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Otto von Bismarck: Ministerpräsident, Reichsgründer und Kanzler

Otto von Bismarck (01.04.1815 bis 30.07.1898) war ab 1862 preußischer Ministerpräsident und von 1871 bis 1890 erster Reichskanzler des Deutschen Reiches. Nach den Kriegen gegen Dänemark, Österreich und Frankreich gründete er den Nationalstaat unter preußischer Führung, führte den Kulturkampf, verbot die Sozialdemokratie und schuf die ersten Sozialversicherungen.

Ein ruhiges Gutshaus in der flachen Altmark im Spätsommer mit Backsteinmauern, alten Eichen und Kiesweg
Bild: KI-generiert

Otto von Bismarck wurde am 01.04.1815 in Schönhausen in der Altmark als Sohn eines Gutsbesitzers geboren [1]. Von 1862 an lenkte er als Ministerpräsident die Politik Preußens, von 1871 bis 1890 war er Reichskanzler des neuen Deutschen Reiches [1]. Er starb am 30.07.1898 in Friedrichsruh bei Hamburg [1]. In diese Jahrzehnte fallen drei Kriege, die Gründung des Nationalstaats, der Streit mit der katholischen Kirche, das Verbot der Sozialdemokratie und die ersten staatlichen Sozialversicherungen.

Herkunft, Studium und Familie

Von 1832 bis 1835 studierte er Rechts- und Staatswissenschaften in Göttingen und Berlin und legte das erste juristische Staatsexamen ab [1]. Er versuchte sich im preußischen Verwaltungsdienst. 1837 endete sein Dienst in Aachen, 1838 brach er das Referendariat ab und leistete Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger. 1844 entschied er sich endgültig gegen die Beamtenlaufbahn [1]. Nach dem Tod der Mutter am 01.01.1839 bewirtschaftete er gemeinsam mit seinem Bruder Bernhard die Familiengüter Kniephof, Külz und Jarchelin, das Gut Schönhausen übernahm er im Februar 1846 [1].

Am 28.07.1847 heiratete er Johanna von Puttkamer. Das Paar hatte drei Kinder: Marie, Herbert und Wilhelm [1]. Am 08.05.1847 rückte er als Stellvertreter in den Vereinigten Preußischen Landtag nach. Mit seinen Reden dort galt er bald als Gegner des bürgerlichen Liberalismus [1]. Im Jahr der Revolution von 1848 gehörte Bismarck zu den Mitbegründern der konservativen "Neuen Preußischen Zeitung" und nahm am 18. und 19.08.1848 am sogenannten Junkerparlament in Berlin teil, einer Tagung zur Wahrung der Interessen der Grundbesitzer [1].

Diplomat in Frankfurt, St. Petersburg und Paris

Von 1851 bis 1859 vertrat Bismarck Preußen als Gesandter beim Bundestag in Frankfurt am Main [1]. Anschließend war er von 1859 bis 1862 Gesandter in St. Petersburg und danach für kurze Zeit in Paris [1].

Ministerpräsident im Heereskonflikt

Seit 1860 schwelte in Preußen der Heereskonflikt. Das Abgeordnetenhaus lehnte alle Ausgaben für die Heeresreform ab, und aus dem Streit wurde ein Verfassungskonflikt [1]. Am 23.09.1862 berief der König Bismarck zum vorläufigen Ministerpräsidenten, am 08.10.1862 folgte die Ernennung zum Ministerpräsidenten und Außenminister [1].

Ein leerer Parlamentssaal des 19. Jahrhunderts mit geschwungenen Holzbänken und grünen Polstern
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Am 30.09.1862 sprach Bismarck in der Budgetkommission des Abgeordnetenhauses. Die großen Fragen der Zeit, sagte er dort, würden durch "Eisen und Blut" entschieden [1]. Bis 1866 regierte er ohne einen vom Parlament genehmigten Haushalt [1].

Die Einigungskriege

Unter Bismarck führte Preußen innerhalb von sieben Jahren drei Kriege. Am 01.02.1864 begann der Deutsch-Dänische Krieg. Bismarck wollte Schleswig und Holstein in den preußischen Staat eingliedern [1]. In der Konvention von Gastein einigten sich Preußen und Österreich am 14.08.1865 zunächst auf eine Aufteilung der beiden Herzogtümer [1]. Der Ausgleich hielt nicht lange. Am 03.07.1866 siegte Preußen bei Königgrätz über Österreich und Sachsen, Österreich schied danach aus der deutschen Politik aus [1]. Am 03.09.1866 nahm das Abgeordnetenhaus die Indemnitätsvorlage an und billigte die Ausgaben für die Heeresreform nachträglich. Damit endete der Verfassungskonflikt [1]. 1867 wurde Bismarck Kanzler des neu gegründeten Norddeutschen Bundes [1].

Emser Depesche und Krieg gegen Frankreich

Den Anlass zum Krieg mit Frankreich gab die spanische Thronkandidatur Leopolds von Hohenzollern-Sigmaringen. Nachdem Leopold verzichtet hatte, verlangte der französische Botschafter am 13.07.1870 in Bad Ems von König Wilhelm eine weitergehende Zusicherung [1]. Bismarck veröffentlichte den Bericht darüber in verschärfter Form, die sogenannte Emser Depesche. Am 19.07.1870 erklärte Frankreich Preußen den Krieg [1]. Seit September 1870 belagerten deutsche Armeen Paris [4].

Die Reichsgründung 1871

Noch während des Krieges verhandelte Bismarck ab September 1870 als Kanzler des Norddeutschen Bundes mit den süddeutschen Staaten [4]. Zwischen dem 15. und 25.11.1870 schloss der Norddeutsche Bund die Novemberverträge mit Bayern, Württemberg, Baden und Hessen-Darmstadt. Bayern und Württemberg behielten ihr eigenes Post- und Telegrafenwesen, Bayern außerdem eine eigene Armee in Friedenszeiten [4].

Ein langer barocker Saal mit hohen Spiegeln, vergoldeten Kronleuchtern und leerem Parkett im Winterlicht
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Am 03.12.1870 überbrachte Prinz Luitpold von Bayern König Wilhelm den sogenannten Kaiserbrief König Ludwigs II. [4]. Der Reichstag des Norddeutschen Bundes beschloss am 10.12.1870 eine erweiterte Verfassung, die am 01.01.1871 in Kraft trat [4]. Am 18.01.1871 riefen die deutschen Fürsten und Vertreter der Freien Städte im Spiegelsaal von Versailles Wilhelm I. zum "Deutschen Kaiser" aus [4]. Diesen Titel hatte Bismarck gegen den Wunsch Wilhelms durchgesetzt, der "Kaiser von Deutschland" heißen wollte [4]. Elsass-Lothringen wurde 1871 in das Reich eingegliedert [4].

Am 21.03.1871 wurde Bismarck in den erblichen Fürstenstand erhoben und zum ersten Reichskanzler ernannt [1]. Den Ablauf der Gründung im Einzelnen beschreibt die Seite zur Reichsgründung 1871.

Der Kulturkampf

Bald nach der Reichsgründung geriet Bismarck in einen Konflikt mit der katholischen Kirche und der katholischen Zentrumspartei, in der er die Speerspitze einer "schwarzen Internationale" sah [5]. Im Dezember 1871 kam der Kanzelparagraph ins Strafgesetzbuch. Er drohte Geistlichen Haft an, wenn sie staatliche Angelegenheiten von der Kanzel aus kritisch erörterten [5]. Das preußische Schulaufsichtsgesetz vom März 1872 schränkte den Einfluss beider Konfessionen auf die Schulen ein [5].

Am 14.05.1872 sagte Bismarck im Reichstag: "Nach Canossa gehen wir nicht." Er spielte damit auf den Bußgang Heinrichs IV. im Jahr 1077 an [1]. Die Maigesetze von 1873 unterwarfen die katholische Kirche fast vollständig staatlicher Aufsicht, unter anderem mit einem staatlichen Kulturexamen für Theologen und einem eigenen Gerichtshof für kirchliche Angelegenheiten [5]. Am 13.07.1874 schoss der Böttchergeselle Eduard Kullmann in Kissingen auf Bismarck, im Oktober 1874 wurde er zu 14 Jahren Zuchthaus verurteilt [1]. 1875 führte ein Reichsgesetz die Zivilehe ein [5].

Das Zentrum ging aus dem Streit gestärkt hervor und wurde bei den Reichstagswahlen 1877 und 1878 zweitstärkste Fraktion [5]. Ab 1880 baute Bismarck den Kulturkampf mit mehreren Milderungsgesetzen ab, die Friedensgesetze von 1886/87 nahmen fast alle Maßnahmen zurück. Bestehen blieben die staatliche Schulaufsicht und die Zivilehe [5]. Am 23.05.1887 erklärte Papst Leo XIII. den Frieden zwischen Heiligem Stuhl und Reich für wiederhergestellt [5].

Sozialistengesetz und Sozialversicherung

Gegen die Sozialdemokratie ging Bismarck mit Verboten vor. Am 18.10.1878 trat das Reichsgesetz "gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie" in Kraft, das Sozialistengesetz. Es verbot die Sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands und die Organisationen der Arbeiterbewegung. Ihr Ziel, die Sozialdemokratie nachhaltig zu zerstören, erreichte die Regierung damit nicht [1].

Zugleich ließ er die ersten staatlichen Sozialversicherungen einführen: 1883 die Krankenversicherung, 1884 die Unfallversicherung und 1889 die Invaliditäts- und Altersversicherung, aus der die gesetzliche Rentenversicherung hervorging [1]. Warum die Arbeiterfrage das Kaiserreich so beschäftigte, erklärt die Seite zur sozialen Frage. Wie das Sozialstaatsprinzip heute im Grundgesetz verankert ist, steht auf der Seite Das Sozialstaatsprinzip.

Das Bündnissystem

Außenpolitisch wollte Bismarck Frankreich isolieren und einen Krieg an zwei Fronten verhindern [2, 3]. Am 22.10.1873 trat Wilhelm I. dem Drei-Kaiser-Abkommen mit Österreich-Ungarn und Russland bei [2]. Im Juni 1878 berief Bismarck den Berliner Kongress ein, um die Krise auf dem Balkan beizulegen. Die Schlusssitzung fand am 13.07.1878 statt [1].

Am 07.10.1879 schlossen Deutschland und Österreich-Ungarn den Zweibund, der bis 1918 bestand [2]. Am 18.06.1881 folgte das geheime Drei-Kaiser-Bündnis auf drei Jahre, 1884 wurde es verlängert [2]. 1882 kam Italien hinzu, aus dem Zweibund wurde der Dreibund. Er galt jeweils fünf Jahre und wurde bis 1914 immer wieder erneuert [2].

Der Rückversicherungsvertrag

1887 scheiterte die Verlängerung des Drei-Kaiser-Bündnisses an den Gegensätzen zwischen Russland und Österreich-Ungarn auf dem Balkan [2]. Am 18.06.1887 schloss Bismarck deshalb in Berlin einen geheimen Vertrag mit Russland. Beide Seiten sagten sich wohlwollende Neutralität zu, wenn einer von ihnen mit einer dritten Großmacht Krieg führte. Die Neutralität galt nicht, wenn der Krieg durch einen Angriff eines der beiden Vertragspartner auf Österreich-Ungarn oder Frankreich entstand [3]. Der Vertrag lief drei Jahre und hatte ein streng geheimes Zusatzprotokoll [3]. Nach dem Begleittext des GHDI lässt sich das Zusatzprotokoll weniger leicht mit Deutschlands Festhalten an Zweibund und Dreibund vereinbaren [3].

Kolonien und Kongokonferenz

Deutsche Kolonien lehnte Bismarck zunächst ab. Ab 1880 gab er diese Haltung auf. Am 24.04.1884 stellte er Angra Pequena als erstes Gebiet unter deutschen Schutz [1]. Gemeinsam mit dem französischen Politiker Jules Ferry berief Bismarck die Kongokonferenz ein. Vom 15.11.1884 bis zum 26.02.1885 berieten in Berlin Vertreter von 13 europäischen Staaten und den USA [1]. Die Kongo-Akte legte Zollfreiheit im Kongo- und Nigergebiet fest, schuf einen Kongostaat unter dem belgischen König Leopold II. und schrieb den Anspruch der Europäer fest, Afrika untereinander aufzuteilen [1]. Vertreter aus Afrika saßen nicht am Tisch [1]. Wie sich diese Politik auf die betroffenen Gebiete auswirkte, behandelt die Seite zum Kolonialismus.

Entlassung und letzte Jahre

1888 bestieg Wilhelm II. den Thron. Der junge Kaiser wollte sich dem Kanzler nicht unterordnen [1]. Am 20.03.1890 wurde Bismarck als Reichskanzler und preußischer Ministerpräsident entlassen [1]. Wenige Tage später ließ die Regierung auf Betreiben Wilhelms II. den Rückversicherungsvertrag auslaufen [2]. Mehr über den Kaiser steht auf der Seite zu Wilhelm II..

Ein Gutshaus aus Backstein zwischen hohen Buchen in Norddeutschland, Herbstlaub auf dem Weg
Bild: KI-generiert

Bismarck zog sich auf seinen Besitz Friedrichsruh zurück und kritisierte von dort aus die Politik seiner Nachfolger [1]. Den Titel Herzog von Lauenburg, den er bei der Entlassung erhielt, führte er nicht. 1891 wurde er als Kandidat der Nationalliberalen in den Reichstag gewählt, nahm das Mandat aber nie wahr [1]. Zu seinem 80. Geburtstag 1895 machten ihn mehr als 450 Städte zum Ehrenbürger [1]. Am 24.10.1896 machte er den geheimen Rückversicherungsvertrag in den "Hamburger Nachrichten" öffentlich [1]. Er starb am 30.07.1898 in Friedrichsruh und wurde dort beigesetzt [1].

  1. Organisation Otto von Bismarck (LeMO Biografie). Deutsches Historisches Museum. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  2. Organisation Bismarcks Bündnissystem (LeMO Kaiserreich, Außenpolitik). Deutsches Historisches Museum. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  3. Organisation Geheimer Rückversicherungsvertrag mit Russland (18. Juni 1887). German History in Documents and Images, Deutsches Historisches Institut Washington. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  4. Organisation 1871: Reichsgründung im Krieg (LeMO Rückblick). Deutsches Historisches Museum. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  5. Organisation Kulturkampf (LeMO Kaiserreich, Innenpolitik). Deutsches Historisches Museum. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.