Weltregionen und LänderRatgeber
Die Geschichte Europas: von der Antike bis zur Europäischen Union
Die Geschichte Europas reicht von den griechischen Stadtstaaten und dem Römischen Reich über Mittelalter, Reformation und Französische Revolution bis zu den Weltkriegen und der Europäischen Union. Den Namen Europa verwendeten die Griechen um 500 v. Chr. für den ganzen Erdteil. Nach 1945 begann mit der Montanunion von 1951 die europäische Einigung.

Die Geschichte Europas reicht von den griechischen Stadtstaaten über Rom und das Mittelalter bis zur Europäischen Union. Der Name ist älter als die Vorstellung vom Kontinent. Die Griechen bezeichneten mit "Europa" zuerst Mittelgriechenland, dann ganz Griechenland und um 500 v. Chr. den ganzen Erdteil [1]. Wie eng Europa mit seinen Nachbarregionen verflochten war, zeigen die Artikel zum Mittelmeerraum und zum Nahen Osten.
Woher der Name Europa kommt
In der griechischen Sage war Europa eine phönizische Königstochter aus Tyros, so überliefert es Herodot. Zeus entführte sie in Gestalt eines weißen Stiers nach Kreta, wo sie drei Söhne bekam, darunter Minos [1]. Der Historiker Mark Cartwright hält es für möglich, dass sich in der Sage die phönizische Besiedlung des Mittelmeerraums spiegelt [1]. Herodot selbst schrieb, er könne nicht herausfinden, warum der Erdteil gerade nach Europa benannt worden sei [1].
Was der Name bedeutet, ist bis heute unsicher. Eine Deutung lautet "die mit dem breiten Gesicht", womit vermutlich der Vollmond gemeint war. Eine andere zerlegt das Wort und liest es als "gut bewässert" [1].
Antike: Athen und Rom
In Athen setzte Kleisthenes 508/507 v. Chr. Reformen durch, mit denen die Demokratie begann. Sie bestand bis etwa 322 v. Chr., als Athen nach dem Tod Alexanders des Großen dem makedonischen Reich eingegliedert wurde [2]. Mitbestimmen durften nur die Vollbürger. Nach Hans Vorländer waren das etwa 30.000 von rund 200.000 Einwohnern. Frauen, Sklaven und Metöken, also ansässige Fremde ohne Bürgerrecht, blieben ausgeschlossen [2]. Mehr dazu steht im Artikel Das antike Griechenland.

Im Römischen Reich teilte Kaiser Diokletian um 285/286 die Herrschaft in eine West- und eine Osthälfte [3]. Als Ende des Westreichs gilt traditionell der 4. September 476. An diesem Tag setzte Odoaker den Kaiser Romulus Augustulus ab. Manche Historiker datieren das Ende auf 480, das Todesjahr des Kaisers Julius Nepos [3]. Die Osthälfte bestand als Byzantinisches Reich weiter.
Mittelalter: Frankenreich und Pest
Karl der Große war seit 768 König der Franken, seit 774 auch der Langobarden. Am 25. Dezember 800 krönte ihn Papst Leo III. in Rom zum Kaiser [4]. Nach der World History Encyclopedia wird er oft als "Vater des modernen Europas" bezeichnet [4]. Wie sein Reich entstand und wieder zerfiel, erklärt der Artikel Das Fränkische Reich.
Vermutlich 1347 brachten genuesische Getreideschiffe aus Caffa am Schwarzen Meer die Seuche nach Sizilien, bis Ende 1349 hatte sie Westeuropa erreicht [5]. Mark Cartwright schätzt die Zahl der Toten in Europa zwischen 1347 und 1352 auf 25 bis 30 Millionen. Im Durchschnitt starben etwa 30 Prozent der Bevölkerung in den betroffenen Gebieten, in den am schwersten getroffenen Städten nach manchen Historikern etwa die Hälfte [5]. Er weist darauf hin, dass mittelalterliche Angaben oft übertrieben sind [5]. Den Verlauf beschreibt der Artikel Der Schwarze Tod.
Reformation und Glaubenskriege
Die Reformation wird oft mit den 95 Thesen Martin Luthers verbunden, die auf den 31. Oktober 1517 datiert sind. Den Anschlag der Thesen hält der Historiker Axel Gotthard für sehr wahrscheinlich eine Legende [6]. Erst Philipp Melanchthon berichtete nach Luthers Tod davon, und ein Brief Luthers vom selben Tag an seine kirchlichen Oberen spricht gegen einen öffentlichen Akt [6]. Die Folgen für Kirche und Politik zeigt der Artikel Die Reformation.
Der Dreißigjährige Krieg von 1618 bis 1648 war nach dem Politikwissenschaftler Herfried Münkler zugleich ein Bürgerkrieg und ein Hegemonialkrieg. Spanien, Dänemark und Schweden griffen ein, ab 1634 auch Frankreich offen. Münkler spricht von einer Pentarchie, einer Vorherrschaft von fünf Staaten [7]. Auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands starb etwa ein Drittel der Bevölkerung. Münkler schreibt, der Krieg habe dort stärker in die Bevölkerungsentwicklung eingegriffen als die beiden Weltkriege zusammen [7].
Revolution und Industrialisierung
Für den Historiker Ernst Piper war die Französische Revolution von 1789 die erste Revolution der europäischen Geschichte. Ihre Ideen fasst er in den Worten Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit zusammen, verbunden mit Volkssouveränität, Menschenrechten und liberalem Verfassungsstaat [8]. Unter Napoleon Bonaparte führte Frankreich Angriffskriege, 1806 endete das Heilige Römische Reich. Der Wiener Kongress von 1815 setzte die Bourbonen in Frankreich wieder ein [8]. Den Ablauf schildert der Artikel Die Französische Revolution.

Etwa zur selben Zeit veränderte die Industrialisierung die Wirtschaft. Nach dem Wirtschaftshistoriker Ulrich Pfister setzte sie in Großbritannien in den 1760er Jahren ein. Die Ära der Industriellen Revolution in England datiert er auf etwa 1770 bis 1850, in Deutschland die erste Phase der Industrialisierung auf die 1840er bis 1870er Jahre [9]. Treibende Kräfte waren die Mechanisierung der Baumwollverarbeitung, der Übergang zur Steinkohle und die Dampfmaschine. Dampfeisenbahnen fuhren ab den 1830er Jahren [9].
Europa und die Welt
Der atlantische Sklavenhandel verschleppte vom 16. bis ins 19. Jahrhundert Menschen aus Afrika nach Amerika. Die Datenbank Voyages erfasst mehr als 35.000 Fahrten von Sklavenschiffen. Sie schätzt, dass 12,5 Millionen Menschen in Afrika eingeschifft wurden und etwa 10,7 Millionen Amerika lebend erreichten [11]. Mehr dazu im Artikel Der atlantische Sklavenhandel.
Im 19. Jahrhundert teilten die europäischen Mächte Afrika weitgehend unter sich auf. Bis 1914 waren nach der Historikerin Gabriele Metzler nur Liberia und Abessinien frei von europäischem Zugriff [10]. Auf der Berliner Konferenz 1884/85 legten Vertreter der europäischen Mächte und der USA fest, dass eine koloniale Inbesitznahme "effektiv" sein musste, um anerkannt zu werden [10]. In Asien war Großbritannien die stärkste europäische Macht, unter anderem mit Indien, Burma, Ceylon, Singapur und Hongkong [10].
Nach 1945 wurden die Kolonien unabhängig, oft erst nach langen Kämpfen. Indien wurde am 15. August 1947 unabhängig und dabei in Indien und Pakistan geteilt. Im "Jahr Afrikas" 1960 wurden 17 Staaten südlich der Sahara unabhängig [20]. In Algerien kämpften die Befreiungsfront FLN und andere Bewegungen acht Jahre gegen französische Truppen und Siedler, im Juli 1962 wurde das Land unabhängig [20]. Den Ablauf beschreibt der Artikel Die Dekolonisierung.
Zwei Weltkriege
Im Ersten Weltkrieg begannen die Kampfhandlungen nach der Darstellung des Deutschen Historischen Museums am 2. August 1914 ohne offizielle Kriegserklärung mit der deutschen Besetzung Luxemburgs [12]. Allein bei Verdun verloren 1916 beide Seiten zusammen über 700.000 Mann. Am 11. November 1918 wurde der Waffenstillstand unterzeichnet [12].
Der Zweite Weltkrieg begann am 1. September 1939 mit dem deutschen Überfall auf Polen. Weltweit fielen ihm nach den Angaben des Museums mehr als 50 Millionen Soldaten und Zivilisten zum Opfer [13]. Die Sowjetunion verlor über 25 Millionen Menschen, Polen rund 6 Millionen, etwa 17 Prozent seiner Vorkriegsbevölkerung [13]. Die Wehrmacht unterzeichnete die Kapitulation am 7. Mai 1945 in Reims und wiederholte sie am 8./9. Mai in Berlin-Karlshorst [13].
Das United States Holocaust Memorial Museum beschreibt den Holocaust als systematische, staatlich organisierte Verfolgung und Ermordung von sechs Millionen europäischen Jüdinnen und Juden und setzt ihn auf die Jahre 1933 bis 1945 an [14]. Die Nationalsozialisten verfolgten und ermordeten außerdem mehrere Millionen Menschen aus anderen Gruppen [14]. Mehr dazu in den Artikeln Der Holocaust und Der Porajmos.
Teilung und Einigung
Am 9. Mai 1950 schlug der französische Außenminister Robert Schuman vor, die Kohle- und Stahlindustrie westeuropäischer Länder zusammenzulegen. Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg und die Niederlande unterzeichneten am 18. April 1951 den Vertrag über die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl [16]. Am 25. März 1957 folgten die Römischen Verträge über die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft und die Europäische Atomgemeinschaft [16].

Im November 1989 fiel die Berliner Mauer, danach endete die kommunistische Herrschaft in ganz Osteuropa. Am 25. Dezember 1991 trat Michail Gorbatschow als Präsident der Sowjetunion zurück, am selben Tag wurde die sowjetische Flagge über dem Kreml zum letzten Mal eingeholt [15]. Den Hintergrund erklärt der Artikel Der Kalte Krieg.
Der Vertrag von Maastricht wurde am 7. Februar 1992 unterzeichnet und begründete mit seinem Inkrafttreten am 1. November 1993 die Europäische Union [17]. Am 1. Mai 2004 traten zehn Staaten bei, darunter Polen, Tschechien, Estland, Lettland und Litauen. Die EU sieht darin die Überwindung der Spaltung Europas nach dem Zweiten Weltkrieg [18]. Am 10. Dezember 2012 erhielt sie in Oslo den Friedensnobelpreis [19]. Im Juni 2016 stimmten 52 Prozent der britischen Wählerinnen und Wähler für den Austritt, am 31. Januar 2020 verließ das Vereinigte Königreich die EU [19]. Die einzelnen Schritte beschreibt Die Geschichte der Europäischen Union. Wie das Europäische Parlament heute gewählt wird, erklärt der Beitrag Die Europawahl auf demokratie.domain-root.de.
Die wichtigsten Daten
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| um 500 v. Chr. | "Europa" bezeichnet bei den Griechen den ganzen Erdteil [1] |
| 508/507 v. Chr. | Reformen des Kleisthenes in Athen [2] |
| 04.09.476 | Odoaker setzt Romulus Augustulus ab [3] |
| 25.12.800 | Kaiserkrönung Karls des Großen [4] |
| 1347 bis 1352 | Erste große Pestwelle in Europa [5] |
| 31.10.1517 | Datum der 95 Thesen Luthers [6] |
| 1618 bis 1648 | Dreißigjähriger Krieg [7] |
| 1789 | Französische Revolution [8] |
| 1884/85 | Berliner Konferenz [10] |
| 1914 bis 1918 | Erster Weltkrieg [12] |
| 1939 bis 1945 | Zweiter Weltkrieg [13] |
| 18.04.1951 | Vertrag über die Montanunion [16] |
| 25.12.1991 | Rücktritt Gorbatschows, Ende der Sowjetunion [15] |
| 07.02.1992 | Unterzeichnung des Vertrags von Maastricht [17] |
| 01.05.2004 | Beitritt von zehn Staaten zur EU [18] |
| 31.01.2020 | Austritt des Vereinigten Königreichs [19] |
- Mark Cartwright: Europa. World History Encyclopedia. Stand 25.10.2018. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Hans Vorländer: Grundzüge der athenischen Demokratie (Informationen zur politischen Bildung, Demokratie). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 04.05.2017. abgerufen am 29.10.2026
- Joshua J. Mark: Western Roman Empire. World History Encyclopedia. Stand 27.09.2019. abgerufen am 29.10.2026
- Joshua J. Mark: Charlemagne. World History Encyclopedia. Stand 25.03.2019. abgerufen am 29.10.2026
- Mark Cartwright: Black Death. World History Encyclopedia. Stand 05.04.2023. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Axel Gotthard: Schlaglicht 1517: der sogenannte Thesenanschlag (Dossier Reformation). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 18.01.2017. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Herfried Münkler: Der Dreißigjährige Krieg. Ein Bürgerkrieg, der zugleich ein Hegemonialkrieg war (Aus Politik und Zeitgeschichte). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 20.07.2018. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Ernst Piper: Französische Revolution (Informationen zur politischen Bildung aktuell). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 24.08.2018. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Ulrich Pfister: Einführung, Vorgeschichte der Industrialisierung (Kurzskript zur Vorlesung Industrialisierung, WS 2021/22). Universität Münster, Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte. Stand 12.10.2021. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Gabriele Metzler: Die Epoche des Hochimperialismus (Informationen zur politischen Bildung 338). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 20.11.2018. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Justin Roberts: Voyages: The Trans-Atlantic Slave Trade Database (Rezension Nr. 964). Reviews in History, Institute of Historical Research. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Burkhard Asmuss, Manfred Wichmann: Kriegsverlauf (LeMO, Erster Weltkrieg). Deutsches Historisches Museum. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Arnulf Scriba: Kriegsverlauf (LeMO, Der Zweite Weltkrieg). Deutsches Historisches Museum. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Einführung in den Holocaust (Holocaust-Enzyklopädie). United States Holocaust Memorial Museum. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde The Collapse of the Soviet Union (Milestones in the History of U.S. Foreign Relations). U.S. Department of State, Office of the Historian. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Geschichte der EU: 1945 bis 1959. Europäische Union. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Geschichte der EU: 1990 bis 1999. Europäische Union. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Geschichte der EU: 2000 bis 2009. Europäische Union. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Geschichte der EU: 2010 bis 2019. Europäische Union. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Gabriele Metzler: Die Auflösung der europäischen Imperien und ihre Folgen (Informationen zur politischen Bildung 338). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 20.11.2018. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
Weitere Artikel
RegionenDie Geschichte Afrikas im ÜberblickGeschichte Afrikas: frühe Menschen, Ägypten und Kusch, Karthago, Reiche und Handel, Sklavenhandel, Kolonialzeit …
RegionenDie Geschichte Amerikas von den ersten Menschen bis heuteGeschichte Amerikas im Überblick: erste Besiedlung, Maya, Mexica und Inka, Eroberung und Kolonialzeit, Unabhängigkeit und …
RegionenDie Geschichte Asiens im ÜberblickAsiens Geschichte von der Indus-Kultur über China, die Steppenreiche, Angkor und das Mogulreich bis zu Kolonialzeit, Krieg …