Weltregionen und LänderRatgeber
Deutsche Geschichte im Überblick
Einen deutschen Nationalstaat gibt es seit der Reichsgründung 1871, vorher gehörten die deutschen Länder zum Heiligen Römischen Reich, das von 962 bis 1806 bestand. Auf Kaiserreich, Weimarer Republik und NS-Diktatur folgten 1949 zwei deutsche Staaten, die am 3. Oktober 1990 vereinigt wurden.

Einen deutschen Nationalstaat gibt es erst seit der Reichsgründung 1871 [7]. Vorher lebten die Menschen in den deutschen Ländern unter dem Dach des Heiligen Römischen Reiches, das nach dem Deutschen Historischen Museum von 962 bis 1806 bestand [3].
Vom Frankenreich zum Ostfrankenreich
Am Weihnachtstag des Jahres 800 ließ sich der fränkische König Karl der Große in Rom zum Kaiser krönen [1]. Seine Enkel einigten sich am 11. August 843 im Vertrag von Verdun darauf, das Reich ihres Großvaters in drei Teile aufzuteilen [2]. Karl der Kahle erhielt den Westen, Ludwig das ostfränkische Gebiet und Lothar die Mitte [2]. Nach dem Schülerlexikon des Duden-Verlags bildete diese Teilung die Grundlage für die spätere Entstehung eines französischen und eines deutschen Staates [2]. Wie die germanischen Völker vorher lebten, beschreibt der Beitrag über die Germanen.
Das Heilige Römische Reich
962 krönte der Papst König Otto I. zum Kaiser, nachdem Otto nach Norditalien gezogen und nach Rom gekommen war [1]. Das Reich, das damit begann, beschreibt das Deutsche Historische Museum als multiethnisch, vielsprachig, dezentral und multikonfessionell [3]. Die World History Encyclopedia beschreibt es als einen Verbund kleiner und mittelgroßer Herrschaften, an der Spitze wechselten die Herrscherhäuser, die Luxemburger etwa regierten von 1347 bis 1437 [1]. Was das Reich zusammenhielt und wie es regiert wurde, erklärt der Beitrag über das Heilige Römische Reich.

Der Reichsdeputationshauptschluss vom 25. Februar 1803 brachte Säkularisation und Mediatisierung, das Deutsche Historische Museum nennt ihn deshalb bereits "das Ende des Reiches" [4]. Unter französischem Einfluss verbündeten sich mehrere Reichsfürsten mit Napoleon Bonaparte [4]. Kaiser Franz II., der zuvor den Titel eines Kaisers von Österreich angenommen hatte, legte am 6. August 1806 die Krone des Heiligen Römischen Reiches nieder [4].
Reformation und Dreißigjähriger Krieg
1517 brach Martin Luther mit dem Papst, die westliche Christenheit spaltete sich [1]. Den Weg dorthin und die Folgen beschreibt der Beitrag über die Reformation. Der Augsburger Religionsfriede von 1555 regelte das Nebeneinander der Konfessionen im Reich [5]. Mit dem Ständeaufstand in Böhmen 1618 begannen Kriege, die erst der Westfälische Friede beendete [5].

Die Verträge wurden am 14. und 24. Oktober 1648 unterzeichnet, die zwei Daten ergeben sich aus dem alten und dem neuen Kalender [5]. In Osnabrück verhandelten der Kaiser und Schweden, in Münster der Kaiser und Frankreich [5]. Der Friede bestätigte und erweiterte den Augsburger Religionsfrieden und duldete mit den Reformierten eine dritte Konfession neben Katholiken und Lutheranern [5]. Die Reichsstände erhielten ihre Landeshoheit bestätigt und durften in Grenzen Bündnisse mit ausländischen Mächten schließen, die Schweizer Eidgenossenschaft schied förmlich aus dem Reich aus [5]. Mehr im Beitrag über den Dreißigjährigen Krieg.
Deutscher Bund, Revolution und Reichsgründung
Auf dem Wiener Kongress entstand am 8. Juni 1815 der Deutsche Bund, nach dem Lebendigen Museum Online ein Staatenbund aus souveränen Fürstentümern und freien Städten [6]. Im Gebiet des späteren Deutschen Reiches wuchs die Bevölkerung von knapp 25 Millionen im Jahr 1816 auf rund 35 Millionen im Jahr 1845 [6]. Zwischen 1828 und 1834 bildete sich der Deutsche Zollverein [6]. Am Wartburgfest 1817 nahmen etwa 500 Studenten teil, zum Hambacher Fest 1832 kamen bis zu 30.000 Menschen [6].
Nach einer schweren Wirtschaftskrise 1846/47 griff im Frühjahr 1848 die Revolution von Paris auf weite Teile Europas über [6]. 1849 scheiterte die Gründung eines kleindeutschen Reiches mit verfassungsmäßig garantierten Grundrechten [6]. Die Ereignisse schildert der Beitrag über die Revolution von 1848. Am 18. Januar 1871 riefen die versammelten deutschen Fürsten und hohen Offiziere im Spiegelsaal von Versailles König Wilhelm I. von Preußen zum Deutschen Kaiser aus [8].
Kaiserreich und Erster Weltkrieg
Das Deutsche Reich zählte 1871 rund 41 Millionen Einwohner, 1914 waren es 68 Millionen [7]. Von 1871 bis 1914 versechsfachte es seine industrielle Produktion und überholte dabei Großbritannien [7]. Das Sozialistengesetz galt von 1878 bis 1890 [7]. Im Jahr 1888 starb Kaiser Friedrich III. nach nur 99 Tagen Regierungszeit, Wilhelm II. bestieg den Thron [7]. Er beendete Bismarcks Praxis, die politische Führung dem Kanzler zu überlassen, und regierte selbst mit, das Lebendige Museum Online spricht vom "persönlichen Regiment" [7]. Am 20. März 1890 musste Reichskanzler Otto von Bismarck zurücktreten [7]. 1912 wurden die Sozialdemokraten erstmals stärkste Fraktion im Reichstag [7]. Mehr im Beitrag über die Reichsgründung.

Ab August 1914 führten Deutschland und Österreich-Ungarn Krieg gegen die Entente, Auslöser war das Attentat von Sarajevo am 28. Juni 1914 [9]. Deutschland mobilisierte etwa 13,2 Millionen Mann [9]. Weltweit starben nach dem Lebendigen Museum Online rund neun Millionen Soldaten und mehr als sechs Millionen Zivilisten [9]. Am 11. November 1918 wurde der Waffenstillstand unterzeichnet [9].
Die Weimarer Republik
Am 9. November 1918 rief der SPD-Vorsitzende Philipp Scheidemann um 14 Uhr von einem Fenster des Reichstags die Republik aus [10]. Die am 19. Januar 1919 gewählte Nationalversammlung trat in Weimar zusammen [10]. Die Inflation erreichte im November 1923 ihren Höhepunkt, viele Menschen verloren ihre Ersparnisse [11]. Im Oktober 1929 begann die Weltwirtschaftskrise, Anfang 1931 waren in Deutschland fünf Millionen Menschen als arbeitslos gemeldet [11]. Mit der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 war das Ende der Republik besiegelt [11]. Mehr im Beitrag über die Weimarer Republik.
NS-Diktatur, Krieg und Völkermord
Mit Terror und Propaganda errichteten die Nationalsozialisten innerhalb weniger Wochen ihre Diktatur [12]. Die Notverordnung vom 28. Februar 1933 setzte die politischen Grundrechte außer Kraft und schuf einen Ausnahmezustand, der bis 1945 nie aufgehoben wurde [12]. Politisch Andersdenkende und Menschen, die nicht dem Rassenideal der Nationalsozialisten entsprachen, wurden verfolgt und entrechtet [12]. Das Lebendige Museum Online nennt dabei die Nürnberger Gesetze von 1935 und den Pogrom im November 1938 [12]. Der Nichtangriffsvertrag mit der Sowjetunion vom 23. August 1939 grenzte die Interessengebiete beider Staaten ab und machte den Krieg gegen Polen möglich [12]. Mit dem Überfall auf Polen am 1. September 1939 begann der Zweite Weltkrieg, der weltweit über 50 Millionen Menschenleben forderte [13].
Die Nationalsozialisten ermordeten nach dem Holocaust Memorial Museum der Vereinigten Staaten sechs Millionen europäische Jüdinnen und Juden [14]. Sie verübten auch an Sinti und Roma Massenmord, ebenso an weiteren Gruppen, die sie verfolgten [14]. Über die Opfer berichten die Beiträge über den Holocaust und den Porajmos. Mit der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht endeten am 8. Mai 1945 der Krieg in Europa und die zwölfjährige Herrschaft der Nationalsozialisten [13].
Teilung und Einheit
Nach der Kapitulation teilten die Sowjetunion, die USA, Großbritannien und Frankreich Deutschland in vier Besatzungszonen und Berlin in vier Sektoren auf [18]. Auf der Potsdamer Konferenz im Sommer 1945 vereinbarten die Alliierten unter anderem Entmilitarisierung, Entnazifizierung und Demokratisierung [18]. Millionen Flüchtlinge und Vertriebene aus dem Osten kamen in die vier Zonen [18]. Im Oktober 1946 verurteilte der Internationale Militärgerichtshof in Nürnberg die Hauptkriegsverbrecher [18]. Am 20. Juni 1948 löste in den Westzonen die Deutsche Mark die wertlos gewordene Reichsmark ab [18]. Die Sowjetunion sperrte daraufhin alle Land- und Wasserwege nach West-Berlin, eine Luftbrücke versorgte die 2,1 Millionen West-Berliner bis zum Ende der Blockade im Mai 1949 [18].

Der Parlamentarische Rat verabschiedete am 23. Mai 1949 das Grundgesetz [15]. Was darin steht, erklärt die Seite Das Grundgesetz einfach erklärt. Am 7. Oktober 1949 setzte die provisorische Volkskammer die Verfassung der DDR in Kraft, das gilt als Gründung der DDR [15]. Den Volksaufstand vom 17. Juni 1953 gegen die SED-Herrschaft schlugen sowjetische Truppen nieder [16]. Die Bundesrepublik erlebte mit der sozialen Marktwirtschaft einen starken Aufschwung, das "Wirtschaftswunder" [16]. Am 13. August 1961 ließ das SED-Regime die Berliner Mauer errichten, um die Abwanderung nach West-Berlin zu stoppen [16]. Ab 1969 ergänzte die Regierung Brandt die Westbindung durch eine neue Ostpolitik, 1973 trat der Grundlagenvertrag zwischen beiden deutschen Staaten in Kraft [16]. Mehr im Beitrag über DDR und BRD.
Am 9. November 1989 wurde die Berliner Mauer geöffnet [17]. Bei der freien Volkskammerwahl im März 1990 gewannen die Befürworter der Einheit [17]. Am 1. Juli 1990 übernahm die DDR das westdeutsche Wirtschaftssystem, im September regelte der Zwei-plus-Vier-Vertrag die außenpolitischen Bedingungen der Einheit [17]. Mit dem Inkrafttreten des Einigungsvertrags am 3. Oktober 1990 war Deutschland vereinigt [17]. Den Weg dahin beschreibt der Beitrag über die Wiedervereinigung.
- Simon Duits: Holy Roman Empire. World History Encyclopedia. Stand 09.06.2021. abgerufen am 29.10.2026
- Vertrag von Verdun (Schülerlexikon Geschichte). Duden Learnattack, lernhelfer.de. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Heiliges Römisches Reich deutscher Nation 962 bis 1806 (Ausstellung). Deutsches Historisches Museum. Stand 2006. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Heiliges Römisches Reich deutscher Nation: Das Ende (Ausstellung). Deutsches Historisches Museum. Stand 2006. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Der Westfälische Frieden (14./24. Oktober 1648) (Deutsche Geschichte in Dokumenten und Bildern). Deutsches Historisches Institut Washington. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Arnulf Scriba: Vormärz und Revolution 1815 bis 1849 (LeMO). Deutsches Historisches Museum. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Das Kaiserreich (LeMO). Deutsches Historisches Museum. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Reichsgründung (LeMO). Deutsches Historisches Museum. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Arnulf Scriba: Der Erste Weltkrieg (LeMO). Deutsches Historisches Museum. Stand 08.09.2014. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Revolution 1918/19 (LeMO). Deutsches Historisches Museum. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Arnulf Scriba: Die Weimarer Republik (LeMO). Deutsches Historisches Museum. Stand 06.09.2014. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Arnulf Scriba: Das NS-Regime (LeMO). Deutsches Historisches Museum. Stand 07.08.2014. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Arnulf Scriba: Der Zweite Weltkrieg (LeMO). Deutsches Historisches Museum. Stand 20.08.2014. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Einführung in den Holocaust (Holocaust-Enzyklopädie). United States Holocaust Memorial Museum. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Sonja Hugi: Die doppelte Staatsgründung (DDR kompakt). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 30.12.2019. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Markus Würz: Geteiltes Deutschland (LeMO). Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Stand 27.10.2014. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Markus Würz: Deutsche Einheit (LeMO). Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Andreas Grau, Regina Haunhorst, Markus Würz: Nachkriegsjahre (LeMO). Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Stand 26.02.2016. abgerufen am 29.10.2026
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