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Die Hanse: wie Kaufleute und Städte den Handel an Nord- und Ostsee prägten

Die Hanse war ein Verbund niederdeutscher Fernkaufleute, aus dem im Spätmittelalter ein lockerer Bund von Handelsstädten wurde. Ein Gründungsdatum gibt es nicht; den ersten gesamthansischen Hansetag datiert man auf 1356, den letzten auf Juli 1669 in Lübeck. Wichtigste Stützpunkte im Ausland waren die Kontore in Brügge, London, Bergen und Nowgorod.

Ein mittelalterlicher Hafen im Morgenlicht mit Backsteinspeichern am Kai und einem einmastigen Holzschiff
Bild: KI-generiert

Im Mittelalter schlossen sich niederdeutsche Kaufleute zusammen, um im Ausland sicherer handeln zu können. Aus diesen Gemeinschaften wurde ein Netz von Städten, das über Jahrhunderte den Handel an Nord- und Ostsee bestimmte [1, 8]. Das Wort Hanse geht auf das althochdeutsche und altsächsische "hansa" zurück und bedeutet so viel wie Schar oder Gruppe [1]. Einen Staat bildete die Hanse nie, und ein festes Gründungsjahr hat sie auch nicht [1].

Von der Kaufmannshanse zur Städtehanse

Die Forschung unterscheidet zwei Stufen. In der Zeit der Kaufmannshanse, die bis etwa 1250 reicht, schlossen sich reisende Kaufleute zu Fahrtgemeinschaften zusammen [1]. Das Europäische Hansemuseum in Lübeck setzt den Beginn seiner Ausstellung an die Newamündung im Jahr 1193, wo solche Reisegemeinschaften Handel mit Nordwestrussland trieben [6]. Später traten die Heimatstädte der Kaufleute an ihre Stelle. Als frühes Bündnis dieser Städtehanse gilt oft ein Vertrag zwischen Lübeck und Hamburg von 1241 [1, 9].

Lübeck spielte von Anfang an eine besondere Rolle. Die Stadt wurde 1143 gegründet und 1159 neu angelegt [1]. Im Artlenburger Privileg von 1161 vermittelte Heinrich der Löwe im Streit zwischen Gotländern und Lübecker Kaufleuten, und beide Seiten beschworen ihre gegenseitigen Handelsprivilegien neu [1]. Die ältere Forschung sah darin die Geburtsstunde der Hanse, heute gilt diese Deutung als fraglich [1].

Wie viele Städte dazugehörten, lässt sich nicht genau sagen. Die Wikipedia spricht von einem Kern aus etwa 72 Städten, weiteren rund 130 locker angeschlossenen Orten und in der größten Ausdehnung von fast 300 See- und Binnenstädten [1]. Das Hanselexikon des Hansischen Geschichtsvereins nennt rund 100 Städte des Bundes [2]. Die Zahlen hängen davon ab, wen man mitzählt, denn eine feste Mitgliederliste gab es nicht.

Kontore: die Stützpunkte im Ausland

Im Ausland lebten die Kaufleute in eigenen Niederlassungen, den Kontoren. Sie hatten dort eigene Regeln, Lagerhäuser und Wohnräume. Die vier großen Kontore lagen in Nowgorod, Brügge, London und Bergen [1].

Alte Holzhäuser mit steilen Dächern an einem Kai in einer norwegischen Fjordstadt, davor Fässer und Kisten
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  • Nowgorod: Der Peterhof wurde um 1200 von Visby auf Gotland aus gegründet [1]. Im Jahr 1494 ließ Großfürst Iwan III. das Kontor schließen [1, 9].
  • Brügge: Die flandrische Stadt war ein Umschlagplatz für viele Waren. 1361 setzten die Hansekaufleute dort ihre Macht in einer Handelssperre gegen Flandern ein [6]. 1540 zog das Kontor nach Antwerpen um [1].
  • London: Der Stalhof an der Themse hatte Handels- und Wohnräume und eine Weinstube für rheinischen Wein [6].
  • Bergen: An der Deutschen Brücke wurde der Stockfisch aus Nordnorwegen gestapelt und verkauft [4].

Die Kontore überdauerten das Mittelalter lange. Seit 1629 verwalteten Lübeck, Bremen und Hamburg das hansische Erbe in London, Antwerpen und Bergen [2]. Den Stalhof verkauften die drei Städte nach dem Hanselexikon 1853, die Wikipedia nennt 1858 [1, 2]. Das Antwerpener Hansehaus wechselte 1862 den Besitzer [2].

Hansetag und Zusammenhalt

Gemeinsame Fragen besprachen die Städte auf Versammlungen ihrer Gesandten. Von einem ersten gesamthansischen Hansetag spricht man für das Jahr 1356 [1]. Die Versammlungen tagten meist in Lübeck, das als führende Stadt der Hanse galt [1, 9]. Ein Mitglied, das gegen die gemeinsamen Interessen verstieß, konnte förmlich ausgeschlossen werden. Diese Strafe hieß Verhansung [1].

Die Bindung blieb trotzdem locker. Die Städte gehörten unterschiedlichen Landesherren, verfolgten eigene Ziele und schickten nicht immer Gesandte. Das Hanselexikon nennt die lockere Organisation und die Gegensätze unter den Mitgliedern als Gründe für die spätere Schwäche [2].

Krieg mit Dänemark und der Stralsunder Frieden

Den Höhepunkt ihrer politischen Macht erreichte die Hanse im Streit mit dem dänischen König Waldemar IV. Am 19. November 1367 schlossen die Städte die Kölner Konföderation gegen Waldemar und seinen Schwiegersohn Haakon VI. von Norwegen [5]. Verbündet waren sie unter anderem mit König Albrecht von Schweden, den Herzögen von Mecklenburg und den Grafen von Holstein [5].

Am 24. Mai 1370 vereinbarten die Gesandten Waldemars und die Vertreter der Hansestädte in Stralsund einen Frieden. Er beendete den Zweiten Waldemarkrieg und gilt als Höhepunkt der hansischen Macht im Ostseeraum [5]. Nach der Darstellung der Wikipedia sollte die dänische Königswahl künftig von der Zustimmung der Hanse abhängen, ein Recht, das die Städte nicht nutzten [1]. Der Historiker Oliver Auge hebt hervor, dass die fürstlichen Verbündeten bei den Verhandlungen fehlten und im Vertrag nicht vorkamen. Aus seiner Sicht verletzten die Städte damit ihre Bündnisabsprachen, denn vereinbart war ein gemeinsames Vorgehen bis zum Friedensschluss [5]. Auch Waldemar ließ seine eigenen Verbündeten zurück, darunter Herzöge aus Braunschweig-Lüneburg und Sachsen-Lauenburg sowie den Markgrafen Otto V. von Brandenburg, mit denen er sich im Winter 1368/69 zusammengetan hatte [5]. Am Ende zogen nach Auge nur die Grafen von Holstein einen dauerhaften Gewinn aus der neuen Lage: 1386 belehnte sie der dänische König mit Schleswig als erblichem Lehen [5].

Hering, Stockfisch und andere Waren

Die Hanse handelte vor allem mit Massengütern. Genannt werden unter anderem Wachs, Stockfisch, Hering, Salz, Getreide, Bier, Tuche und Holz [1], außerdem Pelze, Flachs, Honig, Kupfer, Eisen und Harz [9].

Holzgestelle mit trocknendem Kabeljau an einer felsigen Küste im Norden, dahinter graues Meer und ein Fischerboot
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Besonders eng hingen Fisch und Salz zusammen. Hering wurde zur Laichzeit an den Küsten gefangen und durch Räuchern oder Salzen haltbar gemacht [3]. Mit der Christianisierung wuchs der Bedarf an Fastenspeisen, und der Export ins Binnenland nahm zu [3]. Seit dem 13. Jahrhundert beherrschte der Hering aus Schonen den Markt [3]. Eingelegt wurde er meist in Salzlake, im Verhältnis 1 zu 3 mit Salz aus Lüneburg [3]. Nach dem Stralsunder Frieden gewann die Fischerei in der Nordsee wieder an Gewicht, und seit dem 16. Jahrhundert dominierte sie mit der holländischen Matjesfischerei [3].

Der Stockfisch kam aus dem hohen Norden. Meist war es Dorsch oder Kabeljau aus Nordnorwegen und Island [4]. Die Fischer köpften und nahmen die Fische aus und hängten sie an Holzgestellen zum Trocknen auf. Nach vier bis fünf Monaten wurden sie nach Trockenart und Größe sortiert und nach Bergen geliefert [4]. Auf den Märkten gab es drei Sorten, Rundfisch, rotscher und vlacvisch, jeweils noch einmal in Güteklassen unterteilt [4]. Die Käufer saßen bis nach Südeuropa, und von dort kamen im Mittelalter immer wieder Klagen über schlechte Qualität [4].

Die Kogge

Das bekannteste Schiff der Hanse ist die Kogge, die zum Symbol des Handelsverbunds wurde [1]. Ein echtes Exemplar steht im Deutschen Schifffahrtsmuseum. Die Bremer Kogge wurde um 1380 in Bremen gebaut und am 8. Oktober 1962 bei Baggerarbeiten in der Weser bei Bremen-Rablinghausen gefunden [7]. Das Wrack misst 23,3 Meter in der Länge, 7,6 Meter in der Breite und 4,3 Meter in der Höhe [7]. Nach drei Bergungen setzten Fachleute rund 2.000 Einzelteile wieder zusammen und konservierten das Eichenholz in einem zweistufigen Tränkverfahren mit Polyethylenglykol. Seit 2000 steht das Schiff frei im Ausstellungsraum [7].

Ein nachgebauter mittelalterlicher Frachtsegler aus dunklem Eichenholz mit hohem Rumpf und einem Mast im Hafen
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Niedergang oder Übergang?

Seit dem 16. Jahrhundert wurden die Landesherren stärker, und viele Hansestädte, die keine Reichsstädte waren, mussten sich ihnen unterordnen [2]. Dazu kamen Streit unter den Mitgliedern, das Fehlen eines starken Staates im Rücken und die Konkurrenz holländischer Kaufleute [2]. Erklärungen wie das Ausbleiben der Heringsschwärme oder veraltete Buchführung werden oft wiederholt, reichen nach dem Hanselexikon aber allein nicht aus [2]. Wie es im Reich zu jener Zeit aussah, beschreibt der Artikel über das Heilige Römische Reich.

Der letzte Hansetag fand im Juli 1669 in Lübeck statt. Neun Städte nahmen noch teil [2]. Ganz verschwand die Hanse damit nicht. 1630 schlossen Lübeck, Bremen und Hamburg ein Verteidigungsbündnis, und auf dem Westfälischen Friedenskongress 1648 wurde die Hanse erstmals staatsrechtlich anerkannt [2]. Mehr zu diesem Krieg und seinem Ende steht im Artikel über den Dreißigjährigen Krieg. 1655 und 1716 schlossen die drei Städte im Namen der Hanse Handelsverträge mit Frankreich, und bis 1867 entstanden ihre gemeinsamen Konsulate auf allen Kontinenten [2]. In die Friedensschlüsse von Nimwegen 1678/79, Rijswijk 1697, Baden 1714 und Wien 1736 wurden die Hansestädte einbezogen, und 1684 und 1687 forderte der Kaiser sogar dazu auf, einen Hansetag einzuberufen, um Geld für den Krieg gegen die Osmanen aufzubringen [2]. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts schlossen sich Lübeck, Bremen und Hamburg zu einer Hanseatischen Gemeinschaft zusammen. In der Weimarer Republik vertraten sie sich beim Reich noch gemeinsam [2]. Die Historikerin Antjekathrin Graßmann beschreibt das Ende deshalb als allmählichen Übergang. Die Netzwerke der Kaufmannsfamilien bestanden auch nach dem 17. Jahrhundert weiter, und gerade kleine Unternehmen arbeiteten erfolgreich [2]. Hamburg trägt den Titel Hansestadt bis heute; wer mit dem Rad an der Elbe unterwegs ist, findet Tipps unter Hamburg mit dem Rad.

Die Hanse heute

1980 wurde in Zwolle der Städtebund DIE HANSE gegründet, der das gemeinsame Erbe pflegt [8]. Er hat fast 200 Mitgliedsstädte und richtet jedes Jahr einen Internationalen Hansetag in einer anderen Stadt aus [8]. Der 46. Internationale Hansetag fand vom 11. bis 14. Juni 2026 im polnischen Stargard statt, mit 85 Städten aus 12 europäischen Ländern [8]. Wie Handel und Geld sich über die Epochen verändert haben, erklärt der Artikel Wirtschaft und Handel in der Geschichte.

  1. Hanse. Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  2. Studie Antjekathrin Graßmann: Ende der Hanse (HanseLexikon). Hansischer Geschichtsverein. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  3. Studie Carsten Jahnke: Hering (HanseLexikon). Hansischer Geschichtsverein. Stand 2014. abgerufen am 29.10.2026
  4. Studie Mike Burkhardt: Stockfisch (HanseLexikon). Hansischer Geschichtsverein. Stand 2014. abgerufen am 29.10.2026
  5. Studie Oliver Auge: Um den Sieg betrogene Verbündete? Der Stralsunder Frieden von 1370 und die norddeutschen Fürsten (Hansische Geschichtsblätter 139). Hansischer Geschichtsverein. Stand 2021. abgerufen am 29.10.2026
  6. Organisation Dauerausstellung "Die Hanse". Europäisches Hansemuseum Lübeck. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  7. Organisation Bremer Kogge (Objekt I/08486/98). Deutsches Schifffahrtsmuseum, museum-digital:bremen. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  8. Organisation Die Hanse. DIE HANSE, Städtebund. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  9. Joshua J. Mark: Hanseatic League. World History Encyclopedia. Stand 08.03.2019. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.