Antike und AltertumRatgeber
Das antike Griechenland: von den mykenischen Palästen bis Rom
Das antike Griechenland umfasst die Geschichte der Griechen von der mykenischen Kultur im 2. Jahrtausend v. Chr. bis zur römischen Herrschaft. Die Forschung unterscheidet die Archaische Zeit (etwa 800 bis 500 v. Chr.), die Klassische Zeit (etwa 500 bis 336 v. Chr.) und den Hellenismus (etwa 336 bis 30 v. Chr.). In diese Zeit fallen die Entstehung der Stadtstaaten, die Perserkriege und die Demokratie in Athen.

Das antike Griechenland war nie ein einheitlicher Staat. Es bestand aus vielen selbstständigen Stadtstaaten, den Poleis, auf dem griechischen Festland, den Inseln und später auch in Siedlungen an den Küsten von Mittelmeer und Schwarzem Meer [2].
Die Forschung teilt die Zeit in Abschnitte ein. Auf die mykenische Kultur folgten die Dunklen Jahrhunderte von etwa 1050 bis 800 v. Chr., die Archaische Zeit von etwa 800 bis 500 v. Chr., die Klassische Zeit bis 336 oder 323 v. Chr. und der Hellenismus bis 30 v. Chr. [2].
| Epoche | Zeitraum (v. Chr.) | Kennzeichen |
|---|---|---|
| Mykenische Kultur | etwa 1600 bis 11. Jahrhundert | Palastzentren, Schrift Linear B |
| Dunkle Jahrhunderte | etwa 1050 bis 800 | Ende der Paläste, kleine Siedlungen |
| Archaische Zeit | etwa 800 bis 500 | Polis, Kolonisation, Homer |
| Klassische Zeit | etwa 500 bis 336/323 | Perserkriege, Demokratie in Athen |
| Hellenismus | etwa 336 bis 30 | Alexander und die Nachfolgereiche |
Mykenische Paläste und Linear B
Die erste griechische Hochkultur ist nach der Burg Mykene benannt. Sie begann je nach Datierung um 1680 oder um 1600/1550 v. Chr. und reichte bis ins 11. Jahrhundert v. Chr. [3]. Um 1400 v. Chr. entwickelten sich Mykene, der Palast bei Pylos, Theben und Athen zu großen regionalen Zentren [3]. Auch Tiryns blieb ein wichtiger Ort. Mykene und Tiryns waren nach der UNESCO die beiden größten Städte der mykenischen Kultur, die vom 15. bis zum 12. Jahrhundert v. Chr. den östlichen Mittelmeerraum prägte [3, 7]. Ihre Schreiber benutzten eine Silbenschrift, die Linear B. Michael Ventris und John Chadwick entzifferten sie 1952 und zeigten, dass sie eine frühe Form des Griechischen wiedergibt [3].

Kurz nach 1200 v. Chr. wurden viele Siedlungen zerstört, vor allem die Paläste, und ihre Wirtschaftsform endete [3]. Warum, ist umstritten. Diskutiert werden innere Konflikte, Angriffe von außen und ein Erdbeben [3]. Die ältere Kultur auf Kreta stellt der Artikel über die Minoer vor, die Sagen um Troja der Artikel zum Trojanischen Krieg.
Polis und Kolonisation
Die Polis, der selbstständige Stadtstaat mit seinem Umland, entstand vor allem im 8. Jahrhundert v. Chr. [2]. In dieser Zeit wurden auch die Epen "Ilias" und "Odyssee" aufgeschrieben, wahrscheinlich um 700 v. Chr. [2]. Zwischen etwa 750 und 550 v. Chr. gründeten Griechen Siedlungen an den Küsten des Mittelmeers und des Schwarzen Meeres [2]. Korinth und Eretria waren wichtige Mutterstädte, Akragas und Sybaris gehörten zu den großen Pflanzstädten in Italien und auf Sizilien [2].

Ein gemeinsamer Bezugspunkt waren die Spiele in Olympia zu Ehren des Zeus. Nach antiker Überlieferung fanden sie erstmals 776 v. Chr. statt [4, 6]. Die Archäologie belegt sportliche Wettkämpfe dort allerdings erst ab etwa 700 v. Chr. [4]. Die Spiele kehrten alle vier Jahre wieder, und das Heiligtum wurde 393 n. Chr. offiziell geschlossen [4]. Im Zeustempel stand die Statue des Zeus von Phidias, und 426 n. Chr. zerstörte ein Brand den Tempel [4]. Neuere Grabungen deuten darauf hin, dass in kleinem Rahmen noch bis ins 6. Jahrhundert Wettkämpfe stattfanden [4]. Mehr dazu steht im Artikel über die Olympischen Spiele der Antike.
Die Perserkriege
Um 500 v. Chr. erhoben sich die griechischen Städte in Ionien an der Westküste Kleinasiens gegen die persische Herrschaft. Der Aufstand dauerte bis 494 v. Chr. [2]. Danach griffen die Perser das griechische Festland an. 490 v. Chr. siegten die Athener bei Marathon [2]. Zehn Jahre später, 480 v. Chr., folgten die Kämpfe an den Thermopylen und die Seeschlacht bei Salamis, 479 v. Chr. die Schlacht bei Plataiai [2]. Aus der Abwehr der Perser entstand 478/477 v. Chr. der Attische Seebund unter Führung Athens [2]. Den Gegner von damals beschreibt der Artikel über das Perserreich.
Die Demokratie in Athen
In Athen gingen die Reformen Solons von 594 v. Chr. der Demokratie voraus [1]. Die eigentliche Grundlage legte Kleisthenes 508/507 v. Chr. Er teilte die Bürgerschaft in zehn Phylen und schuf einen Rat der 500 mit je 50 Mitgliedern aus jeder Phyle [1]. Darunter standen 30 Trittyen, je zehn aus den drei Landesteilen Stadt, Küste und Binnenland [1]. Die alten Verbände nach Herkunft verloren damit ihre politische Bedeutung, Grundlage der neuen Ordnung wurden die Demen, die Gemeinden mit eigener Selbstverwaltung [1]. Die direkte Demokratie bestand in Athen von 508/507 bis 322 v. Chr. [1].

Das wichtigste Organ war die Volksversammlung. Sie trat etwa 40 Mal im Amtsjahr zusammen, jeweils höchstens einen Tag lang, und jede Sitzung wurde vier Tage vorher öffentlich angekündigt [1]. Für gültige Beschlüsse waren mindestens 6.000 Teilnehmer nötig [1]. Als Richter wurden jedes Jahr 6.000 Bürger ausgelost, etwa ein Fünftel der Bürgerschaft [1]. Bei öffentlichen Prozessen urteilten rund 500 von ihnen gemeinsam [1]. Um 403/402 v. Chr. kamen die Nomotheten hinzu, eigene Gremien für die Gesetzgebung [1]. Mit dem Scherbengericht, dem Ostrakismos, konnte die Versammlung einen Bürger für zehn Jahre verbannen. Das erste Verfahren dieser Art fand 487 v. Chr. statt, das letzte 417 v. Chr. [1].
Perikles, der etwa von 500 bis 429 v. Chr. lebte, bestimmte die Politik Athens über mehr als 30 Jahre und schloss einen auf 15 Jahre angelegten Frieden mit Sparta [1]. Er führte Tagegelder ein, damit auch ärmere Bürger ein Amt übernehmen konnten, ohne ihren Lohn zu verlieren [1]. Mitbestimmen durfte allerdings nur ein kleiner Teil der Bevölkerung. Frauen, Sklaven und Metöken, also Zugezogene ohne Bürgerrecht, waren ausgeschlossen [1]. Von etwa 200.000 Einwohnern waren rund 30.000 Männer Vollbürger [1].
Wie sich die Idee der Volksherrschaft seitdem entwickelt hat, zeigt der Artikel Die Geschichte der Demokratie. Den Unterschied zwischen direkter und repräsentativer Demokratie erklärt Direkte und repräsentative Demokratie.
Athen gegen Sparta
Der Machtzuwachs Athens führte zum Konflikt mit Sparta, der stärksten Landmacht. Von 431 bis 404 v. Chr. kämpften beide Städte mit ihren Verbündeten im Peloponnesischen Krieg, mit Unterbrechungen [1, 2]. Athen unterlag. In den Jahren 411/410 und 404/403 v. Chr. übernahmen in Athen zeitweise Oligarchen die Macht [1]. Der Geschichtsschreiber Thukydides beschrieb den Krieg bis zum Jahr 411 v. Chr. [2]. Sein Vorgänger Herodot gilt als "Vater der Geschichtsschreibung" [2].
Wenige Jahre nach dem Krieg, 399 v. Chr., verurteilte ein athenisches Gericht den Philosophen Sokrates wegen Gottlosigkeit und Verderbens der Jugend zum Tod [5]. Mit 281 von 501 Stimmen wurde er schuldig gesprochen, danach mit 361 Stimmen zum Tod verurteilt; er starb durch den Schierlingsbecher [5]. Eine Flucht aus dem Gefängnis lehnte er nach der Überlieferung aus Achtung vor den Gesetzen ab [5]. Sokrates selbst schrieb nichts. Was man von ihm weiß, stammt vor allem von seinen Schülern Platon und Xenophon [5].
Makedonien und der Hellenismus
Im 4. Jahrhundert v. Chr. stieg im Norden Makedonien auf. Philipp II. wurde 359 v. Chr. König [2]. 338 v. Chr. besiegte er Athen und seine Verbündeten bei Chaironeia und gründete 337 v. Chr. den Korinthischen Bund mit sich selbst als Anführer [2]. Nach seiner Ermordung 336 v. Chr. folgte ihm sein Sohn Alexander, der 334 v. Chr. zum Feldzug gegen Persien aufbrach [2]. Als er 323 v. Chr. starb, teilten seine Feldherren das Reich unter sich auf [2]. Sein Leben erzählt der Artikel über Alexander den Großen.
Aus Alexanders Reich gingen mehrere Nachfolgereiche hervor. Die Ptolemäer herrschten über Ägypten, die Seleukiden über Syrien, die Antigoniden versuchten, die makedonische Vormacht in Griechenland wiederherzustellen [2]. Athen versuchte im Lamischen Krieg 323 bis 322 v. Chr. vergeblich, seine Macht zurückzugewinnen [2].
Der Weg unter die Herrschaft Roms
Seit dem 2. Jahrhundert v. Chr. griff Rom in Griechenland ein. 196 v. Chr. verkündete der römische Feldherr Flamininus die "Freiheit" der Griechen, die Vormacht blieb aber bei Rom [2]. Nach der Schlacht von Pydna 168 v. Chr. spielte Makedonien als Macht keine Rolle mehr [2]. 146 v. Chr. zerstörten die Römer Korinth und richteten die Provinz Macedonia ein [2]. Mit dem ptolemäischen Ägypten endete 30 v. Chr. das letzte hellenistische Reich, und 27 v. Chr. wurde Mittel- und Südgriechenland zur Provinz Achaea [2]. Wie es weiterging, steht im Artikel über das Römische Reich.
- Behörde Hans Vorländer: Grundzüge der athenischen Demokratie (Informationen zur politischen Bildung, Demokratie). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 04.05.2017. abgerufen am 29.10.2026
- Antikes Griechenland. Wikipedia (deutsch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Mykenische Kultur. Wikipedia (deutsch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Olympische Spiele der Antike. Wikipedia (deutsch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Sokrates. Wikipedia (deutsch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Archaeological Site of Olympia. UNESCO-Welterbezentrum. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Archaeological Sites of Mycenae and Tiryns. UNESCO-Welterbezentrum. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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