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Die Geschichte Großbritanniens: von Britannia bis zum Brexit
Großbritannien entstand als Staat am 1. Mai 1707, als die Union zwischen England und Schottland in Kraft trat. Davor reicht die Geschichte der Insel von der römischen Eroberung ab 43 n. Chr. über die Wikinger und die normannische Eroberung 1066 bis zur Reformation. Nach Industrialisierung und Empire trat das Land 1973 der Europäischen Gemeinschaft bei und verließ die EU am 31. Januar 2020.

Als Staat entstand Großbritannien am 1. Mai 1707, als die Union zwischen England und Schottland in Kraft trat. Schon seit 1603 hatten beide Länder denselben König [10]. Die Geschichte der Insel ist viel älter. Sie reicht von der römischen Eroberung ab 43 n. Chr. über die angelsächsischen Königreiche und die normannische Eroberung von 1066 bis zum Austritt aus der Europäischen Union im Jahr 2020 [1, 4, 17].
Römisches Britannien
Julius Caesar landete 55 und 54 v. Chr. in Britannien. Erobert wurde die Insel erst ab 43 n. Chr. unter Kaiser Claudius, als der Feldherr Aulus Plautius bei Richborough an Land ging [1]. 60/61 erhob sich Boudicca gegen die römische Herrschaft [1]. Um 122 begann der Bau des Hadrianswalls [1, 2]. Nach der World History Encyclopedia war er 73 Meilen oder 118 Kilometer lang [1].

Wann die römische Herrschaft endete, geben die Quellen unterschiedlich genau an. Die World History Encyclopedia nennt 410 [1], English Heritage schreibt für den Norden Britanniens, sie sei um die Wende zum 5. Jahrhundert zu Ende gegangen [2]. Den Rahmen beschreibt der Artikel Das Römische Reich.
Wikinger und Normannen
793 überfielen Wikinger das Kloster Lindisfarne, töteten die Mönche, die sie fanden, und raubten die Wertsachen [3]. Später richteten sie in Britannien das Gebiet des Danelaw ein [3]. Alfred der Große, König von 871 bis 899, besiegte 878 bei Edington den Wikingeranführer Guthrum. Guthrum und 30 seiner Anführer mussten sich danach taufen lassen [3]. Mehr dazu im Artikel Die Wikinger.
Am 14. Oktober 1066 standen sich bei Hastings das Heer des englischen Königs Harold II. und das des normannischen Herzogs Wilhelm gegenüber, nach Mark Cartwright vermutlich mit je rund 5.000 Mann [4]. Wilhelm siegte und wurde am Weihnachtstag 1066 in der Westminster Abbey gekrönt. Damit endeten etwa 500 Jahre angelsächsischer Herrschaft [4]. Das Domesday Book von 1086/87 zeigt, wie stark sich danach der Landbesitz verschoben hatte [4]. Sein Leben beschreibt Wilhelm der Eroberer.
Magna Carta und Hundertjähriger Krieg
Am 15. Juni 1215 nahm König Johann in Runnymede die Bedingungen der Magna Carta an [5]. Die Regierung des jungen Heinrich III. stellte sie am 12. November 1216 neu aus, 1217 folgte eine dritte Fassung. Die Fassung, die Heinrich III. am 11. Februar 1225 bestätigte, gilt den National Archives als die endgültige [5]. Was in der Urkunde steht, erklärt Die Magna Carta.
Von 1337 bis 1453 kämpften England und Frankreich im Hundertjährigen Krieg. Eduard III. hatte über seine Mutter Isabella Anspruch auf die französische Krone erhoben. Am Ende kontrollierte die englische Krone in Frankreich nur noch Calais [6].
Von 1455 bis 1487 kämpften die Häuser Lancaster und York in den Rosenkriegen um den englischen Thron. Am 22. August 1485 besiegte Heinrich Tudor bei Bosworth König Richard III. Als Heinrich VII. begründete er die Dynastie der Tudors und heiratete 1486 Elisabeth von York [18].
Reformation und Armada
Heinrich VIII. wollte seine Ehe mit Katharina von Aragon annullieren lassen. Als der Papst ablehnte, trennte er die englische Kirche von Rom [7]. Der Act of Supremacy vom 28. November 1534 machte den englischen Monarchen zur obersten Autorität der Kirche [7]. Von 1536 bis 1540 wurden die etwa 800 Klöster aufgelöst, die Krone gewann dabei rund 1,3 Millionen Pfund [7]. Unter Elisabeth I. nannte der Act of Supremacy von 1559 die Königin "Supreme Governor" der Kirche [7]. Mehr in den Lebensbildern Heinrich VIII. und Elisabeth I..
1588 schickte Philipp II. von Spanien eine Armada von 132 Schiffen gegen England, die englische Flotte zählte etwa 130 Schiffe [8]. Die Armada wurde besiegt. Nach Stürmen und Verlusten vor den Küsten Schottlands und Irlands kehrte nur etwa die Hälfte der Schiffe nach Spanien zurück [8]. Mark Cartwright nennt 11.000 bis 15.000 tote Spanier und rund 100 tote Engländer [8].
Bürgerkrieg und Union mit Schottland
Die Englischen Bürgerkriege dauerten von 1642 bis 1651 [9]. Am 30. Januar 1649 wurde Karl I. nach einem Prozess wegen Hochverrats hingerichtet und die Monarchie abgeschafft [9]. Am 16. Dezember 1653 wurde Oliver Cromwell Lord Protector von England, Schottland und Irland, 1660 kehrte die Monarchie mit Karl II. zurück [9]. Nach Mark Cartwright starben in den Kriegen etwa 100.000 Soldaten und etwa 100.000 Zivilisten, ungefähr jeder vierte Mann in England und Wales kämpfte aktiv mit [9].

Seit der Union der Kronen 1603 regierte Jakob VI. von Schottland als Jakob I. zugleich England [10]. Am 22. Juli 1706 unterzeichneten Kommissare beider Länder die Unionsartikel. Das schottische Parlament stimmte am 16. Januar 1707 mit 110 zu 67 Stimmen zu, 46 Abgeordnete fehlten oder enthielten sich [10]. Am 1. Mai 1707 trat der Act of Union in Kraft, am 23. Oktober 1707 kam in London erstmals das Parlament Großbritanniens zusammen [10].
Zwischen der Union der Kronen 1603 und der Union von 1707 lag auch die sogenannte Glorious Revolution. Im November 1688 landete Wilhelm von Oranien ohne größere Schlachten in England, im Dezember ging König Jakob II. ins französische Exil. Wilhelm regierte danach gemeinsam mit seiner Frau Maria II., einer Tochter Jakobs [19]. Die Bill of Rights vom 16. Dezember 1689 gab dem Parlament die oberste Autorität über Gesetze und Steuern. Kein Monarch durfte mehr ein eigenes stehendes Heer unterhalten, und Katholiken waren von der Thronfolge ausgeschlossen [19]. Nach Mark Cartwright entstand so die konstitutionelle Monarchie, die bis heute besteht [19]. Das Toleranzgesetz vom Mai 1689 gewährte protestantischen Dissenters Religionsfreiheit, Katholiken und Juden blieben davon ausgenommen. In Irland siegte Wilhelm 1690 in der Schlacht am Boyne, in Schottland scheiterten die jakobitischen Erhebungen von 1715 und 1745 [19].
Industrie und Empire
In Großbritannien setzte die Industrialisierung nach dem Wirtschaftshistoriker Ulrich Pfister in den 1760er Jahren ein, angetrieben vor allem von der Baumwollverarbeitung. Die Ära der Industriellen Revolution in England datiert er auf etwa 1770 bis 1850 [11]. Dampfeisenbahnen fuhren ab den 1830er Jahren, mit Dampf angetriebene Hochseeschiffe ab den 1850er Jahren [11]. Den Ablauf beschreibt Die Industrielle Revolution.

Im Zeitalter des Hochimperialismus war Großbritannien nach Gabriele Metzler die europäische Supermacht in Asien, mit Besitzungen wie Indien, Burma, Ceylon, Malaya, Singapur und Hongkong [12]. Siedlerkolonien mit weißer Bevölkerung erhielten mehr Selbstständigkeit, Kanada wurde schon 1867 ein Dominion innerhalb des Empire [12].
Zweiter Weltkrieg und Ende des Empire
Am 13. August 1940 begann die Luftschlacht um England. Die deutsche Luftwaffe sollte die Lufthoheit für eine geplante Landung gewinnen [20]. London war erstmals am 5./6. September 1940 als Ziel freigegeben, danach folgten weitere Nachtangriffe. In der Nacht zum 15. November 1940 zerstörten 500 Bomber Coventry fast vollständig [20]. Die deutsche Seite verlor 2.265 Flugzeuge, knapp 2.000 Piloten fielen. Im Frühjahr 1941 wurde der Luftkrieg gegen England eingestellt, weil die Flugzeuge für den Überfall auf die Sowjetunion gebraucht wurden [20]. Das Lebensbild Winston Churchill beschreibt den britischen Premierminister dieser Jahre.
Am 15. August 1947 entließ Großbritannien Indien in die Unabhängigkeit, Pakistan war einen Tag zuvor entstanden [13]. Bei der Teilung kamen nach der Bundeszentrale für politische Bildung landesweit mehr als eine Million Menschen ums Leben. Mehr als zehn Millionen mussten fliehen, wurden umgesiedelt oder vertrieben [13]. Den weiteren Zerfall der Kolonialreiche beschreibt Die Dekolonisierung.
Nordirland
1921/22 wurde die Insel Irland politisch geteilt [14]. Seit 1968 kam es in Nordirland immer wieder zu gewaltsamen Ausschreitungen, bis 1998 kamen etwa 3.500 Menschen ums Leben [14]. Das Karfreitagsabkommen wurde am 10. April 1998 unterzeichnet. Bei den Referenden am 22. Mai 1998 stimmten in Nordirland 71,1 Prozent und in der Republik Irland 94,4 Prozent dafür [14].
Europa und Brexit
Ein erster britischer Versuch, den Europäischen Gemeinschaften beizutreten, scheiterte 1963 am Veto Frankreichs [15]. Am 1. Januar 1973 trat das Vereinigte Königreich zusammen mit Dänemark und Irland bei, die Gemeinschaft wuchs damit von sechs auf neun Mitglieder [16]. Im Juni 2016 stimmten 52 Prozent der britischen Wählerinnen und Wähler für den Austritt. Nach mehr als 40 Jahren Mitgliedschaft verließ das Land die EU am 31. Januar 2020 [17]. Wie sich Volksabstimmungen von Entscheidungen gewählter Vertreter unterscheiden, erklärt der Beitrag Direkte und repräsentative Demokratie auf demokratie.domain-root.de.
Die wichtigsten Daten
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 43 n. Chr. | Beginn der römischen Eroberung unter Claudius [1] |
| um 122 | Baubeginn des Hadrianswalls [1, 2] |
| 793 | Wikingerüberfall auf Lindisfarne [3] |
| 14.10.1066 | Schlacht bei Hastings [4] |
| 15.06.1215 | Magna Carta in Runnymede [5] |
| 28.11.1534 | Act of Supremacy, Bruch mit Rom [7] |
| 1588 | Niederlage der spanischen Armada [8] |
| 30.01.1649 | Hinrichtung Karls I. [9] |
| 1689 | Bill of Rights nach der Glorious Revolution [19] |
| 01.05.1707 | Union von England und Schottland [10] |
| 1760er Jahre | Beginn der Industrialisierung [11] |
| 1940/41 | Luftschlacht um England [20] |
| 15.08.1947 | Unabhängigkeit Indiens [13] |
| 01.01.1973 | Beitritt zu den Europäischen Gemeinschaften [16] |
| 10.04.1998 | Karfreitagsabkommen für Nordirland [14] |
| 31.01.2020 | Austritt aus der EU [17] |
- Donald L. Wasson: Roman Britain. World History Encyclopedia. Stand 30.01.2017. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation History of Hadrian's Wall. English Heritage. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Joshua J. Mark: Vikings. World History Encyclopedia. Stand 29.01.2018. abgerufen am 29.10.2026
- Mark Cartwright: Norman Conquest of England. World History Encyclopedia. Stand 24.01.2019. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Magna Carta, 1214 to 1225 (Teaching resource). The National Archives, Vereinigtes Königreich. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Mark Cartwright: Hundertjähriger Krieg (übersetzt von Marina Wrackmeyer). World History Encyclopedia. Stand 09.01.2024. abgerufen am 29.10.2026
- Mark Cartwright: English Reformation. World History Encyclopedia. Stand 13.07.2020. abgerufen am 29.10.2026
- Mark Cartwright: Spanish Armada. World History Encyclopedia. Stand 28.05.2020. abgerufen am 29.10.2026
- Mark Cartwright: English Civil Wars. World History Encyclopedia. Stand 18.02.2022. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde The Union of 1707: Timeline. Scottish Archives for Schools, National Records of Scotland. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Ulrich Pfister: Einführung, Vorgeschichte der Industrialisierung (Kurzskript zur Vorlesung Industrialisierung, WS 2021/22). Universität Münster, Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte. Stand 12.10.2021. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Gabriele Metzler: Die Epoche des Hochimperialismus (Informationen zur politischen Bildung 338). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 20.11.2018. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Vor 75 Jahren: Unabhängigkeit Indiens (Hintergrund aktuell). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 10.08.2022. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Vor 25 Jahren: Referenden zum Karfreitagsabkommen (Hintergrund aktuell). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 22.05.2023. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Gabriele Metzler: Die Auflösung der europäischen Imperien und ihre Folgen (Informationen zur politischen Bildung 338). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 20.11.2018. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Geschichte der EU: 1970 bis 1979. Europäische Union. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Geschichte der EU: 2010 bis 2019. Europäische Union. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Mark Cartwright: Wars of the Roses. World History Encyclopedia. Stand 24.02.2020. abgerufen am 29.10.2026
- Mark Cartwright: Glorious Revolution. World History Encyclopedia. Stand 09.09.2022. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Arnulf Scriba: Die "Luftschlacht um England" (LeMO). Deutsches Historisches Museum. Stand 19.05.2015. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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