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Wilhelm der Eroberer: vom Herzog der Normandie zum König von England

Wilhelm der Eroberer (um 1028 bis 1087) war ab 1035 Herzog der Normandie und ab 1066 König von England. Er besiegte am 14. Oktober 1066 bei Hastings König Harold II. und wurde am Weihnachtstag 1066 in der Westminster Abbey gekrönt. 1086 entstand unter ihm das Domesday Book, eine Erhebung des Landbesitzes in England.

Ein hölzerner Turm auf einem hohen Erdhügel mit Palisade und Graben im Herbstnebel einer englischen Landschaft
Bild: KI-generiert

Wilhelm der Eroberer war Herzog der Normandie und wurde 1066 nach der Schlacht bei Hastings König von England [1, 2]. Unter ihm gingen fast alle großen Landgüter Englands an normannische, französische und flämische Gefolgsleute über, Französisch löste das Angelsächsische als Sprache der Regierung ab [1]. Die Erhebung, die er 1085 anordnete, ist im Domesday Book bis heute erhalten [1, 3].

Herkunft und Jugend in der Normandie

Wilhelm war der uneheliche Sohn Herzog Roberts I. der Normandie und der Herleva (Arlette) aus Falaise [1, 2]. Das britische Königshaus nennt sie die Tochter eines Gerbers, die World History Encyclopedia die Tochter eines wohlhabenden Kaufmanns aus Rouen [1, 2]. Auch das Geburtsjahr ist nicht gesichert: Das Königshaus gibt um 1028 an, die World History Encyclopedia um 1027 [1, 2]. Zeitgenossen nannten ihn "Wilhelm den Bastard" [1].

Über seine Familie reichte die Linie zurück zu dem Wikinger Rollo, nach World History Encyclopedia sein Urururgroßvater [4]. Rollo hatte 911 im Vertrag von Saint-Clair-sur-Epte vom westfränkischen König Karl dem Einfältigen Land erhalten, aus dem die Normandie wurde, und sich dabei taufen lassen [4]. Mehr zu seiner Herkunft steht im Artikel über die Wikinger.

Als sein Vater 1035 auf einer Pilgerreise in Kleinasien starb, wurde Wilhelm als Kind Herzog [1, 2]. Bis 1037 regierte ein Großonkel für ihn, mit 15 Jahren schlug ihn der französische König Heinrich I. zum Ritter [1]. Ab 1047 schlug Wilhelm Aufstände von Verwandten und Nachbarn nieder, in jenem Jahr mit Hilfe Heinrichs I. bei Val-ès-Dunes nahe Caen [1, 2]. Später wandte sich der König gegen ihn: 1054 fiel er in die Normandie ein und unterlag bei Mortemer, 1057 folgte ein zweiter Einfall [1].

Wilhelm heiratete Mathilde, eine Tochter des Grafen Balduin V. von Flandern [1]. Die World History Encyclopedia datiert die Heirat auf 1053, nach anderen Angaben auf 1050 [2]. Das Paar hatte vier Söhne und vier oder fünf Töchter [2]. Seine Halbbrüder Odo, später Bischof von Bayeux, und Robert, Graf von Mortain, standen ihm zur Seite [2].

Der Streit um die englische Krone

Eduard der Bekenner starb am 5. Januar 1066 [3]. Wilhelm berief sich darauf, Eduard habe ihm 1051 die Krone versprochen und Harold Godwinson habe 1064 geschworen, ihn als Nachfolger zu unterstützen [1]. Der Teppich von Bayeux zeigt diesen Eid auf Reliquien und deutet Harolds spätere Krönung am 6. Januar 1066 als Eidbruch [5]. Aus Wilhelms Sicht war Harold damit ein Thronräuber. Wilhelm hatte die Unterstützung Kaiser Heinrichs IV. und die Zustimmung des Papstes [1].

Sieben Monate lang bereitete Wilhelm den Feldzug vor [1]. Das britische Königshaus nennt rund 600 Schiffe mit etwa 7.000 Mann, darunter 2.000 bis 3.000 Reiter [1]. Die World History Encyclopedia gibt 5.000 bis 8.000 Mann mit 1.000 bis 2.000 Reitern an [2].

Die Schlacht bei Hastings

Am 28. September 1066 landete Wilhelm ohne Gegenwehr bei Pevensey und befestigte binnen weniger Tage Hastings [1]. Harold hatte am 25. September bei Stamford Bridge ein norwegisches Heer unter Harald Hardrada geschlagen [2]. Danach marschierte er in rund neun Tagen etwa 250 Meilen, also gut 400 Kilometer, nach Süden [1].

Ein sanft ansteigender Grashang über einem weiten Tal in Südengland im Morgennebel mit vereinzelten Eichen
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Am 14. Oktober 1066 trafen beide Heere aufeinander [1, 3]. Harolds Truppen waren nach dem Marsch erschöpft, aber zahlenmäßig etwa gleich stark und hielten einen Höhenrücken [1]. Ihre Stärke war das Fußvolk, ihnen fehlte das Zusammenspiel von Bogenschützen und Reiterei, das Wilhelm einsetzte [1]. Die ersten normannischen Angriffe scheiterten. Als das Gerücht umging, Wilhelm sei gefallen, soll er seinen Helm angehoben haben, um sich zu zeigen; drei Pferde wurden unter ihm getötet [1].

Harold fiel in der Schlacht. Nach dem britischen Königshaus traf ihn ein Pfeil und dann ein berittener Krieger, das Museum in Bayeux spricht von einem Pfeil ins Auge [1, 5]. Zwei seiner Brüder starben ebenfalls, das englische Heer floh [1]. Am Weihnachtstag 1066 wurde Wilhelm in der Westminster Abbey gekrönt [1, 3]. Als Buße gründete er 1070 auf dem Schlachtfeld die Battle Abbey, deren Hochaltar an der Stelle stehen sollte, an der Harold gefallen war [1]. Weitere Schlachten dieser Zeit stellt der Artikel über die Schlachten des Mittelalters vor.

Aufstände und die Verwüstung des Nordens

Bis Wilhelms Herrschaft gesichert war, vergingen sechs Jahre mit Verschwörungen und Kämpfen auf beiden Seiten des Ärmelkanals [1]. 1068 griffen Harolds Söhne den Südwesten an, in den walisischen Marken, in Devon und Cornwall kam es zu Aufständen [1]. 1069 nahmen dänische Truppen im Bund mit Edgar Ætheling und englischen Adligen York ein [1].

Wilhelm führte den Gegenschlag selbst. Bis in das Jahr 1070 verwüsteten seine Truppen Mercia und Northumbria, brannten Kirchen und Klöster nieder und zerstörten Ackerland [1]. Die Hungersnot, die darauf folgte, dauerte nach dem britischen Königshaus mindestens neun Jahre [1]. Wie viele Menschen starben, geben die hier genutzten Quellen nicht an. 1072 schloss Wilhelm mit König Malcolm III. von Schottland den Vertrag von Abernethy, Malcolms ältester Sohn kam als Geisel an den Hof [1].

Burgen, Lehen und neue Herren

Zur Sicherung des Landes ließ Wilhelm an strategischen Orten Burgen bauen [1]. Die ersten waren Holztürme auf aufgeschütteten Erdhügeln mit einem umwehrten Hof, viele wurden später in Stein neu errichtet [1]. Am Ende seiner Herrschaft standen mehr als 80 Burgen [1].

Den Grundbesitz englischer Adliger, von denen viele bei Stamford Bridge und Hastings gefallen waren, zog Wilhelm ein und vergab ihn gegen Kriegsdienst an seine Gefolgsleute [1]. Er schuf bis zu 180 große Lehen, jedes um eine Burg herum, und verfügte so über etwa 5.000 Ritter [1]. Am Ende seiner Regierung hielt eine kleine Gruppe von Kronvasallen etwa die Hälfte des Landbesitzes in England, nur noch zwei Engländer hatten große Güter direkt vom König [1]. Wie diese Ordnung funktionierte, erklärt der Artikel über den Feudalismus.

Lanfranc, ab 1070 Erzbischof von Canterbury, ordnete die Kirche neu und ersetzte englische Bischöfe und Äbte durch normannische oder französische Geistliche [1]. Bei seiner Krönung hatte Wilhelm versprochen, die bestehenden Gesetze zu achten, die Gerichte der Grafschaften und Hundertschaften bestanden weiter [1]. Den New Forest erweiterte er zu einem königlichen Jagdgebiet mit harten Forstgesetzen [1].

Das Domesday Book

1085 war der König knapp bei Kasse, und normannische Herren stritten über das Land, das sie erhalten hatten [3]. Wilhelm ordnete daher eine Erhebung an, die 1086 aufgezeichnet wurde [3]. Königliche Beauftragte fragten nach dem Namen des Ortes, dem Besitzer, der Zahl der Männer und des Viehs; eine Jury aus Männern des Ortes, darunter der Priester und der Dorfvorsteher, prüfte die Angaben [3]. Jedes Gut wurde für drei Zeitpunkte erfasst: vor 1066 unter Eduard dem Bekenner, bei der Vergabe durch Wilhelm und im Jahr 1086 [3].

Ein mittelalterlicher Schreibraum mit Eichentisch, Gänsefeder, Tintenfass und leerem Pergament im Licht eines schmalen Fensters
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Das Ergebnis beschreibt fast ganz England und nennt mehr als 13.000 Orte [3]. London, Winchester, die Grafschaft Durham und Northumberland fehlen [3]. Es besteht aus zwei Bänden: Great Domesday schrieb ein einzelner Schreiber, Little Domesday mit Essex, Norfolk und Suffolk entstand wohl zuerst und stammt von mindestens sechs Schreibern [3]. Das Land, das vorher rund 2.000 Angelsachsen gehört hatte, lag 1086 in den Händen von etwa 200 normannischen Baronen [3]. Im selben Jahr schworen in Salisbury etwa 170 Kronvasallen und andere große Grundherren dem König die Treue [1].

Der Teppich von Bayeux

Die Ereignisse von 1064 bis 1066 erzählt der Teppich von Bayeux, eine Wollstickerei auf Leinen aus dem 11. Jahrhundert [5]. In Auftrag gab ihn sehr wahrscheinlich Wilhelms Halbbruder Odo, als Schmuck für die Kathedrale von Bayeux, die am 14. Juli 1077 geweiht wurde [5]. Neun Leinenbahnen sind zu 68,58 Metern Länge zusammengenäht, die Höhe beträgt 50 Zentimeter [5]. Die 58 Szenen zeigen 626 Figuren, 41 Schiffe und 202 Pferde und Maultiere [5].

Nahaufnahme von Wollstickerei in Ocker, Dunkelgrün und Blau auf ungefärbtem Leinen mit Wellenmuster
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Seit 1983 hängt der Teppich im Museum in Bayeux, am 2. August 2007 nahm die UNESCO ihn in das Register "Gedächtnis der Welt" auf [5]. Nach dem Museum ist er zugleich eine Erzählung darüber, wie ein gebrochener Eid bestraft wird [5]. Anders sah ihn die englische Seite: Die Angelsächsische Chronik beschrieb Wilhelm zu seinem Todesjahr 1087 als sehr strengen und gewalttätigen Mann [1].

Tod und Nachfolge

In seinen letzten Monaten kämpfte Wilhelm im Vexin gegen König Philipp I. von Frankreich [1]. Nach World History Encyclopedia erkrankte er beim Angriff auf die Stadt Mantes, möglicherweise nach einer früheren Verletzung beim Reiten [2]. Er starb am 9. September 1087 [1, 2]. Sein Reich teilte er: Robert bekam die Normandie, Wilhelm Rufus wurde König von England, Heinrich erhielt 5.000 Pfund in Silber [1].

Beigesetzt wurde Wilhelm in der Abtei Saint-Étienne in Caen, die er selbst gegründet hatte [1, 2]. Hugenotten schändeten sein Grab 1562, Revolutionäre 1793; heute markiert eine schlichte Steinplatte die Stelle [1]. Mit der Teilung seines Reiches unter die Söhne war nach dem britischen Königshaus der Boden bereitet für jahrhundertelange, kostspielige Verpflichtungen englischer Könige, ihre Gebiete in Frankreich zu verteidigen [1]. Wie es mit dem englischen Königtum weiterging, zeigen die Artikel über die Magna Carta und die Geschichte Großbritanniens.

  1. Organisation William I 'the Conqueror' (r. 1066 to 1087). The Royal Household. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  2. Mark Cartwright: William the Conqueror. World History Encyclopedia. Stand 30.01.2019. abgerufen am 29.10.2026
  3. Behörde What does Domesday Book tell us?. The National Archives (UK). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  4. Joshua J. Mark: Rollo of Normandy. World History Encyclopedia. Stand 08.11.2018. abgerufen am 29.10.2026
  5. Organisation Press kit 2024: The Bayeux Tapestry. Bayeux Museum, Ville de Bayeux. Stand 2024. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.