Die Frühe NeuzeitRatgeber

Söldner und Landsknechte: Krieg als Gewerbe in der Frühen Neuzeit

Söldner sind Kämpfer, die gegen Bezahlung für einen Kriegsherrn dienen. In der Frühen Neuzeit stellten vor allem die Eidgenossen und die deutschen Landsknechte solche Truppen, die mit Werbung, Musterung und Soldvertrag in den Dienst traten. Im 17. und 18. Jahrhundert lösten stehende Heere der Fürsten sie nach und nach ab.

Ein Feldlager aus Zelten und hölzernen Versorgungswagen auf einer Wiese im Alpenvorland im Morgennebel
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Ein Söldner kämpft gegen Bezahlung für den Kriegsherrn, der ihn angeworben hat. Im späten Mittelalter und in der Frühen Neuzeit warben Stadtstaaten, Fürsten und Päpste solche Krieger in großer Zahl an [1, 3]. In den Kriegen um Mailand nach 1499 war der Bedarf an Söldnern groß [1]. Begehrt waren die Eidgenossen, die als unerschrockene Kämpfer galten, aber auch als teuer und undiszipliniert; Konkurrenz machten ihnen vor allem süddeutsche Landsknechte [1]. Der Historiker Volker Reinhardt nennt die Eidgenossenschaft das wichtigste Söldnerreservoir des frühneuzeitlichen Europa [1].

Condottieri in Italien

In Italien hießen die Söldnerführer Condottieri. Der Name kommt von "condotta", dem Soldvertrag, mit dem Stadtstaaten eine Truppe mieteten [3]. Eine solche Truppe hieß "compagnia di ventura", ihr Anführer Condottiero [3]. Ihre Blütezeit begann im 13. und 14. Jahrhundert [3]. Bekannte Namen sind der Engländer John Hawkwood (um 1320 bis 1394), Francesco Sforza (1401 bis 1466) und Bartolomeo Colleoni (um 1400 bis 1475), dem in Venedig ein Reiterstandbild gesetzt wurde [3]. Francesco Sforza regierte ab 1450 als Herzog in Mailand [1].

Ab 1494 marschierten fremde Heere in Italien ein, gegen die die Condottieri mit ihrer veralteten Kampfweise unterlagen [3]. Bis 1550 waren sie und ihre Truppen ganz verschwunden [3]. Welche Rolle die italienischen Stadtstaaten in Kunst und Politik spielten, erzählt der Artikel Die Renaissance.

Die Eidgenossen als Söldnervolk

In der Alten Eidgenossenschaft handelten Krieg führende Mächte ihre Söldnerverträge mit der Tagsatzung aus, der gemeinsamen Versammlung der Orte [1]. Den regulären Aufgeboten schlossen sich immer auch Freiwillige an, die Abenteuer suchten und auf Sold und Beute hofften [1]. Ein Vertrag mit dem französischen König lief 1509 aus, 1510 erhielt der Papst erstmals einen [1]. Papst Julius II. hatte schon 1506 eine eidgenössische Leibwache in den Vatikan geholt [1].

Ein steiler alter Saumpfad mit Steinmauern führt im Frühsommerlicht hinauf zu einem verschneiten Alpenpass
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Zwischen Abmarsch und Kampf waren die Krieger oft wochenlang zu Fuß unterwegs, Langspieße und Gewehre fuhren auf Wagen mit [1]. Jeden Feldzug begleitete ein Tross aus Männern, Frauen und Kindern, die Lager und Verpflegung besorgten und mit Beute handelten: Vieh, Harnische, Helme, auch geraubte Kirchenschätze [1].

Marignano 1515 und der Ewige Frieden

1512 vertrieben die Eidgenossen im Bund mit Kaiser und Papst die Franzosen aus dem Herzogtum Mailand, das danach unter ihrem Schutz stand [1]. Am 13. und 14. September 1515 verloren sie bei Marignano gegen das Heer des französischen Königs Franz I. [1]. Beide Seiten hatten nach Reinhardt jeweils 30.000 Mann, die Franzosen aber die bessere Verpflegung, starke Befestigungen und eine gut aufgestellte Artillerie [1]. Zurück blieben über 10.000 Tote, die meisten davon Eidgenossen [1]. Bern, Fribourg und Solothurn hatten vor der Schlacht ein Angebot des Königs angenommen und waren abgezogen [1]. Aus den übrigen Orten fielen Tausende, mehrere Regionen verloren fast die Hälfte ihrer erwachsenen Männer [1].

Schon zwei Jahre vorher, in der Schlacht von Novara am 6. Juni 1513, hatten die eidgenössischen Truppen Mailand nur unter großen Verlusten halten können [1]. In der Heimat wuchs der Unmut: Nach Reinhardt lehnte sich das Volk gegen einflussreiche Politiker auf, die am Krieg verdienten, während die kleinen Leute ihre Söhne verloren [1]. Ein Glasgemälde von um 1532, das Hans Funk zugeschrieben wird, stellt den alten und den jungen Eidgenossen gegenüber. Es greift die Kritik der Reformation auf, früher habe man für die eigene Freiheit gekämpft, heute ziehe man aus Geldgier für andere in den Krieg [1].

Der Sieger band die Verlierer an sich. Am 29. November 1516 schlossen Franz I. und die Eidgenossen in Fribourg den Ewigen Frieden, die Urkunde trägt 19 Siegel [1]. 1521 folgte eine Soldallianz mit Frankreich, die über mehr als 250 Jahre immer wieder erneuert wurde [1]. Sie machte vor allem in der katholischen Eidgenossenschaft einige Familien reich [1]. Als Ganzes führte die Eidgenossenschaft nach Reinhardt seit 1515 keine Kriege mehr, einzelne Orte schon: Bern eroberte 1536 die Waadt auf eigene Rechnung [1]. Der Glarner Feldprediger Huldrych Zwingli, wenige Jahre später Reformator in Zürich, zog aus der Schlacht den Schluss, es dürfe keine Solddienste für fremde Mächte mehr geben; langfristig setzte er sich damit nicht durch [1]. In den französischen Religionskriegen standen Schweizer auf der Seite des Königs: 1567 kehrte Karl IX. unter ihrem Schutz von Meaux nach Paris zurück [8].

Wie viele Eidgenossen in fremden Diensten standen

Der Militärhistoriker Hans Rudolf Fuhrer hat für die Ausstellung des Landesmuseums Zürich 2014 geschätzt, wie viele Soldaten aus der Eidgenossenschaft für fremde Kriege aufgeboten wurden [1]:

Zeitraum oder KriegAufgebotene Soldaten (Schätzung)
16. Jahrhundert insgesamt300.000 bis 400.000
Französische Religionskriege 1537 bis 1610200.000
17. Jahrhundert insgesamt300.000 bis 500.000
Dreißigjähriger Krieg 1616 bis 1648100.000
18. Jahrhundert insgesamt300.000 bis 500.000
Siebenjähriger Krieg 1756 bis 176370.000

Landsknechte: Söldner nach Schweizer Vorbild

Maximilian I. stellte nach der Wikipedia seit 1482 in Burgund Fußtruppen nach Schweizer Vorbild auf; das Wort Landsknecht ist urkundlich 1486 in den eidgenössischen Abschieden belegt und taucht 1487 bei Anwerbungen auf [2]. Das Historische Lexikon Bayerns datiert die Entstehung dieser Fußtruppen in die späten 1480er Jahre und hält die Herkunft des Namens für unklar [10]. Ein "Lantknecht" war im 15. Jahrhundert ein Büttel, der auch militärische Aufgaben übernahm; die Schreibweise "Lanzknecht" beruht auf einer späteren Verwechslung mit der Lanze [2]. Georg von Frundsberg (1473 bis 1528) stellte im Auftrag Maximilians Landsknechtheere auf und gilt als "Vater der Landsknechte" [2, 10]. Die Neue Deutsche Biographie nennt ihn "Führer und Vater der Landsknechte" [11]. Die Hauptwaffe war der Langspieß, später Pike genannt, mit bis zu sechs Metern Länge; Unterführer und Doppelsöldner trugen Hellebarden [2].

Eine Schneiderwerkstatt mit bunten geschlitzten Gewändern in Rot und Gelb auf einem Holzgestell und Stoffballen
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Werbung, Musterung und Artikelbrief

Wer sich anwerben ließ, musste wie bei den Schweizern eine Musterung bestehen, bei der Ausrüstung und Körperkraft geprüft wurden [2]. Die Rechte und vor allem die Pflichten regelte der Artikelbrief, der alle sechs Monate verlesen wurde [2]. Diesen Namen trug die Feldordnung, auf die die Knechte vereidigt wurden, nach dem Historischen Lexikon Bayerns ab den 1520er Jahren [10]. Ein Regiment sollte nach der Wikipedia etwa 4.000 Mann zählen, erreichte diese Stärke aber selten, und ein Fähnlein hatte meist 300 bis 500 Mann [2]. Das Historische Lexikon Bayerns nennt für den Haufen, später Regiment genannt, nur 100 bis 300 Mann [10].

Sold und Doppelsöldner

Ein gewöhnlicher Landsknecht erhielt zur Zeit Maximilians I. etwa vier Gulden im Monat, ein Oberst bis zu 400 Gulden [2]. Nach dem Historischen Lexikon Bayerns blieb der Sold des einfachen Knechts während der gesamten Landsknechtzeit bei vier Gulden im Monat [10]. Erfahrene Kämpfer bekamen als Doppelsöldner das Doppelte bis Zweieinhalbfache; in einem Fähnlein waren es in der Regel mindestens 100 Mann [2]. Zum Tross gehörten Marketender, Handwerker sowie Frauen und Kinder der Landsknechte, ohne die die Versorgung nicht funktionierte [2].

Pavia 1525 und der Sacco di Roma 1527

Bei Pavia standen sich am 24. Februar 1525 die Heere Kaiser Karls V. und König Franz' I. gegenüber [4]. Die Franzosen hatten nach der Wikipedia etwa 26.000 Söldner, nach der EBSCO-Übersicht 30.000, die Kaiserlichen 23.000 Mann, vor allem Deutsche und Spanier [4, 13]. Die Landsknechte trieben die Schweizer Söldner auf französischer Seite in die Flucht, Franz I. geriet in Gefangenschaft [4]. Nach der Neuen Deutschen Biographie war der Sieg von Pavia zum großen Teil das Verdienst Frundsbergs und seiner Landsknechte [11]. Mehr über den Kaiser steht im Artikel Karl V.

Zwei Jahre später, im Mai 1527, plünderten Landsknechte Rom; der Sacco di Roma gilt als Höhepunkt des Selbstbewusstseins der Landsknechte [2]. Frundsberg starb am 20. August 1528 [11]; die Wikipedia sieht darin einen Wendepunkt für die Landsknechte [2], das Historische Lexikon Bayerns setzt ihren Niedergang erst um 1600 an [10]. Unzuverlässige Bezahlung, wechselnde Dienstherren und Konkurrenz durch andere Heere schwächten das System [2].

Kriegsunternehmer im Dreißigjährigen Krieg

Im Dreißigjährigen Krieg zeigte sich, wie weit ein Söldnerführer aufsteigen konnte. Albrecht von Wallenstein, geboren 1583 in Böhmen, erhielt nach dem böhmischen Aufstand enteignetes protestantisches Land und wurde 1625 Herzog von Friedland [5]. Als Christian IV. von Dänemark 1625 in den Krieg eintrat, ernannte Kaiser Ferdinand II. ihn zum Oberbefehlshaber mit eigener Armee [5]. Bezahlt wurde sie über Kontributionen: Die Bevölkerung im Gebiet der Armee musste den Unterhalt aufbringen [5].

Eine barocke Gartenhalle mit drei hohen Bögen neben einem geometrischen Garten mit Hecken und Teich
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Militärisch war Wallenstein erfolgreich. Der Niedersächsisch-Dänische Krieg von 1625 bis 1629 endete vor allem durch ihn mit einem Sieg der kaiserlich-katholischen Seite [6]. 1630 drängten die Fürsten auf dem Regensburger Kurfürstentag, angeführt von Maximilian von Bayern, den Kaiser zu seiner Entlassung [5]. Nach dem Eingreifen Gustav Adolfs von Schweden holte der Kaiser ihn zurück [5]. Gustav Adolfs Heer kämpfte anders als die alten Spießhaufen: Bei Breitenfeld 1631 stellten die Schweden kleine, bewegliche Blöcke aus Musketieren und Pikenieren auf, wobei der Anteil der Pikeniere auf ein Drittel gesenkt war [9]. Am 25. Februar 1634 ermordeten kaisertreue Offiziere Wallenstein in Eger, nachdem man ihm Hochverrat vorgeworfen hatte [5, 12]. Den Krieg als Ganzes beschreibt der Artikel Der Dreißigjährige Krieg.

Vom Söldnerheer zum stehenden Heer

Schon 1570 beschloss der Reichstag zu Speyer einheitliche Regeln für das ganze Reich, die die Rechte der Landsknechte beschnitten [2]. Im Zeitalter des Absolutismus unterhielten die Fürsten dann stehende Heere nach französischem Vorbild [7]. Weil diese teuer waren, vermieteten manche Fürsten ihre Truppen [7]. So kämpften deutsche Soldaten im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg von 1775 bis 1783 im Dienst des englischen Königs Georg III. [7]. Viele Soldaten wurden damals zwangsweise zum Dienst im Ausland verpflichtet [7]. Die Zwangsrekrutierungen des württembergischen Herzogs Carl Eugen griff Friedrich Schiller in "Kabale und Liebe" auf [7].

Auch die Eidgenossen blieben im Geschäft: 1663 erneuerten sie die Soldallianz mit Frankreich, worauf auch die reformierten Niederlande Söldner aus der Eidgenossenschaft verlangten [1]. Wie die Kriege der Fürsten im 18. Jahrhundert geführt wurden, erklärt der Artikel Die Kabinettskriege, die großen Schlachten der Epoche stellt der Artikel Schlachten der Neuzeit vor.

  1. Organisation 1515 Marignano. Unterlagen für Schulen (mit Beitrag von Volker Reinhardt und Expertise von Hans Rudolf Fuhrer). Schweizerisches Nationalmuseum, Landesmuseum Zürich. Stand 2015. abgerufen am 29.10.2026
  2. Landsknecht. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  3. Condottiere. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  4. Schlacht bei Pavia (1525). Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  5. Albrecht von Wallenstein (Horst Basting). Planet Wissen, SWR. Stand 09.04.2020. abgerufen am 29.10.2026
  6. Behörde Deutschlands großer Konfessionskrieg (Axel Gotthard). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 18.01.2017. abgerufen am 29.10.2026
  7. Absolutismus: Idee, Anspruch und Wirklichkeit. wissen.de. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  8. Organisation Les guerres de religion. Documents enseignants. Musée virtuel du protestantisme (Fondation pasteur Eugène Bersier). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  9. Schlacht bei Breitenfeld (1631). Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  10. Studie Landsknechte (Reinhard Baumann). Historisches Lexikon Bayerns. Stand 23.08.2010. abgerufen am 29.10.2026
  11. Studie Frundsberg, Georg von (Friedrich Zoepfl), Neue Deutsche Biographie 5. Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Stand 1961. abgerufen am 29.10.2026
  12. Studie Wallenstein, Albrecht von (Christoph Kampmann), Neue Deutsche Biographie 27. Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Stand 2020. abgerufen am 29.10.2026
  13. Studie Battle of Pavia (Robert F. Erickson), Research Starters. EBSCO. Stand 2022. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.