Personen der GeschichteRatgeber
Galileo Galilei: Leben, Entdeckungen und der Prozess von 1633
Galileo Galilei wurde am 15. Februar 1564 in Pisa geboren und starb am 8. Januar 1642 in Arcetri bei Florenz. Mit einem selbst verbesserten Fernrohr beobachtete er vier Jupitermonde und Gebirge auf dem Mond und veröffentlichte beides im März 1610. Weil er das kopernikanische Weltbild verteidigte, verurteilte ihn die römische Inquisition 1633 wegen "schweren Verdachts der Häresie" zu Hausarrest.

Galileo Galilei war Mathematiker, Physiker und Astronom. Er beschrieb Bewegungen in mathematischer Form, beobachtete mit einem selbst gebauten Fernrohr den Himmel und geriet wegen seiner Unterstützung des kopernikanischen Weltbilds in Konflikt mit der katholischen Kirche [1, 2]. Geboren wurde er am 15. Februar 1564 in Pisa, er starb am 8. Januar 1642 in Arcetri bei Florenz [1, 2]. Die Stanford Encyclopedia of Philosophy weist darauf hin, dass das Todesdatum nicht ganz sicher überliefert ist [1].
Herkunft und Studium in Pisa
Sein Vater Vincenzo Galilei war Hofmusiker und Komponist mit bescheidenem Einkommen und schrieb auch über Musiktheorie. Die Familie hatte adlige Wurzeln [1]. Die Mutter hieß Giulia Ammannati [2]. 1580 schrieb sich Galilei an der Universität Pisa für Medizin ein, schloss das Studium aber nie ab [1]. Stattdessen lernte er Mathematik, unter anderem bei Ostilio Ricci [1].
1589 bekam er in Pisa eine Stelle für Mathematik [1, 2]. Die Stanford Encyclopedia spricht von einem Lektorat, das Museo Galileo in Florenz vom Lehrstuhl für Mathematik, den er bis 1592 innehatte [1, 2]. Dass er in diesen Jahren Kugeln vom Schiefen Turm fallen ließ, belegt die Stanford Encyclopedia nicht. Sie schreibt nur, er werde "manchmal" so beschrieben, als habe er Steine von Türmen und Schiffsmasten fallen lassen [1].
Professor in Padua
1592 erhielt Galilei den Lehrstuhl für Mathematik an der Universität Padua, der viel besser bezahlt war [1]. Er blieb dort bis 1610 [2]. In Padua untersuchte er die Mechanik, baute ein Thermoskop und einen geometrischen und militärischen Proportionalzirkel. 1594 erhielt er ein Patent auf eine Maschine, die Wasser hob [2].

Mit Marina Gamba hatte er drei Kinder: Virginia, geboren 1600, Livia, geboren 1601, und Vincenzo, geboren 1606 [1]. Die älteste Tochter trat als Suor Maria Celeste in ein Kloster ein und starb 1634 [1, 3].
Das Fernrohr und der Sternenbote
Im Juli 1609 hörte Galilei in Venedig von dem gerade erfundenen Fernrohr [1]. Er baute ein verbessertes Gerät, das etwa zwanzigfach vergrößerte [1]. Im März 1610 veröffentlichte er den "Sidereus Nuncius", den Sternenboten [1]. Darin beschrieb er vier Monde, die den Jupiter umkreisen, und einen Mond mit Bergen, der der Erde ähnlicher war, als die überlieferte Lehre annahm [1]. Die Jupitermonde nannte er die "Mediceischen Sterne", nach der in der Toskana herrschenden Familie Medici, von der er sich eine Anstellung erhoffte [1].

Noch 1610 wurde er Mathematiker und Philosoph des Großherzogs der Toskana [2]. Die Stanford Encyclopedia nennt den Titel "Erster Mathematiker und Philosoph des Großherzogs", verbunden mit einer Professur in Pisa ohne Lehrpflicht [1]. Um diese Zeit beobachtete er den Saturn und die Phasen der Venus. 1611 reiste er nach Rom, wurde in die Accademia dei Lincei aufgenommen und beobachtete die Sonnenflecken [2]. In seinen "Briefen über die Sonnenflecken" von 1613 zeigte er, dass die Flecken auf der Oberfläche der Sonne liegen und dass sich die Sonne um eine Achse dreht [1]. In diesem Werk bekannte er sich zum ersten Mal offen zum kopernikanischen Weltbild [1]. Wie sich die Naturforschung dieser Zeit insgesamt entwickelte, zeigt der Artikel Wissenschaft und Technik in der Geschichte.
Kopernikus und die Ermahnung von 1616
Galilei trat für das Modell des Nikolaus Kopernikus ein, nach dem sich die Erde um die Sonne bewegt. Ab 1612 regte sich Widerstand gegen diese Lehre, 1614 griff der Geistliche Tommaso Caccini Galileis Ansichten von einer Kanzel in Florenz aus an [2]. Im März 1616 wurde das Hauptwerk des Kopernikus "bis zur Verbesserung" ausgesetzt [1, 2]. Kardinal Robert Bellarmin ermahnte Galilei, die kopernikanische Lehre nicht zu lehren oder zu verteidigen [1, 2].
Seine Haltung zur Bibel hatte Galilei zuvor in einem Brief an Benedetto Castelli dargelegt und 1615 im Brief an die Großherzogin Christina ausgebaut [1]. Schrift und Natur stammten beide von Gott und könnten sich deshalb nicht widersprechen. Die Bibel sei für einfache Menschen geschrieben und ihrem Verständnis angepasst, die Natur müsse man durch Forschung lesen. Beide Auslegungen könnten irren und korrigiert werden [1].
1623 erschien sein Buch "Il Saggiatore" (Die Goldwaage) [1]. Darin steht der Gedanke, dass das Buch der Natur in der Sprache der Mathematik geschrieben ist. In derselben Schrift hielt Galilei Kometen für Lichterscheinungen in der Erdatmosphäre und spottete über die Ansicht, sie seien Himmelskörper [1]. Im selben Jahr wurde Maffeo Barberini als Urban VIII. zum Papst gewählt. Er hatte Galilei bis dahin gefördert und galt als sein Freund [1]. 1624 baute Galilei nach dem Museo Galileo das erste bekannte Mikroskop [2].
Der Dialog und der Prozess von 1633
1630 reiste Galilei nach Rom, um die Druckerlaubnis für sein Buch über die beiden großen Weltsysteme zu bekommen [2]. Der Druck des "Dialogo" war im Februar 1632 in Florenz abgeschlossen [1]. In dem Gespräch vertritt die Figur Salviati Galileis Ansichten, Simplicio den Standpunkt des Aristoteles. Die Inquisition verbot bald den Verkauf des Buches [1]. Im Oktober 1632 wurde Galilei vor das Heilige Offizium nach Rom geladen [2]. Im Juni 1633 verurteilte es ihn wegen "schweren Verdachts der Häresie" und zwang ihn, seine Lehre abzuschwören [1, 2]. Die Strafe wurde in Hausarrest umgewandelt [1, 2]. Urban VIII. erklärte, Galilei habe sich einer "sehr falschen und sehr irrigen" Meinung schuldig gemacht, die der ganzen Christenheit Ärgernis gegeben habe [5].
Wie die katholische Kirche in dieser Zeit auf die Reformation reagierte und ihre Lehre neu ordnete, beschreibt der Artikel Die Gegenreformation.
Hausarrest in Arcetri
Nach einer Zeit in Siena durfte Galilei sich im Dezember 1633 auf seine Villa in Arcetri bei Florenz zurückziehen [2]. Dort verbrachte er seine letzten Jahre unter Hausarrest [1, 3]. 1634 starb seine Tochter Maria Celeste, die ihn bis dahin unterstützt hatte [3].

1638 erschienen in Leiden bei den Elzeviers seine "Discorsi e dimostrazioni matematiche intorno a due nuove scienze", die Unterredungen über zwei neue Wissenschaften [1, 2]. Das Werk enthält die Gesetze der natürlichen Bewegung, die Pendelgesetze und die Parabelbahn geworfener Körper [3]. Galilei war zu dieser Zeit nach dem Museo Galileo fast oder ganz erblindet, die beiden Darstellungen des Museums unterscheiden sich darin [2, 3]. Ab Januar 1639 durfte der junge Vincenzo Viviani bei ihm wohnen, später auch Evangelista Torricelli [3].
Galilei starb in der Nacht zum 8. Januar 1642, nach der Zählung Vivianis im Alter von 77 Jahren, 10 Monaten und 20 Tagen [3]. Er war zwei Monate lang krank gewesen, mit Fieber und Herzklopfen [3]. Wie die Mechanik nach Galilei weiterging, zeigt das Lebensbild Isaac Newton.
Fallgesetz und Bewegungslehre
Schon in seiner Schrift "De motu" um 1590 wandte sich Galilei gegen die Bewegungslehre des Aristoteles [1]. Mit Versuchen an schiefen Ebenen untersuchte er beschleunigte Bewegungen. Er fand, dass ein aus der Ruhe fallender Körper eine Strecke zurücklegt, die mit dem Quadrat der verstrichenen Zeit wächst [1]. In den "Discorsi" von 1638 setzte er eine gleichförmige waagerechte Bewegung und den freien Fall zusammen und zeigte so, dass geworfene Körper einer Parabel folgen [1, 3].
Im "Dialogo" erklärte er, warum ein Stein, der von einem Turm fällt, an dessen Fuß landet, obwohl sich die Erde dreht: Der Stein behält die Bewegung bei, die er mit dem Turm teilt. Dasselbe gilt für einen Stein, der vom Mast eines gleichmäßig fahrenden Schiffes fällt. Daraus entstand der Grundsatz, der heute Galilei-Relativität heißt [1]. Die Stanford Encyclopedia nennt Galilei eine zentrale Figur der wissenschaftlichen Revolution, betont aber, dass er Gegenstand vieler Deutungen und Kontroversen ist. Experimente nutzte er nach ihrer Darstellung vor allem, um Ergebnisse zu bestätigen, die er durch Nachdenken gewonnen hatte [1]. Wärme und Farbe lagen für ihn nicht in den Körpern selbst, Gestalt, Bewegung und Zahl dagegen schon. Die Stanford Encyclopedia sieht darin die erste klare Begründung der Unterscheidung zwischen primären und sekundären Eigenschaften [1]. Sein Argument, die Gezeiten bewiesen die Bewegung der Erde, war nach ihrer Darstellung fehlerhaft, und diese Schwäche trug zu seinem Konflikt mit der Kirche bei [1].
Die Kirche und der Fall Galilei
Am 10. November 1979 regte Papst Johannes Paul II. bei einer Feier zum 100. Geburtstag Albert Einsteins an, dass Theologen, Naturwissenschaftler und Historiker den Fall Galilei gemeinsam neu untersuchen [4]. Die Kommission dafür wurde am 3. Juli 1981 eingesetzt [4]. Am 31. Oktober 1992 sprach der Papst vor der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften über ihre Ergebnisse [4].
In dieser Ansprache sagte er, die meisten Theologen hätten damals nicht zwischen der Heiligen Schrift und ihrer Auslegung unterschieden und so eine naturwissenschaftliche Frage zur Glaubensfrage gemacht. In diesem Punkt sei Galilei scharfsinniger gewesen als seine theologischen Gegner [4]. Die Debatte über die Bewegung der Erde sei innerkirchlich 1820 mit der Druckerlaubnis für ein Werk des Kanonikers Settele abgeschlossen worden [4]. Das Wort "Rehabilitierung" verwendet die Ansprache nicht [4]. George V. Coyne, von 1978 bis 2006 Direktor der Vatikanischen Sternwarte, kritisiert die Ansprache: Sie stütze sich auf eine einseitige Deutung Bellarmins. Die Druckerlaubnis für Settele, die er auf 1822 datiert (die Ansprache nennt 1820), habe sich weder auf Galilei noch auf das Urteil von 1633 bezogen [5].
Die Zeit, in der Galilei lebte, beschreibt der Artikel Die Renaissance, die Bewegung, die sich danach auf Vernunft und Erfahrung berief, der Artikel Die Aufklärung.
- Studie David Marshall Miller: Galileo Galilei (Stanford Encyclopedia of Philosophy, zuerst Peter Machamer 2005). Metaphysics Research Lab, Stanford University. Stand 17.12.2025. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Galileo Galilei (Biografie). Museo Galileo, Istituto e Museo di Storia della Scienza, Florenz. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Arcetri (Galileis letzte Jahre). Museo Galileo, Istituto e Museo di Storia della Scienza, Florenz. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Johannes Paul II.: Ansprache an die Teilnehmer der Vollversammlung der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften. Heiliger Stuhl. Stand 31.10.1992. abgerufen am 29.10.2026
- Studie George V. Coyne: The Church's Most Recent Attempt to Dispel the Galileo Myth (in: Ernan McMullin (Hg.): The Church and Galileo, 2005). Vatican Observatory. Stand 28.01.2017. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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