georgianisches Landhaus in Kent mit großem Rasen und einem Sandweg entlang einer Hecke
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Am 29.01.1839 heiratete Darwin seine Cousine Emma Wedgwood [2]. 1842 zog die Familie nach Down House in Kent, wo Darwin bis zu seinem Tod lebte [3].

Zwanzig Jahre Arbeit

Längere Krankheiten in den Jahren 1841 und 1842 ließen Darwin fürchten, sein Leben könne kurz sein [5]. Am 05.07.1844 schloss er eine ausführliche Niederschrift seiner Artentheorie ab, die auf einer Bleistiftskizze von etwa zwei Jahren zuvor aufbaute. Seine Frau Emma bat er, den Text zu veröffentlichen, falls er sterbe [5]. Schon im Januar 1844 hatte er dem Botaniker Joseph Dalton Hooker brieflich anvertraut, dass er Arten nicht für unveränderlich halte. Das sei, schrieb er, als gestehe er einen Mord [5]. Im selben Jahr erschien anonym das Buch "Vestiges of the Natural History of Creation", das ebenfalls eine Entwicklung der Arten vertrat. Adam Sedgwick griff es 1845 scharf an. Darwin lehnte die meisten Argumente des Buches ab und fürchtete, der Streit darüber werde auch das Urteil über seine eigene Arbeit belasten [5].

Fast acht Jahre verbrachte Darwin danach mit der Einordnung der Rankenfußkrebse. Seine Bände darüber erschienen 1851 und 1854, 1853 erhielt er dafür und für seine geologischen Arbeiten die Royal Medal der Royal Society [5]. 1851 starb seine Tochter Annie in Malvern, wo sie behandelt wurde und Darwin an ihrem Bett wachte [5]. Im September 1854 kehrte er zur Frage der Arten zurück [5].

Seine Theorie veröffentlichte Darwin lange nicht. Das Natural History Museum spricht von rund 20 Jahren, in denen er Material sammelte, auch weil er religiösen Widerspruch fürchtete [1]. In dieser Zeit züchtete er unter anderem Tauben, um zu verstehen, wie künstliche Auslese wirkt [1]. Alle 120 Taubenpräparate übergab er später dem Museum, das sie heute in Tring aufbewahrt [1].

Viele Beobachtungen bekam er über Briefe. Das Darwin Correspondence Project in Cambridge hat mehr als 15.000 Briefe von und an Darwin erfasst und veröffentlicht, das Darwin-Archiv der Universitätsbibliothek Cambridge besitzt mehr als 8.000 davon im Original [5].

Wallace und die Linnean Society 1858

Im Juni 1858 erhielt Darwin Post von Alfred Russel Wallace. Wallace war in einem Aufsatz unabhängig zu einer ganz ähnlichen Theorie gekommen [1, 5]. Darwin schrieb darüber an den Geologen Charles Lyell, nach der Datierung der Herausgeber am 18.06.1858. Wann Wallaces Brief eintraf, ist umstritten: McKinney vermutet den 03.06.1858, Brooks einen noch früheren Zeitpunkt um den 14.05.1858. Die Edition hält den 18.06.1858 für wahrscheinlicher und die Frage insgesamt für kaum zu klären [5]. Darwin fürchtete, den Anspruch auf seine Lebensarbeit zu verlieren [5].

Lyell und Hooker schlugen eine gemeinsame Vorstellung vor. Am 01.07.1858 wurden in einer Sondersitzung der Linnean Society in London ein Auszug aus Darwins Manuskript, ein Auszug aus einem Brief Darwins an Asa Gray und der Aufsatz von Wallace verlesen [6]. Darwin war nicht anwesend. Am 28.06.1858 war sein 18 Monate alter Sohn Charles Waring an Scharlach gestorben [5].

"On the Origin of Species"

Noch 1858 begann Darwin auf der Isle of Wight eine Zusammenfassung seiner Theorie, die er im März 1859 abschloss. Daraus wurde ein ganzes Buch [5]. Am 24.11.1859 erschien "On the Origin of Species" bei John Murray in London [4]. Gedruckt wurden 1.250 Exemplare [4]. Beim Verkauf an den Buchhandel am 22. November lagen die Bestellungen um 250 Stück über der Auflage, und der Verlag ließ eine zweite Auflage drucken [5].

Ein Arbeitszimmer mit Muschelgläsern, gepressten Pflanzen und einem Messingmikroskop auf einem Holztisch
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Zu Darwins Lebzeiten erschienen sechs Auflagen, die letzte 1872 [4]. Die Formulierung "survival of the fittest" übernahm er erst in die fünfte Auflage von 1869 [4]. Eine deutsche Übersetzung von Heinrich Georg Bronn kam 1860 heraus. Darwin war mit ihr nicht zufrieden, und Bronn hatte Stellen gestrichen, die er ablehnte [4]. Die Bibliothek des Natural History Museum besitzt heute 478 Ausgaben des Buches in 38 Sprachen [1].

Erste Reaktionen

Die Aufnahme war geteilt. Der Geologe Adam Sedgwick und der Astronom John Herschel äußerten sich kritisch, die Zeitschrift "Athenæum" lehnte das Buch aus theologischen Gründen ab [5]. Die "Times" brachte Ende Dezember eine sehr wohlwollende Besprechung [5]. Auch Unterstützer wie Asa Gray und Thomas Henry Huxley hatten Vorbehalte. Lyell akzeptierte die Evolution im Allgemeinen, aber nie ganz die Abstammung des Menschen von affenähnlichen Vorfahren [5]. Zum Verhältnis von Religion und Gesellschaft in dieser Zeit gibt es die Seite zur Säkularisierung.

Späte Werke

1871 erschien "The Descent of Man, and Selection in Relation to Sex". Darin wandte Darwin seine Theorie auf den Menschen an und vertrat, dass Menschen und Affen gemeinsame Vorfahren haben [1]. Weitere Bücher behandelten unter anderem die Veränderung von Tieren und Pflanzen unter der Zucht durch den Menschen [1].

Sein letztes Buch über Regenwürmer kam im Oktober 1881 heraus [5]. Noch im März 1882 wurden bei der Linnean Society zwei Aufsätze von ihm über die Wirkung von Ammoniumcarbonat auf Pflanzen verlesen [5].

Tod und Begräbnis in Westminster Abbey

Ab Februar 1882 fühlte sich Darwin schwächer als sonst. Im März behandelte ihn der Arzt Andrew Clark wegen Herz- und Brustschmerzen, Anfang April konnte er keine Treppen mehr steigen [5]. In der Nacht zum 19.04.1882 setzte ein letzter Anfall ein, am 19.04.1882 starb er in Down House [2, 5].

Die Familie wollte ihn auf dem Friedhof von Downe beisetzen. Wissenschaftliche Freunde, unter ihnen John Lubbock, setzten sich für eine öffentliche Ehrung ein [5]. Der Präsident der Royal Society telegrafierte an den Dekan von Westminster, George Granville Bradley, viele Landsleute würden ein Grab in der Abtei begrüßen, und der Dekan stimmte zu [2]. Am 26.04.1882 wurde Darwin im nördlichen Seitenschiff des Langhauses von Westminster Abbey beigesetzt, neben dem Astronomen John Herschel und wenige Schritte vom Grab Isaac Newtons [2]. Über Newton gibt es eine eigene Seite: Isaac Newton.

1885 wurde im Natural History Museum in London eine Statue Darwins enthüllt [1]. Die Bibliothek des Museums besitzt die weltweit größte Sammlung von Werken von und über Darwin [1]. Mehr zur Epoche, in der er lebte, steht im Bereich Das lange 19. Jahrhundert und auf der Seite zur Geschichte Großbritanniens.

  1. Organisation Charles Darwin: history's most famous biologist. Natural History Museum London. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  2. Organisation Charles Darwin. Westminster Abbey. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  3. Organisation Darwin: Timeline (Ausstellung). Cambridge University Library. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  4. Studie The Origin of Species: Editorial introduction. Richard B. Freeman, Darwin Online (John van Wyhe). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  5. Organisation Darwin's life in letters (Jahresseiten 1821 bis 1836, 1844 bis 1846, 1851 bis 1855, 1858 bis 1859, 1882). Darwin Correspondence Project, University of Cambridge. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  6. Studie On the tendency of species to form varieties (Darwin und Wallace 1858). Darwin Online. Stand 1858. abgerufen am 29.10.2026
  7. Organisation The Voyage of the Beagle. Darwin Correspondence Project, University of Cambridge. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.