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Die Geschichte des Geldes: vom Silber bis zum Euro

Lange vor den ersten Münzen diente in Mesopotamien Silber als Zahlungsmittel. Die ersten Münzen setzt die World History Encyclopedia je nach Stelle um 700 v. Chr. (Ägina), in die Zeit des Lyderkönigs Alyattes (etwa 635 bis 585 v. Chr.) oder ins 6. oder 5. Jahrhundert v. Chr.; Papiergeld entstand in China unter der Song-Dynastie. Seit dem Ende der Goldbindung des Dollars 1971 ist das internationale Geldsystem ein reines Papiergeldsystem.

Eine alte Messingwaage mit leeren Schalen auf einem abgenutzten Holztresen, daneben Tonkrüge und ein Seil
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Geld ist ein allgemein anerkanntes Zahlungsmittel, meist vom Staat eingeführt [3]. Es lässt sich lagern, leicht transportieren und gut teilen, und Kauf und Verkauf müssen nicht mehr am selben Ort und zur selben Zeit stattfinden [3]. Seine Formen reichen vom Warengeld wie Muscheln oder Vieh über Münzen und Banknoten bis zum Guthaben auf dem Girokonto [3]. Den größeren Rahmen beschreibt der Artikel Wirtschaft und Handel in der Geschichte.

Tauschen, wiegen, rechnen: Geld vor der Münze

Am Anfang stand der Tausch von Ware gegen Ware [3]. Weil das umständlich war, tauschten Menschen ihre Waren später gegen Dinge, die sich leichter weitergeben ließen, etwa Muscheln, ausgewählte Steine, Pelze oder Vieh [3]. Man nennt das Warengeld. Das lateinische Wort pecunia für Geld wird in der Regel von pecus abgeleitet, dem Wort für Vieh [3]. In ländlichen Gegenden hielt sich der Tauschhandel bis weit in die Neuzeit, und in Krisenzeiten wie Krieg oder Inflation dienten wieder Gegenstände wie Gold oder Zigaretten als Tauschmittel [3].

Ein Markthof aus Lehmziegeln in der Abenddämmerung mit Getreidekörben, Wollbündeln und angebundenen Ziegen
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In Mesopotamien fanden sich die ersten Gegenstände aus Silber in Schichten aus der späten Uruk-Zeit, gegen Ende des vierten Jahrtausends v. Chr. [2]. Als Zahlungsmittel taucht Silber nach der Untersuchung von Salvatore Monaco und Francesco Pomponio erstmals auf Tontafeln aus Fara auf, die in die frühdynastische Periode IIIa gehören [2]. Für die noch ältere, archaische Zeit gibt es nach den beiden Autoren keine belastbaren Belege für Silber als Zahlungsmittel [2]. Geprägte Münzen gab es zu dieser Zeit noch nicht; das früheste Datum für Münzen in der Zeittafel der World History Encyclopedia ist um 700 v. Chr. [1].

Die ersten Münzen in Lydien und Griechenland

Die Zeittafel der World History Encyclopedia verbindet die ersten Münzen mit dem lydischen König Alyattes, der etwa von 635 bis 585 v. Chr. regierte [1]. Sie bestanden aus Elektron, einer natürlichen Mischung aus Gold und Silber [1]. Sein Nachfolger Kroisos ließ um 560 v. Chr. als Erster Münzen aus reinem Gold herstellen [1]. Dieselbe Zeittafel nennt allerdings auch die Insel Ägina, wo um 700 v. Chr. Münzen geprägt worden sein sollen, und der Fließtext des Artikels setzt die Einführung von Münzen ins 6. oder 5. Jahrhundert v. Chr. [1]. Lydien lag in Kleinasien, im Westen der heutigen Türkei; mehr über das Reich steht im Artikel Phryger und Lyder: Reiche in Kleinasien.

Nachdem Persien Lydien 546 v. Chr. erobert hatte, kamen die Münzen auch ins Perserreich [1]. Griechische Städte prägten bald eigene Münzen mit eigenen Bildern. Ein Silberstater aus Kalymna aus der Zeit von 600 bis 550 v. Chr. zeigt eine Leier aus einem Schildkrötenpanzer, Gortyn auf Kreta begann 470 v. Chr. mit einer eigenen Prägung [1].

Münzen in Rom, China und Indien

Rom prägte erst ab 326 v. Chr. eigene Münzen, die ersten in Neapolis [1]. Um 211 v. Chr. führte ein neues Münzsystem den silbernen Denar ein, und um 141 v. Chr. galten 16 Bronzemünzen vom Typ As einen Denar [1]. Kaiser Nero verringerte 64 n. Chr. Gewicht und Edelmetallgehalt der Münzen [1]. Diokletian ordnete das Münzwesen 293 n. Chr. neu, und Konstantin I. führte 312 n. Chr. die Goldmünze Solidus ein, griechisch Nomisma [1]. Wie das Reich insgesamt aufgebaut war, erklärt der Artikel Das Römische Reich.

In China wurden Goldmünzen unter der Qin-Dynastie zwischen 221 und 207 v. Chr. erstmals vereinheitlicht [1]. Unter den Han-Kaisern kamen Silbermünzen und sogenannte Hirschledernoten als gesetzliche Zahlungsmittel hinzu, die die World History Encyclopedia als Vorläufer des Papiergelds bezeichnet [1]. In Indien prägten die indisch-griechischen Königreiche im 2. Jahrhundert v. Chr. Münzen, oft mit Aufschriften in zwei Sprachen [1]. Japan führte 708 n. Chr. mit dem Wado kaiho seine ersten Münzen ein, in Korea prägte die Goryeo-Dynastie 996 n. Chr. die ersten Münzen [1].

Papiergeld aus China

Unter der Tang-Dynastie (618 bis 907) nutzten vor allem Teehändler Papierquittungen, sogenanntes fliegendes Geld: Sie zahlten Geld in einer Schatzkammer ein und holten es in einer anderen wieder ab [4]. Um 1023 gab die Song-Regierung in Sichuan Papierbescheinigungen über hinterlegtes Geld aus, die Jiaozi [4]. Dort war die Münze aus schwerem Eisen, und wohlhabende Leute ließen ihr Geld deshalb in staatlichen Depots [4]. Die Bescheinigungen konnten anstelle der Münzen weitergegeben werden [4].

Eine traditionelle Papierwerkstatt mit hellen Papierbögen auf Bambusgestellen und Holzbottichen im Morgenlicht
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Um 1120 übernahm der Staat das alleinige Recht, solche Scheine auszugeben, und die Regierung in Kaifeng erlaubte ausgewählten Schatzkammern die Ausgabe [4]. Bis 1260 waren daraus nach der World History Encyclopedia echte Banknoten geworden [4]. Auch unter den Mongolen, in der Yuan-Zeit von 1271 bis 1368, war Papiergeld weit verbreitet, und Marco Polo lieferte einen der frühesten Berichte darüber [4]. Den schwersten Schlag versetzte ihm die Inflation: Der Staat ließ mehr Scheine drucken, um öffentliche Bauten wie Dämme am Gelben Fluss zu bezahlen [4]. Mehr über die Zeit steht im Artikel Die Song-Dynastie.

Taler, Banknoten und die erste Bankpleite Europas

Ab 1520 wurde in Joachimsthal in Böhmen, dem heutigen Jáchymov, eine große Silbermünze geprägt, der Joachimsthaler [6]. Von ihm leitet sich der Name Taler ab [6]. Aus diesem Wort gingen weitere Münznamen hervor, darunter der Dollar, wie er heute in den USA und in Kanada heißt [6].

Nach Angaben der schwedischen Reichsbank gab die Stockholms Banco die ersten Banknoten Europas aus [5]. 1660 begann der Staat, neue Münzen mit geringerem Gewicht zu prägen [5]. Viele Kunden wollten daraufhin ihre älteren, schwereren Münzen zurück [5]. Der Bankgründer Johan Palmstruch gab 1661 Scheine aus, die an keine Einlage gebunden waren [5]. Die Bank druckte immer mehr davon, die Scheine verloren an Wert, und weil nicht genug Münzen zum Einlösen da waren, brach die Bank zusammen [5]. 1664 beschloss der Reichsrat, die Scheine einzuziehen; Palmstruch wurde 1668 zum Tode verurteilt, dann begnadigt, und starb 1671 [5].

Inflation und Währungsreformen in Deutschland

In Deutschland erreichte die Inflation nach dem Ersten Weltkrieg 1923 ihren Höhepunkt [7]. Wenig nach der Ankündigung der Rentenbank am 16. Oktober 1923 kostete ein Dollar 40 Milliarden Mark, der höchste Geldschein im November lautete auf 100 Billionen Mark [7]. Der Reallohn sank auf etwa 40 Prozent seines Vorkriegsniveaus, und Ersparnisse waren verloren [7]. Am 15. November 1923 trat die Rentenmark in Kraft; ein Dollar wurde auf 4,2 Billionen Papiermark festgesetzt, gleich 4,20 Rentenmark [7]. Im Oktober 1924 folgte die Reichsmark [7]. Die politischen Folgen beschreibt der Artikel Die Weimarer Republik.

Am 20. und 21. Juni 1948 trat in den drei Westzonen die Deutsche Mark an die Stelle der Reichsmark [8]. Jeder Deutsche bekam zunächst eine Kopfquote von 40 DM, später noch einmal 20 DM [8]. Private Guthaben und Schulden wurden in der Regel im Verhältnis 10 zu 1 umgetauscht, Löhne, Renten und Mieten im Verhältnis 1 zu 1 [8].

Bretton Woods und das Ende der Goldbindung

Im Juli 1944 trafen sich Vertreter von 44 Staaten im Mount Washington Hotel in Bretton Woods im US-Bundesstaat New Hampshire [9]. Sie beschlossen ein internationales Währungssystem und gründeten den Internationalen Währungsfonds und die spätere Weltbankgruppe [9]. Der US-Dollar war zu 35 Dollar je Unze an Gold gebunden [9]. Voll funktionsfähig wurde das System 1958, als die Währungen frei umtauschbar wurden [9].

Ein großes weißes Hotel mit rotem Dach in einem grünen Tal vor bewaldeten Bergen an einem Sommernachmittag
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Am Abend des 15. August 1971 kündigte US-Präsident Richard Nixon eine neue Wirtschaftspolitik an [10]. Ausländische Regierungen konnten ihre Dollar danach nicht mehr in Gold eintauschen [10]. Damit wurde das internationale Geldsystem nach der Federal Reserve in der Sache zu einem reinen Papiergeldsystem ohne Deckung durch Gold [10]. Das Smithsonian-Abkommen sollte die festen Wechselkurse halten, doch das System von Bretton Woods endete kurz danach [10].

Der Euro und das Buchgeld

Am 1. Januar 1999 wurde der Euro eingeführt und war damit die Währung von über 300 Millionen Menschen [11]. In den ersten drei Jahren gab es ihn nur als Rechengröße, etwa für elektronische Zahlungen, die Banknoten und Münzen kamen am 1. Januar 2002 [11]. Heute kann man nach Angaben der Europäischen Zentralbank in 21 der 27 EU-Staaten mit Euro-Bargeld bezahlen, und mehr als 358 Millionen Menschen verwenden die gemeinsame Währung [11]. Wie die Union entstand, erzählt der Artikel Die Geschichte der Europäischen Union.

Den größten Teil des Zahlungsverkehrs wickeln Banken heute mit Buchgeld ab, auch Giralgeld genannt [3]. Es ist kein gesetzliches Zahlungsmittel und liegt als Guthaben auf einem Girokonto, bewegt durch Überweisung, Einzahlung oder Kredit [3]. Die Europäische Zentralbank unterscheidet drei Geldmengen; Bargeld und Giralgeld bilden zusammen die Geldmenge M1 [3].

Wichtige Daten

ZeitEreignis
frühdynastisch IIIaSilber als Zahlungsmittel auf Tafeln aus Fara [2]
um 700 v. Chr.Münzprägung auf Ägina nach der Zeittafel der World History Encyclopedia [1]
ca. 635 bis 585 v. Chr.Elektronmünzen unter Alyattes von Lydien nach derselben Zeittafel [1]
um 560 v. Chr.Kroisos lässt Münzen aus reinem Gold prägen [1]
326 v. Chr.erste römische Münzen [1]
312 n. Chr.Konstantin führt den Solidus ein [1]
um 1023Jiaozi in Sichuan [4]
1520erster Joachimsthaler [6]
1661Banknoten der Stockholms Banco [5]
15.11.1923Rentenmark beendet die Inflation [7]
Juli 1944Konferenz von Bretton Woods [9]
20./21.06.1948Deutsche Mark in den Westzonen [8]
15.08.1971Ende des Goldumtauschs für Dollar [10]
01.01.2002Euro-Bargeld [11]
  1. Jan van der Crabben: Coinage. World History Encyclopedia. Stand 28.04.2011. abgerufen am 29.10.2026
  2. Studie Salvatore Monaco, Francesco Pomponio: The Use of Silver in Mesopotamian Texts from Archaic to Old-Akkadian Periods. Rivista di storia economica 1/2009, S. 19 bis 50. Stand 04/2009. abgerufen am 29.10.2026
  3. Mirko Ellrich: Die Geschichte des Geldes (Infoblatt). Ernst Klett Verlag, TERRASSE online. Stand 07.02.2024. abgerufen am 29.10.2026
  4. Mark Cartwright: Paper Money in Song China. World History Encyclopedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  5. Behörde 1661: First banknotes in Europe. Sveriges Riksbank. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  6. Taler. Austria-Forum (AEIOU). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  7. Organisation Michael Kunzel: Die Inflation 1923. Deutsches Historisches Museum, LeMO. Stand 14.09.2014. abgerufen am 29.10.2026
  8. Behörde 20. bis 21. Juni 1948 (Deutschland-Chronik). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  9. Behörde Sandra Kollen Ghizoni: Creation of the Bretton Woods System. Federal Reserve History. Stand 22.11.2013. abgerufen am 29.10.2026
  10. Behörde Sandra Kollen Ghizoni: Nixon Ends Convertibility of U.S. Dollars to Gold and Announces Wage/Price Controls. Federal Reserve History. Stand 22.11.2013. abgerufen am 29.10.2026
  11. Behörde Einführung des Euro. Europäische Zentralbank. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.