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Martin Luther King: der Pastor an der Spitze der Bürgerrechtsbewegung

Martin Luther King (1929 bis 1968) war ein Baptistenpastor aus Atlanta und der bekannteste Sprecher der Bürgerrechtsbewegung in den USA. Er führte den Busboykott von Montgomery an, hielt 1963 in Washington die Rede "I Have a Dream" und erhielt 1964 den Friedensnobelpreis. Am 4. April 1968 wurde er in Memphis erschossen.

Die Stufen und Säulen eines weißen Marmorbaus am Ende eines langen Wasserbeckens im Morgendunst
Bild: KI-generiert

Martin Luther King wurde am 15. Januar 1929 im Haus Auburn Avenue 501 in Atlanta im US-Bundesstaat Georgia geboren [12]. Sein Vater war Baptistenpastor, seine Mutter Musikerin [12]. Am 4. April 1968 wurde er in Memphis in Tennessee erschossen [10, 12].

Kindheit in Atlanta und Studium

King wuchs als zweites von drei Kindern in einem Schwarzen Viertel auf und besuchte Schulen nur für Schwarze [12]. 1948 schloss er mit 19 Jahren das Morehouse College in Atlanta ab [12]. Bevor er 27 wurde, erwarb er zwei weitere Abschlüsse: einen Bachelor of Divinity am Crozer Theological Seminary und den Doktortitel in systematischer Theologie an der Boston University [12].

Anfang 1952 lernte er in Boston Coretta Scott kennen, die dort am New England Conservatory studierte [11]. Am 18. Juni 1953 heirateten die beiden im Haus der Familie Scott bei Marion in Alabama [11]. Sie bekamen vier Kinder: Yolanda Denise (1955), Martin Luther King III (1957), Dexter Scott (1961) und Bernice Albertine (1963) [11]. 1954 zog das Paar nach Montgomery in Alabama, wo King Pastor der Dexter Avenue Baptist Church wurde [12].

Der Busboykott von Montgomery

Gegen die Rassentrennung in den Bussen von Montgomery wehrte sich schon vorher der Women's Political Council, eine 1946 gegründete Vereinigung Schwarzer Frauen [1]. Im März 1954 trugen seine Mitglieder Bürgermeister W. A. Gayle ihre Forderungen vor, ohne Erfolg [1]. Zwei junge Frauen wurden festgenommen: die 15-jährige Claudette Colvin, weil sie sich gegen die Rassentrennung im Bus gewehrt hatte, und sieben Monate später die 18-jährige Mary Louise Smith, weil sie ihren Sitz nicht für einen weißen Fahrgast räumen wollte [1]. Am 1. Dezember 1955 wurde Rosa Parks verhaftet [1].

Ein leerer Stadtbus aus den 1950er Jahren an einer ruhigen Straße mit Backsteinhäusern und Magnolienbäumen
Bild: KI-generiert

Für den 5. Dezember 1955 riefen Jo Ann Robinson und der Council zu einem eintägigen Boykott auf, und 90 Prozent der Schwarzen Einwohner fuhren an diesem Tag nicht mit dem Bus [1]. Noch am selben Tag gründeten Pastoren und andere Wortführer die Montgomery Improvement Association und wählten King zum Präsidenten [1]. Der Boykott ging weiter, eine Fahrgemeinschaft mit rund 300 Autos ersetzte die Busse [1]. Anfang 1956 wurden Bomben auf die Häuser von King und E. D. Nixon geworfen [1]. Die Stadt klagte mehr als 80 Beteiligte an, King wurde zu 500 Dollar Strafe oder 386 Tagen Haft verurteilt [1].

Am 5. Juni 1956 erklärte ein Bundesbezirksgericht im Fall Browder gegen Gayle die Trennung in den Bussen für verfassungswidrig, im November 1956 bestätigte das der Oberste Gerichtshof [1]. Am 20. Dezember 1956 rief King zum Ende des Boykotts auf, am nächsten Morgen fuhr er in einem Bus ohne Rassentrennung [1]. Der Protest hatte 13 Monate gedauert [1].

Die Southern Christian Leadership Conference

1957 entstand unter Kings Leitung die Southern Christian Leadership Conference (SCLC), die örtliche Protestgruppen im Süden mit gewaltlosen Mitteln verbinden sollte [2]. Sie stützte sich auf die Schwarzen Kirchen und arbeitete als Dachverband für örtliche Gruppen [2]. Ende 1957 begann ihre erste große Kampagne, der Crusade for Citizenship, um Tausende Schwarze für die Wahlen 1958 und 1960 als Wähler registrieren zu lassen [2].

1960 gab King seine Pfarrstelle in Montgomery auf, zog nach Atlanta und wurde neben seinem Vater Pastor der Ebenezer Baptist Church [12]. Im selben Jahr wurde er zu vier Monaten im Staatsgefängnis Reidsville verurteilt, angeblich wegen Hausfriedensbruchs in einem Kaufhaus und eines Verstoßes gegen eine Bewährungsauflage [12]. Weil man um seine Sicherheit fürchtete, wurde die Haft ein Thema im Präsidentschaftswahlkampf: Der Demokrat John F. Kennedy sprach Coretta King seine Sorge aus, der Republikaner Richard Nixon nicht [12]. 1961 und 1962 folgten Boykotte in Albany in Georgia [12].

Birmingham und der Brief aus dem Gefängnis

Im Frühjahr 1963 führte King eine Kampagne gegen die Rassentrennung in Birmingham in Alabama [12]. Am 12. April 1963 wurde er wegen Verstoßes gegen ein Verbot von Massendemonstrationen festgenommen [3]. Am selben Tag nannten acht Geistliche der Stadt die Kampagne in einer Zeitung "unklug und unzeitgemäß" [3]. King antwortete aus der Zelle mit einem langen Brief, den er auf Zeitungsrändern begann, auf Zetteln eines Mithäftlings fortsetzte und auf Blöcken seiner Anwälte beendete [3]. Darin beschrieb er vier Schritte einer gewaltlosen Kampagne: Fakten sammeln, verhandeln, sich selbst prüfen und direkt handeln [3]. Der Brief erschien bald als Flugschrift und in mehreren Zeitschriften [3].

Der Marsch auf Washington

Am 28. August 1963 kamen in Washington mehr als 200.000 Menschen zum Marsch für Arbeit und Freiheit zusammen, so das King-Institut der Stanford University [4]. Der Historiker John Hope Franklin spricht in einer Broschüre des National Park Service von mehr als 250.000 Teilnehmern [12]. Zu den Forderungen gehörten ein umfassendes Bürgerrechtsgesetz, der Schutz des Wahlrechts und ein Bundesgesetz gegen Diskriminierung bei der Arbeit [4]. Gegen Ende der Kundgebung hielt King am Lincoln Memorial die Rede, die als "I Have a Dream" bekannt wurde [4]. Darin wünschte er sich, dass seine vier Kinder einmal nach ihrem Charakter und nicht nach ihrer Hautfarbe beurteilt würden [12].

Präsident Kennedy hatte schon am 11. Juni 1963 ein umfassendes Bürgerrechtsgesetz angekündigt [8]. Nach seiner Ermordung unterzeichnete Lyndon B. Johnson das Gesetz am 2. Juli 1964, King war dabei [8]. Es erlaubte dem Bund, die Aufhebung der Rassentrennung in Schulen, Parks und anderen öffentlichen Einrichtungen durchzusetzen, und schuf eine Kommission gegen Diskriminierung im Arbeitsleben [8]. Mehr über den Präsidenten steht im Lebensbild John F. Kennedy.

Der Friedensnobelpreis 1964

Am Morgen des 14. Oktober 1964 erfuhr King in einem Krankenhaus in Atlanta am Telefon von seiner Frau, dass er den Friedensnobelpreis erhält [5]. Vorgeschlagen hatte ihn das American Friends Service Committee [5]. Am 10. Dezember 1964 nahm er den Preis in Oslo entgegen, im Namen der Tausenden in der Bürgerrechtsbewegung [5]. Das Preisgeld von 54.000 Dollar teilte er auf: 25.000 Dollar gingen an die Gandhi Society for Human Rights, 12.000 Dollar an die SCLC, der Rest an weitere Bürgerrechtsgruppen [5]. Nach John Hope Franklin bestärkten ihn eine Reise nach Indien und die indischen Lehren der Gewaltlosigkeit in seinem Weg [12]. Mehr dazu im Lebensbild Mahatma Gandhi.

Selma und das Wahlrecht

Am 2. Januar 1965 schlossen sich King und die SCLC einer Kampagne für das Wahlrecht in Selma in Alabama an, wo nur zwei Prozent der Schwarzen Einwohner in den Wählerlisten standen [6]. In der Nacht des 18. Februar schoss in Marion ein Polizist des Bundesstaats auf den 26-jährigen Jimmie Lee Jackson, der acht Tage später starb [6]. Am 7. März wollten Demonstrierende von Selma nach Montgomery ziehen; an der Edmund-Pettus-Brücke griffen Polizisten sie mit Knüppeln und Tränengas an [6]. Die Fernsehbilder dieses "Bloody Sunday" lösten im ganzen Land Empörung aus [6].

Eine lange Stahlbogenbrücke über einem braunen Fluss an einem bewölkten Frühlingstag mit leerer Straße
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Am 9. März führte King mehr als 2.000 Menschen zur Brücke, ließ sie beten und kehrte dann um [6]. Am Abend griffen Weiße den Pfarrer James Reeb an, er starb zwei Tage später [6]. Vom 21. bis 25. März 1965 zogen die Demonstrierenden dann in fünf Tagen 54 Meilen, rund 87 Kilometer, bis vor das Kapitol in Montgomery [6]. Am 6. August 1965 unterzeichnete Johnson den Voting Rights Act, der Lesetests und Wahlsteuern beendete, mit denen Schwarze vom Wählen abgehalten worden waren [7]. Wer in Deutschland heute wählen darf, erklärt der Artikel Wer wählen darf: Wahlalter und Wahlrecht.

Chicago, Vietnam und die Armut

1966 weitete die SCLC ihre Arbeit mit einer Kampagne nach Chicago aus [2]. Nach John Hope Franklin hatte King dort mit Boykotts, Streikposten und Demonstrationen wenig Erfolg [12]. Am 4. April 1967 sprach er vor mehr als 3.000 Menschen in der Riverside Church in New York gegen den Vietnamkrieg [9]. Washington Post und New York Times kritisierten die Rede in Leitartikeln, auch die NAACP warf ihm vor, zwei getrennte Fragen zu vermischen [9]. Im selben Jahr begann die SCLC eine Kampagne der Armen zu planen, die Tausende arme Menschen aller Herkunft nach Washington bringen sollte [2]. Den Krieg selbst schildert der Artikel Der Vietnamkrieg.

Der Mord in Memphis

Am 3. April 1968 kam King nach Memphis, um streikende Müllarbeiter zu unterstützen [10]. Am Abend des 4. April trat er um 18.05 Uhr auf den Balkon vor Zimmer 306 des Lorraine Motel und wurde von einem Schuss getroffen; um 19.05 Uhr stellten Ärzte im Krankenhaus seinen Tod fest [10]. In mehr als 100 Städten kam es danach zu Unruhen mit mehr als 40 Toten [10]. Am 9. April 1968 fand die Trauerfeier in der Ebenezer Baptist Church in Atlanta statt, mehr als 100.000 Menschen folgten dem Sarg [10].

Ein zweistöckiges Motel mit offenem Balkon in der Dämmerung, ein Kranz aus weißen Blumen am Geländer
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Der Tat beschuldigt wurde James Earl Ray, ein entflohener Häftling, den Großbritannien am 19. Juli 1968 an die USA auslieferte [10]. Im März 1969 bekannte er sich schuldig und erhielt 99 Jahre Haft, widerrief das Geständnis aber kurz danach [10]. Ein Ausschuss des Repräsentantenhauses hielt ab 1976 Mittäter für möglich, fand aber keine überzeugenden Belege für eine Beteiligung der Regierung [10]. Unter Ralph Abernathy zelteten vom 13. Mai bis 24. Juni 1968 rund 3.000 Menschen der Kampagne der Armen in Washington [2]. Coretta Scott King gründete das King Center, der nationale Feiertag zu seinen Ehren wurde ab Januar 1986 begangen [11]. Die Geschichte des Landes erzählt der Artikel Die Geschichte der USA.

  1. Organisation Montgomery Bus Boycott. Martin Luther King, Jr. Research and Education Institute, Stanford University. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  2. Organisation Southern Christian Leadership Conference (SCLC). Martin Luther King, Jr. Research and Education Institute, Stanford University. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  3. Organisation "Letter from Birmingham Jail". Martin Luther King, Jr. Research and Education Institute, Stanford University. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  4. Organisation March on Washington for Jobs and Freedom. Martin Luther King, Jr. Research and Education Institute, Stanford University. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  5. Organisation Nobel Peace Prize. Martin Luther King, Jr. Research and Education Institute, Stanford University. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  6. Organisation Selma to Montgomery March. Martin Luther King, Jr. Research and Education Institute, Stanford University. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  7. Organisation Voting Rights Act of 1965. Martin Luther King, Jr. Research and Education Institute, Stanford University. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  8. Organisation Civil Rights Act of 1964. Martin Luther King, Jr. Research and Education Institute, Stanford University. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  9. Organisation "Beyond Vietnam". Martin Luther King, Jr. Research and Education Institute, Stanford University. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  10. Organisation Assassination of Martin Luther King, Jr.. Martin Luther King, Jr. Research and Education Institute, Stanford University. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  11. Organisation King, Coretta Scott. Martin Luther King, Jr. Research and Education Institute, Stanford University. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  12. Behörde Martin Luther King, Jr. National Historic Site (Broschüre, Text John Hope Franklin). National Park Service, U.S. Department of the Interior. Stand 2005. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.