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Augustus: vom Erben Caesars zum ersten Kaiser Roms
Augustus (23.09.63 v. Chr. bis 19.08.14 n. Chr.) war der erste römische Kaiser. Als Gaius Octavius geboren, wurde er 44 v. Chr. von seinem Großonkel Caesar adoptiert, siegte 31 v. Chr. bei Actium über Marcus Antonius und Kleopatra und erhielt am 16. Januar 27 v. Chr. vom Senat den Namen Augustus. Seine Herrschaftsform heißt Prinzipat.

Augustus wurde am 23. September 63 v. Chr. in Rom als Gaius Octavius geboren [1, 2]. Joshua J. Mark gibt den vollen Namen mit Gaius Octavius Thurinus an [1]. Er beendete die Bürgerkriege der späten Republik und regierte Rom mehr als vier Jahrzehnte als erster Kaiser, auch wenn er sich selbst Princeps nannte, "Erster Bürger" [1]. Er starb am 19. August 14 n. Chr. in Nola [1]. Wie das Reich vor und nach ihm aussah, beschreibt der Artikel über das Römische Reich.
Herkunft und Caesars Erbe
Seine Eltern waren Gaius Octavius und Atia [2]. Gaius Julius Caesar war sein Großonkel [1]. Nach Caesars Ermordung im März 44 v. Chr. stellte sich heraus, dass er den jungen Octavius adoptiert hatte [1, 2]. Ab dem 8. Mai 44 v. Chr. führte Octavius den Namen Gaius Julius Caesar [2]. Die Forschung nennt ihn für die Jahre bis 27 v. Chr. Octavian [1]. Er selbst benutzte diesen Namen nie [1]. Das Leben seines Adoptivvaters steht im Artikel über Gaius Julius Caesar.
In seinem Tatenbericht schreibt Augustus, er habe mit 19 Jahren, also 44 v. Chr., aus eigenem Entschluss und auf eigene Kosten ein Heer aufgestellt [3]. Damit habe er die Republik von der Herrschaft einer Partei befreit [3].
Der Weg zur Macht
43 v. Chr. kämpfte Octavian bei Mutina und wurde im selben Jahr Ersatzkonsul [2]. Im Oktober 43 v. Chr. schloss er mit Marcus Antonius und Lepidus das Zweite Triumvirat [1]. Im Oktober 42 v. Chr. besiegten die Triumvirn bei Philippi in Makedonien die Caesarmörder Brutus und Cassius [1]. Die Verträge von Brundisium 40 v. Chr. und Misenum 39 v. Chr. regelten die Verhältnisse unter den Machthabern neu [2]. Ab November 40 v. Chr. nannte sich Octavian Imperator Caesar Divi filius, "Sohn des Vergöttlichten" [2].
Von 38 bis 36 v. Chr. führte er Krieg gegen Sextus Pompeius [1]. 36 v. Chr. verlor Lepidus alle Machtbefugnisse [1]. Nur das Amt des obersten Priesters, des Pontifex Maximus, behielt er [1].
Actium und Ägypten
Seine letzten Gegner waren Marcus Antonius und die ägyptische Königin Kleopatra VII. [2]. Am 2. September 31 v. Chr. siegte Octavians Flotte unter dem Befehl von Marcus Agrippa in der Seeschlacht von Actium [1]. Seit diesem Tag war Octavian Alleinherrscher [2]. Nach dem Fall Alexandrias starben Antonius und Kleopatra am 1. August 30 v. Chr. [1]. Rom machte Ägypten zur Provinz [2]. Im Tatenbericht heißt es knapp, er habe Ägypten dem Reich des römischen Volkes hinzugefügt [3]. In seinen Kriegen erbeutete er nach eigenen Angaben 600 Schiffe, kleinere Fahrzeuge nicht mitgezählt [3]. Die Geschichte des Landes vor dieser Zeit erzählt der Artikel über das Alte Ägypten.

Das Prinzipat
27 v. Chr. war Octavian zum siebten Mal Konsul und gab nach eigener Darstellung die Republik an Senat und Volk zurück [2, 3]. Am 16. Januar 27 v. Chr. verlieh ihm der Senat den Namen Augustus, "der Erhabene" [1]. In seinem Tatenbericht schreibt er, er habe von da an alle an Ansehen übertroffen, an Amtsgewalt aber nicht mehr besessen als seine Kollegen im jeweiligen Amt [3].
Tatsächlich sammelte er Schritt für Schritt Befugnisse. Um 23 v. Chr. übernahm er die Amtsgewalt der Volkstribunen, die tribunicia potestas [1, 2]. 19 v. Chr. erhielt er das Imperium maius, den übergeordneten Befehl über die Provinzen [1]. Am 6. März 12 v. Chr. wurde er Pontifex Maximus [1]. 2 v. Chr. riefen ihn Senat, Ritter und das ganze Volk zum Pater Patriae aus, zum "Vater des Vaterlandes" [1, 2, 3]. Er war damals zum 13. Mal Konsul [1, 2, 3]. Aus dem Titel Imperator wurde später das englische Wort "emperor", und der Monat August trägt seinen Namen [1].
Rom unter Augustus
Die lange Friedenszeit nach den Bürgerkriegen heißt Pax Romana. Nach Joshua J. Mark ließ sie Wirtschaft, Kunst und Landwirtschaft aufblühen [1]. Augustus selbst verweist auf den Janustempel: Seit der Gründung Roms sei er vor seiner Geburt nur zweimal geschlossen worden. In seiner Zeit als Princeps habe der Senat die Schließung dreimal angeordnet [3].

In seinem sechsten Konsulat, 28 v. Chr., ließ er nach eigenen Angaben 82 Tempel in Rom wiederherstellen und überging dabei keinen, der eine Reparatur brauchte [3]. Neue Gesetze stellten den Ehebruch unter Strafe und gaben Familien mit mehr als drei Kindern Steuervorteile [1]. 27 v. Chr. schuf er die Prätorianergarde, 6 n. Chr. die Vigiles, eine Feuerwehr und Nachtwache für Rom, und die Militärkasse für die Versorgung der Veteranen [1]. Ihm wird der Satz zugeschrieben, er habe Rom als Stadt aus Lehm vorgefunden und als Stadt aus Marmor hinterlassen [1].
Was der Tatenbericht in Zahlen nennt
Augustus hat seine Leistungen selbst beziffert. Rund 500.000 römische Bürger leisteten ihm nach seinen Angaben den Fahneneid [3]. Mehr als 300.000 von ihnen siedelte er nach dem Dienst in Kolonien an oder schickte sie in ihre Heimatorte zurück, und alle bekamen Land oder Geld [3]. In Italien gründete er 28 Kolonien, weitere Veteranensiedlungen entstanden unter anderem in Afrika, Sizilien, Makedonien, Spanien, Syrien und Pisidien [3]. Er feierte drei große Triumphe und zwei kleinere, die Ovationen, und wurde 21-mal als Imperator ausgerufen [3]. Für Erfolge seiner Feldzüge beschloss der Senat 55 Dankfeste mit zusammen 890 Festtagen [3].
Auch die Zählung der Bürger hielt er fest. Beim Zensus 28 v. Chr., dem ersten nach 41 Jahren, kamen 4.063.000 römische Bürger zusammen, 8 v. Chr. waren es 4.233.000 und im Jahr 14 n. Chr., gemeinsam mit Tiberius, 4.937.000 [3]. 13 v. Chr. beschloss der Senat nach Augustus' Rückkehr aus Spanien und Gallien einen Altar der Pax Augusta auf dem Marsfeld [3]. Beamte, Priester und Vestalinnen sollten dort jedes Jahr opfern [3].
Auch die Bibel nennt Augustus. Das Lukasevangelium beginnt die Weihnachtsgeschichte mit dem Satz: "Es begab sich aber zu der Zeit, daß ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, daß alle Welt geschätzt würde" (Lukas 2,1, Lutherbibel 1912) [4]. Wie die Evangelien die Geburt Jesu erzählen, steht auf bibel.domain-root.de im Beitrag Die Weihnachtsgeschichte nach Lukas und Matthäus.
Germanien und die Varusschlacht
Mehr als 20 Jahre lang versuchte Rom, die germanischen Stämme zwischen Rhein und Elbe zu unterwerfen [5]. Quinctilius Varus, nach dem die Schlacht benannt ist, ist 4 v. Chr. in Judäa bezeugt [2]. Im Jahr 9 n. Chr. besiegten germanische Krieger unter dem Cherusker Arminius drei römische Legionen [5]. Der Geschichtsschreiber Cassius Dio, der rund zwei Jahrhunderte später schrieb, beschreibt Kämpfe über drei bis vier Tage [5]. Später kehrte Rom mit acht Legionen zurück, um die Gebiete zurückzugewinnen. Nach drei verlustreichen Jahren befahl der Kaiser 16 n. Chr., schon nach dem Tod des Augustus, den Rückzug [5].

In seinem Tatenbericht nennt Augustus auch eine Fahrt seiner Flotte von der Rheinmündung nach Osten bis zum Gebiet der Kimbern, wohin nach seinen Worten nie zuvor ein Römer gekommen war. Die Provinzen Gallien, Spanien und Germanien vom Ozean bei Gades bis zur Elbmündung habe er befriedet [3].
Den Ort der Schlacht suchte man seit rund 500 Jahren [5]. Seit 1989 erforschen Archäologen die Gegend um Kalkriese im Landkreis Osnabrück [5]. Den Namen Teutoburger Wald bekam der Höhenzug Osning erst im 17. Jahrhundert, ohne dass es dafür einen Beleg gab [5]. Mehr über die Gegner Roms steht im Artikel über die Germanen.
Familie und Nachfolge
Augustus war dreimal verheiratet: mit Clodia, mit Scribonia, der Mutter seiner einzigen Tochter Julia, und mit Livia, die ihre Söhne Drusus und Tiberius mit in die Ehe brachte [2]. Sein wichtigster Helfer war Marcus Agrippa, Stellvertreter und Feldherr [1]. Julia wurde 2 v. Chr. wegen Ehebruchs verbannt, später traf dasselbe Schicksal eine Enkelin [1, 2].
4 n. Chr. adoptierte er seinen Stiefsohn Tiberius, der ihm als Kaiser folgte [1, 2].
Tod und Tatenbericht
Augustus starb am 19. August 14 n. Chr. in Nola in Kampanien eines natürlichen Todes [1, 2]. Nach seinem Tod wurde er zum Gott erklärt [1].
Im Todesjahr wurde sein Tatenbericht veröffentlicht, die Res Gestae Divi Augusti [2]. Der Text stand ursprünglich auf zwei Bronzesäulen in Rom beim Mausoleum des Augustus [3]. Erhalten ist er vor allem am Tempel für Roma und Augustus im heutigen Ankara, dem antiken Ancyra, der heute als Moschee dient [3]. Weitere Abschriften stammen aus Antiochia und Apollonia in Pisidien [3]. Als erster veröffentlichte Charles de l'Écluse (Clusius) den Text, eine maßgebliche Ausgabe legte Theodor Mommsen vor, in zweiter Auflage 1883 [3]. Wie die römische Herrschaft in die Weltgeschichte passt, zeigt die Zeitleiste der Weltgeschichte.
- Joshua J. Mark: Augustus. World History Encyclopedia. Stand 04.05.2018. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Jona Lendering: Augustus. Livius.org. Stand 10.08.2020. abgerufen am 29.10.2026
- Res Gestae Divi Augusti (Übersetzung F. W. Shipley, mit Einleitung). Livius.org. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Lukas 2 (Lutherbibel 1912). eBible.org. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Die Varusschlacht. Varusschlacht im Osnabrücker Land, Museum und Park Kalkriese. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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