Die Frühe NeuzeitRatgeber
Der Dreißigjährige Krieg: vom Prager Fenstersturz zum Westfälischen Frieden
Der Dreißigjährige Krieg dauerte von 1618 bis 1648 und begann mit dem Prager Fenstersturz, einem Aufstand böhmischer Stände gegen die Habsburger. Aus dem Konflikt um Macht und Konfession im Reich wurde ein europäischer Krieg, an dem Dänemark, Schweden, Spanien und Frankreich beteiligt waren. Der Westfälische Friede beendete ihn im Oktober 1648.

Der Dreißigjährige Krieg dauerte von 1618 bis 1648. Im Gebiet des heutigen Deutschlands starb in dieser Zeit etwa ein Drittel der Bevölkerung. Bezogen auf die Territorien des Heiligen Römischen Reiches traf der Krieg die Bevölkerung nach dem Urteil des Politikwissenschaftlers Herfried Münkler stärker als die beiden Weltkriege zusammen [1]. Münkler beschreibt ihn als Bürgerkrieg um Macht und Konfession im Reich, der zugleich ein Hegemonialkrieg um die Ordnung Europas war [1]. Wie das Reich aufgebaut war, erklärt der Artikel zum Heiligen Römischen Reich.
Konfessionen und Bündnisse vor 1618
Seit der Reformation lebten im Reich Katholiken und Protestanten nebeneinander. Die Grundlage dafür schuf 1555 der Augsburger Religionsfrieden [6]. Nach einem Eklat auf dem Reichstag in Regensburg gründeten protestantische Reichsstände zwischen 1607 und 1609 die Protestantische Union, die katholischen antworteten mit der Katholischen Liga [6]. Münkler hält es dennoch für falsch, den Krieg allein aus der konfessionellen Spaltung und der Blockade der Reichsinstitutionen abzuleiten. Den Ausschlag gab nach seiner Darstellung die Machtverteilung in Böhmen, verbunden mit konfessionellen und verfassungspolitischen Streitfragen [1].
Der Prager Fenstersturz 1618
Im Mai 1618 trafen sich protestantische Stände in Prag, um gegen die Eingriffe des Thronfolgers Ferdinand in böhmische Angelegenheiten zu protestieren. Am 23. Mai drangen Bewaffnete unter Graf Heinrich Matthias von Thurn in die Kanzlei der Prager Burg ein. Sie warfen die katholischen Statthalter Jaroslav Borzita von Martinitz und Wilhelm Slawata samt einem Sekretär aus dem Fenster [1, 2]. Die beiden Statthalter überlebten den Sturz [1]. Martinitz und Slawata hatten sich geweigert, den Majestätsbrief Kaiser Rudolfs II. von 1609 anzuerkennen, der den Ständen Religionsfreiheit gewährte. Die Tat erinnerte bewusst an den ersten Prager Fenstersturz von 1419 [2].

Die Stände bildeten eine eigene Regierung und suchten Verbündete unter den protestantischen Mächten Europas [2]. Nach Münklers Einschätzung hätte Ferdinand verhandeln können, setzte aber auf Niederschlagung. Spanien unter Philipp III. unterstützte ihn mit Geld und Truppen. Dahinter standen nach Münkler das Ansehen der spanischen Krone, die Sorge, der böhmische Aufstand könne anderen Aufständischen als Vorbild dienen, und die Hoffnung auf Entlastung im Krieg in den Niederlanden [1]. Bürgerkriege um Konfession und Macht gab es in dieser Zeit auch in Frankreich, den Niederlanden und England. Was den Krieg im Reich davon unterschied, war nach Münkler die Lage des Reiches in der Mitte Europas, die die Nachbarn hineinzog [1].
Vom böhmischen Aufstand zum Krieg im Reich
Im Mai 1619 starb Kaiser Matthias. Ferdinand folgte ihm in Böhmen und als Kaiser Ferdinand II. Die Aufständischen setzten ihn als böhmischen König ab und wählten Kurfürst Friedrich V. von der Pfalz [2]. Ferdinand verbündete sich mit Herzog Maximilian von Bayern, dem Führer der Liga [6]. Am 8. November 1620 schlugen das kaiserliche Heer und die Liga die Aufständischen in der Schlacht am Weißen Berg bei Prag [2]. Friedrich, der "Winterkönig", floh in die Niederlande, die Union löste sich auf, und beim Prager Blutgericht wurden die Anführer des Aufstands hingerichtet. 1623 erhielt Maximilian die pfälzische Kurwürde [6].
Dänemark, Wallenstein und das Restitutionsedikt
1625 griff König Christian IV. von Dänemark in den Krieg ein [1]. Auf kaiserlicher Seite stellte Albrecht von Wallenstein ein eigenes Söldnerheer auf und übernahm den Oberbefehl. Die Kaiserlichen besetzten Mecklenburg, Pommern und Holstein [6]. Wie solche Heere angeworben und versorgt wurden, beschreibt der Artikel über Söldner und Landsknechte.
Auf dem Höhepunkt seiner Macht erließ Ferdinand II. am 6. März 1629 das Restitutionsedikt. Es legte den Augsburger Religionsfrieden zugunsten der Katholiken aus. Mehr als ein Dutzend Hochstifte und rund 500 Klöster und andere kirchliche Einrichtungen, die Protestanten seit 1552 eingezogen hatten, sollten an die katholische Kirche zurückfallen. Den Reichstag umging der Kaiser dabei [3]. Einige Güter wurden tatsächlich zurückgegeben. Die Furcht vor einem stärker zentralisierten Reich trug aber dazu bei, dass Rivalen der Habsburger wie Schweden und Frankreich eingriffen [3]. Im selben Jahr zog sich Dänemark mit dem Frieden von Lübeck aus dem Krieg zurück [6].
Schweden greift ein
1630 setzte Maximilian von Bayern auf dem Kurfürstentag in Regensburg die Entlassung Wallensteins durch [1, 6]. 1630 landete König Gustav II. Adolf von Schweden mit seinem Heer an der pommerschen Küste [6]. Er regierte seit 1611 und wollte die Herrschaft über den Ostseeraum gewinnen [8]. Frankreich verpflichtete sich 1631, seinen Feldzug mitzufinanzieren. Im selben Jahr siegten die Schweden und ihre sächsischen Verbündeten bei Breitenfeld [6]. 1632 fiel der kaiserliche Feldherr Tilly bei Rain am Lech, und Wallenstein erhielt erneut den Oberbefehl. In der Schlacht bei Lützen im November 1632 kam Gustav Adolf ums Leben [1, 6]. Bald nach seinem Tod wurde er als Märtyrer des Protestantismus verehrt [8]. Anfang 1634 ermordeten kaisertreue Offiziere Wallenstein in Eger [1]. Im selben Jahr brach ein spanisch-kaiserliches Heer bei Nördlingen die schwedische Stellung in Süddeutschland [1].
Die Zerstörung Magdeburgs 1631
Das bekannteste Beispiel für die Gewalt dieses Krieges ist Magdeburg. Die protestantische Stadt an der Elbe war Sitz eines säkularisierten Erzbistums. Ende März 1631 zogen die katholischen Befehlshaber rund 40.000 Mann vor der Stadt zusammen. Am 20. Mai 1631 durchbrachen Truppen unter Graf Gottfried Heinrich von Pappenheim die Mauer. Der Stadtkommandant Dietrich von Falkenberg fiel, die Stadt brannte weitgehend nieder, und die Sieger plünderten und töteten wahllos. Etwa zwei Drittel der 30.000 Einwohner kamen im Kampf oder danach ums Leben [4].

Den bekanntesten Augenzeugenbericht schrieb der spätere Bürgermeister Otto Guericke in seiner Chronik. Mindestens 20 Rundbriefe und fast 250 Flugblätter verbreiteten die Nachricht im protestantischen Europa. Der Kurfürst von Brandenburg verbündete sich daraufhin mit Gustav Adolf, und "Magdeburger Quartier", also keine Gnade, wurde zum Schlachtruf der Protestanten [4]. Wie Magdeburg heute aussieht, zeigt elberadweg.domain-root.de unter Magdeburg mit dem Rad.
Prager Frieden und Eintritt Frankreichs
1635 schlossen der Kaiser und Kursachsen den Prager Frieden. Die Katholische Liga löste sich auf, und auch das protestantische Bündnis zerfiel [6]. Beendet war der Krieg damit nicht. Frankreich trat nach der Schlacht bei Nördlingen offen in den Krieg ein, zunächst defensiv, später zunehmend offensiv [1]. 1637 wurde nach dem Tod seines Vaters Ferdinand III. Kaiser, 1643 trat Dänemark erneut in den Krieg ein [6].
| Abschnitt | Zeitraum | Ereignisse |
|---|---|---|
| Böhmisch-Pfälzischer Krieg | 1618 bis 1623 | Fenstersturz, Weißer Berg, Kurwürde an Bayern |
| Dänisch-Niedersächsischer Krieg | 1625 bis 1629 | Christian IV., Wallenstein, Restitutionsedikt, Frieden von Lübeck |
| Schwedischer Krieg | 1630 bis 1635 | Gustav Adolf, Magdeburg, Breitenfeld, Lützen, Nördlingen |
| Schwedisch-Französischer Krieg | 1635 bis 1648 | Krieg bis zum Westfälischen Frieden |
Diese Einteilung in vier Abschnitte folgt der Chronik der ZDF-Reihe Terra X [6]. Münkler gliedert den Krieg in seinem Aufsatz nicht in Phasen [1].
Der Westfälische Friede
Die Friedensverhandlungen in Münster und Osnabrück begannen nach Angaben von German History in Documents and Images 1643 [5], die Terra-X-Chronik nennt 1644 für den Beginn in Münster [6]. Unterzeichnet wurden die beiden Verträge am 14./24. Oktober 1648. Die doppelte Angabe folgt dem julianischen und dem gregorianischen Kalender, die damals nebeneinander galten. In Osnabrück schlossen Kaiser Ferdinand III. und Königin Christina von Schweden Frieden, in Münster der Kaiser und König Ludwig XIV. von Frankreich, jeweils mit ihren Verbündeten. Vermittelt hatte Venedig [5]. Insgesamt zogen sich die Verhandlungen über mehr als vier Jahre hin [1].

Der Osnabrücker Vertrag bestätigte den Augsburger Religionsfrieden und erweiterte ihn. Für kirchlichen Besitz galt der Stand vom 1. Januar 1624, das sogenannte Normaljahr. Die Reformierten wurden Lutheranern und Katholiken rechtlich gleichgestellt. Die Reichsstände erhielten die Landeshoheit und das Recht, Bündnisse zu schließen, sofern diese nicht gegen Kaiser und Reich gerichtet waren. Schweden bekam Vorpommern, Rügen, Wismar sowie Bremen und Verden und wurde Reichsstand. Brandenburg erhielt den übrigen Teil Pommerns, die Bistümer Halberstadt, Minden und Cammin sowie die Anwartschaft auf das Erzstift Magdeburg. Bayern behielt die Oberpfalz und die Kurwürde, für die Pfalz wurde eine achte Kur geschaffen. In Religionsfragen galt auf Reichstagen fortan der gütliche Vergleich zwischen den Konfessionsparteien statt der Mehrheitsentscheidung. Basel und die Eidgenossenschaft wurden von der Reichsgerichtsbarkeit befreit. Frankreich erhielt im Münsteraner Vertrag die Bistümer Metz, Toul und Verdun, Breisach und Rechte im Elsass. Habsburg bekam die Waldstädte und den Breisgau zurück, dazu zahlte Frankreich drei Millionen Livres [5]. Die so erneuerte Ordnung des Zusammenlebens der Konfessionen blieb bis 1803 in Kraft [3]. Nach Münkler neutralisierte der Friede die konfessionellen Streitfragen und ersetzte die habsburgische Vormacht durch ein System gleichberechtigter Staaten [1]. Mehr dazu steht im Artikel über den Westfälischen Frieden von 1648.
Opfer und Erinnerung
Die meisten Menschen starben nicht in Schlachten. Münkler führt die Verluste auf eine Kriegsführung zurück, die sich aus dem Land ernährte und Hunger, Plünderungen und Seuchen nach sich zog [1]. Die Erfahrung des Krieges prägte auch die Dichtung. Andreas Gryphius aus Glogau schrieb 1637 als 21-Jähriger das Sonett "Menschliches Elende", das die Vergänglichkeit alles Irdischen beklagt [7]. Mehr über die Kunst dieser Zeit steht im Artikel zum Barock.
- Studie Herfried Münkler: Der Dreißigjährige Krieg. Ein Bürgerkrieg, der zugleich ein Hegemonialkrieg war (Aus Politik und Zeitgeschichte). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 20.07.2018. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Der Krieg fängt an: Prager Fenstersturz (Mai 1618). German History in Documents and Images, Deutsches Historisches Institut Washington. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Triumph des Katholizismus: Das Restitutionsedikt (1629). German History in Documents and Images, Deutsches Historisches Institut Washington. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Die Apokalypse vor Ort: Die Zerstörung Magdeburgs (1631). German History in Documents and Images, Deutsches Historisches Institut Washington. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Der Westfälische Frieden (14./24. Oktober 1648). German History in Documents and Images, Deutsches Historisches Institut Washington. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Terra X: Der Dreißigjährige Krieg (2/2): Verwüstung und Versöhnung, mit Chronik. ZDF. Stand 2018. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Andreas Gryphius, Menschliches Elende (1637). German History in Documents and Images, Deutsches Historisches Institut Washington. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Gustav II. Adolf von Schweden (1631). German History in Documents and Images, Deutsches Historisches Institut Washington. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
Weitere Artikel
Frühe NeuzeitDer Westfälische Friede von 1648Wie Kaiser, Reichsstände, Schweden und Frankreich in Münster und Osnabrück den Dreißigjährigen Krieg beendeten und was die …
Frühe NeuzeitDer AbsolutismusWas Absolutismus bedeutet, wie Bodin und Hobbes ihn begründeten, wie Ludwig XIV.
Frühe NeuzeitDer BarockDer Barock zwischen Renaissance und Klassizismus: Herkunft des Namens, Versailles, Bernini, Würzburger Residenz, Wieskirche …