Das 20. JahrhundertRatgeber

Die Geschichte der Europäischen Union: von sechs zu 27 Staaten

Die Europäische Union geht auf die Montanunion zurück, die sechs Staaten am 18. April 1951 gründeten. 1957 folgten mit den Römischen Verträgen die EWG und Euratom, 1993 entstand mit dem Vertrag von Maastricht die EU. Durch mehrere Erweiterungen wuchs sie auf 28 Mitglieder, seit dem Austritt des Vereinigten Königreichs 2020 sind es 27.

Eine Reihe Fahnenmasten vor einem modernen Parlamentsgebäude aus Glas an einem hellen Frühlingsmorgen
Bild: KI-generiert

Die Europäische Union ist aus einem Zusammenschluss von sechs Staaten für Kohle und Stahl hervorgegangen. Heute gehören ihr 27 Länder an, 21 davon zahlen mit dem Euro [10, 11]. Ihre Geschichte begann nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem Ziel, Frieden zwischen den früheren Kriegsgegnern zu sichern [9].

Die Ausgangslage nach 1945

Nach dem Zweiten Weltkrieg und zu Beginn des Kalten Krieges standen die Staaten Westeuropas vor zwei Aufgaben: Wiederaufbau und dauerhafter Frieden [9]. Im September 1946 forderte der frühere britische Premierminister Winston Churchill in einer Rede in Zürich die Versöhnung von Deutschland und Frankreich als Grundlage eines gemeinsamen Europas [9]. Auf dem Haager Kongress vom 7. bis 9. Mai 1948 stritten Föderalisten und Unionisten um Churchill darüber, wie viele Rechte eine neue europäische Organisation bekommen sollte. Konrad Adenauer nahm für Deutschland teil [9]. Die Unionisten setzten sich durch: Am 5. Mai 1949 gründeten zehn westeuropäische Länder den Europarat [1, 9]. Am 4. April 1949 war mit der NATO bereits ein Militärbündnis zwischen den USA, Kanada und zehn westeuropäischen Staaten entstanden [1].

Der Schuman-Plan und die Montanunion

Am 9. Mai 1950 stellte der französische Außenminister Robert Schuman in Paris einen Plan vor, die Kohle- und Stahlindustrie Frankreichs und Deutschlands unter eine gemeinsame Behörde zu stellen [1, 9]. Die Idee stammte von Jean Monnet, dem Leiter der französischen Planungsbehörde [9]. Kohle und Stahl galten als grundlegende Mittel der Kriegsführung [9]. Kein einzelnes Land sollte mehr wie früher Kriegswaffen herstellen können, die gemeinsame Kontrolle sollte einen neuen Krieg zwischen den alten Gegnern verhindern [1, 9]. Der 9. Mai wird heute als Europatag gefeiert [1].

Ein Stahlwerk der 1950er-Jahre an einem Fluss in der Dämmerung mit Kohlekähnen am Kai
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Am 18. April 1951 unterzeichneten Belgien, die Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg und die Niederlande in Paris den Vertrag über die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS), auch Montanunion genannt. Er trat am 23. Juli 1952 in Kraft [1, 9]. Die Gemeinschaft hatte eine Hohe Behörde als Vorläufer der heutigen Kommission, eine Gemeinsame Versammlung als Vorläufer des Parlaments und einen Gerichtshof [9]. Ein weiterer Schritt scheiterte. Die Europäische Verteidigungsgemeinschaft, eine gemeinsame Armee, kam Anfang der 1950er-Jahre am Widerstand einzelner Staaten nicht zustande [10].

Die Römischen Verträge 1957

Am 25. März 1957 unterzeichneten die sechs Staaten in Rom die Verträge über die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und die Europäische Atomgemeinschaft (Euratom). Beide nahmen am 1. Januar 1958 ihre Arbeit auf [1, 9]. Die EWG wurde zur wichtigsten Gemeinschaft der europäischen Einigung [9]. Am 19. März 1958 trat in Straßburg erstmals die Europäische Parlamentarische Versammlung zusammen, die sich 1962 in Europäisches Parlament umbenannte [1].

Zollunion und Agrarpolitik in den 1960er-Jahren

Die 1960er-Jahre brachten Wachstum und engere Wirtschaftsbeziehungen. Am 30. Juli 1962 startete die Gemeinsame Agrarpolitik. Sie sicherte die Lebensmittelversorgung, führte aber später zu Überschüssen, die als "Butterberge" und "Milchseen" bekannt wurden [2]. Der Fusionsvertrag von 1965 legte die Organe der drei Gemeinschaften zusammen. Seit seinem Inkrafttreten am 1. Juli 1967 gibt es nur noch eine Kommission und einen Rat [2]. Am 1. Juli 1968 schafften die sechs Staaten die Zölle im Handel untereinander ab und führten gemeinsame Außenzölle ein. Der Handel zwischen ihnen wuchs danach rasch [2].

Länder, die sich nicht so eng binden wollten, gründeten am 3. Mai 1960 die Europäische Freihandelsassoziation EFTA, darunter Großbritannien, Österreich, die Schweiz und die skandinavischen Staaten [2].

Erweiterungen von sechs auf zwölf

Am 1. Januar 1973 traten Dänemark, Irland und das Vereinigte Königreich bei, die Gemeinschaft wuchs auf neun Mitglieder. Norwegen hatte den Beitritt in einer Volksabstimmung abgelehnt [3, 10]. Im Juni 1979 wählten die Bürgerinnen und Bürger das Europäische Parlament zum ersten Mal direkt [3]. Wie die Wahl heute abläuft, erklärt die Seite Die Europawahl.

Griechenland, Spanien und Portugal waren bis Mitte der 1970er-Jahre Diktaturen gewesen [3]. Griechenland wurde am 1. Januar 1981 das zehnte Mitglied, Spanien und Portugal folgten am 1. Januar 1986 [4]. Die Einheitliche Europäische Akte von 1986, in Kraft seit dem 1. Juli 1987, setzte ein Programm zur Vollendung des Binnenmarkts in Gang und stärkte das Parlament [4]. 1987 startete das Austauschprogramm Erasmus, über das seitdem mehr als zehn Millionen Menschen im Ausland studiert oder gelernt haben [4].

Maastricht und die Europäische Union

Mit dem Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989 änderte sich die Lage in Europa grundlegend. Durch die Wiedervereinigung im Oktober 1990 wurden die neuen Bundesländer Teil der Gemeinschaft [4, 10]. Mehr zu diesen Ereignissen steht im Artikel über die Wiedervereinigung 1990.

Am 7. Februar 1992 unterzeichneten die zwölf Staaten in Maastricht den Vertrag über die Europäische Union. Er trat am 1. November 1993 in Kraft und gab der Gemeinschaft ihren heutigen Namen. Er regelte die künftige gemeinsame Währung, eine gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik und die Zusammenarbeit in Justiz und Innerem [5, 10]. Am 1. Januar 1993 begann der Binnenmarkt mit freiem Verkehr von Personen, Waren, Dienstleistungen und Kapital [5]. Finnland, Österreich und Schweden traten am 1. Januar 1995 bei, die EU hatte nun 15 Mitglieder [5].

JahrBeitrittMitglieder danach
1952Gründung durch Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg, Niederlande6
1973Dänemark, Irland, Vereinigtes Königreich9
1981Griechenland10
1986Spanien, Portugal12
1995Finnland, Österreich, Schweden15
2004Estland, Lettland, Litauen, Malta, Polen, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Ungarn, Zypern25
2007Bulgarien, Rumänien27
2013Kroatien28
2020Austritt des Vereinigten Königreichs27

Schengen und der Euro

Am 26. März 1995 trat das Schengener Übereinkommen in sieben Ländern in Kraft, darunter Deutschland und Frankreich. An ihren gemeinsamen Grenzen gab es danach keine Passkontrollen mehr [5]. Am 1. Januar 1999 führten elf Staaten den Euro als Buchgeld ein. Dänemark, Schweden und das Vereinigte Königreich machten nicht mit [5]. Seit dem 1. Januar 2002 sind Euro-Banknoten und Münzen in zwölf Ländern gesetzliches Zahlungsmittel, Griechenland war 2001 dazugekommen [6]. Als 21. Land führte Bulgarien den Euro am 1. Januar 2026 ein [11].

Ein offener Grenzübergang auf einer Landstraße mit einem leeren Kontrollhäuschen im Morgenlicht
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Die Osterweiterung und der Vertrag von Lissabon

Am 1. Mai 2004 traten zehn Staaten bei, die meisten davon in Mittel- und Osteuropa. Die EU sieht darin die Überwindung der Spaltung Europas nach dem Zweiten Weltkrieg [6]. Am 1. Januar 2007 folgten Bulgarien und Rumänien, die EU hatte 27 Mitglieder [6]. Wer beitreten will, muss die Kopenhagener Kriterien erfüllen: stabile demokratische Einrichtungen, Schutz von Minderheiten, Übernahme des EU-Rechts und eine wettbewerbsfähige Marktwirtschaft [10].

Ein langer Konferenztisch mit leeren Stühlen und Mikrofonen in einem hellen Saal mit hohen Fenstern
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Ein Vertrag über eine Verfassung für Europa scheiterte 2005, als die Wählerinnen und Wähler in Frankreich und den Niederlanden ihn ablehnten [6]. An seine Stelle trat der Vertrag von Lissabon, unterzeichnet am 13. Dezember 2007 und in Kraft seit dem 1. Dezember 2009 [6]. Er machte die Grundrechtecharta verbindlich, und der Europäische Rat der Staats- und Regierungschefs wurde ein offizielles Organ der EU [10].

Krisen und Brexit

Die Finanzkrise ab September 2008 brachte viele Staatshaushalte in Not. 2010 vereinbarten die 16 Euro-Länder ein Hilfsprogramm, außerdem schuf die EU eine Bankenunion [6, 7]. Wie die Krise entstand, schildert der Artikel Die Finanzkrise 2008. 2012 erhielt die EU den Friedensnobelpreis für ihren Beitrag zu Frieden, Versöhnung, Demokratie und Menschenrechten [7]. Am 1. Juli 2013 wurde Kroatien das 28. Mitglied [7].

Am 23. Juni 2016 stimmten 52 Prozent der britischen Wählerinnen und Wähler für den Austritt aus der EU. Am 31. Januar 2020 verließ das Vereinigte Königreich die Union nach 47 Jahren Mitgliedschaft [7, 8]. Seitdem hat die EU wieder 27 Mitglieder [10].

Die EU seit 2020

Gegen die Folgen der Corona-Pandemie beschloss die EU das größte Konjunkturpaket ihrer Geschichte, mit dem Schwerpunkt auf klimafreundlicher und digitaler Erholung [8]. Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 unterstützt sie die Ukraine finanziell, humanitär und militärisch und hat Sanktionen gegen Russland verhängt [8]. Hintergründe stehen im Artikel über den Russisch-Ukrainischen Krieg. Die Ukraine ist inzwischen Beitrittskandidat, ebenso Moldau, Georgien, die Türkei und mehrere Staaten des westlichen Balkans. Die Verhandlungen mit einigen von ihnen ruhen [10].

  1. Behörde Geschichte der EU: 1945 bis 1959. Europäische Union. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  2. Behörde Geschichte der EU: 1960 bis 1969. Europäische Union. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  3. Behörde Geschichte der EU: 1970 bis 1979. Europäische Union. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  4. Behörde Geschichte der EU: 1980 bis 1989. Europäische Union. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  5. Behörde Geschichte der EU: 1990 bis 1999. Europäische Union. Stand 21.04.2026. abgerufen am 29.10.2026
  6. Behörde Geschichte der EU: 2000 bis 2009. Europäische Union. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  7. Behörde Geschichte der EU: 2010 bis 2019. Europäische Union. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  8. Behörde Geschichte der EU: 2020 bis heute. Europäische Union. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  9. Studie Olaf Leiße: Gründungsjahre (Dossier Europäische Union). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 24.09.2025. abgerufen am 29.10.2026
  10. Studie Eva G. Heidbreder: Die Herausbildung der EU als historischer Prozess, in: Informationen zur politischen Bildung Nr. 366. Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 03.08.2026. abgerufen am 29.10.2026
  11. Behörde Bulgarien führt den Euro ein (Pressemitteilung). Europäische Zentralbank. Stand 01.01.2026. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.