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Nelson Mandela: vom Widerstand gegen die Apartheid ins Präsidentenamt
Nelson Mandela (18.07.1918 bis 05.12.2013) kämpfte im African National Congress gegen die Apartheid in Südafrika. Nach 27 Jahren Haft kam er am 11.02.1990 frei, erhielt 1993 mit Frederik Willem de Klerk den Friedensnobelpreis und war von 1994 bis 1999 der erste demokratisch gewählte Präsident des Landes.

Nelson Rolihlahla Mandela wurde am 18.07.1918 in Mvezo im heutigen Ostkap geboren und starb am 05.12.2013 in seinem Haus in Johannesburg [1]. Er verbrachte 27 Jahre in Haft und wurde 1994 erster demokratisch gewählter Präsident Südafrikas [1, 5]. Die Geschichte des Kontinents, zu der sein Leben gehört, erzählt die Seite zur Geschichte Afrikas.
Herkunft und Ausbildung
Sein Vater war nach South African History Online Häuptling von Mvezo und oberster Ratgeber des Thembu-Königs [2]. Den Vornamen Rolihlahla übersetzt dieselbe Quelle wörtlich mit "am Ast eines Baumes ziehen", umgangssprachlich mit "Unruhestifter" [2]. Den Namen Nelson gab ihm seine Lehrerin Miss Mdingane an der Grundschule in Qunu [1]. Nach dem Tod des Vaters 1930 wuchs er als Mündel des Regenten Jongintaba im Königssitz Mqhekezweni auf [1].
Er besuchte die Schulen in Clarkebury und Healdtown und begann am University College of Fort Hare ein Studium [1]. Weil er sich an einem Studentenprotest beteiligte, wurde er der Hochschule verwiesen; den Bachelor of Arts erwarb er über die University of South Africa, die Abschlussfeier fand 1943 in Fort Hare statt [1]. 1941 kam er nach Johannesburg, arbeitete als Wachmann auf einer Mine, lernte Walter Sisulu kennen und begann eine Ausbildung in einer Anwaltskanzlei [1]. Ein Jurastudium an der University of the Witwatersrand gab er 1952 ohne Abschluss auf; den Abschluss in Rechtswissenschaft holte er 1989 im Fernstudium an der University of South Africa nach [1].
Im ANC gegen die Apartheid
1944 trat Mandela dem African National Congress bei, als er die ANC-Jugendliga mitgründete [1]. Nach der Wahl von 1948, an der nur Weiße teilnehmen durften, kam die National Party an die Macht und führte die Apartheid ein [2]. Gesetzlich festgelegte Rassendiskriminierung gab es nach der Bundeszentrale für politische Bildung schon seit der Gründung der Südafrikanischen Union 1910 [5].

Das Wort Apartheid stammt aus dem Afrikaans und bedeutet sinngemäß Trennung [6]. Seit den 1950er Jahren erließen vor allem die Nationalpartei und die von ihr geführten Regierungen Gesetze, die die weiße Bevölkerung gegenüber der nicht weißen bevorzugten [6]. Die Vereinten Nationen verurteilten diese Politik mehrfach, Südafrika geriet politisch, wirtschaftlich und kulturell in die Isolation [6]. Die Opposition sammelte sich vor allem im ANC [6].
1952 leitete Mandela als oberster Freiwilliger die Defiance Campaign des ANC [1]. Im August 1952 eröffnete er mit Oliver Tambo die Kanzlei Mandela & Tambo in Johannesburg [1]. Weil gegen ihn ein Bann verhängt war, verfolgte er am 26.06.1955 heimlich, wie in Kliptown die Freiheitscharta verabschiedet wurde [1].
Am 05.12.1956 wurde er verhaftet und mit anderen im Hochverratsprozess angeklagt [1]. Am 29.03.1961 sprach das Gericht alle Angeklagten frei [1].
Sharpeville und der bewaffnete Kampf
Am 21.03.1960 starben beim Massaker von Sharpeville 69 Menschen, über 200 wurden verletzt; am 08.04.1960 verbot die Regierung den ANC und den Pan Africanist Congress [2]. 1961 gründete Mandela mit anderen Umkhonto we Sizwe, den bewaffneten Arm des ANC, und wurde dessen erster Oberbefehlshaber [2]. Die Organisation trat am 16.12.1961 an die Öffentlichkeit [1]. Im Januar 1962 verließ er Südafrika heimlich und erhielt im Ausland eine militärische Ausbildung [1]. Nach seiner Rückkehr wurde er am 05.08.1962 an einer Straßensperre bei Howick festgenommen und im November 1962 zu fünf Jahren Haft verurteilt [1, 2].
Die Bundeszentrale für politische Bildung hält fest, dass Mandela in den 1960er Jahren den gewaltsamen Widerstand befürwortete [5]. Er selbst begründete den Schritt 1964 vor Gericht: Jahrzehnte friedlichen Protests hätten nur härtere Gesetze und weniger Rechte gebracht, die Regierung habe auf friedliche Forderungen mit Gewalt geantwortet [3]. Umkhonto we Sizwe habe Sabotage gewählt, weil sie keine Menschenleben koste, und sie Guerillakrieg, Terror und offener Revolution vorgezogen [3].
Der Rivonia-Prozess
Nach einer Razzia auf der Lilliesleaf-Farm in Rivonia standen Mandela und weitere Angeklagte unter anderem wegen Sabotage und Verschwörung zum gewaltsamen Umsturz vor Gericht [2]. Am 20.04.1964 eröffnete er die Verteidigung vor dem Obersten Gericht in Pretoria mit einer Erklärung von der Anklagebank [3]. Am Schluss sagt er, er habe sein Leben dem Kampf des afrikanischen Volkes gewidmet, und nennt sein Ziel "an ideal for which I am prepared to die", ein Ideal, für das er notfalls zu sterben bereit sei [3].
Am 11.06.1964 wurde Mandela schuldig gesprochen, am 12.06.1964 zu lebenslanger Haft verurteilt [1].
27 Jahre Haft
Am 27.05.1963 wurde Mandela zum ersten Mal nach Robben Island gebracht und kehrte am 12.06.1963 nach Pretoria zurück [1]. Nach der lebenslangen Verurteilung kam er wieder auf die Insel, insgesamt verbrachte er dort 18 Jahre [5]. Ab Januar 1965 musste er im Kalksteinbruch der Insel arbeiten; das grelle Licht schädigte seine Augen [2]. 1966 beteiligte er sich an einem Hungerstreik für besseres Essen [2]. In den 1970er Jahren erkämpften die Gefangenen das Recht auf einen Gemüsegarten, 1975 wurde Mandela in die Gruppe A eingestuft und durfte mehr Briefe und Besuche empfangen [2]. Als die Wärter 1977 im Garten das versteckte Manuskript seiner Autobiografie fanden, verloren er, Ahmed Kathrada und Walter Sisulu für vier Jahre die Erlaubnis zu studieren [2]. Am 31.03.1982 kam er in das Gefängnis Pollsmoor, am 07.12.1988 in das Gefängnis Victor Verster [1].

Am 31.01.1985 bot Präsident Pieter Willem Botha ihm die Freilassung an, wenn er der Gewalt abschwöre [2]. Mandela lehnte ab; seine Antwort verlas seine Tochter Zindzi bei einer Kundgebung in Soweto [2]. Ab Juli 1986 besuchten ihn Vertreter der Regierung, zuerst Justizminister Kobie Coetsee, später Verfassungsminister Gerrit Viljoen [2]. Am 04.07.1989 traf er Botha zum ersten Mal persönlich, im Dezember 1989 dessen Nachfolger Frederik Willem de Klerk [2, 5]. De Klerk war 1989 zum Staatspräsidenten gewählt worden und hatte ein Reformprogramm mit Gesprächen mit der Opposition angekündigt [5].
Freilassung und Verhandlungen
Am 11.02.1990 verließ Mandela das Gefängnis Victor Verster [1]. Vor dem Rathaus in Kapstadt wartete eine große Menschenmenge auf ihn [5]. Zuvor war das Verbot des ANC und anderer Organisationen aufgehoben worden [5]. 1991 wählte ihn der ANC als Nachfolger von Oliver Tambo zum Präsidenten [1]. Im Dezember 1991 begannen die Verhandlungen im Konvent für ein demokratisches Südafrika, kurz CODESA [2].
Am 01.02.1991 kündigte de Klerk im Parlament an, die Apartheidgesetze aufzuheben [5]. Noch 1991 fielen die Gesetze, die Freizügigkeit, Besitz und Bürgerrechte eingeschränkt hatten [5]. 1993 erhielten Mandela und de Klerk gemeinsam den Friedensnobelpreis [1]. Im November 1993 wurde eine Übergangsverfassung beschlossen, die freie Wahlen vorsah [5].
Präsident Südafrikas
Am 27.04.1994 gab Mandela zum ersten Mal in seinem Leben seine Stimme ab [1]. Der ANC erhielt bei der Wahl 62,6 Prozent [5]. Wer in Deutschland wählen darf und wie das Wahlrecht entstand, erklärt die Seite Wer wählen darf.

Am 10.05.1994 wurde Mandela als erster Schwarzer Präsident Südafrikas vereidigt [5]. In seiner Antrittsrede rief er zur Versöhnung auf: "Die Zeit zur Heilung der Wunden hat begonnen" [5]. Nach South African History Online sprach er dort auch von einer "rainbow nation at peace with itself and the world", einer Regenbogennation im Frieden mit sich und der Welt [2]. De Klerk wurde Vizepräsident in der Regierung der nationalen Einheit; im Januar 1995 warf Mandela ihm einen geheimen Versuch vor, sich Straffreiheit zu sichern, und die Regierung stand kurz vor dem Bruch [2]. Bei der Rugby-Weltmeisterschaft 1995 im eigenen Land überreichte Mandela im Trikot der Springboks den Pokal an Kapitän François Pienaar [2]. 1996 richtete seine Regierung die Wahrheits- und Versöhnungskommission ein, die politisches Unrecht aufklären sollte; Tribunale und eine Generalamnestie waren ausgeschlossen [5]. Kritisiert wird nach der bpb, dass nicht alle Opfer entschädigt werden konnten [5]. 1999 trat Mandela nach einer Amtszeit ab, sein Nachfolger wurde Thabo Mbeki [1, 2].
Familie und letzte Jahre
Mandela war dreimal verheiratet. 1944 heiratete er Evelyn Mase, die Ehe wurde 1958 geschieden; aus ihr gingen Thembekile, Makgatho und Makaziwe hervor, eine erste Tochter Makaziwe starb als Säugling [1]. Am 14.06.1958 heiratete er Winnie Madikizela, mit der er die Töchter Zenani und Zindziswa hatte; die Ehe wurde 1996 geschieden [1]. An seinem 80. Geburtstag 1998 heiratete er Graça Machel [1].
1995 gründete Mandela den Nelson Mandela Children's Fund, später die Nelson Mandela Foundation und die Mandela Rhodes Foundation [1]. Am 01.06.2004 kündigte er seinen Rückzug aus der Öffentlichkeit an, mit den Worten "Don't call me, I'll call you" [2]. 2005 machte er bekannt, dass sein Sohn Makgatho an Aids gestorben war, um gegen die Ächtung der Krankheit anzugehen [2]. 2007 gründete er die Gruppe The Elders, deren Vorsitz Erzbischof Desmond Tutu übernahm [2]. Er starb am 05.12.2013 im Alter von 95 Jahren [1, 5].
Gedenken
Im November 2009 erklärte die Generalversammlung der Vereinten Nationen mit der Resolution A/RES/64/13 den 18. Juli, seinen Geburtstag, zum Nelson Mandela International Day [4]. Im Dezember 2015 nahm sie mit der Resolution A/RES/70/175 die überarbeiteten Mindestgrundsätze für die Behandlung von Gefangenen an und nannte sie die "Nelson Mandela Rules" [4]. Wie andere Bewegungen gegen Unterdrückung vorgingen, zeigen die Seiten zu Mahatma Gandhi und Martin Luther King; den Weg der afrikanischen Kolonien in die Unabhängigkeit beschreibt die Seite zur Dekolonisierung.
- Organisation Biography of Nelson Mandela. Nelson Mandela Foundation. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Nelson Rolihlahla Mandela. South African History Online. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Statement of Nelson Mandela at the opening of the defence case in the Rivonia Trial, Pretoria Supreme Court, 20 April 1964. Vereinte Nationen. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Nelson Mandela International Day, 18 July. Vereinte Nationen. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Vor 30 Jahren: Nelson Mandela wird aus der Haft entlassen (Hintergrund aktuell). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 11.02.2020. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Klaus Schubert, Martina Klein: Apartheid, in: Das Politiklexikon, 7. Auflage 2020. Bundeszentrale für politische Bildung (Lizenzausgabe). Stand 2020. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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