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Sumer: Städte, Keilschrift und Königsgräber der Sumerer

Sumer ist das Land im Schwemmland des südlichen Mesopotamien, heute größtenteils im Süden des Irak. Die sumerische Kultur wird etwa auf 4000 bis 2000 v. Chr. datiert. Aus Uruk stammen die ältesten bekannten Tontafeln mit Schrift, aus Ur die Königsgräber und die Zikkurat.

Eine flache Flussebene im Süden des Irak im Morgendunst, Schilf am Ufer und flache Lehmziegelhügel am Horizont
Bild: KI-generiert

Sumer heißt die Landschaft im unteren Schwemmland Mesopotamiens, zwischen der Stadt Nippur und dem Persischen Golf. Nippur liegt rund 180 Kilometer südlich von Bagdad [1]. Die Küste des Golfs reichte damals weiter nach Norden als heute [1]. Das Gebiet gehört heute größtenteils zum Süden des Irak [1]. Die sumerische Kultur wird etwa auf die Zeit von 4000 bis 2000 v. Chr. datiert [1]. Aus ihren Städten stammen die ältesten bekannten Tontafeln mit Schrift [1], ein Tempelturm aus Lehmziegeln [5] und Gräber voller Gold und Lapislazuli [3].

Name, Herkunft und Sprache

Die Sumerer selbst nannten ihr Land ki-en-gi(r), was meist mit "Land der edlen Herren" übersetzt wird. Der Name Sumer geht auf das akkadische Wort šumerum zurück, also auf die Sprache ihrer semitischen Nachbarn [1]. Woher die Sumerer kamen, ist bis heute ungeklärt. Die Forschung spricht von der "sumerischen Frage" [1]. Früher nahm man eine Einwanderung kurz vor oder nach der Entstehung der Hochkultur an [1]. Heute wird eher erwogen, dass schon die Menschen der älteren Obed-Kultur Sumerer waren [1]. Thesen über eine Herkunft aus dem Iran oder dem Kaukasus gelten als spekulativ [1].

Auch die Sprache gibt Rätsel auf. Ob das Sumerische mit einer anderen bekannten Sprache verwandt ist, wird seit seiner Entzifferung diskutiert [7]. Simo Parpola hat in einem Wörterbuch (2016 bis 2022) die ältere These wieder aufgegriffen, das Sumerische gehöre zu den uralischen Sprachen [7]. Janne Saarikivi widersprach in einer Besprechung von 2016 schon im Titel: "Das Sumerische ist weiterhin eine isolierte Sprache" [6]. Die Universität Innsbruck widmete der Frage im Mai 2023 einen eigenen Fachworkshop [7].

Die Zeitabschnitte der sumerischen Geschichte

Die Frühzeit Mesopotamiens gliedert sich in Abschnitte, die teils nach Fundorten wie Uruk und Dschemdet Nasr, teils nach Reichen benannt sind [1]. Die Jahreszahlen sind Näherungen, und die Gliederung ist in der Forschung nicht überall gleich [1].

AbschnittZeit (etwa)Kennzeichen
Obed-Kulturvor der Uruk-ZeitVorgängerkultur, deren Träger vielleicht schon Sumerer waren [1]
Uruk-Zeitüber 1000 Jahre, mit Früh-, Mittel- und Spätphasedie Spätphase ist gut belegt [1]
Dschemdet-Nasr-Zeit3200 bis 2900 v. Chr.Übergang zur Frühdynastischen Zeit [1]
Frühdynastische Zeit2900 bis 2340 v. Chr.drei Phasen, unterschieden nach Keramik und Rollsiegeln; konkurrierende Stadtstaaten [1]
Reich von Akkadab etwa 2340 v. Chr. bis ins frühe 22. Jahrhundert v. Chr.erste Einigung der sumerischen Ebene unter Sargon [1]
Dritte Dynastie von UrEnde des 3. Jahrtausends v. Chr.letzter Staat unter sumerischer Führung, etwas über 100 Jahre [1, 5]

Stadtstaaten statt eines Reiches

Bis zur Eroberung durch Sargon von Akkad war Sumer kein einheitlicher Staat [1]. Zu den wichtigen Städten zählten Adab, Eridu, Isin, Kisch, Lagasch, Larsa, Nippur, Ur und Uruk [1]. Kullaba war ein Teil von Uruk [1]. Lokale Dynastien herrschten in den Städten und gerieten oft in Streit miteinander [1]. Ein bekanntes Zeugnis dafür ist die Geierstele aus Lagasch [1].

Wie die Sumerer selbst ihre Geschichte sahen, zeigt die Sumerische Königsliste. Nach ihr kam das Königtum vom Himmel herab und lag zuerst in Eridu [4]. Die ersten Könige dort, Alulim und Alalgar, regierten nach der Liste ungeheuer lange [4]. Dann heißt es, die Flut sei über das Land gegangen [4]. Danach stieg das Königtum erneut vom Himmel herab, diesmal nach Kisch, und wanderte von dort durch viele Städte, darunter Uruk, Ur, Adab, Mari und Akkade [4]. Unter den Herrschern von Uruk nennt die Liste auch Gilgamesch, den Herrn von Kullaba, mit 126 Regierungsjahren [4]. Mehr über die Welt rund um Sumer steht im Artikel über den Alten Orient.

Uruk und die Anfänge der Keilschrift

Die ältesten bekannten Tontafeln mit Schrift fand man in Uruk, in einer Schicht, die Archäologen "Archaisch IVa" nennen. Die Schicht Uruk IV wird auf etwa 3350 bis 3200 v. Chr. datiert [11]. Die Universität Heidelberg setzt die Entstehung der Keilschrift allgemeiner ins ausgehende 4. Jahrtausend v. Chr. und ins südliche Mesopotamien, also in das Gebiet zwischen Euphrat und Tigris [2]. Die frühen Texte hielten überwiegend wirtschaftliche Vorgänge fest [1].

Glatte Tontafeln verschiedener Größe, angespitzte Schilfgriffel und eine Schale mit feuchtem Ton auf einer Werkbank
Bild: KI-generiert

Aus einer Wortschrift wurde nach und nach eine gemischte Wort- und Silbenschrift [1]. Ihren Namen hat die Keilschrift von den keilförmigen Eindrücken, die der Griffel im feuchten Ton hinterließ [1]. Sie war über drei Jahrtausende das vorherrschende Schriftsystem Vorderasiens und diente neben dem Sumerischen auch dem Akkadischen, dem Hethitischen in Anatolien und dem Elamischen im Iran [2].

Die Königsgräber von Ur

In Ur begann 1922 eine gemeinsame Expedition des Penn Museum der University of Pennsylvania und des British Museum, ab 1926 legte sie den Friedhof frei, und 1934 endeten die Arbeiten [3]. Geleitet wurde sie von dem britischen Archäologen Leonard Woolley [3]. Das Penn Museum spricht von rund 2.000 Bestattungen [3]. Woolley bezeichnete 16 davon als Königsgräber [3]. Sie werden auf etwa 2550 v. Chr. datiert [3].

Ein Grabungsschnitt im Wüstenboden mit geschichteten Erdwänden, Holzleitern, Pinseln und Körben im Nachmittagslicht
Bild: KI-generiert

Drei Gräber sind besonders bekannt. PG789, das "Grab des Königs", war geplündert [3]. PG800, das Grab der Königin Puabi, blieb gut erhalten [3]. PG1237 nannte Woolley "Great Death Pit", die große Todesgrube [3]. Darin lagen nach dem Penn Museum 74 sorgfältig angeordnete und reich geschmückte Tote, alle bis auf sechs weiblich. Eine Bildunterschrift derselben Seite nennt 73 Begleiter [3]. Woolley nahm an, die Begleiter hätten freiwillig Gift genommen [3]. Neuere Untersuchungen mit dem Computertomographen am Krankenhaus der University of Pennsylvania sprechen nach Angaben des Museums für eine andere Deutung [3].

Unter den Beigaben ist eine Leier aus PG789, die ein Stierkopf aus Gold und Lapislazuli schmückt [3]. Aus der Todesgrube stammt eine 42,6 Zentimeter hohe Figur eines Widders im Gebüsch aus Gold, Lapislazuli, Kupfer, Muschel und rotem Kalkstein [3]. Puabis Kopfschmuck besteht aus Gold, Lapislazuli und Karneol, mit Kränzen aus goldenen Pappel- und Weidenblättern [3].

Die Zikkurat von Ur

Das bekannteste Bauwerk aus dieser Zeit ist die Zikkurat von Ur, ein gestufter Tempelbau [5]. König Ur-Nammu ließ sie um 2100 v. Chr. errichten, für die Gottheit Nanna, die Schutzgottheit der Stadt [5]. Der Kern besteht aus ungebrannten Lehmziegeln [5]. Außen ist er mit gebrannten Ziegeln verkleidet, die mit Bitumen, also natürlichem Erdpech, verlegt wurden [5]. Allein für den unteren Teil brauchte man nach Schätzung rund 720.000 gebrannte Ziegel [5].

Eine mächtige gestufte Tempelplattform aus Lehmziegeln mit breiter Mitteltreppe in flacher Wüste bei tief stehender Sonne
Bild: KI-generiert

Die Grundfläche misst nach der Quelle 210 mal 150 Fuß. Umgerechnet mit 0,3048 Meter je Fuß sind das rund 64 mal 46 Meter. Ursprünglich war der Bau nach der Quelle 70 bis 100 Fuß hoch, umgerechnet etwa 21 bis 30 Meter [5]. Drei große Treppen führen zur ersten Terrasse [5]. Der Tempel auf der obersten Stufe ist nicht erhalten [5]. Wahrscheinlich brachten die Bewohner überschüssige Ernte hierher und erhielten dort ihre Rationen [5]. Woolley legte den Bau in den 1920er Jahren frei [5]. Schon im 6. Jahrhundert v. Chr. hatte der babylonische König Nabonid die oberen Terrassen erneuern lassen [5]. In den 1980er Jahren wurden die Fassade des Unterbaus und die drei Treppen restauriert [5].

Ur-Nammu und das Ende der sumerischen Herrschaft

Um 2340 v. Chr. endete die Frühdynastische Zeit mit dem ersten akkadischen König [1]. Das Penn Museum datiert die Regierung Sargons von Akkad auf etwa 2334 bis 2279 v. Chr. und schreibt, er habe den größten Teil Mesopotamiens unter seiner Herrschaft vereint [9]. Wie dieses Reich regiert wurde, beschreibt der Artikel über Akkad. Nach dem Ende Akkads entstand mit der dritten Dynastie von Ur noch einmal ein Staat unter sumerischer Führung [1]. Ihr Gründer Ur-Nammu hinterließ eine Gesetzessammlung von etwa 2100 v. Chr., von der 40 Bestimmungen erhalten sind, unter anderem zu Tötung und Sexualdelikten [10]. Nach Wikipedia war er der erste Herrscher, der seine Herrschaft auf geschriebene Gesetze gründete [1]. Der Staat bestand etwas über 100 Jahre und brach unter Überfällen der Elamer zusammen [1]. Wer diese Nachbarn im Osten waren, erklärt der Artikel über Elam.

Danach ging die Bevölkerung zurück, und Amurriter übernahmen die Macht [1]. Das Sumerische starb als gesprochene Sprache vermutlich innerhalb weniger Jahrzehnte aus [1]. Walther Sallaberger führt das auf eine Laufänderung des Tigris zurück, andere Forscher setzen das Aussterben früher oder später an [1]. An die Stelle des Sumerischen trat im Alltag das Akkadische [1]. Als Sprache der Gelehrten, des Kults und der Beschwörungen lebte das Sumerische aber noch fast zwei Jahrtausende weiter [1]. Die nächste große Macht in der Region beschreibt der Artikel über Babylonien, dessen bekanntestes Gesetzeswerk der Codex Hammurabi ist.

Ur in der Bibel und die Wiederentdeckung

In der Bibel ist Ur die Heimat der Familie Abrams [8]. Im 1. Buch Mose heißt es in der Lutherbibel 1912, Tharah habe seinen Sohn Abram "aus Ur in Chaldäa" geführt, um ins Land Kanaan zu ziehen [8]. Wie die Bibel die Geschichte der Erzväter erzählt, steht auf bibel.domain-root.de im Beitrag Abraham, Isaak und Jakob.

Im 19. Jahrhundert rekonstruierten Gelehrte zuerst das Akkadische [1]. Erst aus akkadischen Texten ließ sich dann das Sumerische erschließen, und der akkadische Name für diese Sprache setzte sich durch [1]. Heute liegen viele sumerische Dichtungen in Übersetzung vor, etwa im Electronic Text Corpus of Sumerian Literature der Universität Oxford, darunter die Sumerische Königsliste [4].

  1. Sumer. Wikipedia. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
  2. Organisation Assyriologie (Studienfach). Universität Heidelberg. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
  3. Organisation Iraq's Ancient Past: Rediscovering Ur's Royal Cemetery (Almanac Vol. 56, No. 9). University of Pennsylvania. Stand 2009. abgerufen am 29.10.2026
  4. Studie The Sumerian king list: translation (ETCSL c.2.1.1). Electronic Text Corpus of Sumerian Literature, University of Oxford. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
  5. Studie Senta German: Ziggurat of Ur (Smarthistory, Art History I). Lumen Learning. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
  6. Studie Janne Saarikivi: Das Sumerische ist weiterhin eine isolierte Sprache (Finnisch-Ugrische Forschungen 63, S. 324 bis 337). Finnisch-Ugrische Gesellschaft. Stand 2016. abgerufen am 29.10.2026
  7. Organisation The Linguistic Position of Sumerian: Isolate or not? (Melammu Workshop 19). Universität Innsbruck. Stand 2023. abgerufen am 29.10.2026
  8. 1. Mose 11 (Lutherbibel 1912). eBible.org. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
  9. Organisation Erhan Tamur: Goddesses, Mothers, Rulers (Expedition Magazine 64, Nr. 2). Penn Museum. Stand 2022. abgerufen am 29.10.2026
  10. Organisation Sumerians, Babylonians and Akkadians (Middle East, North Africa and Türkiye: legal resources). Bodleian Libraries, University of Oxford. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
  11. Organisation Katalogeintrag IM 134536 (P004040), Periode Uruk IV. Cuneiform Digital Library Initiative. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.