Personen der GeschichteRatgeber

Lenin: vom Simbirsker Juristen zum Gründer des Sowjetstaats

Lenin hieß eigentlich Wladimir Iljitsch Uljanow und wurde am 22.04.1870 in Simbirsk geboren. Er führte die Bolschewiki, die im November 1917 in Petrograd die Macht übernahmen, und stand danach als Vorsitzender des Rates der Volkskommissare an der Spitze Sowjetrusslands. Nach mehreren Schlaganfällen starb er am 21.01.1924 in Gorki bei Moskau.

Eine winterliche Uferstraße in Sankt Petersburg mit Pastellfassaden, Eisschollen und Lampenlicht am Granitkai
Bild: KI-generiert

Wladimir Iljitsch Uljanow wurde am 22.04.1870 in Simbirsk geboren [1]. Unter seinem Decknamen Lenin führte er die Bolschewiki, die im November 1917 die Macht in Russland übernahmen [1, 2]. Bis zu seinen Schlaganfällen 1922 und 1923 lenkte er den neuen Staat, der aus Revolution, Bürgerkrieg und Hungersnot hervorging [1, 2].

Herkunft und der Tod des Bruders

Schon als Gymnasiast las Uljanow nach der Darstellung des Deutschen Historischen Museums marxistische Schriften [1]. Den Ausschlag gab 1887 die Hinrichtung seines älteren Bruders Alexander [1]. Danach schloss sich Wladimir der revolutionären Bewegung an [1].

Er studierte Jura, arbeitete in Samara als Rechtsanwalt und zog 1893 nach St. Petersburg [1]. Dort gründete er 1895 mit Julij Martow den "Kampfbund zur Befreiung der Arbeiterklasse" [1]. Die Polizei nahm ihn fest, es folgten Haft und Verbannung, die bis 1900 dauerten [1]. Wie die marxistische Lehre entstand, auf die er sich berief, zeigt die Seite über Karl Marx.

Exil, Iskra und die Spaltung der Partei

1900 ging er nach Westeuropa ins Exil [1]. Er arbeitete an der Zeitung "Iskra" mit und nannte sich von da an Lenin [1]. Auf dem Parteitag der Russischen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei 1903 in London setzte er sein Konzept einer straff geführten Partei durch [1]. Die Partei zerfiel darüber in zwei Flügel [1]. Lenins Anhänger stellten in einer Abstimmung die Mehrheit und hießen danach Bolschewiki, seine Gegner bildeten die Minderheit, die Menschewiki [1, 2].

Eine ruhige Altstadtgasse in Zürich im Frühlingslicht mit Steinhäusern, grünen Fensterläden und leerem Pflaster
Bild: KI-generiert

1905 und die Jahre bis zum Weltkrieg

Während der Revolution von 1905 kehrte Lenin nach Russland zurück [1]. Nach ihrer Niederschlagung ging er wieder ins Exil [1]. 1912 trennte er die Bolschewiki endgültig von den übrigen Sozialdemokraten und holte Stalin ins Zentralkomitee [1]. Die Vorgeschichte des Jahres 1917 erklärt die Seite zur Russischen Revolution 1905 bis 1917.

Im Schweizer Exil

Den Ersten Weltkrieg verbrachte Lenin von 1914 an in der Schweiz [1]. Er forderte, den Krieg in einen Bürgerkrieg umzuwandeln, fand dafür aber keine Mehrheit [1]. 1916 schrieb er sein Buch über den Imperialismus, in dem er seine Theorie vom Niedergang der westlichen Industriestaaten entwickelte [1].

Die Rückkehr nach Petrograd 1917

In Petrograd begannen am 08.03.1917 die Streiks, aus denen die Februarrevolution wurde [3]. Am 15.03.1917 musste Zar Nikolaus II. abdanken [3]. Nach Verhandlungen mit der deutschen Regierung bestieg er am 09.04.1917 in Zürich einen Sonderzug, der ihn durch Deutschland brachte [3]. Am späten Abend des 16.04.1917 kam er in Petrograd an [3]. Nach dem in Russland damals geltenden julianischen Kalender war das der 3. April [2].

Ein leerer historischer Bahnsteig bei Nacht mit alter Dampflokomotive, Dampfschwaden und schwachen Gaslampen
Bild: KI-generiert

Einen Tag später trug er seine Aprilthesen vor [2]. Die bekannteste Forderung lautete "Alle Macht den Sowjets" [2].

Juliaufstand und Flucht nach Finnland

Am 01.07.1917 organisierte Lenin nach der Darstellung der Bundeszentrale für politische Bildung eine bewaffnete Demonstration von 400.000 Arbeitern und Matrosen [2]. Der Aufstand vom 16. bis 19.07.1917 wurde niedergeschlagen [2]. 800 Bolschewiki kamen in Haft, Lenin floh nach Finnland [2]. Am 20.10.1917 war er zurück in Petrograd [3].

Machtübernahme im November 1917

Am 23.10.1917 beschloss das Zentralkomitee der Bolschewiki den Sturz der Provisorischen Regierung [2]. Neun Mitglieder stimmten dafür, Lew Kamenew und Grigori Sinowjew waren dagegen [2]. Die Machtübernahme am 07.11.1917, nach altem Kalender dem 25. Oktober, verlief nach der bpb wesentlich unblutiger als die Februarrevolution [2]. Organisiert hatte sie Lew Trotzki [2]. Der Historiker Ernst Piper nennt die Oktoberrevolution "ein genau geplanter Militärputsch" [3]. Den Ablauf schildert die Seite zur Oktoberrevolution.

Auf dem II. Sowjetkongress ließ Lenin drei Dekrete bestätigen: den Ausstieg aus dem Krieg, die Erklärung von Grund und Boden zum Volkseigentum und die Bildung eines Rates der Volkskommissare unter seinem Vorsitz [2]. Am 15.11.1917 unterzeichneten Lenin und Stalin die Deklaration der Rechte der Völker Russlands, die Selbstbestimmung bis zur Loslösung zusagte [2].

Wahl und Auflösung der Konstituante

Bei der Wahl zur verfassunggebenden Versammlung am 08.12.1917 erhielten die Bolschewiki 23,8 Prozent der Stimmen, die Sozialrevolutionäre über 40 Prozent [2]. Als die Versammlung am 18.01.1918 zusammentrat, verweigerte sie den Bolschewiki die Übertragung der Macht [2]. Lenin ließ sie daraufhin mit Waffengewalt auflösen [2]. Am 05.02.1918 folgte ein Dekret über die Trennung von Kirche und Staat [2]. Am 10.07.1918 verabschiedete der V. Sowjetkongress die Verfassung der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik [2]. Noch 1917 war die Tscheka unter Felix Dserschinski entstanden, zugleich wurde die Pressefreiheit eingeschränkt [2]. Welche Rolle freie Presse in einem Rechtsstaat spielt, erklärt die Seite Pressefreiheit in Deutschland.

Brest-Litowsk und Bürgerkrieg

Die Friedensverhandlungen in Brest-Litowsk liefen vom 22.12.1917 bis zum 10.02.1918 und scheiterten zunächst [2]. Am 03.03.1918 nahm Lenin den Frieden an, den die bpb als "Diktatfrieden" bezeichnet [2]. Sowjetrussland verlor fast 30 Prozent seiner Vorkriegsbevölkerung und 18 Gouvernements [2]. Am 12.03.1918 wurde Moskau Hauptstadt [2].

Nach dem Deutschen Historischen Museum errichtete Lenin 1918 ein diktatorisches System [1]. Am 23.04.1918 sprach er in Moskau von einer "eisernen Diktatur des werktätigen Volkes" [4]. Die Todesstrafe, die mit der Oktoberrevolution abgeschafft worden war, kam unter ihm als Mittel gegen politische Gegner zurück [4]. Der Marineoffizier Alexei Schtschastny wurde im Mai 1918 verhaftet und am 22.07.1918 erschossen [4].

Den folgenden Bürgerkrieg zwischen "Roten" und "Weißen" datiert die bpb auf 1918 bis 1922, das Deutsche Historische Museum auf 1918 bis 1920 [1, 2]. Nach der bpb siegten die Bolschewiki vor allem wegen der straffen Organisation der Roten Armee unter Trotzki [2]. Gegen seine Gegner setzte Lenin in diesen Jahren Geheimdienst und Militär ein [1].

Das Attentat vom August 1918

Am 30.08.1918 trafen Lenin in Moskau zwei Kugeln in Brust und Schulter, als er eine Waffenfabrik verließ [4]. Er überlebte schwer verletzt [1, 4]. Verhaftet wurde die Sozialrevolutionärin Fanny Kaplan [4]. Nach einem Geständnis bei der Tscheka wurde sie vier Tage später ohne Prozess im Alexandergarten des Kremls hingerichtet [4]. Am selben 30.08.1918 wurde in Petrograd der dortige Tscheka-Leiter Moissei Urizki ermordet [4].

Roter Terror und Getreidepolitik

Am 08.08.1918 forderte Lenin nach der bpb, 25 Geiseln zu bestimmen, die bei Nichteinhaltung des Requisitionsplans mit ihrem Leben büßen sollten [2]. Den "Roten Terror" verkündete die Regierung nach der bpb-Darstellung von 2014 am 03.09.1918 [2]. Ernst Piper und eine bpb-Hintergrundseite von 2018 nennen für den Beschluss des Rates der Volkskommissare den 05.09.1918 [3, 4]. Er sah vor, Klassenfeinde in "Konzentrationslagern zu isolieren", erste Lager entstanden im August 1918 in Arzamas und Murom [4]. Für die ersten vier Jahre des "Oktoberregimes", 1918 bis 1922, schätzen Historiker nach der bpb 280.000 Todesopfer, ohne dass die bpb nennt, wer diese Schätzung erstellt hat [4]. Piper schreibt, bis zum Ende des Bürgerkriegs 1922 seien hunderttausende Menschen ums Leben gekommen [3].

Im Mai 1922 entwarf Lenin den Paragraphen 58 des Strafgesetzbuchs, der die Todesstrafe für politische Taten wie "Vaterlandsverrat" vorsah [4]. Er trat 1927 in Kraft und wurde 1934 verschärft [4]. Die bpb sieht im Roten Terror und in diesem Paragraphen eine Voraussetzung der späteren stalinistischen Säuberungen [4].

Ein Dekret vom 13.05.1918, das unter anderen Lenin unterzeichnet hatte, setzte die Abgabequoten für Getreide so hoch an, dass den Bauern kaum Saatgut blieb [2]. Der Hungersnot von 1921 und 1922 fielen nach der Einschätzung der Forschung, die die bpb wiedergibt, fünf Millionen Menschen zum Opfer [2]. Bei Pogromen töteten Soldaten und Menschenmengen zwischen 1917 und 1922 nach derselben Quelle an die 200.000 Juden [2].

Kronstadt und die Neue Ökonomische Politik

Im März 1921 erhoben sich die Matrosen von Kronstadt [2]. Am 18.03.1921 wurde der Aufstand niedergeschlagen, danach ergingen über 2.000 Todesurteile und rund 6.500 Verurteilungen zu Lagerhaft [2]. Wenige Tage später, am 23.03.1921, beendete die Regierung den Kriegskommunismus und führte die Neue Ökonomische Politik ein, kurz NEP [2]. Sie ließ wieder privaten Handel zu, und Lenin warb dafür, bürgerliche Fachleute einzusetzen [2]. Das Konsumniveau von 1914 erreichte das Land nach der bpb erst 1925 wieder [2].

Eine hölzerne Dorfmarkthalle mit Getreidesäcken und Gemüsekörben auf groben Tischen im Tageslicht
Bild: KI-generiert

Ende 1920 hatte der VIII. Rätekongress den GOELRO-Plan zur Elektrifizierung beschlossen [2]. Lenins Losung dazu lautete nach der bpb "Sowjetmacht plus Elektrifizierung gleich Kommunismus" [2]. 1919 gründete er die Kommunistische Internationale, die Komintern [1].

Die Gründung der Sowjetunion

Im Dezember 1922 beschloss der I. Sowjetkongress die Bildung der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken [2]. Lenin unterstützte nach der bpb die Republiken, die einen eigenen Republikstatus statt einer bloßen Autonomie verlangten [2]. Die Verfassung der Sowjetunion folgte 1923 und 1924 [2].

Krankheit, Testament und Tod

Lenin erlitt insgesamt vier Schlaganfälle [2]. Ab 1922 trat er nicht mehr öffentlich auf [2]. In einem Brief an den Parteitag vom 25.12.1922, ergänzt am 04.01.1923, warnte er vor Stalin, der "eine unermeßliche Macht in seinen Händen konzentriert" habe [2]. Durchsetzen konnte er sich damit nicht mehr [1]. Einen Nachfolger hatte er nicht aufgebaut, weil er nach der bpb kein Mitglied des Politbüros für geeignet hielt [2]. Der 13. Parteitag 1924 lehnte einen Rücktritt Stalins ab, und Stalin ließ das Dokument verschließen [2]. Öffentlich zitierte es erst Nikita Chruschtschow 1956 in seiner Geheimrede [2]. Wie Stalin die Macht danach ausbaute, beschreibt die Seite über Josef Stalin.

Am 21.01.1924 starb Lenin in Gorki bei Moskau [1, 2]. Er hatte sich ein einfaches Erdbegräbnis gewünscht [2]. Das Politbüro ließ ihn trotzdem einbalsamieren [2]. Sein Leichnam liegt im Mausoleum auf dem Roten Platz, das nach Plänen von Alexei Schtschusew 1930 fertig wurde [1, 2]. Noch 1924 erhielt Petrograd den Namen Leningrad [2].

  1. Wladimir Iljitsch Lenin 1870 bis 1924 (LeMO Biografie). Manfred Wichmann, Deutsches Historisches Museum. Stand 14.09.2014. abgerufen am 29.10.2026
  2. Behörde Der Sieg der Bolschewiki (Informationen zur politischen Bildung, Sowjetunion I: 1917 bis 1953). Susanne Schattenberg, Maike Lehmann, Alexandra Oberländer, Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 05.08.2014. abgerufen am 29.10.2026
  3. Behörde Russische Revolution. Ernst Piper, Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 24.08.2018. abgerufen am 29.10.2026
  4. Behörde Vor 100 Jahren: Beschluss des "Roten Terrors" (Hintergrund aktuell). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 04.09.2018. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.