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Die Wikinger: Seefahrer aus Skandinavien

Wikinger waren Seefahrer aus Norwegen, Schweden und Dänemark, die etwa von 790 bis 1100 n. Chr. plünderten, handelten und siedelten. Als Beginn gilt der Überfall auf das Kloster Lindisfarne 793, als Ende meist die Schlacht von Stamford Bridge 1066.

Ein langes Holzschiff mit rechteckigem Segel gleitet im Morgendunst über einen ruhigen Fjord
Bild: KI-generiert

Als Wikinger bezeichnet die Forschung Seefahrer aus Norwegen, Schweden und Dänemark, die etwa von 790 bis 1100 n. Chr. unterwegs waren [1]. Im engen Sinn passte das Wort nur auf Männer, die zur See fuhren, um durch Raub reich zu werden [1]. Die altnordische Wendung "fara i viking" bedeutete, auf eine solche Fahrt zu gehen, nicht auf eine gewöhnliche Handelsreise [1]. Benutzt haben das Wort vor allem englische Schreiber [1]. Im französischen Raum sprach man von Nordmännern, die Slawen nannten sie Rus [1].

Woher das Wort kommt, ist umstritten. Diskutiert werden unter anderem das altnordische "vík" für Bucht, das lateinische "vicus" für Ortschaft und "vika" für das Rudern in Schichten [8].

Der Beginn: Lindisfarne 793

Der erste Wikingerüberfall in Britannien traf 793 das Kloster Lindisfarne vor der Nordostküste Englands [1]. Die Angreifer töteten Mönche und raubten die Wertsachen [1]. Danach zogen Wikinger etwa 300 Jahre lang immer wieder an Europas Küsten auf Raubfahrt [1]. Ihre Fahrten führten in drei Richtungen: nach Westen auf die Britischen Inseln und nach Frankreich, nach Osten bis ins Byzantinische Reich und über den Nordatlantik nach Island, Grönland und Nordamerika [1].

England, Irland und die Normandie

Auf den Britischen Inseln blieb es nicht bei Überfällen. Wikinger gründeten Dublin und errichteten in England das Danelag, ein Gebiet unter skandinavischer Herrschaft [1]. Alfred der Große, König von 871 bis 899, machte die Taufe zur Bedingung für Verträge mit ihnen [1]. Nach seinem Sieg 878 ließen sich der Anführer Guthrum und 30 seiner Häuptlinge taufen [1]. Die Geschichte der Insel in späteren Jahrhunderten erzählt der Artikel über Großbritannien.

Rollo und die Normandie

An einem Zug die Seine hinauf im Jahr 876 war ein Anführer namens Rollo wohl beteiligt, ebenso an der Belagerung von Paris 885 bis 886 [4]. 911 schloss er mit dem westfränkischen König Karl dem Einfältigen den Vertrag von Saint-Clair-sur-Epte: Rollo erhielt Land an der unteren Seine, dafür hörten die Raubzüge auf diesem Fluss auf [4]. Er ließ sich taufen und nahm den Namen Robert an [4]. 918 bekamen er und seine Gefolgsleute weiteres Land, damit sie das Reich verteidigten [4]. 927 trat Rollo zurück, sein Sohn Wilhelm Langschwert folgte ihm, um 930 starb er [4]. Das Gebiet hieß nach den Nordmännern bald Normandie. Den Herzogstitel trug Rollo nie, erster Herzog war sein Urenkel Richard II. [4]. Ein späterer Nachkomme Rollos eroberte 1066 England: Wilhelm der Eroberer, König bis 1087 [4]. Wie das Reich der Franken entstand, steht im Artikel über das Fränkische Reich.

Haithabu und der Handel

Einer der wichtigsten Handelsorte der Wikingerzeit war Haithabu bei Schleswig. Die Siedlung entstand ab dem 8. Jahrhundert am inneren Ende der Schlei, an der schmalsten Stelle der Jütischen Halbinsel, und kontrollierte den wichtigsten Handelsweg zwischen Nord- und Ostsee [3]. Vom 8. bis zum 11. Jahrhundert lag sie mitten in den Handelsnetzen zwischen Nord- und Westeuropa [2]. Im 10. Jahrhundert wurde Haithabu in den Verteidigungswall des Danewerks einbezogen [2].

Nachgebaute strohgedeckte Holzhäuser einer frühmittelalterlichen Siedlung am Wasser mit langem hölzernem Steg im Morgennebel
Bild: KI-generiert

Etwa 300 Jahre bestand der Ort [3]. Mitte des 11. Jahrhunderts wurde er zerstört, an seine Stelle trat Schleswig am Nordufer der Schlei [3]. Im Hafen bauten die Bewohner im Winter 885/886 eine Landebrücke von 41 mal 9,7 Metern, die rund 130 Jahre genutzt wurde [3]. Seit dem 30. Juni 2018 stehen Haithabu und das Danewerk auf der Welterbeliste der UNESCO [2]. Den Weg dorthin hatte der Schleswig-Holsteinische Landtag 2004 auf Anregung des Archäologen Claus von Carnap-Bornheim eingeleitet, der Antrag ging im Januar 2017 an die UNESCO [2]. Später übernahmen andere Städte an Nord- und Ostsee den Fernhandel, mehr dazu im Artikel über die Hanse.

Der Weg nach Osten

Im Osten nannten die Slawen die Skandinavier Rus, und von diesem Namen leitet sich der Name Russland ab [1]. Die Geschichte des Landes erzählt der Artikel über Russland. Am Kaiserhof in Konstantinopel dienten Wikinger in der Warägergarde, der Leibwache der byzantinischen Kaiser [1]. Wie dieses Reich aufgebaut war, beschreibt der Artikel über Byzanz.

Schiffe

Das Hjortspring-Boot von etwa 350 v. Chr. ist das älteste bekannte Plankenboot Skandinaviens [1]. Das Nydam-Schiff aus Dänemark, etwa 350 bis 400 n. Chr. gebaut, konnte schon über das Meer fahren, hatte aber noch kein Segel [1].

Die geschwungenen Eichenplanken und Spanten eines alten ausgegrabenen Schiffsrumpfs in einer stillen hellen Halle
Bild: KI-generiert

Ein Kriegsschiff aus der Wikingerzeit liegt heute im Museum in Haithabu. Das sogenannte Haithabu-Wrack I sank um 990 bis 1010 am Kopf der Landebrücke [3]. Das Museum beschreibt es als königliches Langschiff mit mehr als 60 Mann Besatzung, das zu den schnellsten Schiffen auf der Ostsee gehörte [3].

Island, Grönland und Vinland

Island besiedelten Menschen aus Skandinavien etwa von 870 bis 930 [5]. Als erster historisch fassbarer Siedler gilt Ingólfr Arnarson, der um 874 die Siedlung gründete, aus der Reykjavík wurde [5]. Seine Geschichte steht im Landnámabók, dem "Buch der Landnahme" aus dem 13. Jahrhundert [5]. Die meisten Siedler kamen zuerst aus Norwegen, später auch von den Orkney- und Shetlandinseln und aus Irland [5]. Überwiegend waren es Bauern, die neues Land suchten [5]. 930 brachte Ulfljot dem Althing, der Versammlung der freien Männer, ein Gesetzbuch [5].

Niedrige Häuser mit Wänden und Dächern aus Grassoden auf einer windigen grünen Küstenwiese am Meer
Bild: KI-generiert

Erik der Rote erkundete und besiedelte Grönland. Er starb 1003 [1]. Um das Jahr 1000 erreichten Wikinger von Grönland aus Nordamerika, damals lebten in Grönland schätzungsweise 400 bis 500 Menschen [1, 6]. Leif Eriksson erkundete Teile Nordamerikas [1].

L'Anse aux Meadows

Von diesen Fahrten berichten zwei isländische Sagas, die Grænlendinga saga und die Saga von Erik dem Roten. Beide wurden etwa zwischen 1220 und 1280 aufgeschrieben [6]. 1961 fand Helge Ingstad auf Neufundland die Reste einer nordischen Siedlung, L'Anse aux Meadows [6]. Anne Stine Ingstad leitete dort von 1961 bis 1968 die Ausgrabungen, Parks Canada grub von 1973 bis 1976 weiter [6]. Gefunden wurden acht Gebäude mit Wänden aus Grassoden, darunter eine Schmiede und Werkstätten für die Reparatur von Schiffen [6]. Platz bot sie für 70 bis 90 Menschen, genutzt wurde die Siedlung weniger als zehn Jahre [6]. Als die Bewohner sie verließen, brannten zwei Hallen ab [6].

Die Fahrt von Grönland nach Vinland war mehr als 3.000 Kilometer lang und dauerte in eine Richtung mindestens zwei, vielleicht sechs Wochen oder mehr [6]. Die Sagas setzen die Reisen nach Amerika in die Zeit von etwa 970 bis 1030 [6]. Fahrten nach Labrador, um dort Bauholz zu holen, sind noch bis 1347 überliefert [6].

Ein Forschungsteam um Margot Kuitems und Michael Dee von der Universität Groningen datierte 2021 drei Holzstücke aus der Siedlung auf das Jahr genau [7]. Ein Sonnensturm von 992 hinterließ im folgenden Jahr ein deutliches Radiokarbonsignal in den Baumringen [7]. In allen drei Hölzern lag es 29 Jahresringe vor der Rinde [7]. Daraus folgt, dass das Holz 1021 geschlagen wurde, und zwar mit Metallklingen, die die einheimische Bevölkerung nicht herstellte [7].

Götter, Runen und Christianisierung

Was man über die nordischen Götter weiß, stammt vor allem aus zwei isländischen Werken: der Lieder-Edda, die auf mündlicher Überlieferung des 9. und 10. Jahrhunderts beruht, und der Prosa-Edda von Snorri Sturluson (1179 bis 1241) aus der Zeit um 1220 [1]. Zu dieser Götterwelt gehören der Weltenbaum Yggdrasil und Ragnarök, das vorhergesagte Ende der Welt [1]. Nach dem Mythos war das Schiff Naglfar aus den Fingernägeln der Toten gebaut. Deshalb hielten Wikinger nach Joshua J. Mark ihre Nägel kurz [1]. Für gefallene Krieger ließen die Herrscher Runensteine aufstellen [3]. Könige und Oberschicht wurden in prunkvollen Gräbern bestattet, etwa im Bootkammergrab von Haithabu [3]. Goldschmuck aus dem Grab einer reichen Frau bargen Archäologen dort erst 2017 [3].

Der fränkische Missionar Ansgar predigte um 829 bis 831 in Birka bei den Schweden [1]. Christlich wurde Skandinavien aber erst im 10. und 11. Jahrhundert [1]. Island nahm das Christentum um 999/1000 an, nachdem der Gesetzessprecher Thorgeir zugunsten des neuen Glaubens entschieden hatte [5]. Viele Isländer folgten ihm nach dieser Darstellung nicht freiwillig [5]. Der Historiker Joshua J. Mark zählt die Christianisierung zu den wichtigsten Gründen für das Ende der Wikingerzeit [1]. Wie sich die Kirche in Europa ausbreitete, zeigt der Artikel über die Ausbreitung des Christentums.

Das Ende der Wikingerzeit

Am 25. September 1066 fiel der norwegische König Harald Hardrada in der Schlacht von Stamford Bridge in England [1]. Mit diesem Jahr lassen die meisten Forscher die Wikingerzeit enden, obwohl es danach noch Raubzüge gab und keine einzelne Schlacht die Epoche abschloss [1]. Andere Darstellungen setzen den Zeitraum von 790 bis 1070 an [8]. Im selben Jahr 1066 wurde Wilhelm aus der Normandie König von England [4].

  1. Joshua J. Mark: Vikings. World History Encyclopedia. Stand 29.01.2018. abgerufen am 29.10.2026
  2. Organisation Welterbe Haithabu und Danewerk. Wikinger Museum Haithabu, Landesmuseen Schleswig-Holstein. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
  3. Organisation Dauerausstellung. Wikinger Museum Haithabu, Landesmuseen Schleswig-Holstein. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
  4. Joshua J. Mark: Rollo of Normandy. World History Encyclopedia. Stand 08.11.2018. abgerufen am 29.10.2026
  5. Joshua J. Mark: The Vikings in Iceland. World History Encyclopedia. Stand 17.01.2019. abgerufen am 29.10.2026
  6. Emma Groeneveld: Vinland. World History Encyclopedia. Stand 10.09.2018. abgerufen am 29.10.2026
  7. Vikings were in Newfoundland in 1021, new study finds (zu M. Kuitems u. a.: Evidence for European presence in the Americas in AD 1021, Nature 2021). Medievalists.net. Stand 20.10.2021. abgerufen am 29.10.2026
  8. Wikinger. Wikipedia. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.